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Jüdische Zeitung · 1907-06-20 · 3 (20.6.1907) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
3 (20.6.1907)
Date
1907-06-20
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 aus den Gemeinden bedeutet wurde, daß der provisorische Kaimakan Chacbam Baschi Panigl solange amtieren werde, bis eine Einigung erzielt wird, . dieser aber wegen seines Fanatismus nicht sehr beliebt ist, ist zu hoffen, daß sich die beiden Gemeinden doch bald auf Beb Meir einigen werden. — Die Pläne bezüglich einer Eisenbahnverbindung Haiffa— Jaffa mit gleichzeitigem Ausbau des vorzüglichen Hafens in Haiffa werden, wie ich aus verläßlichster Quelle erfahre, baldigst feste Gestalt annehmen. Auch in Jaffa soll der Kai ausgebessert und ein Anbau für das Zollamt gemacht werden. — Mit der Ausführung dieser Bauten würde für die Entwicklung des Landes ein großer Schritt nach vorwärts getan werden. — Die Regensaison, die eben zu Ende ging, hat heuer viel weniger Niederschläge gebracht, wie sonst, worunter die Felder gelitten haben. Glücklicherweise hat der überaus starke Fremdenverkehr, der von Jahr zu Jahr wächst, die Einwohner für den Ausfall entschädigt.“ (Die österreichischen Forschungsarbeiten in Palästina.) DerProfessor an der evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, Dr. E. Sellin, hat der Wiener Akademie der Wissenschaften einen vorläufigen Bericht über seine Forschungsgrabungen in Palästina überreicht, die er im April dieses Jahres begonnen hatte und die zurAuffindung des alten kanaanitischen Jericho führten, ein Ergebnis, das in allen gelehrten Kreisen das größte Interesse hervorrief. Das Terrain, das in Angriff genommen wurde, liegt an der Elisaquelle. Hier wurden die Grabungen mit etwa hundert Arbeitern an fünf verschiedenen Stellen unternommen. An der nördlichen Stelle kam sogleich die Ruine einer Burg zum Vorschein, wie sie noch nie besser erhalten in Palästina ausgegraben wurde. Die Burg besteht aus einem sechs Meter hohen Turm und drei Stockwerken. Eine steinerne Treppe führt zu den einzelnen Stockwerken. In drei Zimmern standen noch die Backöfen, die also hier Jahrtausende überdauert haben. Die Seitenwände der Burg und der Zimmer waren von Rauch geschwärzt und die vorhandenen Schwefelstücke legten Zeugnis ab, daß die Festung einst durch Feuer zerstört wurde. Unter den Funden sind Gerätstücke, in die mit wunderbarer Feinheit in Relief Tiergestalten, Gazellen und sie verfolgende Löwen hineingearbeitet sind. An anderer Stelle wurde die geschichtlich •bekannte berühmte Stadtmauer von Jericho angetroffen. Es ist eine aus gebrannten Lehmziegeln gediegen aufgeführte Mauer, drei Meter dick, und ruht noch auf einem 60 Zentimeter hohen steinernen Fundament. Sie' mündet in eine aas Felsen aufgeführte Burg. An der Westseite der Stadt erreicht die Mauer sogar 12 Meter Breite. Die dritte Grabungsstelle ergab ein ganz besonders unerwartetes Resultat. Hier ist ein Privathaus über das andere geschichtet. Mit der Tiefe gerät man in eine immer frühere Epoche, so daß man bei völliger Durchgrabung auf eine Jahrtausende alte Kultur gelangen kann. Die zahlreichen Funde lassen auch die frühesten geschichtlichen Epochen, erkennen. Primitive, mit der Hand gearbeitete, sowie künstlerisch schön gestaltete Campen, Teller, Schalen, Nadeln, Gewichte, Mörser, Mühlen aus Bronze und Ton. Die Probegrabungen im Innern der Stadtanlage zeigten aneinanderstoßende Häuserreihen. Althebräische Lettern beweisen, daß die althebräischen Sehriftzeichen im Gebrauche waren. Es ist nun für die ferneren Forschungsarbeiten hier eine Fülle von Arbeit und Studien eröffnet, die uns über