Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 8 (6.9.1907)
- Date
- 1907-09-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 8 über die Herr Dr. Ofner auf dem Kongresse seine professorale Weisheit zum Besten geben könnte, und es gibt sehr viele nichtjüdische Kongreßteilnehmer, die über das von Dr. Ofner gewählte Thema mit gleicher theoretischer Gründlichkeit und weit größerer persönlicher Berechtigung sprechen könnten. Doch nein, Dr. Ofner bleibt seiner alten gefährlichen Taktik Iren und wählt ein Thema, das, von einem Juden behandelt, sieh als dreiste Einmengung in fremdreligiöse Angelegenheiten leicht darstellen läßt und dann in der katholischen Bevölkerung provozierend wirkt. Ist es klug und unbedingt nötig, daß Dr. Ofner, den man immer nur als jüdischen, nie als deutschen, als antiklerikalen Abgeordneten nehmen und beurteilen wird, in so aufdringlicher Manier immer wieder in die antiklerikale Trompete bläst und auf einem Kongresse, aus dessen Verhandlungen jedes Wort anf die Wagschale gelegt und gegen die Juden ausgeschrotet werden wird, gerade einen so heiklen, vielumstrittenen Gegenstand übernimmt? Die einem dogmatischen Starrsinn entspringende Taktlosigkeit und Geschäftigkeit eines Einzelnen wird erfahrungsgemäß der Gesamtheit aufs Kerbholz geschrieben. Lauernde „Erben“ des Vill. Kongresses. (Wien.) Die „Österreichische Wochenschrift“ veröffentlicht in ihrer letzten Nummer mitten im- Inseratenteil folgenden Aufruf: „Der VIII. Zionistenkongreß im Haag, der eben geschlossen wnrde, hat den Sieg der praktischen Zionisten gebracht Der politische Zionismus ist tot, Im Haag ist Herzls Erbe eingesargt worden. Sie haben dort Herzl wiederum begraben. Ussischkin, der alte Gegner Herzls, hat gesiegt. Der üssischkinismus ist Trumpf. Es lebt der durch die Tatsachen und Herzl überwundene Chowewe-Zionismus wieder auf. Es besteht kein Unterschied zwischen dem neuverkündeten praktischen Zionismus und dem Chowewe-Zionismus. Abgestoßen sind die Westjuden, von der Tribüne des Kongresses vertreibt man die Intellektuellen . . . Die alten, treuen Mitstreiter Herzls mögen sich uns mutig und kühn anschließen, um die Ideale des Judenstaates zu verwirklichen Im Lager Zangwills ist der politische Zionismus, ist Herzls Erbe. Und dafür gilt es jetzt zu kämpfen allen, die für die Freiheit des Judentums begeistert und entschlossen sind. Schart euch alle um uns!“ Der erheiternde Aufruf ist von Dr. S. Krenberger, dem Obmann des Jüdischen Bürgervereines „Bo“ in Wien, XV., gefertigt. Herr Dr. Krenberger, der, seitdem er nicht mehr Obmann des zionistischen Landeskomitees ist, Im Schmollwinkel sitzt und als „Intemationalrat“ der „Ito“ diese in Wien vergebens aufzupulvem versucht, macht sich durch den bombastischen Aufruf unlauteren Wettbewerbs schuldig, indem er wie ein kundenbedürftiger Kaufmann den Konkurrenten totsagt und vor seinem Geschäftsladen das „Hereinspaziert!“ in die Gassen schreit. Die hastige Gier, mit der sich Herr Dr. Krenberger auf die „verratenen, abgestoßenen Westjuden“ stürzt, ist sehr auffallend. Seine Wiener „Ito“ scheint Auffrischung und Mitglieder sehr zu bedürfen. Ob solche politische Reklame schon angesichts des Zeitpunktes sehr geschmackvoll ist, bleibe dahingestellt. Ernst zu nehmen ist sie gewiß nicht, und mehr als ungewollten Heiterkeitserfolg wird sie nicht haben. Gegen den Inhalt zu polemisieren lohnt nicht die Mühe. Der „Czas“ über den Zionismus. (Krakau.) Das Organ der polnischen Sozialdemokraten in Krakau stellt sich