Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. '6 das „Haiikwah* ins Tal. Zu Purim wollen wir „Doktor Kohn“ auflühren. — In allen anderen Ortsgruppen Italiens herrscht ein ähnliches Leben. Internationaler Kinderaustausch. Mailand. Die „Jüdische Zeitung“ hat bereits ror einigen Wochen über das Komitee berichtet, das sLh hier auf Anregung -von Gg. Laura Garsin gebildet hat und welches bezweckt, den Austausch von jüdischen Kindern zwischen Italien und den anderen Ländern zu fördern. Inzwischen ist schon mit einigen Kindern der Anfang gemacht -worden, und zwar mit dem allerbesten Erfolg. Gegenwärtig liegen dem Komitee wieder eine Reihe von Anträgen vor, leider . beteiligten sich bisher nur französische und Schweizer Familien, es wäre zu wünschen, dass auch deutsche und österreichische dem Beispiel folgten. So möchte z. B. eine florentinische Familie ihren 9—12 Jahre alten Kindern einen ' deutschsprechenden, gesunden und wohlerzogenen Knaben gerne auf einige Zeit zum Gefährten geben; eine Familie in Stresa (Laggo Maggore) und eine in Verona möchten ihren Knaben auf einige Zeit gegen einen deutschsprechenden lauschen. Offerte sind zu richten an Signorina Laura Gar sin, Mailand, Via Lazzaretto 17, welche auch alle gewünschten Auskünfte gibt. . Amerika. Dr. Birnbaum in Amerika. (Von unserem Spezialkorrespondenten.) K New York. Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. Birnbaum weilt jetzt als Gast der amerikanischen Judenheit in New-Yörk. Bei seinem Eintreffen wurde er von einer ungeheueren Menge, vornehmlich Zionisten, empfangen. Am vierten Tage nach seiner Ankunft arrangierte man ihm zu Ehren einen Festabend. Der .abend war glänzend. Der mächtige Saal, der 4000 Menschen fasst, war voll. Das Parkett war mit den vornehmsten und bedeutendsten Männern der New-Yrorker Judenheit besetzt Die Redner begrüssten ihn und hoben seine Verdienste’hervor. Als sich Dr. Birnbaum erhob, um zu danken, wurden ihm Ovationen dargebracbt. Mit Tränen in den Augen dankte Doktor Birnbaum für die ihm erwiesene. Ehre. Der Abend war einer der glänzendsten Abende, die je in New-York veranstaltet wurden. Am 16. v. M. veranstalteten die Joung Autro Hongarian Sionists für Dr. Birnbaum einen Ehrenahend, auf welchem dieser vor einer dicht gedrängten Menge die Lage der Juden in Oesterreich, wie auch den Kampf bei den Reichsratswahlen schilderte. Doktor Birnbaum wird ausserdem über Einladung der Leitung der zionistischen Federation Vorträge über Nationalismus halten. Dr. Birnbaum wird ganz Amerika bereisen, um die Lage der Juden in der neuen Welt gründlich kennen zu lernen. David Wolffsohn in Osijek. (Von unserem E*seger Korrespondenten.) Osijek den 4. Februar 1908. Mit dem gestrigen Tage wurde die zionistische Bewegung in Kroatien, Slawonien und Bosnien durch das Eingreifen des Präsidenten der Weltorganisation, Herrn David Wolffsohn, in hohem Masse gefördert. Herr David Wolffsohn sprach gestern abend in einer von nahezu 400 Personen besuchten Versammlung im grossen Saale des Osijek-oberst Kasino Vereines, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Herr David Wolffsohn sprach gestern zum ersten Male in Oesterreich-Ungarn in einer .öffentlichen Versammlung. Er erklärte, dass er der Einladung des Vereines gefolgt sei, weil er in den Verein „Theodor H.-rzl“ grosse Hoffnungen setze und von Osijek aus ZU ganz Kroatien, Slawonien und Bosnien spreche. Und in der Tat waren * zahlreiche Gesinnungsgenossen aus Bosnien eigens zur zur Versammlung herbeigeedt — wobei sie eine Eisenbahnfahrt von 24 Stunden mitmachen mussten — um den Präsidenten zu hören, so unter anderen Albert A 1 c a 1 a y, D.-Tuzla^ Rabbiner Dr. Urbach, D-Tuzla, Arpad Weiler, Prijedor und S. Me worach, Prijedor. Auch aus d«-r Umgebung Osijeks waren Gesinnungsgenossen erschienen, darunter aus Djakovo, Nasice, Susine-Gjurgjenovac, Valpovo, Belisce etc. Das Gross des Publikums rekrutierte sich aus Osijek selbst. Alle Schichten der jüdischen Bevölkerung Osijeks waren vertreten^ Die jüdische Haute volee war noch nie in so stattlicher Zahl ausgerückt. Der Präsident des zionistischen Vereines „ Theodor Her'zl “ Herr J. N. Schulhof, eröffnete um Uhr abends die Versammlung, indem er alle Erschienenen begrüsste. Er ersuchte hiprauf die Gg. Dr. Kohlbach, Dr. Spitzer und Leopold Singer, den Präsidenten Wolffsohn in die Versammlung einzuhölen. Unterdessen gelangten die eingislaufenen Begrüssungstelegramme zur Verlesung, darunter vom A.