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Jüdische Zeitung · 1907-08-28 · 7 (28.8.1907) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
7 (28.8.1907)
Date
1907-08-28
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 mindestens 100.000 Mark bilden, för den bereits eine namhafte Spende des Herrn S. Hurwitz, Berlin, in der Höhe von 10.000 Mark vorhanden ist. Das Erträgnis des Fonds und jährliche Beiträge (von mindestens 10 Mark 5 Es.), die hoffentlich reichlieh einlanfen werden — Zahlstellen werden in allen jüdischen Zentren geschaffen — sollen für die laufenden Ausgaben dieses Kulturwerkes dienen Eine hochherzige Spende. Der englische Delegierte Moser, Friedensrichter in Bradford, hat im Haag dem hebräischen Gymnasium Jaffa-eine Spende von 80.000 Frcs. zugewendet und der Kunstgewerbeschule „Bezalel“ 10.000 Frcs. gespendet. Der hochherzige Akt wurde vom Kongresse mit jubelndem Beifall zur Kenntnis genommen und der greise Spender war Gegenstand begeisterter Ovationen. Die belgische Landsmannschaft ließ ihn sofort ins Goldene Buch des Nationalfonds eintragen. Bericht des Herrn Prof. B. Schatz über den Stand der Kunstgewerbeschule „Bezalel“ in Jerusalem. Sonnabend, am 17. d. M., um 5 Uhr nachmittags, wurde die freie Zeit von dem am Kongresse teilnehmenden Leiter der Bezalelschule dazu benutzt, um einen Bericht über dieses für die Zukunft Palästinas hochwichtige Institut zu geben. Von stürmischem Beifall der Versammelten begrüßt, setzte Prof. Schatz zunächst in kurzen Worten die Ziele des Bezalel auseinander, welcher durch Schaffung von kunstgewerblichen Industrien der jüdischen Bevölkerung in Palästina Erwerbsmöglichkeiten bieten soll, um sie dadurch moralisch und kulturell zu heben. Von den drei Probejahren, auf die man sich bei - der Begründung des Instituts gefaßt gemacht hatte, hat es bereits iy2 Jahre hinter sich, und es steht fest, daß der Bezalel kein unsicheres Experiment ist, sondern einer sehr verheißungsvollen Zukunft entgegensieht, wenn auch mancherlei Versuche noch bevorstehen, bis die Grundlage durchaus gefestigt und die weiteren Wege ganz klar und geebnet sind. Zu den gleich Verdienst bringenden Hauptarbeiten der Schule gehören momentan die Teppichknüpferei, bei der 34 Mädchen Beschäftigung und einen Erwerb von 15 Francs monatlich finden (bei einer achtstündigen Arbeitszeit während 5y2 Tagen der Woche) und die Steinhauerei, die über 40 jungen Leuten nach kurzem Unterricht 1 bis 3 Francs täglichen Verdienst bringt und für die Zukunft sehr ausdehnungsfähig ist. Besonders wichtig ist die Schule für die zahlreichen einheimischen Kinder, denen durch Unterricht im Bezalel erst eine Zukunft gesichert wird. Für sie hauptsächlich ist die Vorbereitungsklasse bestimmt. Von denEinwandernden können leichter Arbeiter als Intelligenzproletarier durch den Bezalel nützliche Verwendung finden. Für die weitere' Entwicklung des Institutes ist es notwendig, daß die Schule 1. ein eigenes Haus hat, 2. ein festgesetztes Budget von 25.000 Francs jährlich'und 3. ein bestimmtes Betriebskapital, um die eingehenden Bestellungen ausführen zu können. Zur Förderung des Bezalel regt Professor Schatz die Begründung von Vereinen in sämtlichen Ländern an. Die Einzelheiten des Projektes werden noch mitgeteilt werden. Mit einem Dank an Prof. Warburg und die übrigen Mitglieder des Komitees, die die Begründung des Bezalel ermöglicht haben, sowie an alle Spender und Mitarbeiter des Bezalel schloß Prof. Schatz seinen Bericht. JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Es folgte noch eine Reihe von Rednern aus verschiedenen Ländern, die alle eine ausgiebige Förderung des Bezalel