Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 9 (13.9.1907)
- Date
- 1907-09-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 9. des Antisemitismus zu widmen und die bürgerlichen Rechte für die Juden in allen Ländern, in denen sie dieselben noch nicht besitzen, zu erkämpfen. Bezüglich des jüdischen Klerikalismus erkennt der Kongress, dass derselbe der grösste Feind des jüdischen Volkes ist, da er künstlich das Volk im Aberglauben und in Unwissenheit, sowie in religiösem Fanatismus erhält Der Kongress fordert die jüdischen Freidenker auf, eine rege Propaganda unter den Juden zu Gunsten der Prinzipien und der Weltanschauung der Freidenker zu veranstalten und das jüdische Volk von dem joche des jüdischen Klerikalismus zu befreien und die Erziehung und Bildung in den Schulen auf das Fundament derreinenLaien-Verhältnisse zu stellen.“ Iglau. Am Dienstag, 3. September, traf die in Altenberg bei Iglau zum Sommeraufenthalt weilende Familie unseres A. C. Mitgliedes Dr. Alexander Wolf aus St. Louis ein schrecklicher Schicksalsschlag. . Frau Marie Wolf, die Gattin unseres Gg., eine ergebene Anhängerin unserer Sache und durch grosse schriftstellerische und künstliche Begabung hervorragende Frau, hatte das Unglück, beim Baden ihr Töchterchen A n n i e durch das hochgehende Wasser des Igelfiusses fortgerissen zu sehen. Bei dem Versuche das Kind zu retten, ertrank die Mutter mit dem Kinde. Der unglückliche Gatte und Vater musste telegraphisch in Wien benachrichtigt werden, wo er zu Studienzwecken weilt. Donnerstag, 5. September fand das Leichenbegängnis der beiden Verunglückten statt. Die Beteiligung der ganzen Bevölkerung Iglaus war eine grosse, da der erschütternde Unglücksfäll allgemeine Teilnahme hervorgerufen hatte. Der Vorstand des jüdischen Volksvereines „Theodor Herzl“ und die Vereinsmitglieder standen Hm. Dr. Wolf in den schweren Stunden treu zur Seite. Möge ihm die allseitige innige Teilnahme ein wenig Trost bringen! Wien. (Bethausverein und Kultusgemeinde). Im zwanzigsten Wiener Bezirke, wo die galizischen Juden, die noch etwas von der guten, alten Tradition halten, in Massen wohnen, konstituierte sich vor einigen Jahren ein Humanitäts- und Bethausverein Schomrei-Hadath. Die Mitglieder sind durchwegs fromme, eingewanderte Juden, die nach dem Nusach Sfard beten und sich daher mit der Betweise in den Wiener Tempeln nicht befreunden konnten. Die israelitische Kultusgemeinde liess die Herren gewähren, da die Kultusgemeindewahlen vor der Tür standen und man doch nicht wissen konnte, wie Schomrei-Hadath stimmen werden. Nun — Schomrei-Hadath hat zionistisch gestimmt Sofort nach den Wahlen kam ein Ukas, der dem Vereine die Abhaltung von Betversammlungen untersagte. Da der Verein sich an die Weisung der Gemeinde nicht kehrte, erbat sich der löbliche Kultusgemeindevorstand die Intervention des — Wiener Magistrates. Dem Vereine blieb daher nichts übrig, als denselben Weg zu betreten und er richtete durch seinen Vertreter Herrn Dr. Josef Zipser, Hof- und Gerichtsadvokaten in Wien, eine geharnischte Beschwerde über das Vorgehen der Kultusgemeinde an die erste politische Instanz. Gleichzeitig aber beruft der Verein Schomrei- Hadath gern. § 99 der Statuten der Israelitischen Kultusgemeinde ein Schiedsgericht, in das von Seiten des Vereines die Herren Dr. Josef Zipser und Dr. David Rothblum entsendet werden. Die Kultusgemeinde, die für die religiösen Bedürfnisse der Wiener Juden soviel wie gar nichts sorgt, hat diesmal einen bösen Geist hferaufbeschworen, der ihr noch viel zu schaffen geben wird. Die Verhandlungen des Schiedsgerichtes dürften sich mit Rücksicht auf den Gegenstand sehr interessant gestalten. Oderberg. Am 15. September, 7 Uhr abends, findet im Hotel Au s tri a eine allgemein zugängliche Versammlung statt, in der Herr Ingenieur R. Stricker aus Wien . über „Die politische Lage der Juden in O esterreich“ referieren wird. Troppau. Unser Gg. Rabbiner Dr. Simon Frie dmann aus Ung.