die vorisraelitische kanaanitisehe Zeit Aufschluß zu bieten vermag. Professor Sellin gedenkt im kommenden Winter die Arbeiten fortzusetzen. (Deutsche Altertumswissenschaft in Palästina.) Das Palästinajahrbuch des Deutschen evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des heiligen Landes zu Jerusalem liegt im zweiten Jahrgang vor. Es zeigt, daß die junge wissenschaftliche Anstalt mit Erfolg bemüht ist, den großen ihr gesteckten Zielen znzustreben. Vor vier Jahren gegründet, ist sie seit dreien tätig. Die Mitglieder stammten diesmal aus Preußen, Sachsen, Württemberg, Baden, Mecklenburg, dem Elsaß, Braunschweig, Anhalt und Saehsen-Altenburg. Über die Arbeiten des Instituts und die Reisen macht der Jahresbericht des Leiters Professor D. Dalman Mitteilungen. Derselbe Verfasser bringt auch vier kleine Studien. Er behandelt die Via dolorosa in Jerusalem, beleuchtet kritisch die bisherigen Ansichten und stellt eine neue Hypothese auf, die durch einen Plan der Stadt erläutert wird. Ein zweiter Aufsatz ist der Stadt Samaria und ihren Verkehrswegen gewidmet, der dritte einem neugefundenen Jahvebild aus Jerusalem. Es handelt sich um ein Siegel. Professor Dalman steuert schließlich eine griechische Inschrift aus dem Hain Mamre der byzantinischen Tradition bei. Professor Dr. Löhr in Breslau erörtert die Gastfreundschaft im Lande der Bibel einst und jetzt. Pfarrer Frankenberg bespricht israelitische und altarabische Trauergebräuche und gibt im Zusammenhang damit die Erzählung mohammedanischer Frauen von muslimischen Totengebräuchen in arabischem Text und deutscher Übersetzung. Viel neues Licht wirft ein Aufsatz des Rektors Eberhard auf die arabischen Volksschulen Jerusalems, unter denen sich auch eine von dem syrischen Waisenhaus der Familie Schneller unterhaltene Anstalt befindet. Pastor Baumann schildert die Reise der Mitglieder des Instituts vom Galiläischen Meer hinauf gen Jerusalem. Leider können wir dieser deutschen wissenschaftlichen Tätigkeit keine ebenbürtige von jüdischer Seite entgegensetzen. Hier, wie auch anderweitig, sind noch Lücken auszufüllen. Korrespondenzen. (Wien. — Gesammelte Reden Dr. Strauchers.) Der „Jüdische Nationalverein“ in Czemowitz hat einige Reden des Reichsratsabgeordneten- Dr. Strauche r, die in den österreichischen Delegationen und im österreichischen Abgeordnetenhause gehalten wurden, in einem Buche erscheinen lassen. Es enthält vier Delegationsreden, in denen Dr. Straueher die zionistische Bewegung, die Anstellung jüdischer Militärärzte, die Teilnahme der Juden an der russischen Revolution u. v. a. einer Besprechung unterzieht. Sie zeigen, mit welchem Mute, mit welcher rücksichtslosen Offenheit er an dieser ungewohnten Stelle aktuelle jüdische Fragen angeschnitten hat. In seiner Wahlreformrede, die auch abgedruckt ist, zeigt er sich als beredter Anwalt freiheitlicher Volkspolitik und weist die Notwendigkeit einer jüdischen parlamentarischen Vertretung überzeugend nach. Zur Bewegung gegen die Rechtlosigkeit und Bedrückung der Jaden in Rumänien sind ein Dringliehkeitsantrag und eine Interpellation Dr. Strauchers lesenswerte Dokumente, die eine Fülle von wichtigem Material enthalten und die traurige Lage der rumänischen Juden, sowie das gesetzwidrige Verhalten der rumänischen Regierung ins rechte Licht rücken. Das Buch sollte von allen Juden gelesen werden, die nicht begreifen können, daß ein. jüdischnationaler Abgeordneter eine fruchtbare parlamentarische Tätigkeit entfalten kann. (Die Administration der „Jüdischen Zeitung“ hat den Vertrieb des wertvollen Büchleins in Kommission übernommen. Preis pro Exemplar 1 Krone). (Wien.) Der am 16. Juni vollzogene Pairs3chub