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Jüdische Zeitung · 1907-09-20 · 10 (20.9.1907) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
10 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 10. .sehen Reichsratskandidaten grosses Vertrauen entgegen Nur'dem Terror der polnischen Schlachzizen, den schamlosen Wahlskandalen und -fälschungen ist es zuzuschreiben, wenn die Zahl der gewählten Zionisten sich auf vier beschränkt. Eine Folge der national-politischen Propaganda der Zionisten ist auch d i e i mm er mehr zunehmende Nationalisierung der anderen jüdischen Parteien. Freilich geschieht sie nicht immer aus aufrichtiger Gesinnung. Beim Bund“ und bei der Jüd. Volksgruppe“ z. B. ist sie nichts weiter als politische Heuchelei; nur notgedrungen und zähneknirschend geht man auf die Sprache der Zionisten ein und akzeptiert in seinem Programm die hauptsächlichsten nationalen Forderungen derselben. Bei vielen hingegen sind die nationalen Forderungen ein Produkt ehrlicher nationaler Gesinnung; so z. B. bei der in letzter Zeit aufgekommenen, stark zionistisch gefärbten jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei (die sog. , Sseimisten“). _ Korrespondenzen. Jubilierende Khillegermanen. Prossnitz. Bei uns wurde vor 60 Semestern eine deutsch-liberale Ferialverbindung gegründet, die nun seit Jahren unentwegt arierrein ist und vor der Gefahr der Auflösung steht. Am 1. September hat ein Festkommers, der mit grossem Tamtam vor sich ging, kostspielige Galvanisierungsarbeit verrichtet Minister depeschierten, Abgeordnete kamen, Germanen aus Saaz, Cimbem aus Iglau, Alemanen aus Prag, Sueven aus Wien bildeten Staffage, ohne das jüdische Kommersbild irgend retuschieren zu können. Auch die unfreiwillige Arierreinheit macht die deutschliberalen Kouleurs solidarisch. Immer weniger Paradearier verirren sich in die wankenden Bollwerke jüdischen Deutschtums. Käme es bei der Beurteilung und Wertung des nationalen Charakters solcher Kommerse und Korporationen wirklich nur auf die Quantität und stimmliche Qualität der Heilrufe an, dem Ferialklub jüdischer Hochschüler in Prossnitz wäre ein deutschnationaler Preis nicht strittig zu machen. Heil brüllen und Begeisterung posieren können die urdrolligen Prossnitzer Deutschtumskämpfer. Aber auch grosse Politik haben sie gemacht. Sie und ihre Gäste. Ihr Festredner hat gegen den Klerikalismus gewettert, die „Freie Schule“ kompromittiert, den deutschen Nationalgedanken aufs Prossnitzer Khilleniveau herabgedrückt. Der Abgeordnete Primavesi, ausnahmsweise ein arischer Gast, hat den Jubilaren eine erhebende politische Wahrheit verkündet: Nach dem Falle Ofner- Hock-Kuranda, nach der Gründung eines antisemitischen deutschnationalen Verbandes und dem regelrechten Hinauswurfe der Deutschfortschrittlichen hält er an der „Schaffung einer grossen deutschen Partei, die Christlichsozialen inbegriffen1, fest Entweder ein unverbesserlicher Schwärmer — dann taugt er wohl für Prossnitzer Festkommerse, aber nicht für ernste Politik, — oder aber er wollte seinen Gastgebern schön tun, die wie echte politische Gimpel auf solchen Leim allerdings unzweifelhaft fliegen. Wir und alle selbstbewussten Juden glauben, dass die Zumutung, Juden sollen nach den Vorfällen der letzten Monate für eine grosse deutsche Partei eintreten, eine geringe Einschätzung ihres Ehrgefühls und ihrer Würde bedeutet. Es überrascht nicht, wenn deutschliberale Studenten solche moralische Oh feigen, die ihnen ihre . Konnationalen häufig genug verabreichen, mit neuerlicher Anbiederung und läppischem Heil quittieren. Nach dem Olmützer Abgeordneten Hess der Abgeordnete Redlich, der als getaufter Jude das Prossnitzer deutsche Gesellschaftsbild wenig verändert, ein bengalisches Feuerwerk deutschnationaler