-K.-Mitglied. Doktor Alcalay, Belgrad, N. Landau, Bjelina, Gustav Seidemann, Prijedor, Aladar Merkler, Sarajewo, Dr. H. E. Kaufmann, Virovitica, Rabb. Saul Stern, Brod a. S., Rahb. Dr. Märgel; Pozega, ferner aus Krizevci,-Zagreb, Zemun und anderen: Orten. - Beim Erscheinen wird Präsident Wolffsohn mit stürmischen Hedadrufen empfangen. Seine imposante Gestalt und der Wohlklang seiner Stimme nehmen die Zuhörer sofort gefangen. In fünfviertelslündiger Rede führte W ol f f s o h n die Grundidee des Zionismus aus, widerlegte die gegen die Durchführbarkeit unserer Idee erhobenen Bedenken und sagte dann auf seinen letzten Aufenthalt in Konstantinopel übergehend, wörtlich folgendes: „Ich kann versichern, dass die türkische Regierung unsere Bewegung durchaus nicht für eine Utopie hält und dass sie immer mehr zur Ueberzeugung kommt, dass es nicht nur den Juden, nich t nur Palästina, sondern auch dem tü r k ischen R eiche selbst grosse Vort e il e bieten wird, wenn die grosse jüdische Einwanderung vol 1 bracht.sei n wird, und dass dies heute nicht mehr an der türkischen Regier u ng, sondern an uns selbst liegt. Wenn das jüdische Volk er st den W i II e n haben, wird, wenn die Mittel vorhanden sein werden, dann bin icR sicher,dass auch a II e Nieh t j üd en auf unserer Seite sein werden.“ Herr Wo lffsohn sprach sodann über die Institutionen des Zionismus und gab eine .Uebersicht über die bisherigen Leistungen und Erfolge der zionistischen Bewegung. Längere Zeit verweilte der Präsident bei der gegenwärtig wichtigen Institution, dem Parteifond. . Nach der Rede, die mit jubelndem, nicht enden wollenden Beifall 'aufgenommen wurde und einen Sturm der Begeisterung entfesselte, dankte Herr. S ch ul hof dem Vortragenden für seine überzeugenden und begeisternden Ausführungen. Der grösste Teil der Anwesenden nahm hierauf an dein im Grand Hotel Weingruber abgehaltenen Kommers zu Ehren des Präsidenten Wolffsohn teil. Beim Kommers ergriffen u. a. das Wort: Dr. Hugo Spitzer, I.'N., Schulhof, Oberrabbiner, Dr. Simon Ungar (Osijek), Samuel Wolf, I. G. Kraus. Der Kommers, der einen animierten Verlaut nahm dauerte bis 1 Uhr. Die gestern eingeleitete Sammlung für den Parteifonds ergab, bereits die Summe von K 220.—. Der Nationalfonds wurde ebenfalls reichlich: bedacht. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Brünn. Am 18. Jänner I. J. veranstaltete die jüd.-akad. Verbindung „Veritn*“ in Brünn in d»n F-stsälen des „Grand Kötel“ ihren diesjährigen Kommers, der aus A . la--s des 25-semesirigen Bestandes der Verbindung den C iarakter eines Stiftungsfestes trug.- Gleichzeitig gestaltete er sich zu einer Kundgehu g der Brünn**r zionistibchen Studentenschaft; die es ver-tanden hat, steh hier, in d*r Hö*hburg der Assimilation, durch ihr ehrliches Auftreten einen unbestrittenen Plaiz in der jüdischen Ges-lls -haft zu erringe". — Nach Absingung des „Gaudeamus“ begrüsste der Herr cand. ing. Richard Berger die in im-: posanter Anzahl erschienen Gäste. Hierauf hielt Herr cand. ing. Ernst Frischer die Festrede. Redner sprach über die Ethik des Zionismus und hob die Schwierigkeiten hervor, welche die Verbindung während ihrer fünfundzwanzig Semester auf akademischen Boden, sowie in der Gesellschaft zu überwinden hatte.- ■ Der Rede folgte das Bundeslied der „Veritas“. Hierauf ergriff A. H. E. B. der Verbindung Ingenieur Robert Stricker das Wort zur Tendenzrede. Der Zionismus, führte er aus, habe bewirkt, dass es heute keine Schande mehr sei, Jude zu sein. Von diesem Leitsätze ausgehend besprach er eingehend die Stellung unserer Gegner und widerlegte in trefflicher Weise die verschiedenen den Zionisten gemachten Einwürfe. Seine ausgezeichneten Ausführungen entfesselten einen Sturm •des Beifalls. Es sprachen ferner Bb geod. ing. Roll (Hebronia-Czernowitz i. B.) für die ständigen, Bb. ing. Steinitz (Gamalae-GödiBg) für die Ferialverbindungen. Namens der Brunner „Jüd.