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Jüdische Zeitung · 1907-11-29 · 20 (29.11.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
20 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Zeitun □-—_ Redaktion, Administration und Wochenschrift. Abannementspreise: Inseratenaufnahme: Erscheint jeden Freitag. In Ocsterreich-Ungarn: IX., ^ÜFl<CDsfrassc 9* Ganzjähr. K 10.— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Telephon Nr. 14.199. In Deutschland: Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Ganzjähr. Mk. 10.—, Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr Zeitungsbureau Goldschmied t, I., Wollzeile Nr. 11. halbjähr. Mk. 5.—. Vierteljahr. Mk. 3.—. ' vormittags. n-c Einzelne Nummern 20 Heller. Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15.—. □ ... .. ..L Vertretungen in der Provinz: In Brünn : Z e i t u n g s b u r e a u, Ferdinandgasse. - In Prag: Z ei t n n g s v e r s c h 1 e is s Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl ßuchstab. Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig Nr. 20 Wien, Freitag, den 29. November 1907 I. Jahrgang. Der jüdische Nationalverein für Oesterreich veranstaltet Dienstag den 3. Dezember 1907, um 8 Uhr abends im Restaurant „Zum goldenen Widder“ II., Taborstrasse 3S eine Öeffentliche Vereinsversammiung. Tagesordnung: Die klerikale Gefahr! Wiener Freisinn! Referenten: Abgeordneter Dr. Mahler. Abgeordneter Adolf Stand. Der Vorstand. Die p. t. Abonnenten, die mit dem Abonnement im Rückstände sind, werden ersucht, den fälligen Betrag zu überweisen, da sonst die weitere Zusendung eingestellt wird. Die Administration. Oie Menorah. Und einer war, der wie ein König war. Von hohem Wuchs und glänzend;sch warzen Augen Mit Angen. drin die Sehnsuchtsglut gebrannt. Res ganzen Volkes ohne Heim und Land — Lud wollte doch am Lieht nur' Diener sein Lud der Menorah neuen Glanz* verleih’n. Roch nahm ihn Gort zu sieh, eh’ er das Land Das neue, der Verheissung, konnte seh‘11. Die Hoffnung Hess er seinem Volk als Pfand: Er wird in seinem Sohne aufersteh'n. •End ist getrübt jetzt der M.-norah Sehein, Im Land der Väter wird sie heller sein. Wien. M. S e h e r 1 a g. Chanukka. „Das Volk erlöst bloss seiner Führer Blut“. Dieser Satz findet sieh im Gedichte Zangwills, das er unter dem Eindrücke des Todes Herzls •geschrieben hat. Ein tiefer Gedanke ist in diesen Worten enthalten, ein Gedanke, den die Ereignisse der Geschichte mehr als einmal bestätigt halten. Keine Bewegung, keine Revo- Intion, kein Volksaufstand, keine Kationenbefreiung ist verlaufen, ohne dass die ersten Führer ihr Blut verspritzt hätten. Jede Bewegung hat ihre Märtvrer nötig. Gleichsam als ob erst das Blut der Besten-und Edelsten die Weihe geben würde. Kur Grosse und wahrhaft Helle können darum Befreier und Helden sein, uic-ht Helden des Erfolges, sondern Heroen der Idee, der Ueberzeugung und Opferwilligkeit. End je mein- Helden, je mein- Märtyrer ein Volk aufzuweisen imstande ist. desto höher ist es einzviseliätzen, desto grösser ist es. Das jüdische Volk hat genug Märtyrer gehabt, mehr als alle anderen Völker zusammengenommen, grössere Helden als Römer und Griechen. Andere besiegte Völker sind entweder spurlos von dem Schauplätze der Geschichte verschwunden oder hallen-ihre Freiheit zu erkämpfen versucht, um — sei es als neuerlich Besiegte oder als Sieger — zugrunde zu gehen. Kur die .Tilden trotzen jahrtausendelang den Feinden von aussen, dem Wurm von innen und erstehen immer zu neuem Lehen, verjüngt, gekräftigt, bereit, den Kampf mit der ganzen Welt zu Ende zu führen. Und dies ist nicht, mehr ein Heldentum der Person, dies ist bereits das Heldentum eines Volkes. Man sehläge in unserer Geschichte nach. Diese Zeugin unserer Leiden und unserer Taten wird diese Behauptung jjekräftigen. sie wird neuen Mutgehen. Hs ist. wie Heine sagt: '„Wenn nur noch ein .Jude auf der Welt leben würde, es würde sieh verlohnen, eine weite Reise zu maeh.n. um dem Nachkommen dieses heroischen Geschlechtes die Hand zu drücken.