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Jüdische Zeitung · 1907-11-29 · 20 (29.11.1907) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
20 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite S JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 20 lös. Frostig und G e r 11 e r (kontra) nnd die Gg. Perlberger, Mayer, Jahr, Dr. Sprecher (pro) beteiligten. Gg, Dr. Brande teilt mit, dass unser bewährter Gg. Dr. Fisehel Waschitz zum Generalsekretär des galiziselien Zentralkomitees ernannt wurde. Der Antrag des Gg. Dr. Sprecher auf Erteilung des Absolutoriums und der Anerkennung dem zurücktretenden D.-K. wurde einstämmig akzeptiert. Hierauf wurde ein von Gg. Dr. Braude modifizierter Antrag des Gg. Frostig, dass das D.-K. jede drei Monate einen Tätigkeitsbericht in der zionistischen Landespresse veröffentlichen solle, angenommen. Die Resolution Frostig, dass das C.-K. aufgefordert wird, die Tätigkeit des D.-K. zu überwachen, wurde abgelehnt. Hierauf erstattete Gg. C h i eser den vortrefflich und mit statistischer Genauigkeit ausgearbeiteten Bericht über die Nationalfondsspenden aus ganz Galizien im Jahre 1906 und bis April 1907, während welcher Zeit er der Nationalfonds-Kommissär für Galizien war. Im Jahre 1906 betrugen diese 10.181,19 K und in den 4 Monaten des Jahres 1907 bereits 3296,47 K, wiewohl die Wahlagitation viel Geld und Mülie bei den G?nossen absorbierte. Der Bericht des Gg. C h i e s e r, welcher noch im April aus Zeitmangel seine Stelle niederlegte, wurde mit grossem Beifall und Anerkennung aufgenommen. Ein Antrag des Gg. Mayer, dass das D.-K. beauftragt wird, in den Städten, wo es nottut. Arbeitskomitees zu schaffen, wurde angenommen. Nach einer kurzen Debatte wurde eine Besolution des Gg. Dr. Bappaport angenommen, die dahin gebt, dass die tagende D.-Konferenz des jüdischen Klub im österreichischen Abgeordnetenliaüse auffordert, die nötigen Schritte in Sachen der Schliessung der hebräischen Schule in Boliatyn seitens des dortigen Bezirkshauptmannes zu unternehmen. Bei dieser Gelegenheit erklärt der Obmann des galizisehen C.-K. Gg. Dr. B r a u d e, dass sich das C.-K. in nächster Zukunft eingehends mit den hebräischen Schulen befassen wird und ein spezieller Beferent hierfür im G.-K. bestellt werden wird. Auch wird sich das' C.-K. des Verbandes der betr. Lehrer in Galizien annehmen. Bei der Wahl eines neuen D.-K. beantragte Dr. Braude, dass die Zahl der ,D.-K.-Mitglieder von 10 auf 12 vermehrt werde. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und schliesslich folgendes D.-Kgewählt: Dr. Hausmann, Dr. Beiss, Oranelies, Tieger, Schreiber, Loewenherz jun., Bosmarin jun., Wättlin, Mayer, Jahr, Aseh- -kenazy und Meileeh Katz. Ausserdem haben noch Site und Stämme im D.-K. je ein Vertreter des „Tagblatt“ und „Wsehod“. Dieser Distriktstag war noch in einer Beziehung von einer bedeutenden und wichtigen Initiative gekrönt, die nicht nur für die Lernberger Zionisten, sondern auch für die Partei ganz Galiziens von besonderer Wichtigkeit sein wird. Es ist über Antrag des Gg. Arnold beschlossen worden, ein Komitee zur ,Gründung eines jüdischen Nationalhauses in Lemberg einzusetzen. Gleichzeitig erklärte der Vorsitzende Gg. Oranehe, dass er zu diesem Zwecke 1000 K und die Gg. Katz Meileeh, Jahr und A s-c h k e n a z y je 200 K spenden. Gg. Weinlös erklärte namens des abwesenden Ziegeleibesitzers Juda Leib Luttwak, dass er 10.000 Ziegel spende. Diese Mitteilungen wurden mit grossem Enthusiasmus und Beifall aufgenommen. Hierauf wurde ein Komitee, bestehend aus den Gg. Dr. Zipper, Dr. Braude, Dr. Bappaport, David Seliönfeld, Oranehe, Jahr, Kate, Aschkenazv, Wittlin, Langnas, Sälorn J. Philipp, J. L. Luttwak. Arnold und Weinlös gewählt. A. K. * * * Kundmachungen des innerösterreichischen Distriktskomitees. An die Vereine des Verbandes „Z i o n“! Das Distriktskomitee bat beschlossen, die ab 1. Jänner eingeführte Parteisteuer im Distrikte durch die geehrten Vereinsleitungen direkt einheben zu lassen. Die Vereinsleitungen werden daher aufgefordert, uns umgehend