zusagten. Von Interesse waren insbesondere die Ausführungen des Doktor Gaster, der die Schule vor kurzem besucht hatte und in Worten voller Anerkennung die verständnisvolle Förderung der jüdischen Kunst im Bezalel durch Stilisierung hebräischer Buchstaben und Verwertung der palästinensischen Tiere und Pflanzen für Farben und Formen schilderte. Palästina-Industrie-Syndicat. Anfangs Juli d. J. ist die Konstituierung des Palästina-Industrie-Syndicats mit beschränkter Haftung mit einem vorläufigen Stammkapital von Mk. 100.000 erfolgt. Das Syndikat hat sich die Vorbereitung, Einführung und Finanzierung von Erwerbsunternehmungen jeder Art in Palästina und den Nachbarländern zur Aufgabe gestellt. Der Aufsiohtsrat, des Syndikats setzt sich zurzeit aus folgenden Gesellschaftern zusammen: Kaufmann Lippmann Bloch, Breslau; Fabriksbesitzer Dr. Isidor Ginsberg, Berlin; Kaufmann J. L. Goldberg, Wilna; Fabriksbesitzer S. Hepner, Charlottenburg; Rentier Gideon Heymann, Berlin; Fabriksbesitzering. Joh. Kremenezky, Wien; Bankdirektor George Marx, Königsberg i. Pr.; Syndikus Dr. Walter Munk, Berlin, und Prof. Dr. O. Warburg, Berlin. Zum ehrenamtlichen Geschäftsführer wurde der Gesellschafter des Syndikats, Herr Bertrand Hamburg, Charlottenburg, ernannt. Zinn Bevollmächtigten für Palästina wurde Herr Dr. Artur Ruppin, zum Prokuristen für das Berliner Bureau Herr A. Awadiowitz bestellt. _j_ Jüdischer Frauenbund für Kulturarbeit in Palästina. Eine Versammlung monistischer Frauen hat die Gründung eines Vereines mit folgendem Programm beschlossen: Die jüdischen Frauen der ganzen Welt sollen zu einem allgemeinen Frauenverein zusammengesehlossen werden zum Zwecke der Beteiligung an der Kulturarbeit der zionistischen Bewegung in Palästina. Der Verein soll für diese Idee Mitglieder werben und beabsichtigt, zunächst eine jüdische Haushaltungsschule, verbunden mit einem Internat für jüdische Lehrerinnen und Krankenpflegerinnen in Palästina zu gründen. Der Minimalbeitrag ist auf 3 Mark festgesetzt worden. Der Verein hat einen provisorischen Vorstand gewählt, welcher alle nötigen Vorarbeiten leisten und die jüdischen Frauen und Mädchen auffordem soll, sich dem Verein anzusehließen. Zur Beratung der Statuten und zur Besprechung der bisherigen Tätigkeit der zionistischen Frauen vereine fand eine Versammlung statt. Der provisorische Vorstand wird gebildet von den Damen: Frau Prof. Dr. Warburg, Präsidentin; Frau Dr. Friedländer und Fräulein Schach, Vizepräsidentinnen; Frau Dr. Bodenheimer und Frau Dr. Friedemann, Schriftführerinnen; Frau Kann und Fräulein Hoofien, Kassierinnen; ferner Frau Dr. Epstein und Frau Dr. Kritschovsky. Korrespondenzen. Deutsche Unternehmungen in Palästina. (Jaffa.) Die wirtschaftlichen Unternehmungen der Deutschen in Palästina sind, nach einem Bericht des deutschen Konsulats in Jaffa, in ruhiger und steter Entwicklung begriffen. Der Betrieb der Landwirtschaft in Sarona hat trotz mancher Schwierigkeiten doch im Laufe der Jahre zu einem gewissen Wohlstand geführt. Zn dem Hauptbetriebe, der Weinbereitung, hat man sich in einer Genossenschaft, dem Weinbauverein, organisiert. Die deutschen Landwirte bei Jaffa gehen mehr und mehr zum Apfelsinenbau über, doch ist die Anlage einer solchen. Kultur verhältnismäßig kostspielig, und die Erträge beginnen erst im siebenten Jahre. Die Deutschen in Palästina haben sich frühzeitig industrieller Tätigkeit zugewendet und sich darin eine führende Stellung erworben. Sie begannen zunächst mit mechanisch betriebener Müllerei. Zurzeit befinden sich im Konsularbezirk acht Dampfmühlen in deutschen Händen. Außerdem werden von Deutschen eine mechanische Werkstatt