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Jüdische Zeitung · 1908-01-31 · 5 (31.1.1908) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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iSSSZ Seite 8 Kandidaten im Einvernehmen mit den Lokalkomitees vorzunelimen. 2. Antrag Dr. W u r z e 1: Die Konferenz beauftragt die Vertrauensmänner aller Städte, wo jüdischnationale Kandidaturen in Aussicht genommen sind, sofort Wahlkomitees zu bilden. 3. Antrag Sehr eib er: Das G.-K. wird aufgefordert, in den nächsten Tagen ein Manifest, enthaltend die Postulate der jüdischen Bevölkerung an den Landtag, zu veröffentlichen. 4. Antrag Dr. Ringel: Das C.-K. hat bis spätestens 1. Februar 1. J. die Taktik in den Landgemeinden der polnisch-ruthenischen Bezirke zu bestimmen. Korrespondenzen. Zu den Vorgängen an der technischen Hochschule. Wien. Freitag den 24. d. M. begab sich eine Deputation des Fünferausschusses der jüdischen Korporationen unter Anluhrung ihres Sprechers JUC. Winterstein („Ivria“) zum Rektor der Technischen Hochschule, um über den Rektoratsbeamten, der zwei Studenten mit der Relegierung gedroht, weil sie im Nationale „jüdisch“ als Muttersprache angegeben halten, Beschwerde zu führen. Der Rektor erklärte, von diesen Aeusserungen, die er vollständig missbillige, keine Kenntnis zu haben und versicherte, dass er den Bestrebungen der jüdiscbnationalen Studenten nicht feindlich gegenübersiehe. Die Deputation nahm diese Mitteilungen mit Befriedigung zur Kenntnis- Galizien. Agitationsreise des Abg. Stand. Stanislau. (Orig-Korr.) Am 21. d. M. fand hier eine'von 1500 Personen besuchte Versammlung statt, in welcher Abg. Stand über die Tätigkeit des Jüdischen Klubs Bericht erstattete. In der darauffolgenden Diskussion, warf ein Sozialdemokrat den Zionisten, all das vor, was in den Radaublättem der polnischen Genossen tagtäglich gelogen wird. Abg. Stand antwortete auf diese Anrempelungen in sachlicher und energischer Weise. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. Die Versammlung votierte schliesslich dem Jüdischen Klub ihr volles Vertrauen. Czernowitz. Am 23. d. M. fand der angekündigle Vortrag des Abg. Stand über die Bedeutung des jüdischen Reichsratsklubs statt Das Publikum hatte nun Gelegenheit, diesen hervorragenden Vorkämpfer der jüdischnationalen Bewegung und Führer der galizischen Zionisten als Redner kennen zu lernen. Stand hat auch hier seine Zuhörer fasziniert. Zur Versammlung hatte sich ein tausendköpfiges Publikum eingefunden, das den Ausführungen des Redners in begeisterter Spannung und Aufmerksamkeit folgte. Der Präsident des Vereines „Eiez Israel“, begrüsste die Versammlung, speziell sämtliche jüdischnationale Vereinigungen von Czernowitz und aus der Provinz, den Univ.-Prof. Dr. Kellner u, v. a., worauf Abg. Stand in zweistündiger Rede die Tätigkeit des Jüdischen Klubs und die Bedeutung desselben, sowie die Aufgaben der jüdischen Abgeordneten und das Verhältnis des Klubs zum Zionismus erörterte. Der Redner gedachte hierbei auch der Verdienste Dr. Strauchers, der seinen Klubgenossen als erfahrener Parlamentarier die Wege ebnete. Die Ausführungen Stands wurden wiederholt von Beifall unterbrochen. Dr. Cb. Kinnsbrunner beantragte hierauf eine Resolution, in welcher dem Jüdischen Klub das Vertrauen und dem Redner der Dank ausgesprochen wurde. Um 10 Uhr abends fand zu Ehren des Gastes ein Kommers statt. Der grosse Saal des Bierpalastes war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Ausser den Mitgliedern sämtlicher jüdischer Studentenverbindungen und zionistischer Vereine, sah man zahlreiche Damen, Vertreter der Intelligenz, der Kaufmann- und Arbeiterschaft usw. Nach der Begrüssung durch den Vereinspräsidenten Dr. Schajowicz, brachte der Obmann des zionistischen Landeskomitees, Herr Weissglas den ersten Toast aus. Hierauf sprach Herr Löbel Taubes in beifällig aufgenommener Weise. Herr Koppel toastierle in hebräischer Sprache. Frau Blum sprach unter stürmischem Beifall namens des Vereines „Deborah“, Herr Redakteur Max Wendei namens des hiesigen Zionvereines, Herr Dr. B. Kinnsbrunner namens des Vereines „Safah Berurali“ und Herr Steinmetz namens der jüdischen Arbeiterschaft. JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 5 Den Clou des Abends bildete das Schlusswort Stands, der