plötzlich um den Kahal sehr besorgt. Es ist seit der Wahl auf der Suche nach den „tieferen Gründen“, welche den Kazimierz, Daszynskis ehemals sicheren Krakauer Stadtteil, verloren gehen ließen. Nach den neuesten Entdeckungen des „Naprzöd“ sind die Stanczyken und die Zionisten die Hauptschuldigen. Beweis: Ein Leitartikel im Stanczykenorgan „Czas“ vom 22. August d. J, betitelt „Aus der zionistischen Bewegung“. Der „Naprzöd“ findet es unbegreiflich, daß man über eine ernste Bewegung einen sachlichen Artikel schreiben kann, ohne „tiefere Gründe“ zu haben. Die ganze sozialistische Presse in Österreich hat zum Beispiel den letzten Zionistenkongreß im Haag konsequent totgeschwiegen. Aber ein einziger Artikel in einem gegnerischen Blatte genügt ihr zu der frei erfundenen Behauptung, daß Unterhandlungen über den Eintritt von Zionisten in den Polenklub stattfinden. Der Leitartikler des „Czas“ begeht ein verleumdnngswürdiges Verbrechen! Erbehandelt ausführlich die Entwicklung des Zionismus, schildert die Kongreßtätigkeit, die einzelnen Fraktionen und den Gegensatz zwischen Zionismus und Itoismus, den er „ein gewöhnliches Auswanderungsbureau“ nennt. „Der Zionismus, hauptsächlich der politische, ist durch seine zehnjährige Tätigkeit ein politischer Faktor geworden, mit dem die Diplomatie und die Regierungen hente bereits besonders rechnen müssen. Der Zionismus wnchs mit jedem Jahre und umfaßt immer neue Gebiete im politischen Leben der Juden. Er dringt mit seinem Organisationsnetz in jeden von Jnden bewohnten Erdwinkel und vermochte die bisnun gesonderten Schichten von Fortschrittlern und Orthodoxen, des Proletariats und der Bourgeoisie, der älteren Generation und der in europäischer Kultur erzogenen Jugend zu vereinigen“, das sind die Sätze des polnischen Blattes, die den sozialdemokratischen Zorn erregen. Der phantasievolle „Naprzöd“-Redakteur faselt daraufhin von Abmachungen und wirft sich zum Schutzpatron der Kahaljuden auf. Hinter einer objektiven, leidenschaftslosen Betrachtung des Zionismus wittert er politische Kompromisse und zionistischen Frontwechsel, der den Sozialdemokraten vielleicht nicht so unerwünscht wäre, wie sie glauben machen wollen. Die Chalukah in Galizien. (Lemberg.) Das, nahegelegene Sadowa-Wisznia war vor einigen Tagen der Schauplatz eines eigenartigen Kongresses. Wunderrabbis und Rabbiner konservativer Richtung waren mit ihren Anhängerscharen erschienen, um einen „Nassi“ zu wählen, das ist einen Verwalter der fürPalästina bestimmten Chalukahgelder, die ans Galizien einlaufen. Dieser einzige Punkt der Tagesordnung füllte den sonderbaren Kongreß ans. Die Würde eines „Nassi“ ist zwar eine Ehrenstelle, also offiziell unbesoldet, aber trotzdem Gegenstand eines erbitterten Kampfes. Eine Polemik, die der achtbare Rabbiner Herr Lewin aus Rzeszow im hebräischen Blatte „Hamizpe“ mit großer Energie über die Verwendung und Kontrolle der Gelder eröffnet hatte, war das Signal zu stürmischen Auseinandersetzungen. Die Partei Lewin, zu der sämtliche Rabbiner zählten, kandidierte für den Nassi- Posten den wohl konservativ gesinnten, aber bei den Hyperfrommen als Umstürzler verschrieenen Schmelke Rokaeh aus Lemberg, während die Partei der Wunderrabbis für den Sohn des verstorbenen Nassi, David Schreiber aus Drohobyez, eintrat. Es ging sehr tumultuös zu. Eine Lärmszene löste die andere ab und sogar zu einem Exodus kam es. Gesiegt haben die Wnnderrabbis. So dürfte es bei dem alten System bleiben: So wie der alte Nassi jahrzehntelang die