“ In traurigen und dunklen Zeiten, wo man an seinem Volke und seiner Arbeit verzweifelt — und jeder ernste, ehrliche Kämpfer wird erst durch Zweifel zur höheren Wahrheit und zur tieferen l.'eberzcugung geführt — nehme man die jüdische Geschichte zur Hand und lese in den alten Berichten. Dann wird man gene¬ FEUILLETON. Sabbat. Hille Kindergeschiehte für Grosse. Skizze von M. S e h e r 1 a g. Hs war in der schwülen Rechenstunde eines Freitags — sc, uni die Jausenzeit — dass der Lehrer seine überhauchte Hornbrille mit besonderer Wichtigkeit bis zu den gezählten Stirnhärehen hinaufschob und mit krähender Stimme, verkündete.: ..Von morgen an haben die •Juden auch an Samstagen in die Schule zu kommen."' Und tat einen Blick auf die Juden- Link. Fünf kleine Kerle sassen da, wie Verurteilte vor den Geriehtssc-hraniken, stumpf und schweigsam, als begriffen sie nicht den Sinn •ler Worte. Musste sie also der Lehrer wiederholen; mit bekräftigendem Spruch: „Kur Blöde glotzen so,“' tat er es. Fünf schwarze kleine Köpfe neigten sich hin und her, schlugen förmlich aneinander und schienen sich auf eine stumme Art gründlich zu verständigen. . Als einige Zeit später die Klasse entlassen wurde, drängten sieb die fünf Judenkinder, die nots von den anderen abgesondert und beisammen waren, wie eine Handvoll Häringe, dem Ausgange zu, drausson auf dem leeren Spielplatz vor den Sehulfenstern hielten sie grosse Beratung ab. Waren ja durchwegs ernste Kinder, frühreife Knirpse, die keinen Spass verstanden und die Heiligkeit des Sabbat vollauf zu würdigen wussten. Schon das Ausruhen von den Schularbeiten war gottvoll. Und dann das Fernbleiben von den feindseligen Christeububen ... So fiel denn die Beratung nicht anders aus, als ale es wünschten. Während sie einander die Hände reichten, mit dein Versprechen, morgen in die Synagoge statt in die Schule zu gehen, fragte einer schüchtern: „Und wer morgen dennoch in die Schule geht? . . . “ Acht Augen richteten ihre verdutztesten Blicke auf den Fragenden. Der war ein blasser, schmächtiger Junge mit blauen Augen und schmaler Käse. Keinem Kameraden hatte er sich so recht herzlich angesehlossen, übrigens hätte auch keiner den widerspruchsvollen und einsamen Grübler recht verstanden. Aber jetzt verstanden sie ihn alle gar gut und flammten auf und riefen, die Fäuste ballend Untersteh dich. Leiser!"• . . . Worauf Leiser mit zitternden Mundwinkeln: ..Ich habe ja nur so gefragt."' ..Dein Glück!“ riefen sie einhellig. Damit stoben sie auseinander und suchten ihre Wohnungen auf, leicht und heiter. Kur Leiser ging schweren Schrittes heim, den Kopf gesenkt, wie unter der Last der Gedanken. Düster trat er in die armselige Stube, begrüsste die blas-- Mutter, die soeben die letzten Vorbereitungen zuut Empfange der Prinzessin Sabbat machte. Rr konnte kaum die Xacht erwarten, wo mau ungestört nach denken und träumen kann. Da lag er nun in später Kaelu. mit heisrer Stirn und offenen Augen und grübelte. Ein krankhafter Ehrgeiz zehrte au dem kleinen Herzen und machte es hastiger mul lauter schlagen . . . Jetzt bot sielt ihm Gelegenheit, sich so recht über seinen engeren Mitselnilerkreis emporzuschwingen, der erste unter den Juden zu werden. Xoeh eine andere, süssere Hoffnung schleicht in sein Herz: Morgen würde der Lehrer ihn als den einzigen ..gehorsamen“ Juden, nicht allein in der .Judenbank sitzen hissen, sonile,u ihn unter die Christen, etwa gar in Annas Kälie, versetzen. Anna war ein strammes blondes Ding, das in der zweiten Bank aul der Mädchenseitü rechts sass und ihm zuweilen einen lächelnden Blick zuwarf —- wiewohl sie Christin war. Leiser seliln-s für eine Weile die Augen, ihm war, als lächelten auch die anderen Schüler

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