und Eisengießerei betrieben, die sich schon so weit entwickelt hat, daß sie zurzeit 40 Arbeiter beschäftigt. Von ihr wurden auch, seitdem die Petroleummotoren in Palästina zu Bewässerungszwecken Eingang gefunden haben, im ganzen 193 Motoren aus Deutschland eingeführt. Von den Hotels der Stadt Jaffa befindet sich ein gutes Haus in deutschen Händen. Gute deutsche Hotels befinden sich ferner in Jerusalem und in Kamleh, einfachere Gasthäuser außerdem in Jaffa, in Asdod und Wilhelma bei Lydda, ferner hat das Beisebureau der Ham bürg-Amerika-Linie Hotels in Nabulus und Djemin eröffnet. Die Deutsche Palästinabank hat sich im Laufe der letzten Zeit gut entwickelt und konnte sogar eine Filiale in Haifa eröffnen. Eine deutsche und eine belgische Gesellschaft haben Studien für Straßenbahnen in Jaffa und Jerusalem gemacht. Die natürlichen Bedingungen lassen für Jaffa den elektrischen Betrieb am zweckmäßigsten erscheinen, da der zwar kurze, aber nächst dem Jordan wasserreichste Fluß Palästinas, der Audsche, in einer Entfernung von noch nicht 10 km nördlich von der Stadt eine mehr als ausreichende Triebkraft abgibt. Derselbe Fluß würde auch in hervorragendem Maße geeignet sein, eine weite mit Apfelsinenbäumen zu bepflanzende Fläche zu bewässern. Versammlungen und Vereinsnachrichten. (Suczawa.) Samstag, den 10. August 1. J., veranstaltete die jQdisch-nationale Jugend von Suczawa aus Anlaß des 25jährigen Bestandes der Kolonie „Bischon lo Zion“ eine Feier, deren offizieller Teil mit der Absingung jüdischer Lieder durch den Chor eingeleitet und abgeschlossen wurde. Die Festrede hielt pharm. Pilpel und gab in ihr ein anschauliches Bild der Entwicklung der Kolonie „Bisehon le Zion“. Von dem Beinertrag, welcher 85 Kronen betrug, werden 50 Kronen als Beitrag zu der für Morris Ro senfeld veranstalteten Sammlung, 35 Kronen an die Zeitschrift „Unsere Hoffnung“ abgeführt. Daa Beispiel der Suczawaer jüdischen Jagend verdient, sowohl was die Art als aneh den Zweck der schönen Veranstaltung betrifft, überall nachgeahmt zu werden. (Sereth.) Am 28. Jnli 1. J. veranstaltete der Verein „Poalei-Zion“ ein Volksfest mit Tanzkränzehen. An der Spitze des Komitees standen die Herren Windisch nnd Essner. Das ansehnliche Beinerträgnis fällt dem Fonds zur Unterstützung konditionsloser jüdischer Arbeiter zu. (Storozynecz.) Am 4. August 1. J. veranstaltete der Verein „Poalei-Zion“ ein Gartenfest mit Tanzkränzchen, welches einen schönen Verlauf nahm und ein erhebliches Resultat ergab. (Ung.-Hradisch.) Die jüd.-akad. Ferialverhindung „Aehiwah“ veranstaltet am 1. September 1907 aus Anlaß ihres zwanzig semestrigenBestandes einen Stiftungskommers, zn dem alle Freunde der Verbindung höfliebst eingeladen werden. (Mähr.-Oatrau.) Die Chargenwahlen der jüd.-akad. Ferialverbindung „Hessiana“ hatten folgendes Besnltat: J. U. C. Robert Beer X» eand. phil. Ernst Spitzer X Xt cand. phil. Siegfried Schmitz XXX- Am Sonntag, den 4. d. M., veranstaltete die Ferialverbindnng „Hessiana“ eine Agitationsversammlung in dem nahen Michalkowitz. Das Referat über „Die Stellung der Juden in der österreichischen Politik“ erstattete Herr Dr. Emil Krasny. Die Versammlung war infolge der Bemühungen des H. Teichner, Obmannes des Miehalkowitzer Tempelvereines“, sehr gut besucht, ebenso ließ der Erfolg nichts zu wünschen übrig. Am 25. d. M. veranstaltet die „Hessiana“ eine Versammlung in Zabreh a. d. O. (Friedek.) Die jüd.-akad. Ferialverbindung „Hasmonäa“ veranstaltet am 31. August 1. J. im Saale der Friedeker Sehießstätte einen Festkommers, zn dem alle Gesinnungsgenossen höfliehst eingeladen werden.

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