Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 19 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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J ftdische Zeitnn Wochenschrift. Erscheint jeden Freitag. Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Zeitungsbureau Goldschmied t, I., Wollzeile Nr. 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Vertretungen in der Provinz: In Brünn : Zeitungsbureau, Ferdinandgasse. — In Prag: Zeitungsverschleiss Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Bachstab. Bucbhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., ^ÖF^cnstFass« 9. Telephon Nr. 14.199. □= Sprechstunden täglich von 10-12 Uhr vormittags. =□ Abiinnementspreise: In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.— halbjähr. K 5.—, vierteijähr. K 3.—. In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Im Obrigen Ausland ganzj. Frcs. 15.—. =■.=-..□ Nr. 19, Wien,- Freitag, den 22. November 1907. I. Jahrgang. Der zionistische Zentralrerein veranstaltet am 30. November im Restaurant Balda II., Obere Augartenstrasse 2 am 4. Dezember im Hotel Zentral II., Taborstrasse S am 5. Dezember im Verbandsheim VI., Königseggasse Festredner: Die jüdischnationalen Reichsratsabgeordneten. grosse Makkabäer Festredner Die p. t. Abonnenten, die mit dem Abonnement im Rückstände sind, werden ersucht, den fälligen Betrag mittels dss ihnen zugesandten Erlagscheines zu überweisen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Administration. Ministerprogrpme. »Werden die christlichsozialen Minister schon im Rahmen diesesKoahtionskabinetts trachten, das Programm der christlichsozialen Partei za verwirklichen?" »Selbstverständlich*, sagte Dr. Lueger, »dazu sind sie ja im Ministerium, dass sie etwas leisten ~ »Aber wird die Durchführung eines spezifiscti christlii hsozialen Programmes die christlichsozialen Minister nicht mit anderen in der Regierung vertretenen Parteien in Konflikt bringen?u »Den Ansgleich zwischen Gegensätzen zu Baden, wird eben die Aufgabe der Regierung sein . . .' Es ist ein Bruchstück aus einem .Interview des Korrespondenten der .Berliner „Täglichen .Rundschau" mit Dr. Karl Lueger. Kurz, aber deutlich. Wortkarg, aber inhaltsreich. Wie grelles Schlaglicht die politische Situation der österreichischen Juden jK'leueivtmul. .. In. den. lapidaren Antworten des ehristiic-hsozialen Parteiführers offenhart stell der feste Wille, den nunmehr minister- und regierungsfähig gewordenen Antisemitismus der Wiener Ratlnvuspartei auch von der .Ministerbank aus praktisch zu betätigen. Darin liegt die grosse (Jefahr für uns .Juden, Die liberale Presse will einer alten Taktik getreu den unverkennbaren klerikalen lind agrarischen Einschlag des neuen Ministeriums als Hauptgefahr hinstellen und erhellt in allen Tonarten ihr altbekanntes Geraunze antiklerikaler Hysterie. .Sie hat jetzt viel Glück in ihrer politischen Isolierung, die seit den letzten Wahlen so unverhiillt und unzweifelhaft hervortrat. Luegers von stolzem Siegesbewusstsein diktierte “Rede auf dem Katholikentage wird von den liberalen Blättern mit Freude anfgegriffen. Gegen ihren Willen haben sieh die deutsch-antisemitischen Parteien im Parlament ralliiert und der Antisemitismus, sicherlich aber der Asemitisinus bat dabei als fester politischer Kitt gedient. Die Hoffnung der Fortschrittler, die noch immer in der hochmütigen Ignorierung ernster politischer Bündnisfälligkeit der Ohristlielvsozialen verharren, dass, der offene oder verkappte Klerikalismus der Wiener Antisemiten eine unüberbrückbare Scheidewand zwischen „freiheitlichen“ und klerikalen Deutschen bilden und die parlamentarische Stellung des arg dezimierten deutsch fortschrittlichen Häufleins festigen werde, bat sieh als trügerisch erwiesen. Die Deutschfreilieitlichen sind im Parlament die liebedienerischen Sehlcppträger der Christlichsozialen und folgen i h r e m Kommando. Daran wird der Rummel über Luegers iinivorsirätsfeindliche Rede nicht viel ändern. Die Herren werden