zunächst die Verdienste des Doktor Straucher als ersten Vorkämpfers in schwierigen Zeiten unter lebhaftem Beifall würdigte und hierauf des verstorbenen Führers Dr. Herzl gedachte. Dieser Teil der Ausführung wurde stehend angehört und als der Redner schloss, wollten die Beifallskundgebungen, die Hoch- und Hedadrufe kein Ende nehmen. Die Vorgänge im Lemberger Tempel. (Von unserem Korrespondenten.) Lemberg. Am 22. d. M. veranstalteten die mosaischen Polen einen Trauergottesdienst für die während des Aufstandes im Jahre 1863 gefallenen Freiheitskämpfer. Zu dieser Feier wurde die jüdische Schuljugend in den Tempel geführt, der Rabbiner Dr. Gutmann hatte eine Rede vorbereitet; einige gesangsfreudige Judäopolen gedachten die Lieder „Boze cos Polskie“ und „Jeszcze Polska“ zum Vorträge zu bringen. Lei'der kam es anders. Die Jugend sang statt polnischer, jüdische Nalionallieder, Gutmann kam nicht zu Worte, Löwenstein und Merwin, die Häupter der mosaischen Polen, mussten sich manch unangenehmes Wort gefallen lassen und durch eine Hintertür verschwinden. Ausschreitungen derberer Art kamen nicht vor. Dieses Ereignis bildete für das „Slowo Polskie“ einen willkommenen Anlass über die Zionisten, diese „Feinde des Polenlums“, diese „Volksverfülirer“ usw. lierzulallen. Die Wahrheit gesagt, der Vorfall ist uns unlieb, denn Uneingeweihte könnten wirklich glauben, dass wir Feinde der Polen sind, oder dass wir gegen ihre nationalen Feiern demonstrieren wollten. Di(;s liegt uns aber vollständig ferne. Als unterdrücktes Volk wissen wir am besten Freiheitsbestrebungeu zu schätzen und bewundern die edlen Kämpfer um polnische Freiheit. Unsere Demonstration richtete sich nur gegen die jüdischen Heloten, die sich in gemeinem Servilismus Andersnationalen anbiedern und sich nicht enlblöden, Schauspiele aulzuführen, trotzdem sie genau wissen, dass die jüdischen Massen daran nicht den geringsten Anteil nehmen. Assimilantentreibereien. Sambor. Daak der energischen Arbeit der hiesigen Zionisten wurde eine hebräische Schule begründet, die unter ihren Schülern auch viele Gymnasiasten zählle. Unvermutet verbot plötzlich die Direktion des Gymnasiums, wahrscheinlich auf Betreiben des jüdischen Professor Mandel den Schülern den Besuch der hebräischen Schule. Der Kultusvorstand hatte der Schule eine Subvention bewilligt. Die Assimilanlen legten dagegen Protest ein und sandten sich an die Bezirksschulleitung mit der Bille, man möge den Besuch der hebräischen Schule verbieten. Der Bezirksschulrat entsprach dieser Bitte sofort. Der Protest gegen den Beschluss der Kultusgemeinde ist noch nicht erledigt. Die jüdische Bevölkerung ist über das Vorgehen der Gymnasialdirektion, des Bezirksschulrates, vor allem aber gegen die mosaischen Polen furchtbar entrüstet. Rumänien. Lehrerkongress. Bukarest Aehnlich wie die jüdischen Lehrer in Deutschland hielten die Lehrer in Rumänien vor einigen Tagen einen Kongress ab. Aus i em Berichte geht hervor, dass die von unserem Gesinnungsgenossen Dr. Rosen bäum, geschaffene Lehrerorganisation in steten Wachsen begriffen ist. Der Pensionsfonds vergrössert sich beständig, ln kultureller Beziehung leistet die Organisation Erhebliches. Die meisten Mitglieder sind national und bemüht, die Kinder nach nationaljüdischen Grundsätzen zu erziehen. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Frage des hebräischen Unterrichtes ein. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Zablotöw. Sonntag, am 19. d. M., fand auf Anregung des Kultuspräsidenten eine Versammlung im grossen Beth-Hamidrasch statt, in welcher Herr J. Weber, Magid aus Kolomea, in einer vorzüglichen Rede das Programm des „Hilfsvereines für galizische Juden“ entwickelte. Nach Beendigung der Rede traten dem Vereine eine grosse Zahl Mitglieder bei. Benzion Thau. Böbrka. Am 4. Jänner fand hierein Vortrag unseres Gesinnungsgenossen Herrn Hermann R u b i n aus Stryj über „Assimilation und die modernen Strömungen im Judentum“ statt. Der Erfolg war ausgezeichnet. Acht neue Mitglieder sind dem Vereine beigetreten. Stanislau. Das Ergebnis der Chargenwahlen für das laufende 20. (Jubiläums-)Semester der zionistisch-akademischen Verbindung „Bar Kochba“ war folgendes: D. FüllenbaumX. E. Zaswalski XXi A. Klugmann XXX- Radautz. In der am 29. Dezember 1907 stattgefundenen