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Israelitische Rundschau · 1902-08-22 · Heft 34 (22.8.1902) · page 8

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Journal
Israelitische Rundschau
Volume
1902
Issue
Heft 34 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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KsvaeLtttsche Nnndfcha>r fangen können? . Ich war unrettbar meinem Geschicke verfallen und nicht ohne eigenes Verschulden. Das ist's, was mich jederzeit ganz besonders gequält und mein Gewissen geängstigt hat, nicht eben zu Gunsten meines leidenden Zustandes. Ich will ja alles gern ertragen, wenn nur das unschuldige Mädchen nicht auch unglücklich geworden ist, wenn sie sich nur beruhigt und getröstet und den ihr bestimmten Gatten geheiratet hat. Falls ich hierüber Gewißheit hätte, wollte ich in aller Gemütsruhe dem Todesengel ins Angesicht schauen, wenn er kommt, meine Seele aus dem schwachen, hinfälligen Leibe herans ins Jenseits zu geleiten." Diese Erzählung und wahrscheinlich auch die hierdurch hervorgerufene innere Aufregung halten meinen Freund Tanchum derart angestrengt und angegriffen, das; er kraftlos auf fein Lager sank imb sich nicht regen foimte. Das; er nicht lange mehr leben würde, erfuhr ich am nächsten Abend im Hause des Arztes, der ihn am Tage besucht halte und mir auftrug, mir alle Aufmerksamkeit auf den Kranken zu richten und falls eine besorgniserregende Veräuderung in feinem Befinden einlrete, ihm, dem Arzte, sofort hiervon Kenntnis zu geben. Auch den Aufseher der Halle habe er in gleicher Weise instruiert. Endlich tvar der Tag, dem wir alle tnii der größten 'Herzenspein cntgegensahen, der Tag der Taufe, herange-- kommen. Ein Sonntag im Monat August war hierzu befiiintnt. Schon am Tage vorher halte sich der ganze Ort wie »ur größten Fest- und Feierlichkeit geschmückt. Ties geschah wohl auch zu Ehren deü Metropoliten von Tauricn, der von S i tn f e r o p o l, begleitet von seinen Diakonen, Presbitern und Archiereen zur Stelle gckomtnen war, um in eigener Person den großen Taufakt zu vollziehen. Am Sonnabend Nachmittag fand großer Vorbereitungsgoltcsdienst statt, verbtmden mit einer Art Emmen, rvclches darthun sollte, daß wir im Glaubelt genügend vorbereitet feien. Auch Tanchum war bei diesem Gottesdienst zugegen. Ganz auffälliger Weife war er mit der größten Bereitwilligkeit gefolgt, zeigte jedoch eure so große Schwäche, daß er von zrvci Soldaten zur Kirche geführt werden mußte. . Als einer der .größten und ältesten repräsentierte er gleichsam den ganzen Schwarm der jüdischen Täuflinge und zeigte eine Gervandheit und Genauigkeit in der Beantwortung der an ihn gestellten Fragen, in den Glaubenslehren rrnd in der Gottesdienstordnung der orthodor-griechischen Kirche, daß alle Anrvesenden ihn anstaurlten. Auch die Tallfpathen für einen jeden voll uns waren bereits zur Stelle, um sich bei dieser Gelegenheit ihre Täuflinge auszusuchen. Bei einem von uns als Taufzeuge und Pathe zll wirken, galt nicht nur als hohe Ehre, sondern auch als eine überaus verdienstliche Handlung, welche die ewige Seligkeit im Jenseits ganz sicher zur Folge haben werde. Was Wunder, daß sich die reichsten und angesehensten Männer nicht nur in unserer Stadt, sondern mich in der Umgegend bis auf meilellweite Entfernungen um eine Pathenstelle bewarben. Grafen und Fürsten waren gekommen, um sich als Paten einen Täufling auszusuchen. Ein wirklicher imb sehr reicher Fürst war es, welcher sich den Tanchilni zu feinem Gevatterkinde auüerfehen hatte. Er redete fciefem freundlich und liebreich zu und versprach, immittelbar nach der Tauft ihn aus sein Schloß mitzunehmen, für seine Wiederherstellung zu sorgen und ihm, da er doch zum Soldatendienst viel zu schwach sei, zum Militärgeistlichcn auübilden zu lasten. Und Tanchum war so freudig darauf eingegangen, als sollte ihm damit der beste Wunsch in Erfüllung gehen. In der russischen Kirche hat die Patenstelle eine gar hohe Bedeutung. Der Pate übernimmt, soweit es Not thut, die geistige und leibliche Fürsorge für sein Palenkind und diese Fürsorge bedeutet in einem Falle, wie der «nsrige, gleichsam eine Annahme an Kindeüstatt. Mein