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Israelitische Rundschau · 1902-09-05 · Heft 36 (5.9.1902) · page 8

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Journal
Israelitische Rundschau
Volume
1902
Issue
Heft 36 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Israelitische Urrndfcharr zum letzten Hauche. Ala der Teuere endlich zn atmen aufgehört und der Arzt seinen Tod festgestellt hatte, da begannen wir allesamt in jener allgemein bekannten, unendlich traurigen Melodie gedämpften Tones mit Genauigkeit und Wohlklang gleich unseren Kirchenliedern „Jigdal" und „Adaun- Aulom" zu singen. Dieser letzte Augenblick unseres lieben, einzigen, von allen gleich hoch verehrten Freundes Tanchnm hat nicht nur in uns einen unverlöschlichen Eindruck zurückgelaffen, sondern augenblicklich auch alle sonstigen Anwesenden in gleicher Weise ergriffen. Nach und nach hatte eine große Anzahl von Personen, Ossiziere, Soldaten, Wärter, selbst die drei Anstaltsgeistlichen sich eingcfundcn. Ich sah mich um, da standen sie alle bewegungslos und die hellen Thräncn liefen ihnen die Wangen herab. Als der letzte Satz: „Irr fei«re Hand empfehle ich meinen Geist, wenn ich entschlafe und wieder erwache ubd mit meinem Geiste auch meinen Körper — Gott ist nrit mir, ich fürchte nichts!" verklungen war, da begaben sich die jungen Menschen allesarnt ohne Aufforderung still und gefaßt auf ihre Plätze zurück. Der „allversöhnende" Tod hatte auch in diesem Falle seine Macht bewiesen. Selbst unseren gestrengen Zuchtmeistern halte die Majestät des Todes Respekt eingeslöstt. Später ließen sich die Geistlichcit von mir über alle die jüdischen Gebräuche beim Abscheiden des Sterbenden Aust fchluß geben und die Ausrufe und Gebete ins Russische übersetzen und einer derselben meinte: „Ja, das muß man den Juden lasten — sie verstehen zu sterben." Alle meine Genossen hatten sich niedergelegt und schliefen ruhig deit Schlaf des Gerechten. Rur ich und zwei andere hatten eö urrternoinmen. bei der Leiche nach jüdischem Gebrauche Wache zu halten. Einer von uns verstand das ganze Pfalmbnch mit seinen 150 Kapiteln auswendig herzusagen und auch wir vermochten, wen» er einen Vers gesprochen hatte, mit dem nächstfolgenden Verse zu antworten. So haberr rvir denn, bis am Morgen das Aufsiehen besohlen wurde, das ganze Auch in der herkömmlichen Weise recitiert, ganz so wie es bei den russischen Juden Sitte ist. Das war vorläufig unsere letzte Handlung jüdischer Frömmigkeit; vom selben Tage an sollten wir ja aushören, Juden zu" feilt. Als am frühen Morgen dem Metropoliten von dem Vorkommnis der letzten Nacht Bericht erstattet wurde, ordnete er an, so rasch als möglich die jüdische Gemeinde des Ortes aufzufordern, die Leiche des Verstorbenen in Empfang zu nehmen. „Er ist als Jude gestorben und muß rvie ein Jude begraben werden. Er hat weder die Taufe noch die ChriSma empfangen und kann auf dem geweihten Boden unserer Grabstätte nicht eingethan werden." Es dauerte auch gar nicht lange, da erschienen die „Misaskim" der Ehewrah- Kadischa" (die thätigen Mitglieder des Beerdigungs-Vereins) und brachten den Toten nach dem Leichenhause des jüdischen Totenhofes, von wo aus die Beerdigung noch selbigen Tages erfolgte. Für mein Scbeit gern hätte ich bisiveilen die Grabstätte des Teuren besucht, allein das war ganz unmöglich gemacht utrd hätte die schwerste Strafe nach sich gezogen. Wozu auch, vergessen habe ich den Hingeschiedenen nimmer. Um 10 Uhr vormittags sollte der große Taufakt stattfinden. Zunächst wurden wir zum Gottesdienste, ben der Metropolit selbst celcbrierte, geführt. In den: nahe gelegenen Kloster wurden wir allesamt unserer Kleider entledigt und in neue, blendend weiße Gewänder, welche von einem