sieh wiederfinden. Die liberalen Blätter haben zu früh und zu laut gejubelt. Bei der Durchführung des klerikalen I’rogranimcs werden sieh die christlichsozialen .Minister einigen Zwang auferlegen müssen. Sie werden trotzdem in stiller, unauffälliger Maulwurfsarbeit „etwas leisten". Ihre erfolgreicher.?, ungeniertere Arbeit wird auf anderem Gebiete liegen. Zum spezifisch christlichsozialen Programm gehört der praktische Antisemitismus, dessen Betätigung wir Juden aus der ehristliehsozialen Kommunal- und Landesverwaltung genügend kennen. Er wird die christlichsozialen Exzellenzen und ihre dienstbeflissenen Untergebenen mit den anderen im .Ministerrate sitzen- FEUILLETON. Terra incognita. Von Davis T r i e t s e h, Jaffa. Im neuesten Prospekt von Cooks Aegypten- und Nilreisen ist auch etwas über Pal ästina-Touren erwähnt. Es heisst dort: „Es dürfte vielleicht nicht allgemein bekannt sein, dass Palästina nur etwa dreissig Stunden von Kairo entfernt liegt, und dass eine interessante Tour nach Jaffa, Jerusalem, Bethlehem, dem Toten Meere, dem Jordan und Bethanien in acht Tagen unternommen werden kann.“ j Wie merkwürdig unbekannt Palästina und j alles, was damit zusammenhängt, selbst denen; ist, von denen bessere Kenntnis zu erwarten I wäre! Hier schreibt selbst Cook, der Aller- J welts-Reise-Manager, von einer Entfernung von 30 Stunden, während ntan’s, wenn es emigermassen „klappt“, schon in weniger als 20 Stunden machen kann. Von ■Kairo nach Port Said dauert die Bahnfahrt etwa vier Stunden und von Port Said nach ' Jaffa braucht ein Dampfer 12—14 Stunden. Reisende, die auf ihrer ägyptischen Tour den Hafen von Port Said berühren, brauchen also nur mit einer Entfernung von 12—14 Stunden für einen Abstecher nach Palästina zu rechnen. Hier versagt also die sonst so rühmliche Zuverlässigkeit Cookseher Angabe und noc-h dazu: der Irrtum verschlechtert die Chancen der Wirksamkeit von Cooks Palästina- Propaganda. An und für sich ist die Sache ja nicht belangreich. Aber wenn man sieht, wie selbst die Stau d a r d -W e r k e in ihren Angaben über Palästina und seinen nächsten Länderkreis irregehen und irreführen, so lohnt es wohl ein wenig, diese Dinge zu beleuchten. Schon die neueste Landkarte zu Cooks Orientreisen bietet weiteres Material zu derlei Betrachtungen. Die Karte ist so neu, dass die im vorigen Jahre eröffnete Bahnverbindung Aleppos (von Süden her) schon aufgenommen ist. Aber die neue Grenze des anglo-ägyptiscben Sinaigebietes ist nicht angegeben und auch nicht die alte, sondern eine falsch e, die das ganze im Tabah- Konflikt strittige Gebiet den Türken überlässt, obwohl es doch gerade an England-Aegypten gefallen ist! Die Bahnverbindung von Cairo mit dem Suez-Kanal fehlt auch, so dass die Verbindung auf dieser Karte nicht gerade ermutigend wirkt, während doch die bequeme Verbindung Palästinas mit Aegypten einer der wichtigsten Faktoren in der Entwicklung des Landes ist, und während die Schienen Verbindung von Capstadt ete. mit Aegypten (und also auch mit Palästina) von Jahr zu Jahr in greifbarste Nähe rückt. Aber auch die ebenfalls immer aktueller werdende Eisenbahnverbindung Palästinas m i t Europa (reiner Landweg abgesehen von dem Trajekt über den Bosporus) ist in völlig falscher Form auf dieser neuesten Kartenskizze angegeben. Ein wesentliches Stück der anatolischen Bahn ist vergessen worden anzuzeichnen, so dass die deutsche Konia-ßahnstrceke nicht a 1 s so leite, sondern als ein Fortsatz der englischen Smyrna-Bahn erscheint. Konia selbst ist nicht erwähnt. M e r s i n a ist fälschlich als T a r s u s angegeben etc. etc. Aber schlimmer als dies sind die falschen Angaben in den Standard-Werken, die fast'dazu zwingen, jede Ziffer und jede Notiz, die man findet, nochmals nachzuprüfen, bevor man sie weiter gibt. So werden schon die Grössenverhältnisse des Landes fast überall falsch angegeben. Man findet für den Verwaltungsdistrikt JeruSalem mehr als 20.000 qkm angegeben, während es nur 9000 sind. Aebnlieb falsch sind die An-