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Jüdische Zeitung · 1907-12-06 · 21 (6.12.1907) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
21 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 den der „Jüdische Klub“ eingeschlagen. ■(Stürmischer Beifall.) Dr. Strauch er erinnert an die Debatte über die galizischen Wahlmissbräuche, die zu Beginn dieser Session im Abgeordnetenhause abgeführt wurde. Damals habe Dr. Löwenstein (Pfuirufe), der Sohn eines deutschen Rabbiners, den Beruf in sich ger fühlt, das Rächeramt des Polenklubs zu üben. Er provozierte uns, schalt uns Reaktionäre und denunzierte die zionistische Bewegung. Wenn etwas geeignet gewesen wäre, ihn aus seinem Irrwahn aufzurütleln, dann war es der grosse Beifall des Stojalowski, des Polenklubs und der mit ihm koalierten Ghrisllichsozialen. Wir werden diesen verräterischen Ueberfall des Löwenstein gegen jüdische Abgeordnete nie vergessen. Er warf uns vor, wir lebten mit den Ruthenen in einer illegitimen Ehe. W i r haben uns niemandem verpflichtet. Für unser Tun und Lassen ist einzig das Wohl des jüdischen Volkes bestimmend. Man vergegenwärtige sich nur das hohe Mass der Sittlichkeit der Ehe ■zwischen Stojalowski, Kolischer und Löwenstein. Solche Juden haben das christlichsoziale Ministerium mitverschuldet. Diese -ernsten Zeiten fordern den engsten Zusammenschluss aller bewussten Juden; denn nur eine auf gesunder, jüdischer Volkskraft aufgebaute Partei, kann der drohenden Gefahr mit Erfolg begegnen. (Jubelnder Beifall). Dr. Nathan Birnbaum führt aus, dass der Freisinn nirgends so viele Niederlagen erlitten habe, wie bei uns, weil sich zu viel Juden in die freisinnige Partei hinieingedrängt und den grössten Teil der 'Christen aus dieser Partei verjagt haben. Die Juden dürften sich nicht auf diese Partei verlassen; sie müssten selbst ihr Schicksal schmieden. Indiesem „selbst“ liege die ganze Lösung des Rätsels. Wir, wollen die. Gleichberechtigung nicht nur für dem einzelnen Juden, sondern auch für das jüdische Volk. Der Vorwurf, dass wir die Juden separieren und in ein Ghetto sperren wollen, ist ebenso lächerlich als unbegründet. Denn, wenn ein Volk als gleichberechtig tes separiert ist, dann ist es nicht separiert. (Lebhafter Beifall.) Hierauf sprachen Herr med. K o h n ■namens der jüdischen Studenten und jur. L.öhner, der eine Resolution vorlegte, in welcher dem jüdischen Klub für seine dem jüdischen Volke zum Wohle und Ehre gereichende Tätigkeit der Dank und das Vertrauen ausgesprochen wird. Die Resolution wurde unter stürmischen'Beifalle einstimmig angenommen. Mit der Aufforderung, unserer Organisation beizutreten, schloss Dr. Sch alit die Versammlung. Zwei interessante „Taten“ unserer Wiener, von Juden gewählten freisinnigen Abgeordneten Hock, Kuranda, Ofner, die in der Versammlung bekannt wurden, riefen -einen Sturm der Entrüstung hervor. Abg. Gabel teilte nämlich auf eine Anfrage mit, dass diese „Freisinnigen“ sich geweigert haben, eine von ihm eingebrachte Interpellation zu unterfertigen, in der er das Vorgehen des Augenarztes Prof. Fuchs, der einen kranken Juden aus seinem Zimmer weisen liess, ins rechte Licht rückte. Das zweite Heldenstückchen haben sie sich erst neulich geleistet. Sie haben einen Antrag auf Ausdehnung des Gesetzes über, die Sonntagsruhe auf jene Gewerbe eingebracht, die bisher hiervon ausgenommen warem Dass dadurch wiederum hundertejüdischer: Existenzen . ruinieren würden, das ficht die „liberalen“ Herren wenig an. Die jüdischen Wähler werden , -bei den nächsten Wählen dieser „freisinnigen“ Tätigkeit nicht vergessen. Parteinachrichten. Die Sitzung des engeren Aktionskomitees. Ara Sonntag den 24. unid Montag den 25. November hielt das Engere