Pate, das stand schon vorher fest, sollte mein väterlicher Freund, der Arzt, werden, der sich als solcher'als einer der ersten hatte eintragen lasten und zu diesem Zwecke selbst nach der Kirche, die er sonst zu meiden pflegte, gekommen war. Nachdem auch diese vorbereitende Handlung beendet war, wurden wir wieder nach unserem Kasernement zurückgeführt, und merkwürdigerweise zeigte sich Tanchum derart gekrästigt, daß er eine jede Unterstützung ausschlug und rüstig, so weit es seine Kräfte erlaubten, in Reih und Glied mit allen andern dahinfchritt. Das erschien mir sehr ausfällig, und zu Haufe angelangt fragte ich, was denn mit ihm vorgegangen, ob er in der That anderen Sinnes geworden, ob er sich kräftiger fühle als sonst? (Fortsetzung folgt.) Lustige Lcke. Er lebt neck,! Nämlich llhlwardt. Er hat sich nur die Hosen slickcn lassen. Wie das Berliner Tageblatt meldet, bat der Reicks» tagsabgeorrn.'tc Ablwardt am Sonntag in einer Versa,ninlurn in Moldenberg betätigt, Vas; er auf sein: Kandidatur im Wabllrei; Fricdcbcrg.AniS valoe sür die nächsten Wahlen verzichte. An seiner Stelle soll der Antisemit Arubn aufgcs:,l!t wcr?cn, während Ahltvardt selbst in Neustettin kandidieren will. WaS man über Juden alles schreiben kann, aus folgender Anekdote hervor. die „Nowoja Wremja" unter der Smtzmarke „Ter überlistete Talmud" bringt: Tort erzählt jemand ein bübschcS Reiseerlcbni-5. Er fuhr an einem Scnnabend mit der Eisenbahn und bemerkte im Abteil einige Mitreisende, die sich auf ihren Sitzen unaufhörlich hin- und herschaulelten, als ob sie sich auf einem Schiffe "* befänden. Als er fragte, wer diese seltsamen Leute seien, sagte man ihm: „DaS sind Juden, die nach den Vorschriften des Talmud an» Samstag auf Wagen nickt fahren dürfen, sondern nur auf dem Schiff. Um nun den Talmud zu betrügen, bat jeder dieser Reisenden eine Flasche Wasser auf seinem Sis und schaukelt sich als ob er auf einem Schiff fahren würde." , In Nr. 33 vom 15. August 1902 der unter Ausschluss der Oeflcntlic'nkeit erscheinenden „Israelitischen Wochenschrift“ des Herrn Arthur Scholem, deren Herausgeber im Winter von uns rr.it „Zungenrasseln“ daran erinnert werden musste, dass wir Zionisten seine Unterstützung nicht wünschten, steht folgende Auslassung, die so drollig ist, dass cs eine Sünde wäre, wenn sich nur die paar Leser der Israelitischen Wochenschrift darüber amüsieren sollten: „Berlin, 10. August. („Vorfeier“.) Die Berliner Zionistische Vereinigung hat am vorigen Donnerstag Abend eine „Vorfeier“ des Gedenktages der Zerstörung Jerusalems in Dräsels Festsälen veranstaltet. Die „Vorfeier“ eines Gedenktages ist nicht eben jüdischer Art. Doch die Thatsache selbst, dass eine stattliche Anzahl von Personen zu dem angegebenen Zweck sich zusammengefunden, ist erfreulich. Die „Vorfeier“ begann mit dem Vortrag des Psalm 137 durch Herrn Berliner, Kantor an der Synagoge Ahawas Scholaum. Der Vortrag war sehr schön — die Zionistische Gemeinde aber muss ihn nicht verstanden haben oder von jedem Takt verlassen sein, denn sie klatschte nach dem ergreifenden Trauerhymnus Beifall, als ob es sich um eine Ueberbrettl- Darbictung gehandelt hätte. Es folgte eine „Ansprache“ über die Bedeutung des 9. Ab, in der Bar Kochba als Vorläufer der Zionisten mit vorbildlicher Bescheidenheit hingestellt wurde. So viel wir wissen, hat Bar Kochba mit dem Schwert dreingeschlagen und nicht mit der Zunge gerasselt. An die Ansprache schloss sich die Einladung zu milden Gaben für einen „Nationalfonds“. Aufklärung über dessen Bedeutung und Verwaltung wurde nicht für nötig gehalten. Was nach der Sammelpause geschah, wissen wir nicht.“ ßricMcn der Redaktion. üationalfonds. Durch Herrn Ruckenslein 2,25 M.. Siegfried Leivy, Hannover, anstelle eines Telegranuns zur Hochzeit des Herrn I. Wenger in Krakau 0.50 M. Ortsgruppe filalnz. Ergebnis einer Sammlung bei Gelegenheit einer Aguattonsoersammlung in Groß-Gerau 11.30 M. D. In Lleiwitr. Korrespondenz Peislrcl schar», in nächster Nummer. fclolff In fr. a. Nl. Sobald »vir A.'s Adresse, der in Arnerika ist, erfahren habe»», werde»» »vir sie Zhnen mitteile»».

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