Phrasen und deutschfreisinniger Gemeinplätze über die jubelnde Korona niederprasseln. Viplleicht ist ihm aufgefallen, dass arische Studenten der Veranstaltung femblieben. Und die Wahrnehmung, die er in Prossnitz schon vor einem Jahrzehnt bei dergleichen Kundgebungen der deulschfortschrittlichen Kreise hätte machen können, entlockt ihm den Klageruf, „dass sich ein grosser Teil der deutschen Jugend von der alten freiheitlichen Partei abgesondert hat“. Gut gesagt! War es wirklich nur ein grosser Teil, oder sind es nicht vielmehr fast alle? Und dann, dieser . grosse Teil“ hat sich nicht abgesondert, sondern hat eine Gruppe klettenhafter deutschjüdischer Studenten gewaltsam isoliert. Hinc illae Iacrimae! Herr Kammerrat Back überbrachte die Grüsse der Hauptleitung des deutschen Schulvereines in Wien und der nationalen Schutzvereine von Prossnitz. Diese Schutzvereine, fast ausschliesslich aus Juden bestehend, gehören zu jenen famosen Ortsgruppen, denen vor paar Jahren auf den Hauptversammlungen ausdrücklich zeitlich fest beschränkte Schonzeit bewilligt wurde. Ist diese abgelaufen, wird Judenreinheit dekretiert Die Hauptleitung des Deutschen Schulvpreines, der kaum jemand wird politische Sympatien für die Prossnitzer Juden nachrühmen wollen und die nur ihre nationale Hilfe nicht entbehren will, kommt wohl sehr unschuldig zu der Teilnahme an dem Feste der Prossnitzer Khille. Alles in allem: Die „imposante Kundgebung für eine wahrhaft freisinnige Politik“ täuscht keinen Kenner der Prossnitzer Verhältnisse darüber hinweg, dass das widerwärtige jüdische Prossni'zer Germanentum trotz Primavesi, Redlich, Ministerdepeschen, Schulvereinsgrüssen und Schutzvereinen in den letzten Zügen liegt Verfolgung jüdischer Zeitungen. Petersburg. Die Zeitungen in Wilna „Hasman“ (hebräischesTagblatt). Volkszeitung“ (bundistisch), „Das Wort“, „Die Volksstimme“ sind von der Behörde suspendiert worden. Die! eingestellten Blätter gehören zu den bedeü- | tendsten jüdischen Pressorganen Russlailds.' ] Die Massregelung gewinnt gerade jetzt vor j den dritten Dumawahlen erhöhte Bedeutung, j Peter.-duirg. Dem Semstwo-Kongress in Moskau ist vom Grafen Uwaro.w ein Bericht, j über die Zulassung der Juden zur S e 1 b s t v e r w a 11 u,n g eingereicht worden. Darin betont Uwarow, dass er als Vertreter des Gouvernements Saratow kein Hindernis erblickt, die J udenzurSemstwo-Verwaltung I zuzulassen,obgleich der ministerielleEntwurf die Teilnahme der Juden an der S em s two-Vertretung untersagt. Der erste i Semstwo-Kongress habe einen grossen Fehler begangen, indem er die Judenfrage mit Stillschweigen überging. So heisse Debatten die Frage auch her vorrufen möge, es müsse Klarheit geschaffen werden. — Ein kaiserlicher Ukas bestimmt ergänzend zu dem Gesetz über die Glaubensfreiheit, dass Juden, die früher zum orthodoxen Glauben übergetreten sind und jetzt wieder den jüdischen Glauben annehmen, ihr durch den Uebertritt zum Prawoslawentum erworbenes Bürgerrecht verliehen und in das Ansiedlungsgebiet auszuweisen sind. Konferenz j agendl ich er j üdischer Arbeiter. Lemberg. Am 30. September und 1. Oktober findet in Lemberg die erste Konferenz der jüdischen jugendlichen Arbeiter und Handelsangestellten in Oesterreich statt. Tagesordnung: Eröffnungsrede; Wahl des Präsidiums; Rechenschaftsbericht des provisorischen Zentralkomitees; Unsere ökonomischen Aufgaben (Lehrlingsfrage, Keisennterstützungsfond); Kulturelle Aufgaben; Organisation; Agitation. Verband der deutschen Juden. Frankfurt. Die Hauptversammlung findet in diesem Jahre am 13 Oktober in Frankfurt a.M. statt. Samstag, den 12. Oktober soll in den Räumen der Frankfurt-Loge eine Vorbesprechung der Delegierten stattfinden, der sich in dem grossen Saale derselben Loge eine