verschafft auch einem Juden die Würde eines lebenslänglichen Herrenhausmitgliedes: dem Universitätsprofessor Hofrat Dr. Josef Sehey Freiherrn von Koromla. Hofrat Schey ist im Jahre 1853 geboren und entstammt der bekannten jüdischen Bankiersfamilie Schey. Als Professor des österreichischen Zivilrechtes wirkt er seit dem Jahre 1697 an der Wiener Universität und gehört zu den hervorragendsten Lehrern der juristischen Fakultät. Einen deutlichen Beweis seiner wissenschaftlichen Bedeutung liefert die Tatsache, daß Hofrat Schey vom Ministerpräsidenten Koerber in die Kommission berufen wurde, welche zur Kodifikation des bürgerlichen Gesetzbuches eingesetzt wurde und der die Koryphäen der österreichischen Rechtswissenschaft angehören. Unter den jüdischen Universitätsdozenten Wiens grassiert bekanntlich die Taufseuehe und die überwiegende Mehrzahl ebnet sich beim Taufbecken den Weg zu einer Lehrkanzel und zur akademischen Karriere. Professor Schey ist Jude geblieben! (Wien.) Die „Österreichische Wochenschrift“ des Herrn Dr. J. S. Bloch hat wieder einmal bewiesen, daß sie nur den Interessen ihres Herausgebers dient und daß ihre jüdischnationalen .Anwandlungen, mit denen sie von Zeit zu Zeit naive Leute täuscht, eitel Geflunker sind. Dr. Bloch geriert sich als der Erbfeind der Schlachta und ist als ihr Gegner im Wahlkampfe gestanden. Man hätte also erwarten sollen, daß er die Wahl jüdischnationaler Abgeordneter aus Galizien als eine Schlappe des Polenklubs und als einen Sieg des jüdischpolitischen Gedankens, zu. dessen berufensten Vertreter er sich, marktschreierisch hinauf loben ließ, begrüßen und in seinem Blatte ausführlich registrieren werde. Weit gefehlt! Die „Wochenschrift“ hat wohl in einem Leitartikel das Faktum eines „Jüdischen Klubs“, das schwer totzuschweigen war, besprochen, und zwar in einwandfreier Weise. Das war auch alles. Kein Sterbenswörtchen sonst über Namen» Wahlbezirk, Stimmenzahl der gewählten Jüdischnationalen! Während Dr. Bloch, wie immer, wenn er an einer politischen Aktion beteiligt ist, wegen der gegen ihn verübten Wahlfrevel ein großes Geschrei erhebt und sich vor seinen Lesern wieder mit allen Reklamemitteln die Märtyrerkrone auf Haupt setzt — existieren die anderen erfolgreichen oder unterlegenen jüdischen Kandidaten nieht für sein Blatt, das den stolzen Titel trägt: Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Herr Dr. Bloch fährt ja ganz gut mit seiner schlauen, auf Geschäftsinteressen aufgebauten Taktik. Aber es ist gut, daß diese Wahlkampagne den Zionisten seine wahre Denkart and „nationale“ Richtung wiederholt enthüllt hat. Diereinliche Scheidung, bei der es nunmehr bleibt, wird ihnen nicht schaden. (Wien-Brigittenau.) Die Zionisten der Brigittenau verkehren im „Cafe Reithofer“ (Lustig), XX., Mathildenplatz 11, woselbst jeden Dienstag abends zwanglose Besprechungen oder Vorträge stattfinden und auch Sehekel-. bloeks zu haben sind. (Budweis.) Bei den letzten Gemeinderatswahlen haben die Tschechen durch Eroberung des HL Wahlkörpers eine empfindliche Bresche in die dentsche Gemeindeveiwaltung gelegt. Die Folgen werden jetzt sichtbar, die Deutschen sind auf dem Rückzuge begriffen und beginnen, mit den Tschechen Kompromisse zu schließen. Die Erfahinng lehrt, daß damit der Anfang vom Ende gekommen ist So ist ja in vielen mährischen Städten — Ung.-Hradisch, Gaya, Wischau, Mähr.