Palästinagelder verwaltete, ohne auch nur einen Tätigkeitsbericht zu erstatten, so wie er alle Vorwürfe und Verdächtigungen mit souveräner Gleichgültigkeit ignorierte, so wird wohl auch der Neugewählte wirtschaften wollen. Galizien allein sammelt jährlich in den tausenden Sammelbüchsen über 140.000 Kronen für Palästina. Was mit dem Gelde geschieht, wie es verwendet und verrechnet wird, weiß kein Mensch. Der Nassi macht, was er will, er geruht nur die Summen zu übernehmen und hie und da zu quittieren. Auch die Höhe der Verwaltungskösten bleibt in mystisches Dunkel gehüllt. Es wäre hoch an der Zeit, das Wespennest einmal gehörig aufzustöbern. Talmimagyaren. (Budapest.) Die künstliche Magyarisierung Ungarns wird besonders auf dem Gebiete der Namensänderung systematisch und intensiv betrieben. Die Assimilationswut der ungarischen Juden kann sich hier bis zur Lächerlichkeit austoben. Der Typus der 50-Kreuzer-Magyaren hat denn auch weit über die Grenzen der Monarchie hinaus Berühmtheit erlangt. Im Jahre- 1906 haben laut einer jüngst veröffentlichten Statistik 2955 Personen in Ungarn ihre Namen magyarisiert. Gegenüber dem Jahre 1905 bedeutet dies ein Plus von 220. Auf Budapest allein ' entfallen 1042 Magyarisierungen. An diesen Ziffern partizipieren hauptsächlich Juden, welche die Ausmerzung ihrer alten Familiennamen mit oft komischer Gründlichkeit und Konsequenz besorgen. Ihren neuen, kernmagyarischen Namen entsprechend gebärden sie sich in der Politik, in der Gesellschaft und im geschäftlichen Verkehr natürlich als Erzmagyaren und treiben den nationalen Chauvinismus auf die Spitze. Es ist immer so: Nationale Renegaten oder Maskierte wollen mangelnde Stammesechtheit durch chauvinistisches Getue und überlaute Begeisterung ersetzen. Aber wen täuschen sie damit? Wer die ganze Psychologie jüdischer Assimilanten kennt, wird den inneren Wert solch gekünstelten nationalen Chauvinismus richtig einzuschätzen wissen. Der Prozeß wegen des Wyborger Aufrufes. (Petersburg.) Der Prozeß, der gegen 169 Mitglieder der ersten rassischen Reichsdumagemacht wird, naht seinem Abschluß, so daß die Schluß Verhandlung anfangs Dezember stattfinden dürfte. Unter den sechs Angeklagten, welche nicht einvernommen werden konnten, befindet sich auch Dr. Schmarje Lewin, der auf dem VIII. Kongresse über die „Nationale Erziehung in Palästina“ ein glänzendes Referat gehalten hat. Dr. Lewln hat nach Auflösung der ersten Duma in Amerika eine mehrmonatliche Agitationstournee mit großem Erfolge absolviert und hat sich vor dem Kongresse längere Zeit in' Palästina .aufgehalten. Von Interesse ist Form und Inhalt der Anklage. Sie trägt den Titel: „Anklage gegen die Edelleute Sergei Muromzew, Fürsten Paul Dolgorukow, Nikolai Gredeskul, Fürsten Dimitri Schachowskoi und andere.“ Im Text werden außer dem Präsidium, welches der Titel nennt, die übrigen Angeklagten aufgezählt, und zwar in der Reihenfolge ihres Standes, mit den Vertretern des Adels beginnend. Die Anklage ist in folgenden Worten formuliert: „. . . werden angeklagt, den Plan gefaßt zu haben, die Bevölkerung Rußlands zum Ungehorsam und zum Widerstande gegen das Gesetz aufzuwiegeln durch Verbreitung eines besonderen Aufrufes, der sich an das Volk wendet und den sie nach vorhergegangener Vereinbarung untereinander und gemeinsam handelnd am 10./28. Juli 1906 in der Stadt Wyborg zusammenstellten, um ihn unter der Bevölkerung Rußlands zu verbreiten, und unterschrieben, und der betitelt ist: ,Ans Volk von den Volksvertretern* und sich an ,die Bürger von ganz Rußland* wendet, und der durch seinen Inhalt, wie ihnen bewußt war, die Bevölkerung Rußlands aufwiegelt, die Zahlungen an Staats- und öffentlichen Steuern an den Fiskus nicht zu entrichten, die gesetzlich bestimmte allgemeine Wehrpflicht nicht zu leisten; dieser Aufruf wurde später durch sie selbst und andere Personen mit Kenntnis und Einwilligung der an der oben erwähnten Vereinbarung Beteiligten tatsächlich in einer großen Anzahl von Exemplaren in Rußland verbreitet . . . “ Versammlungen und Vereinsnachrichten. (Wien.) Donnerstag am 5. September fand im XIX. - Bezirke (Döbling), Dollinergasse Nr. 3, die Einweihnngsfeier der neuen Synagoge des Bezirkes statt. An der Spitze des israelitischen Tempelvereines in Döbling stehen die Herren Julius Lederer als Obmann und Moritz Kallai als Schriftführer. (Wien.) Samstag am 30. August fand eine zahlreich besuchte Versammlung der „Poale-Zion“ statt, in welcher Gg. Nathan Groß über den Kongreß referierte. Eine sehr rege Diskussion folgte dem Referate. (Ung.-Hradisch.) Sonntag am 1. September feierte die jüd.-akad. Ferialverbindung „Aehiwali“ ihr lOjähriges Stiftungsfest, das die ganze hiesige Jadengemeinde im großen Redontensaal vereinigte. Das Präsidium führte J.U. C. Karl Sonnenschein. Die Festrede hielt A. H. Dr. Emil •Mense, die Tendenzrede Gg. Fritz Löw aus Proßnitz. Es sprachen noch Dr. Josef Winter, Otto Krasny („Ivria“) namens der Wiener Verbindungen, u. a. Das. Fest war in jeder Hinsicht gelungen und zeigte von den Sympathien, die sieh die Achiwah während ihres ersten Dezenniums unter der jüdischen Bevölkerung zu erringen wußte. (Zabfeh a. d. Oder.) Am 25. August a. c. fand hier eine von der Ferialverbindung „Hessianna“, Mähr.-Ostrau, veranstaltete Agitationsversammlung statt. Nach der Eröffnung durch J. U, C. Robert Beer sprach Herr Dr. Emil Krasny über „Die Politik der Jnden in Österreich“. Im Namen der Zabreher Judenschafc dankte der Vizepräses des Tempelvereines, Herr Moritz Heitlinger, dem Referenten für seine glänzenden Ausführungen. Die sehr gut besuchte Versammlung schloß mit einem Appell des Vorsitzenden an die Zabreher Juden, sieh der jüdischen Nationalpartei anznsehließen. (Prerau.) Am 25. August veranstaltete die jüd.-akad. Ferialverbindung „Massada“ in Prerau ihr 20semestriges Stiftungsfest, welches von höchstem agitatorischen Erfolge gekrönt war. An die Festrede des A. H. Med. Dr. Alfred Löw, in welcher er die Entwicklung der Bewegung und unsere nächsten Ziele in beredter Form vor Angen führte, schlossen sieh die Begrüßungsansprachen der überaus zahlreich vertretenen Korporationen an und kann die Verbindung auf die durch Herrn cand. jur. Hermann Löw übermittelte Wertschätzung seitens des mähr.-schles. D.-K. mit Stolz hinweisen. Ein eigenartiges Gepräge erhielt die Feier durch die Beteiligung der tschechischen Akademiker aus Prerau und Mähr.-Weißkirchen, welche die tschechische Begrüßungsansprache dnreh eine Sympathiekundgebung erwiderten, in welcher der von den Zionisten eingeschlagene Weg vollste Würdigung fand. Der inoffizielle Teil, um den Nr. |si h Fi mgspi urden Iwi.kunj |w:.rben iTagesai Ibliitter [jlorris I fehlend | Alsbalc verlieb I Linden I zutragi I empfär danken lim Ho 1 Überza edeln 2 hielt d Dicht« | Leistui hörer. | Gedieh ters i Albert bewäh Muse, sorgfä Schah Oberk bracht Friedi Fleis und 1 jur. st Solist besorj Sämtl deklai fände die V diese an vi und ' geprii sales es b Verb alten dem zu v geric zuru Sach das übri| lokal Dr. Abr?2S