kräftigen Gürtel zufammengehalten wurden, gesteckt. Und nun giug'ü in unabsehbar langem Prozessionszuge, ein jeder von uns an der Seite [eines Taufpaten, zu einem nahe gelegenen See, woselbst die Taufe ftattsinden sollte. Dort waren große Veranstaltungen getroffen, reichbeflaggte und auch noch anderweitig geschmückre Hallen waren ausgestellt, in das Waffcr hineinreichende Stege waren errichtet worden, um der. Taufhandlung zu . dienen. Auf den Stegen wurden wir von den Geistlichen in Empfang genommen, welche uns beim Gürtel faßten, eineil febett dreimal völlig im Waffer unlertauchten und durch bett Tauffpruch weihten. In eine der Hallen znrückgeleitet, entledigten wir uns des nasien Taufgemandes, und ein jeder erhielt eine neue, vorher eigens hierzu angefertigle Uniform. Die Kosteil unserer Neubekleidiing, das war ihre Pflicht und ihr Recht, trugen unsere Taufpateii. (Fortsetzung folgt.) Custige Ccke. Im Israelllüchen FamilienblaU (Nr. 35 vom 23. 8. 1902) findet sich folgendes Inserat: „Geschäftsmann, Konditor, 20 Jahre, e van geh, Teilhaber zweier rentabler Geschäfte, sucht zwecks Heirat Bekanntschaft mit einer horchen, einf., jg. Dame (Jüdin) mit enlspr. Vermögen. Offerten u. s. w." Wer zweifelt noch, dass dieser evangelische Konditor ein Geschäftsmann ist? — Bigamie? In der gleichen Nummer derselben Zeitung steht wenig entfernt von genanntem Inserat noch das folgende: „Tüeht. Kaufmann, 30 J„ wünscht in ein Herren-Konf.-Gosch, hineinzuheiraten. Der Genannte wird auch in ein Manufakturwaren-Gcsch. hineinheiraten. Off. u. s. w.“ Von Bahmer’s Israelitischer Wochenschrift nebst Jüdischem FamilienblaU und Jüdischem Liltemturhlatt werden Nummer 39 und -10 des Jahrgangs 1891 gesucht. Offerten sind an die Kxpedition der „Israelitischen Hundschau“ zu richten. Am vergangenen Sonnabend erflehte der Prediger in der Synagoge Lülzowstrasse den Segen für ein Kind, das den „Namen führen soll: Di nah zu Deutsch Santa Lucia.“ Der Prediger stockte, offensichtlich, weil ihm auf der Zunge ein anderer Name schwebte, nämlich Sancta Simplicilas. — Die „Deutsche Tageszeitung“, das Organ der Leute mit den grössten Kartoffeln, schreibt ir. ihrer Nummer vom 21. 8.: „Findige Leute. Aus Marienbad erzählt jemand in der „Frankf. Ztg.", dass dort die Badeärzte nicht selten Patienten und Diagnosen verwechseln. Das soll übrigens nichts schaden, da die Methode der Heilung bei allen Patienten die gleiche ist. Die polnischen Juden haben das längst heraus. Wenn sie zu zwölf in Marienbad einwandem, gebt immer nur einer zum Arzt. Die diesem verordnete Kur und Diät befolgen dann alle zwölf und sparen elf Mal den Arzt. — Nicht übel!" Ist die „Deutsche Tageszeitung" aber witzig 1 Was sie schildert, geschieht zwar nie bei Juden, aber man nennt es bezeichnender Weise mit einem guten deutschen Ausdruck „Bauernßrlefkalten der Redaktion. Lewin, Breslau. Vcrbindliclislcn Dankl Die Probe* nummern werden prompt gesandt werden. Ihren w. Brief übergeben wir dem Bureau Berlin der Z. V. I. D. zur weheren Veranlassung. Zionsgruss. NationalfomU. Von drei V. J. St.-cm gesammelt 12 M. Für Telegramm zur Hochzeit Schachtel-Thorn Dr. Loewe- Beiiin 0,50 M., dgl. Rabb. Auerbach-Wronke 0,50 M. Breslau. Anstelle von 11 Telegrammen zur Hochzeit unseres Vorsitzenden Herrn Hugo Schachtel mit Frl. Frieda Schachtel in Thorn. 11,50 M. — „Makknbäa“ Breslau anstatt eines Telegramms zur Hochzeit Schachtel durch stud. jur. Auerbach 0,00 M. Dr. Bergmann-Hanau 3,00 M. „Denken Tie daran, \ Listite, auch ein Fläschchen der altbewährten Maggi- Würze einzupacken. Diese leistet uns während der Sommerfrische zur raschen I Herstellung schmackhafter i Suppen und Speisen vorzügliche Dienste."

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