Aktionskomitee in Köln eine Sitzung ab. An einigen Punkten der Beratung nahmen auch die Herren Di-, Hantke und Dr. Ruppin teil. Der Präsident des Aktionskomitees erstattete über seinen letzten Aufenthalt in Konstantinopel, wo er zusammen mit dem Präsidenten des J. C. T„ Herrn Dr. Ivatzenelsohn, mehrere Wochen weilte, und über die mit den dortigen massgebenden Kreisen und offiziellen Personen gepflogenen Unterhandlungen ausführlichen Bericht. Die Unterhandlungen sind für die Erfolgaussichten unserer Bemühungen insofern von der grössten Bedeutung, als sie die für ttnsere Unternehmungen wesentlichste VoraUmsetzung geschaffen haben: einen unmittelbaren regen Verkehr mit den entscheidenden Faktoren. Nach dieser Richtung hat der Präsident wichtige Beitritte unternommen. Was über allen Zweifel als festgestcllt bezeichnet werden kann, ist, dass nicht nur unsere früheren Beziehungen in ihrem ganzen Umfange fortbcstehen, sondern dass inan jetzt in höheren türkischen Kreisen an das Problem unserer Arbeitspläne gründlicher und bereitwilliger als je herantritt. Unsere Verbindungen mit den entscheidenden Faktoren befinden sieh in einer sichtlich fortschreitenden Entwicklung, die zu einem weiteren Arbeiten ermutigt. Die Verhandlungen sind in ein .Stadium getreten, in dem positive Projekte in einer festen umrissenen Gestalt unter dem Gesichtspunkte realpolitischer Erwägungen behandelt werden. Der Präsident hofft und ist der Ansicht, dass die Vorstellungen, die seit seinem früheren Aufenthalt in Konstantinopel im März dieses Jahres erwogen und fortlaufend behandelt wurden, dank der jetzt prinzipiell günstigen Stimmung eine Basis für die Erreichung erstrebenswerter Resultate bilden werden, und ist überzeugt, dass die Verhandlungen derartig reale Resultate zeitigen dürften, dass die weitesten Kreise unseres Volkes und die massgebenden jüdischen Institutionen ihre Kräfte bereitwilligst in den Dienst dieser Sache stellen werden. Das E. A. C. begriisste die Bemühungen des Präsidenten mit Genugtuung und beschloss, die Arbeiten nach dieser Richtung mit aller Energie fortzusetzen. Das Engere A. C. nahm des weiteren mit Befriedigung Kenntnis von dem Bericht über die von dem Präsidenten zusammen mit Herrn Dr. Katzenelsobn wegen Errichtung einer Bankfiliale in Konstantinopel entfaltete Tätigkeit. Endgültige Beschlüsse über diese Angelegenheit sollen in der nächsten Sitzung des Direktoriums des Jewish Colonial Trust,-die Ende Dezember stattfindet, gefasst werden. Gemäss dem im Haag gefassten Beschlüsse, eine Sitzung des Grossen Aktionskomitees im Jiinner in Berlin abzuhalten, wurde das Grosse Aktionskomitee auf den 6. Jänner 190S nach Berlin einberufen. Die Tagesordnung wird demnächst bekanntge,geben werden. Gleichzeitig sollen Sitzungen des E. A. C. und des Aufsichtsrates des J. C. T. stattfinden. Nac-h eingehender Beratung kam das E. A. C. zu einem Beschlüsse über die Verwendung des seinerzeit für die Opfer der Pogrome gesammelten Fonds, der gemäss dem Beschlüsse der Jahreskonferenz zugunsten der Pogromwaisen verwandt werden soll. Danach sollen vorläufig aus den Mitteln des Fonds eine Anzahl Pogromwaisen in Palästina erzogen werden. Die erforderlichen Sehritte sind bereits eingeleitet. Das E. A. C. beschäftigte sich auch mit der Frage der Abänderung der Bankstatuten. Es wurde beschlossen, die 3 vom Kongress eingesetzten Juristen zu ersuchen, ihr Gutachten, schnellstens abzugeben. Herr Dr. Hantke erstattete Bericht über die Einrichtung und Tätigkeit der neugegründeten Abteilung Berlin des Zionistischen Zentfalbureaus. Aus seinem Berichte ging hervor, dass das Bureau nunmehr in der Lage ist, seine Propagandatätigkeit in grösserem Massstabe zu beginnen. Das Burean wird sieh