mitzuteilen, welchen Modus sie bei Einhebung und Abführung der Beiträge einhalten werden. Wir erwarten, dass die Vereine der Einfachheit halber die Steuer im vorhinein für einige Monate einzieben und abführen werden. Die Wiener jüdische Toynbee-Halle. Wien, XX., Othmargasse 46. Beginn der Vorträge: An Wochentagen halb 8 Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Vortragsprogramm für die Zeit vom 30. November bis 6. Dezember. Samstag den 30. November: Chanukka- Feier und Konzert, arrangiert von Herrn Oberkantor Don Fuchs, unter Mitwirkung eines Mannerchores. Sonntag den 1. Dezember: „Moses im Lichte der jüdischen Volksseele.“ Bibliothekar Dr. Beruh. Münz. Montag den 2. Dezember: „Heber Arbeitsrecht.“ Dr. Jos. Jerusalem. Dienstag den 3. Dezember: Literarischer Abend. Mittwoch den 4. Dezember: „Soziale und individuelle Hrsaehen des Verbrechens“. Dr. Heinr. Grün. Donnerstag den 5. Dezemebr: „Von der ältesten Kultur.“ Dr. J. Samuely. Freitag den 6. Dezember: Bibelvortrag. Bel.-Lehrer H. Löw-Vogel. * * * Ein glanzvoller Konzertabend mit überaus reichhaltigem Programm wurde Samstag den 23. d. M. den Besuchern der Toynbee-Halle geboten. Violmvörträge des Komponisten Herrn Stojanowits, Klavierpiecen der Pianistin Frl. Breithut, heitere Deklamationen des Frl. Fröhlich sowie die Liedervorträge des 12jährigen Sopranisten Lewitin, eines Wunderlrindes, fanden lebhafteste Anerkennung, welche bei den Darbietungen des Tenoristen Herrn Michael Striks, der durch seine herrlichen Stimmittel glänzte, ihren Höhepunkt erreichte. Der unentgeltliehe Unterriehtskurs aus Stenographie für Anfänger beginnt Dienstag den 3. Dezember cL J. halb 8 Uhr abends in der Beligionsscbule der isr. Kultusgemeinde. Erklärung. Ieli Moses Abiseh, ehern. Mitchef der Firma Tamler & Abiseh,-leiste hiermit öffentlich dem Herrn. Adolf Bosenwald für die ihm angetane Beleidigung Abbitte und erkläre, dass ich die beleidigende Aeusserung nur, in der Erregung gebraucht habe. Zum Zeichen des Bedauerns über den Vorfall habe ich bereits eine Busse einem wohltätigen Zwecke zugeführt. Storozynetz (Bukowina), November 1907. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Wien. (Lese- und liedehalle jüdischer HochschülerinWien, IX., Grüne Thorgasse 34.) Auf unsere Einladung hält Montag den 2. Dezember 1907, um 8 Uhr abends im Hörsaale 33 der jur. Fakultät Herr Schriftsteller Dr. Bernhard Münz einen Vortrag über das Thema: „Henrik Ibsen a ls Erzieh er“. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Lese- und Redehalls jüdischer Hochschüler inWien, IX., Grüne Thorgasse 34.) Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien veranstaltet wie alljährlich am 5. Februar 1908 in den Sophiensälen eine Akademie mit anschliessendem Tanzkränzchen. Das Reinerträgnis derselben fliesst dem Fonds des neuzugründenden Studentenheims zu. Wir richten daher an alle jüdischen Studenten, wie an die gesamte jüdische Bevölkerung Wiens die Bitte, im Interesse des wohltätigen Zweckes durch Agitation in Bekanntenkreisen uns aufs kräftigste zu unterstützen. Insbesondere ersuchen wir, die „Alten Herren“ unseres Vereines und die jüdischen Kollegen um ihren Eintritt in das Herrenkomitee. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag den 5. Dezember 1907, präz. ’/*8 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten verein es, I, Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Professors Dr. Martin Philipp- 8on aus Berlin statt. Thema: „Die Juden Berlins vor hundert Jahren“. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Jüd.