-Ostra wurde hieher berufen. Berlin. Eine Audienz beim neuen Kultusminister Dr. Holle hatte der geschäftsführende Vorstand des deutschen Rabbiner-Verbandes. Eine Vereinigung jüdischer Lehrer hatte vor einiger Zeit eine Eingabe um Abänderung der Ministerialerlasse von 1863 und 1870, welche die Erteilung jüdischen Religionsunterrichts auch durch nicht geprüfte Volksschullehrer gestattet, an das Kultusministerium gerichtet. Daraufhin ordnete der Minister eine Umfrage darüber an, wieviel ungeprüfte Lehrer (Schächter und sonstige Kultusbeamte) jüdischen Religionsunterricht erteilen. Gleichzeitig wurden die Regierungen zu Berichten darüber aufgefordert, ob die von den Lehrern angeregte Änderung wünschenswert lind bei der geringen finanziellen Leistungsfähigkeit vieler kleinerer jüdischen Gemeinden durchführbar sei. Letzteres wird nun vom Rabbiner-Verband entschieden bestritten und die Befürchtung ausgesprochen, dass bei dem Mangel an geprüften jüdischen Lehrern und bei ihrer ungünstigen Finanzlage zahllose jüdische Gemeinden auf die Erteilung von Religionsunterricht dann verzichten müssten. Der Kultusminister hat den Rabbinern eine wohlwollende Prüfung ihrer Wünsche zugesichert Göding. Der am 3. September 1. J. abgehaltene Wahlkonvent hatte folgendes Ergebnis: cand. ing. Siegfr. Steinitz x, cand. phil. Gust. Drechsler xx, cand. phil. Siegfried Holz xxx. M.-Ostrau. Unser Gg. Herr Oberlehrer Ferdinand Kraus feiert am 15. September sein 25-jähriges Lehreijubiläum. Gleich nach Absolvierung der Lehrerbildungsanstalt kam er an die hiesige israelitische Volksschule, die er seit dem vorigen Jahre leitet. Herr Oberlehrer Kraus war Vertrauensmann des mähr.-schl. D. K. und hat sich besondere Verdienste im Kampfe um die jüdische Volksschule erworben. Seit dem Bestehen der hiesigen jüdischen Volksbibliothek ist er unermüdlich als Bibliothekar tätig. Der zionistische Mädchenverein Jehudith schätzt ihn als gewissenhaften und aufopferungsvollen Beirat. In jüngster Zeit ist er damit beschäftigt, gemeinsam mit der „Hessiana“ und Herrn Dr. Schlesinger die Selbstbesteuerung für den N. F. einzuführen. Der Ausweis über die Nationalfondsammlungen musste in dieser Woche wegen der Feiertage wegbleiben.__ Briefkasten. Wilhelm V., Kremsier. Einige amerikanische Kongressdelegierte haben mir und jedem Zionisten, der sich dafür interessierte, über die Lage Morris Rosenfelds folgendes mitgeteilt: Die Alarmnachrichten über die grenzenlose Notlage des Dichters und seiner Familie, über das Stadium seiner Krankheit, über seine Arbeitsunfähigkeit und heroische Ablehnung fremder Unterstützungen sind übertrieben. Not hat er in den letzten Jahren überhaupt nicht gelitten. Nur während seines Spitalaufenthaltes war er ohne Einkommen, sonst gehört er zu den bestgezahlten jüdischen Schriftstellern, verdient genug und ist arbeitsfähig. Die Ger fahr der Erblindung ist schon vorüber. Alles, was über seine elenden Wohnungsverhältnisse, über die Gefahr des Hungertodes u. dgl. verbreitet wird, sind Schauermärchen. Die Delegierten - meinten, dass die amerikanischen Zionisten, wenn Rosenfeld wirklich Not litte, ihm den Lebensunterhalt nicht durch Almosen und Sammlungen der europäischen Juden verschaffen lassen würden. Das ist gewiss plausibel und glaubwürdig. Man erweist unter solchen Umständen dem Dichter keinen Gefallen, wenn man durch sentimentale Uebertreibungen die jüdische Oeffentlichkeit irreführt und für Rosenfeld ohne zwingenden Grund das Mitleid der nationalgesinnten Juden mobilisiert. Nss. Junge Frauen! leset Junge Mütter! „jÄntter unö Kind“. Illustrierte Halbmonatschrift für Kinderpflege, Erziehung und Frauenhygiene. Unter Mitarbeiterschaft hervorragender Kinderu. Frauenärzte und Pädagogen. Redigiert von Heinrich Handle**. ■:- Vierteljährig K. 2.— (M. 2.-). ■ Probenummer gratis in jeder Buchhandlung oder direkt von der Verlagsbuchhandlung Robert Coen, Wien, IX., Alserstrasse 6. Telephon 20683. Vorschüsse auf Lose and Wertpapiere. Losbesitzer können ihre Lose zum Tageskurse verkaufen (verpfändete werden von uns vorher ausgelöst) und sich genau dieselben Lose wieder gegen kleine Monatsraten mit sofortigem Spielrecht koulantest zurückkaufen. 17667 Wecliselstalis L. Weiss & Co. ffi«, I., Opernring Kr. 6- Amtlich eingeholte und in Evidenz gehaltene fressen aller Berufe u.Staaten mit Porto-Garantie liefert das h. o. konzess. Intern- Aflressen-Bnrean (Firmabestand seit 1869) Wien, I. Bäckerstrassef, Tel. 16881. Budapest, X. Nädor-ntrza 20. Telephon 43-37. Prospekte gratis u. franko. XISsterle Natürlicher Sauerbrunn reichste Natron £ithion-Quelle. WIEN, II. 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