demnächst an die einzelnen Landsmannschaften mit diesbezüglichen Vorschlägen wenden und ihnen bei der Beschaffung neuer Propagandamaterialien und dem Ausbau der bereits bestehenden Institutionen mit Rat und Tat behilflich sein. Die Propaganda für Palästina und die Information 1er Presse erfährt in dem Bureau spezielle Beachtung. Gemäss der vom Kongress angenommenen Resolution wurde beschlossen, das Berliner Bureau zu beauftragen, eine neue Geschäftsordnung für den Kongress anszuarbeiten und dem A. (’. vorzulegen. Nach einer ausführlichen Besprechung wurde beschlossen, das Palästina-Amt in Palästina nunmehr einznriehten. Als dessen Leiter hat das E. A. C. Herrn Dr. Ruppin und ausserdem für das Bureau des Amtes Herrn Dr. Thon engagiert. Das E. A. Ü. hat beschlossen, an sämtliche F-.-dorationen mul A. ('.-Mitglieder eine dringliehe Aufforderung ergehen zu lassen, sofort tatkräftig mit den Sammlungen für den Parteifonds zu beginnen und die eingehenden Beträge unverzüglich zu überweisen. i. Ostböhmischer Zionistentag! Zu dem vom ostböhmischen Rayonkomitee für den l. Dezember 1907 nach Kolin cinberufenen Zionistentag waren gegen (50 Gg. aus einer ganzen Anzahl Städte, wie Pardubitz, Chrast. Caslau, Golc-Jcnikau. Trautenau. Ivoliljanowitz, Kuttenberg, Kolin. Podebrad. Himburg, Jungbunzlau, Königstadtl. Zit.tau u. a. in. erschienen. Ausserdem kamen Gäste aus Frag, Pilsen und zahlreiche Begriissungstelegramme von zionistischen Organisationen. Vertreten waren die Organisationen D.-K. Wien. Kolin, Padehrad, Kiittenl>erg. Prag. Bar Koehba (Prag), Poale-Zion (Prag). Dr. Emil M a r g u 1 i e s eröffnete nachm, halb 3 Uhr den Zionistentag namens des Rayonkomitees mit einer Ansprache, in der er kurz die Aufgabe des Zioivistentages darlegt*1. Der unserem verewigten Führer vor kurzem im Tode nachgefolgten Gattin Herzls hielt einen Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Ueber seinen Antrag wurde sodann an den Präsidenten des E. A. U. Hetrn David Wolffsohn,. Köln, ein Begriissungstelegramm abgesehiekt. Zu Vorsitzenden wurden nebeu Herrn Dr. Emil Margulies die Herren Köhler, Kolin, und Markus, Kuttenberg, berufen. Herr Med. G. Fant!, Prag, erstattete das eRferat über „Das zionistische Programm" ia tschechischer Sprache, indem er sowohl eine Darstellung der Prinzipien der Bewegung gab, als auch im besonderen das Verhältnis de1" tschechischen Juden zum Zionismus besprach. Seinen anregenden und anschaulichen Vortrag ergänzte dann Dr. Emil Margulies durch ein eRferat über „Palästiuaarbeit", worin er den politischen Charakter dieser Palästinaarbeit, aber auch die politische Notwendigkeit derselben bewies und sodann eine Darstellung dieser Arbeit gab. Er schloss mit einer Aufforderung zur materiellen Förderung der Palästinainstitutionen tind der Kolonialhank. Als dritter Referent sprach Herr Dr. Adolf Berg m a n n, Pardubitz, einer der ersten Zionisten in Böhmen, der von allem Anfang an in der vordersten Reihe der Arbeiter stellt, klar und bestimmt über „Die zionistische Arbeit unter den tschechischen Juden", in tschechischer Sprache. Er brachte auch eine Reihe präziser Vorschläge, die auch sätlieh die Zustimmung der Versammlung fanden. An diesen sehr instruktiven Vortrag schloss sieh eine sehr angeregte Debatte. Es wurde »vom Rayontag die Teilung des Rayons .Ostböhmen in zwei selbständige nach Sprachgebieten geschiedene Rayons, die Schaffung eines besonderen Rayonkomitees für das tschechische Gebiet, die Herausgabe eines .zionistischen Organs in tschechischer Sprache sowie die tschechisch geschriebenen Propagandamittel beschlossen. Die Leitung des tschechischen Rayons übernimmt Herr Dr. Ludwig Singer, Kolin.

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