Begrüssungsfeier anschliessen wird. Sonntag beginnt die Arbeit mit einer gemeinschaftlichen Sitzung der Korrespondenten des Verbandes, worauf um 11 Uhr die Hauptversammlung im Saalbau eröffnet wird. Auf der Tagesordnung stehen, da Dr. Nathan durch eine Auslandsreise am Erscheinen verhindert ist, folgende Vorträge: Prof. C o h e n-Marburg: „R e 1 igiöse Postulate / Prof. Ph i I i p s o n-Berlin: „Staatsinteressen und Judenpolitik“, Korreferent: Rechtsanwalt Df. Loeb-Mainz. Die Hauptversammlung ist öffentlich. Lemberg. Seitdem das Organ der konservativherrschenden Partei und des Statthalters, der Krakauer Czas“, objektive Artikel über den Zionismus aus der Feder des Schriftstellers Wilhelm Sobel bringt, beginnen die massgebenden Kreise unserer Volksbewegung, deren Wucht anlässlich der Reichsratswahlen mit elementarer Gewalt zu Tage getreten ist, eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Abgesehen von der käsegelben, ewig neidischen sozialdemokratischen Landespresse,die es nicht verschmerzen kann, dass das ernsthafte Blatt des Landes Leitartikel über den Zionismus bringthaben die Blätter von dieser Tatsache Notiz genommen. Besondere Beachtung verdient ein redaktioneller Leitartikel der „Gazeta Narodowa“ in Lemberg, welche augenscheinlich durch den Artikel im Czas inspiriert eine Annäherungspolitik der regierenden Partei an die zionistische bespricht: Tempora mutantur. Eingesendet. Geehrte Redaktion! Vor einigen Wochen ward vom „SIowo Polskie“ die Botschaft verbreitet, dass sich die Abgeordneten Löwenstein und Gail unter Führung desAbg. Abrahamovicz zum Kriegsminister begeben haben, um ihn zu ersuchen, die jüdischen Soldaten am Roschhaschono von der Teilnahme an den Manöverübungen zu befreien und dass der Kriegsminister es ihnen versprochen habe. Das „SIowo“ schlug aus dieser Mitteilung Kapital und verwertete sie zur Agitation gegen den jüdischen Klub im Parlament. Dass die jüdische Abgeortneten im Polenklub während der verflossenen Parlamentstagung kein Lebenszeichen von sich gaben; dass ihre einzige Leistung darin bestand ihre Glaubensgenossen“ vom Jüdischen Klub in offener Parlamentssitzung zum Gaudium der vergnügt zusehenden Antisemiten anzugreifen; dass sie es nicht verstanden haben, den Polenklub von der Unterstützung einer antisemitischen Präsidentschaftskandidatur abzubringen; ja, dass sie nicht einmal versuchten, die seitens des Polenklubs aufgestellte Kandidatur des Abg. Starczynki, dessen antisemitische Gesinnung notorisch ist, zum Vizepräsidenten zu hintertreiben; dass dagegen die jüdischen Abgeordneten vom Jüdischen Klub an Interpellationen und Anträgen ein hübsches Stück Arbeit geleistet hatten, das alles verschweigt das .SIowo Polskie“ wohlweislich. Nur diese'Nachricht posaunt c-r aus. ,, > Wie erstaunt waren wir r.un, als wir sahen,i dass .auch diese Mitteilung nicht dcr.Wahrheit entsprochen hatte. Am Raschhaschono waren wir Zeugen, wie schwer die jüdischen Soldaten auf ihfem'Durchmarsche durch unser Städtchen unter der Last der Tornister seufzten. Wozu-war also der ganze Lärm? Der Zweck ist .durchsichtig: die jüdischen Wähler zu ködern. Wir aber sehen, dass es auf die jüdischen Abgeordneten im Polenklub kein Verlass gibt! ' ~ : v Halicz, den 11. September 1906. ' M en d e 1 Ak s e 1 ra d. Für das studentische Herzldenkmal in Moza bei Jerusalem: Sammelbogen Nr 7. Zion. Mädchenverein „Jehudith“, M.-Ostrau, Ign. Steuer, Familie Samek, Sommergäste Villa Bellevue Bistrai, D. Richter Bistrai, unleserlich ä K 2.—, Salom. Körbel K 1.-, N. N. K - .60 . . K 11.60» Sammelbogen Nr. 85. jur. Artur Gallus, Artur Neumann, Artur Gallus, Spitzer Viktor ä Kl. - , Teltscher 0 40, Paschkes 0.20 . . K 3.6Ü Jakob Salomowitz, M.-Ostrau, durch Juristen Löw .K 1.