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Israelitische Rundschau · 1902-08-22 · Heft 34 (22.8.1902) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Rundschau
Volume
1902
Issue
Heft 34 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Al WW OMielles Organ öer Zionistischen Vereinigung für Deulschlanö. Aöonnemenispreis K» QsLrtLl dri eomiucN-czug durch die Narupren der Zionistischen Sktrta’gjnj fit Deneschland Mark 0,60, Im Poiiebo-trr» «ent Start 1,15, direkt durch die Exreditlon Mark 0,W, «ach eulmJtt» Mark i«», jSt M Lullavd Mark 2,00. fitutlr.uatBtt Mark 0,16. PssitütungSriste No. 8793. Erscheint jeden Freitag. Aent v«rlbl«rtt für» die jü-lsSrer» Vev.kire. Aevausgegeben vr. fietnricb Locvcc. I I Redaktion, Verlag und Expedition: Merlin NW. 6, Marien st vaHe 18. Sprechstunden: Montag, Dienstag und Donnerstag 4—6 Uhr. Fernsprecher.UI, 6703. Unverlangte Manuskripte werden nicht zurückgcsandt. 21 o. Z4-. Ve^lrn den 22. 2(f»i0Uft 1902. VII. JahvscrirK. Ist es Frommiglieit? Die Wiederansiedelung von Juden in dem allen Lande ihrer Herrlichkeit nach so langer Entfremdung beginnt mit der Thätigkeit des grossen Rabbi in Wilna Elijahu, den wir kurzweg den „Gaon“ zu benennen gewohnt sind. Der Wilnaer Gaon, der im Gegensätze zu seiner mystisch schwärmenden Umgebung den klaren Blick für die materielle Welt, die feine Beurteilung und den weiten Blick für die Zustände seiner Nation behielt, konnte nicht nur als der grösste Talmud ist seiner Zeit billig angesehen werden, sondern war überhaupt der Geist im Judentum, der gewissennassen den ruhenden Pol in aller Unruhe um ihn her bildete. Der Mann, der durch seine mathematischen und grammatischen Studien zeigte, dass er nicht mystisch fühlte, aber dafür um so exakter dachte, war nach Jahrhunderten der Erste, der an eine planmüssigo Besiedlung Palästinas durch Juden dachte. Er war der Mann, der im Gegensätze zum Chassidismus die ruhige Klarheit talmudischen Denkens bewahrte. Mit der Einfachheit, die nur dem genialen Menschen eigen ist, erfasste er die Judennot an der Wurzel und war im asclikenasischen, d. h. deutsch-sprechenden Judentum der Erste, der die einzige Lösung der Judenfrage erkannte. Er wollte die Wiederherstellung des jüdischen Stammes in seinem alten Lande durch die Juden -selbt herbeiführen. .Er veranlasste seine Schüler, für dio Wiederansiedlung von Juden in den Städten des Heiligen Landes tliätig zu sein. In einer Zeit aber, wo nicht mit modernen Mitteln an . der Kolonisation gearbeitet werden konnte, wo noch keine Eisenbahn und keine billige Post den Verkehr vermittelte, schuf er das rechte Mittel, um Jerusalem und die andern heiligen Städte mit Juden zu bevölkern, indem er die Chalukah, wie sie heute noch existiert, in das Leben rief. Man mag über diese Art, Gelder in der ganzen Welt für die jüdische Bevölkerung Jerusalems zu sammeln, denken, wie man will, jedenfalls war der Gedanke, der den Gaon und seinen Schüler Rabbi Chaim in Woloshin veranlasste, den Jischub, den wir heute im Gegensätze zur zionistischen Kolonisation haj - jaschan nennen, zu gründen, derselbe, der den Zionismus in die Wege geleitet hat. Die Chalukah ist in der Form, die ihr der Gaon und seine Schüler gegeoen haben, die gewaltigste Kraft gewesen, um einen Grundstock jüdischer Bevölkerung in Palästina za schaffen, deren Bedeutung wir nicht zu gering veranschlagen dürfen. Freilich konnte es nicht ausbleiben, dass bei einem System, das auf unkontrollierter und nnkontrollierbarcr Wohltliatigkeit beruhte, dio Korruption sicli einstellte. Und so ist es nicht verwunderlich, sondern nur der natürliche Gang der Entwicklung, wenn die Geschichte der Chalukah eine ununterbrochene Reihe von Klagen und Beschwerden über ungerechte Verteilung, Unterschlagung und Unterdrückung der Armen geworden ist. Und dies um so mehr, jo reicher die betreffende Chalukah war. Denn es hatte sich ein merkwürdiges Prinzip eingebürgert, das die örtliche Spaltung der Juden nach ihren Wohnsitzen in den verschiedenen Ländern des Golus zum Verteilungsprinzip machte. Das Interesse von Juden aus Ländern, wo es unsern Stammesgenossen besser geht, war es, dass man nach Landsmannschaften die Verteilung der gesammelten Gelder vornehmen sollte. Der Vorteil war ein doppelter; denn erstens gingen aus solchen Ländern reichere Spenden ein, und daun waren es ausserdem weniger Teilnehmer an der betreffenden Chalukah. Denn je wohlhabender in gewissen Ländern die Juden wurden, um so weniger sahen sie sich veranlasst, nach Jerusalem auszuwandern. So schien es im Augenblick eine rosse Reform zu sein, als man in den vierziger ähren dio Verhältnisse der deutsch-holländischen Chalukah regulierte, während es in Wahrheit das Schlimmste war, was jemals auf dem Gebiete der Sammelgelder für Jerusalem geschehen ist. Diese „Reform“ sorgte zwar dafür, dass möglichst wenig von den gesammelten Geldern unterwegs in Europa hängen bleiben sollte, aber um so schlimmer war es, dass der grösste Teil der Gelder gewissenhaft an eine nach palästinischen Verhältnissen wohlhabende Gruppe von wenigen Familien abgeführt wurde, die den Rahm abschöpf’te, um das Zurückbleibende der grossen misera plebs zu überlassen, die sich um otteswillen nicht mucksen durfte, wenn sie nicht

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