Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 2 (5.6.1907)
- Date
- 1907-06-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Jüdische Zeitung Nr. 2 Juden, Uolk$aeno$$en! Festliche Tage sind es, die wir österreichische Zionisten eben begehen. Wir, die wir bisher fern von der Tagespolitik stetig und zielbewusst an der Vertiefung des nationalen Gedankens und an der Aufrichtung unseres Volkszentrums in Palästina gearbeitet haben, wir haben im gegebenen Moment dem jüdischen Volke in Österreich eine würdige nationale Vertretung geschaffen und damit der jüdischen Renaissancebewegung eine Tribüne erobert, von welcher aus ihre Vorkämpfer sich Gehör und-Ansehen erwerben werden. Die zionistische Organisation ist gewiss keine innerpolitische Partei und soll keine werden. Aber es war eine historische Notwendigkeit für uns Zionisten, im Momente, wo es möglich war, die assimilatorische Politik der Juden in Österreich für immer zunichte zumachen und durch eine national-jüdische zu ersetzen, alle unsere Kraft dafür einzusetzen. Der grosse Erfolg unserer guten Sache erfüllt uns mit freudiger Genugtuung! In dieser gehobenen Stimmung wenden sich unsere Gedanken und unsere Kräfte mit verdoppelter Macht der unmittelbaren Arbeit für unser grosses Lebensziel zu: Die Schaffung einer jüdischen Volksheimat auf jüdischem Boden. Mit jedem Fussbreit Bodens, den wir hierzulande gewinnen, mit jeder Hebung unserer nationalen Stellung in dein Staate, in welchem wir leben, wird die Erreichung dieses grossen Zieles zu einer immer dringenderen Notwendigkeit. Denn das von uns aufgerüttelte und organisierte Volk muss, je mehr sein nationales Empfinden wieder erwacht und sein Selbstbewusstsein wächst, mit.immer grösserer Macht dem nationalen Kraftzentrum zustreben, dessen Energien in alle versprengte Glieder des Volkes ausstrahlen sollen. Immer mehr muss es nach einer jüdischen Volkspolitik verlangen, welche nicht innerhalb der Grenzen eines Landes die Judenfrage lösen zu können vermeint, sondern unserer Solidarität mit allen unseren Brüdern auf der ganzen Erde Rechnung trägj:, einer Politik, welche nicht allein der Not des Tages zu steuern, sondern auch die Zukunft des Volkes zu sichern, ihm eine nationale Vollexistenz zu ermöglichen sucht. So wird die Erreichung unseres Zieles, die Schaffung eines jüdischen Volkszentrums auf dem alten Heimatboden zu einer Lebensnotwendigkeit ebenso für die wiederauferstandenen, als für die noch in dumpfem Elend schmachtenden Volksteile. 3uden Oesteititeicbs! Dem Willen folge die Tat! Am 14. August 1907, wird in Haag, dem Orte der internationalen Friedenskonferenzen, zum achtenmale das jüdische Weltparlamen't — der Zionist enkongreß tagen. Wieder werden sich Hunderte von jüdischen Männern aus allen Erdteilen, gewählt und getragen durch das Vertrauen von Hunderttausenden, zusammenfinden und ein Abbild geben der festen Einigkeit aller aufwärts- und vorwärtsstrebenden Volksteile, trotz aller Unterschiede des Denkens, des Fuhlens, des Glaubens und 4er Bedingungen, unter welchen sie leben. Der Kongress wird der Welt verkünden, wie weit schon unser Werk im Werden ist und wird die Grundsätze festlegen, nach welchen auf den mit unendlicher Mühe errichteten Grundmauern weitergebaut werden soll. Welcher aufrechte Jude wollte in diesem Volksrat nicht mitsprechen, welcher moderne, nationalbewusste Jude wird sich der Verantwortung entziehen, welche ihm im jetzigen, für die Lage der Juden der ganzen Erde so wichtigen Augenblick seine Überzeugung auferlegt? Im Namen des jüdischen Volkes treten wir vor jeden Juden mit der Frage: Willst du die nationale Wiedergeburt deines Volkes auf dem uralten Heimatboden? Willst du mithelfen, dass die sehon heute in Palästina urwüchsig und bodenständig entstehende neujüdisehe Kultur sich entwickle und aufblühe? Willst du, dass dem jüdischen ^Massenelend dauernd gesteuert, den vor Hot und Tod fliehenden Brüdern eine Heimstätte, dem ganzen Volke eine Zuflucht und ein fester püekhalt geschaffen werde? Willst du, dass das jüdische Volk düreh eine gewaltige Gesamt« anstrengung sich die Ächtung aller anderen Hationen erzwinge und den jüdischen Hamen wieder zu Ehren bringe? Kein anständiger Jude darf sich der Beantwortung dieser Fragen entziehen! Es gibt für einen Juden kein Sichherumdrücken um den Zionismus. Wer uns aber antwortet: »ich will« — der zahle den Schekel, unsere neue Volkssteuer, und erwerbe damit das‘Wahlrecht in das jüdische Parlament! Jeder einzelne von Euch, Gesinnungsgenossen, hat mit dieser Frage an die Juden seines Kreises heranzutreten — jeder Einzelne hat in diesem Sinne ein Schekelsammler zu sein. Jeder Einzelne trägt die Verantwortung vor dem ganzen Volke, ob er diese Pflicht getan! Bedeutungsvoll ist der Augenblick, in dem wir an Euch appellieren! Die Augen der Jüdischen Welt sind heute auf die österreichischen Zionisten gerichtet — seht zu, dass wir uns nicht nur gross, sondern auch zahlreich repräsentieren! Das innerö$terreicbi$cl>c DistribtsRomitee. Oie Instruktion für Schekelzahler und Schekelsammler siehe auf Seite 8.