— Summe K 16.20 Für das Studententenkomitee zur Errichtung einest Herzldenkmals in Moza bei Jerusalem Ing. OttoKrasny Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Wien. (Jüdischer Turnverein ) Das Verbandsschautumen der jüdischen Turnverein, das zu Pfingsten d. J. in Wien stattgefunden hat, ist noch in frischer Erinnerung. Die jüdischen Turnvereine haben die Kraftprobe glänzend bestanden. Das Verbandschauturnen äusserte aber auch eine nachhaltige Wirkung auf die Wiener Turnvereine. Durch Berührung mit den anderen Turnvereinen, speziell Deutschlands, kam ein frischer Zug in unser Turnen. Der Sommer brachtedarin keine Unterbrechung und nunmehr gehen die- Wiener Turner mit frischer Kraft daran, zur Beteiligungfür das Schauturnen in Graz und für dasjenige, das der I. Wiener Jüd. Turnverein im Winter in Wien ab-» halten wird, zu rüsten Die diesjährige Saison hat bereits begonnen. Das Herrenturnen findet wie alt—- jährlich auch heuer Montag und Donnerstag von? >/ü8—9 h, das Damenturen Mittwoch und Sams-, •tag von 7— */29 h statt. Für das Kinderturnen sind die Stunden noch nicht festgesetzt. Anmeldungen fiirden I. Wiener Jüd.Turnverein werden während der Turnstunden am Turnplätze I. Mölkerbastei 5 entgegengenommen. Oderberg. Sonntag, den 15. Sept. 07 veranstaltetedie jüd.-akad. Verbindung Ivria-Wien in Oderberg im-, Saale des Hotel Austria unter dem Vorsitze des Herrn. Josef Zänker eine allgemein zugängliche Versammlung, in der Herr Ing. Robert Stricker über „Die politische Stellung der Juden in Österreich“ referierte. Ing. Stricker besprach in eingehender Weise die bisherige Politik der Jucen, die ihnen nur Schaden und Verachtung aller anderen Nationen eingebracht hat. Die Ausführungen des Referenten wurden mit Begeisterung und lang anhaltendem, stürmischem Beifall aufgenommen,. Hierauf sprach Dr. Hugo Deutsch über das Wesen, des jüdischen Nationalfonds und forderte die Versammlung auf, dieses Gemeingut des jüdischen Volkes nach Kräften zu unterstützen. Dr. Deutsch verliest sodann foIgendeResolution.die einstimmig angenommen wurde; „Überzeugt, dass die bisherige Politik der Juden, die sich darauf beschränkte, fremdnationaien Parteien bedingungslos Gefolgschaft zu leisten, nur zurSchwächurig des Judentums beigetragen und ihm alles andere als die Achtung seiner Wirtsvölker errungen hat, begrüsst die am 15. Sept. 07. im Saale des Hotel Austria in Oderberg tagende Versammlung die Schaffung einer jüdischen Nationalpartei in Österreich, erklärt sich mit ihren Tendenzen solidarisch und erkennt im reichsrätlichen Jüdischen Klub die einzig berechtigten Vertreter des jüdischen Volkes in Österreich.“ Hierauf erhält Dr. Teller das Schlusswort in welchen er für die zahlreiche Beteiligung und das lebhafte Interesse der Versammelten wärmstens dankte. Budapest. (Ein neuer Tempel in Budapest.) Hier .hat sich ein Komitee nnter dem Vorsitz des Präsidenten der orthodoxen isr. Kultusgemeinde Moses. Freudiger gebildet, welches die Aufgabe hat, einen, neuen isr. Tempel zu errichten. M.-Ostrau. Wie im Vorjahre, verarstaltete auch heuer die hiesige Ferialvrrbindung „Hessiana“ eine Reihe von öffentlichen Vorträgfn, die gut besucht waren. Es sprachen cand jur. Hermann L ö w (IvriaV über „Jüdische Wirtschaftsgeschichte“ (2 Vorträge) und cand. ing. Otto Krasny (Ivria). über die .Oekonomische und kulturelle Lage des Judentums“. An die Vorträge schloss, sich eine lebhafte Diskussion. Briefkasten. Scheraga, Suczawa. Ihr Beitrag ist nicht druckreif. — Anonymus. Die Form Ihres anonymen Briefes und die Beschimpfung der Redaktion charakterisiert Sie genügend. Vielleicht haben Sie den Mut, Ihr Anliegen in anständiger Form der Administation mitzuteilen. die Ihre Beschwerden allein angehen?

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