Generalversammlung und bei der am 2 Jänner 1908 erfolgten Konstituierung des Vereines „Jüdisches Schülerheim in Radautz“ wurden nachstehende Funktionäre gewählt: Prof. Dr. S. Spitze r, Obmann; Notar Doktor Ph. Meier, I. Obmannstellvertreter; Gerichtsadjunkt Fr. R a ch m u th, II. Obmannstellvertreter; Dr. A. L. Schenk er, I. Schriftführer; Rpchtskandidat Karl Harth, II. Schriftführer; Dr. Fr. Stadtmauer, Kassier; Gerichtsoffizial J. Presser, Oekonom; ohne Funktion; Dr. L. Luttin ger; Dr. J. B i e r e r, Doktor S. Herzberg, Kultuspräsident Bert Terner, Jakob Bar her, Israel Menschei, Mosps Ber Mik, Gustav Schaffer. In der erwähnten Generalversammlung wurden die Herren Prof. Dr. Alfred Engel und Prof. Oskar Lieben wegen ihrer hervorragenden Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die geehrten Herren Spender werden ersucht, die gezeichneten Beträge baldigst einzusenden, . wie wir überhaupt, da das Schülerheim demnächst ins Leben tritt, um allseitige Unterstützung und Förderung bitten. Wien Am 4 Jänner 1908 fand in den Souterrainsäl-n des Cafe Prückel eine solenne Damenkneips der jüd.-akad. Ferialverbindung „Zephyra“ aus Wien statt. Vertreten waren das Disit iktskomitee durch Herrn Dr. K a d i s c h, ferner die Verbindung „Kadimah- sowie die Feriatverbimi ungen „Achiwah“, „Gamalah“ und „Hermonia* (Radautz). Die Kneipe wurde vom iur. Otto Mährischl eröffnet und nahm einen sehr gemütlichen Verlauf. Die Tendenzrede des Herrn Dr. Kadisch' war direkt gläuzend. Mit Begeisterung schilderte er, was für die Jüdisch-nationalen die Worte „Freiheit, Ehre, Vaterland“ zu bedeuten haben. — An die Kneipe schloss sich ein flotter Tanz, dsr erst um 2 Uhr aufhörte. Voranzeigen. Trauerfeier für Abraham Goldfaden. Wien. Der akaö. Verein „Jüdische Kultur“ veranstaltet am Samstag, den I. F e b r u a r 1908 im „Goldenen Widder“ (II., Taborsirasse 36) eine Trauerfeier für den verstorbenen jüdischen Dicnter und Begründer der jüdischen Bühne A. Goldfaden mit folgendem Programm : 1. Pro log: Gibojre Jehudu von A. Goldfaden. 2. Dr. Berko witsch: Goldläden, der Dichter und Mensch. 3. Kantor J. Grob: Einige Lieder von A. Goldfaden. 4. Deklamation von Gedichten von A. Goldfaden. 5. M. Geier: A. Goldfaden der Volksdich.ler (jüdisch). 6 Konzerts ä n ger Uh rieh: Einige Lieder von A. .Goldfaden. 7. Deklamation. S. Klaviersolo aus den musikalischen Werken Goldfadens. 9. Absolv. Konservatorist Axelrad: Violinsolo. 10. Schlusswort. Beginn 8 Uhr abends. Entr.ee frei. Wien. (Verein „Poale Zion“). Aus Anlass des fünfjährigen Bestandes . des „Jüdischen Arbeiters“ findet Samstag den 1. Februar im Verbandslokale Cafe Stefanie, II., Stefani«-- strasse 2, eine Festversammlung statt, zu der die Genossen dringend eingeladen werden. Festredner: G. Dr. Karl Hahn, und G. Kaplan Kaplansky. Für den Monat Februar wurde ferner folgendes Programm festgesetzt: Samstag den 8. Vortrag über die Land-Development Company, Samstag den 15. Generalversammlung, Samstag den 22. Vortrag des Herrn Dr. Kadisch über „Streitfragen im jüdischen Proletariat.“ Die Genossen werden ersucht, zu diesen Versammlungen vollzählig zu erscheinen, da mit Rücksicht auf verschiedene Vorgänge eine energische Vereinstätigkeit notwendig ist. Gäste willkommen! Wien. Samstag den 1. Februar um 8 Uhr bends, findet im Vereinslokale der Bar-Kochbaa VIII. Lange Gasse 5—7 ein Vortrag des H. Dr. Faul W eissen grün statt. Eintritt nur gegen Einladungen, die im Vereinslokale behoben werden können. Wien. Zu der am 5. Februar in den Sofiensälen stattfiüdenden Akademie der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler haben unter anderem folgende Künstler ihre Mitwirkung zugesagt: Die Damen Lia Rosen, Glöckner UDd Hass und die Herren Franz Ondrißek, Tressler, Weidemann und Prof. Pählen. Das Interesse für diese Akademie ist sehr rege und es ist zu erwarten, dass sie ihren einmal errungenen. Platz unter den jüdischen Veranstaltungen auch heuer behaupten wird, um so mehr als die Herren Rektoren und Dekane der Wiener Hochschulen ihr Erscheinen in sichere Aussicht gestellt haben. Das Komiteelokal befindet sich IX. , Grüne Torgasse 34, wo täglich von 3 bia 5 Uhr nachmittags Auskünfte erteilt werden und wo auch Kartenvorverkauf stattfindet. Der Saal

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