-Weißkirchen — die deutsche Herrschaft stückweise abgebröekelt und zusammnngebrochen. Die Budweiser Juden haben auch bei den letzten Wahlen den Deutschen Gefolgschaft geleistet, aber die Zahl jener wäehst immer, die ein Bedürfnis nach einer neutralen Stellung in dem nationalen Entscheidungskampfe um unsere Stadt haben. Die Tschechen haben die Einräumung einer Stadtratsstelle, Berücksichtigung in den gemeinderätliehen Kommissionen und sogar die Anerkennung der äußeren tschechischen Amtssprache im Parteienverkehr durchgesetzt. Es ist jedenfalls ein sichtbares Zeichen von Schwäche, wenn die Deutschen so weitgehende Konzessionen sich durch Obstruktionsdrohungen abringen ließen. B. (Lemberg.) Laut Beschluß des Landtages vom 16. März 1907 wurde der Landesausschuß beauftragt, sich mit dem Kultusministerium und den Kultusgemeinden behufs Errichtung eines jüdisch-theologisehen Seminars in Lemberg in Verbindung zu setzen. In Ausführung dieses Beschlnsses teilt der Landesausschuß den Kultusgemeinden mit, daß er mit dem Kultusministerium nur dann in Verhandlung treten kann, wenn ihm die genauen Daten über die Kosten der Errichtung eines solchen Institutes vorliegen und er auch einen Überblick über die eventuell zur Verfügung stehenden Mittel erhalten wird. Der Landesausschuß gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die jüdische Bevölkerung alles, anwenden wird, am die Errichtung des Institutes zu ermöglichen. Das Seminar wird die Aufgabe haben, Lehrer und Rabbiner auszubilden. (Kopyczynce, Ostgalizien. — Wahlmißbräuche.) Auch unser Vorsteher hat sich nach Kräften bemüht, die berühmten galizischen Wahlen in unserem Städtchen zu Ehren zn bringen. 144 Bürger haben daraufhin in einem Flugblatte, das weiteste Verbreitnng fand, dem skrupellosen Wahlmacher ganz unverhüllt ihre Meinung gesagt und sind mit ihrer Unterschrift für ihre scharfen Angriffe eingetreten. Das Dokument lautet: „Mißtrauensvotum für Herrn Abraham Hübner, Propinationspäehter in Kopyczynce. Bei den letzten Reiehsratswahlen sind Sie als Vorsteher der jüdischen Knltusgemeinde gegen das Interesse des Judentums aufgetreten und haben sich einer wilden and verwerflichen antisemitischen Agitation hingegeben. Das Vertrauen, welches Gemeindemitglieder in Sie gesetzt haben, indem Sie Ihnen die Verteilung von Unterstützungen aus Privatmitteln an dürftige Mitglieder der Gemeinde überließen, haben Sie schmählich mißbraucht und verraten. Sie haben niedrigerweise ein Verzeichnis der von ihnen beteilten Personen einem judenfeindlichen Kommissionsmitglied zn dem Zwecke übergeben, damit jüdische Mitbürger öffentlich aufs tiefste beschämt und ihres Wahlrechtes gegen alles Reeht und Gesetz beraubt werden. Sie sind als Denunziant aufgetreten und haben lügenhafterweise behauptet, daß diese Unterstützungen aus Gemeindemitteln erfolgten, ohne je darüber Rechnung gelegt zu haben. Sie haben sich nicht geschämt, als Jude den Juden ihre eigene Synagoge zu verweigern, Sie haben sich nicht geschämt, zu drohen- und zu schrecken, mit den Wahlzetteln gröbsten Mißbrauch zu treiben, alles nur um Juden zu verhindern, im jüdischen Sinne zu wählen. Sie haben sieh dadurch die Mißachtung und das höchste Mißtrauen aller Gemeindemitglieder zugezogen, die es mit der Ehre der Kultusgemeinde nicht vereinbar halten, Sie länger an deren Spitze zu sehen. Sie werden hiemit aufgefordert, die . Ihnen nicht zukommende Würde eines Vorstehers der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde niederzulegen.“ (Folgen 144 Unterschriften.) (Haag. — Der VIII. Zionistenkongreß.) Wie bereits mitgeteilt wurde, wird der Kongreß vom 14. bis 20. August im Haag stattfinden. Die Zionistische Ortsgruppe Haag hat im Einvernehmen mit dem A.-K. und dem Niederländischen Zionistenbund ein Bureau zur Vorbereitung des Kongresses eingerichtet, an dessen Spitze Herr Dr. L. S. Ornstein steht. Die Adresse des Bureaus lautet: Bureau

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