-akad. Lest-- und Redehalle“ sprach Gesinnungsgenosse cand. ing. Paul Brammer. Als Vertreter de3 „Akädemick^ ctenäfsky spolek „Zorn“ in Brünn, erörterte Herr ing. Zenaty das Verhältnis der tschechischen Studentenschaft zur jüdischnationalen. Herr Ober-Rabbiner Dr. L-vy präzisierte seine Stellung zum Zionismus; trotz seiner ablehnenden Haltung würdigte er in ausführlicher Weise die nationalen Bestrebungen der jüdischen Studentenschaft, welchen er ein siegreiches Vordringen wünschte und schloss mit einem Toast auf die „Veritas“. Hierauf hielt Herr mech. Arthur Schäfer eine Ansprache an die A. H. A. H. Den Schluss des offiziellen Teiles bildete der launige Damentoast des Herrn ing. Otto Eisner. Hervorzuheben ist noch die freundliche Mitwirkung, des Opernsängers vom Brunner Stadttheater Herrn Maxim. Krieners. — An die Akademie schloss sich ein Tanzkränzchen. Sadagora. (Frauen- und Mädchen verein „Hadassa. ) (Jeber Einladung des obgenannten Vereines sprach bei uns im Vereinslokale Herr stud. Waldmann am 24 und 25. v. M. über, .Die Frau und die jüdischnationäle Politik“ und über „10 Jahre Zionismus“. Die Anwesenden folgten den trefflichen Ausführungen und reicher Beifall lohnte die Mühe des Vortragenden. — Ausserdem wurde vom selben Redner über die junpjüdische Literatur namentlich über Scliäiom Asch „Gott der Rache“ gesprochen. — Die Mitglieder des Frauenuni Mädcherivereinns „Hadassa“ gratulieren dem Ausschussmitgliede Fräulein Sara Retter zur Verlobung und danken für die edle Spende von 5 Kronen. Stsrozynetz. (M ujb i k a 1 i s c h - d e k 1 a m atorischer Ab en d.). Unter dem Protektorateunseres allbeliebten Bürgermeisters Herrn Dr. Katz fand am 19. v. im Saale des „Hotel Central“ ein musikalisch - deklamatorischer Abend statt, dessen Reinertrag dem hiesigen jüd. Gymnasialvereine zufällt, In den Dienst der guten Sache stellten sich die Damen: Frl. Ella Kupferberg Frl. Serafine Hausknecht (Klavier) und Herr Kami l (Violine). Alle boten glänzende Leistungen. Hernach sprach Herr Rabb. cand. Silb ermann über das „Jüdische Weib“ und erntete lebhaften Applaus. Hierauf trugen die Herren G a b o r und Künstlich mit Geschick und Verständnis Gedichte vor. Das darauffolgende. Kränzchen wurde von Frau Dr. Katz und Herrn Lippa eröffnet und nahm einen schönen Verlauf. Jar-S ch o is ch an em. Friedsk. Die Chargen wählen der jüdischakademischen Ferialverbindung „Hasmonäea“ in Friedek hatten folgendes Ergebnis: J.U.C. Leop. Citron X, jur. Max Teichaer XX> J- U.C. Leop. LeschnerXXX- Mähr.-Ostrau. (Literarischer Geselligkeit s ver e in zionistischer Mädr chen „Jehüdith“). Am Sonntag, deu 26. Jänner fand die III. General Versammlung dieses Vereines statt. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Präsidentin Frl. Josefine Hahn, Vizepräsidentin Frl. Ella Presser, I. Schrfiführerin Frl. Frida Ha her fei d, II. Schriftführerin Frl. Mania Alter, Kassierin FrL Else Krasny, Bibliothekarin Frl. Else Beer, L Revisorin Frl. Regine Rosenzweig,- H. Revisorin Frau Rosa S ü s s m a n d 1. Kaaden. Bei der am 29. v.M. stattgefundenen konstituierenden Versammlui g der hier unter dem Titel „Jüdischer Geselligkeits-Verein? jüngst ins Leben gerufenen zionistischen Vereinigung, wurden folgende Funktionäre gewählt: Obmann Max Kaufmann, Obmannstellvertreter, Sal. Tauber, Kassier Eman. Buxbaum, Schriftführer Ludw. Löwy, Nationalfondskommissär Alois Böhm, Ausschuss Emil Steinkopf. Zloezow. Am 17. Jänner veranstaltete der hiesige Damen-Verein „Leah“ einen Palästina- Abend, an dem der Delegierte der Lemtierger akademischen Verbindung „Judea“ Herr H. F r u x einen bis ins kleinste Detail gelungenen Vortrag über Palästina hielt. Leider konnte er jedoch die Skioptikon-Bilder nicht demonstrie- en: da das Vereinslokal zu klein war. Derselbe Verein beabsichtigt jetzt einen zweiten grösseren Palästina-Abend zu veranstalten, an dem voraus-