-akad. Verbindung „I v r i a“ (DC, Glasergasse 4 a.) veranstaltet am Mittwoch den II. Dezember a. c. im Festsale des Hotel Bayrischer Hof ihren diesjährigen Kommers mit anschliessendem Tanzkränzchen. Wien. Die Vorstands wähl im neugegründeten Verein „Esrath Isroel“ ergab folgendes Resultat: S. Meis eis, Obmann; S. Komet, Obmannstellvertreter; Dr. D. Ry b aczevski und Dr. J. Landau, Schriftführer;. Friedrich Kr uh, Schriftführer; Rudolf Hartmann, Kassier; M. Hammer, J.H.Opatowski, Alter Kam, Bernhard W aldmann, Josef Kaningl, David Raab. Der Zweck des Vereines ist ein vierfacher, und zwar: a) ein wirtschaftlich wohltätiger Zweck, indem der Verein es sich zur Aufgabe macht, armen Mitgliedern Nahrungsmittel unentlich zu verabreichen; b) ein Wohlfahrtszweck, indem der Verein die Begründung einer ausschliesslich den Mitgledern zugänglichen Darlehenskasse anstrebt, aus welcher bei Eintritt eines Notstandes unverzinsliche Darlehen gegen ratenweise Rückzahlung zu verabfolgen stnd; c) ein gesellschaftlicher Zweck, indem der Verein ies sich zur Aufgabe macht, zu allen innerhalb der Wiener israelitischen Kultusgemeinde zur Behandlung gelangenden Fragen Stellung zu nehmen und d) ein religiöser Zweck, indem' der Verein die Begründung einer Lehrs'tätte zur Ausbreitung der Lehren des Judentums, sowohl unter Erwachsenen als auch unter -der heranwachsenden Jugend und die Begründung eines Bethauses aostrebt. Wien. (Verein jüd. jugendlicher Arbeiter, Wien.) Am Sonntag den 23. d. fand ein sehr gut besuchter Vortragsnachmittag statt. Herr L i e b r o n rezitierte meisterhaft einige Dichtungen Rosenfelds, Kollege Buchsbaum aus Lemberg erstattete eiueu Bericht über die Konferenz der jüdischen jugendlichen Arbeiter in Galizien. — Am Sonntag den 1. Dezember findet ein Vortrag des Gesinnungsgenossen cand. ing. G o 1 dh am m er statt — Samstag den 7. Dezember findet in sämtlichen Saallokalitäten des „Goldenen Widders“, Taborstrasse 36, eine Makkabäerfeier statt. Bekannte Kunstkräfte haben ihre Mitwirkung zugesagt, Karten im Vorverkaufe ä 62 Heller gelangen bereits zur Ausgabe. Wien. („Poale Zion“ ) Samstag den 30; d. Monatsversammlung. Vortrag des Gen. B. Bo rochow über „Elementares und Planmässiges in der Kolon isationsp o 1 i t i k“. Gäste willkommen. Versammlungssaal des „Cafö Stefanie“, II., Stefaniestr. Bielilz. Sonntag, den 17. d. M. fand eine vom zionistischen Verein „Haschachar“ veranstaltete öffentliche VereinsverSammlung im israelitischen Gemeindehause statt. Referent war Herr Adolf Böhm, Obmann des innerösterreichischen Distriktskomitees, der über den 8. Kongress berichtete. Der Referent leitete seine Ausführungen mit einem Ueberblick über die Entwicklungsgeschichte des Zionismus ein. Er hob sodann den Kontrast hervor, in welchem die Tätigkeit der zionistischen Leitung zur Zeit Dr. Th. Herzls zu der praktischen Wirksamkeit der jetzigen zionistischen Periode steht. Während die frühere Tätigkeit einen fast diplomatischen Charakter trug, sind jetzt die leitenden zionistischen Kreise bestrebt, einer zielbewussten, praktischen Vorarbeit in Palästina Rechnung zu tragen. Die zuwartende Politik der Charteristen muss jetzt der energischen Initiative der sogenannten Praktischen weichen. Wir müssen uns den Charter erarbeiten, den wir ohne Basis nie erlangen können. Dieses Ziel verfolgen die Am träge, welche die Praktiker am 8. Kongress durchgebracht haben. Herr Böhm unterzog hierauf die Beschlüsse des Kongresses einer gründlichen Erörterung und schloss mit einem Appell an die Versammelten, den palästinensischen Fragen das grösste Interesse zuzuwenden. Nach diesen hochinteressanten Darstellungen des Referenten, der mit stürmischem Beifall akklamiert wurde, schloss der Vorsitzende Herr Prof. Dr. Jul. Werner mit einem Dankesworte an den Redner die Versammlung. Jaslo. In einer Sitzung der jüdischen Kultusgemeinde unterbreitete der Kultuspräsident einen Antrag auf jährliche Subventionierung des neugegründeten „israelitischen“ Rabbinerseminars in Lembarg. Das Vorstandsmitglied H. Mendel Meller trat diesem Anträge scharf entgegen und führte aus, dass eine jüdische Gemeinde eine solche Anstalt nicht unterstützen dürfe, deren Ziel es sei, die jüdischen Kinder ihrem Volke abtrünnig zu machen und sie mit Gewalt einem fremden Volke zu assimilieren. Diese Rede machte einen tiefen Eindruck und hatte die Ablehnung des Antrages zur Folge. Mitteilung der Redaktion. Ich bringe hiemit zur Kenntniss, dass ich am 1. Dezember meine Redakteurstelle bei der Jüdischen Zeitung verlasse. Rudolf Nassau.

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