Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 51 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Vo&sblatt Nr. 51 Snito national zu empfinden, sind sie jüdisch, weil ja die Assimilation in Galizien nicht die Möglichkeit fand, so verheerend und anslösend zu wirken wie im Westen. Als Gegner einer nationaleil Autonomie der Juden kämen noch die jüdischen Führer der polnischen sozialistischen Partei und ihr gegenwärtig bedenklich zusammengsschmolzener Anhang in Betracht, die ja dieselbe Melodie in einer anderen Variation wie die Assimilanten leiern. Für jene gibt es nur polnische Jntereffen, für dies« nur polnisch-sozialistische. Doch auch hier hat sich durch die Bildung einer separierten jüdischen Partei eine erfreuliche Wendung vollzogen. Die Separatisten werden in diesem entscheidenden Augenblicke die Antwort geben müssen, ob es ihnen um die Wahrung der besonderen jüdischen Prolstarierinteressen ernstlich zu tun ist. Es wäre ja auch eilt Faustschlag wider jede Logik, eine nationale Organisation zu beanspruchen, den Bestand der Nation aber zu leugnen. Nur ein einziger Gegner könnte uns gefährlich werden. Das sind die Polen, die sich durch den Beistand der Juden allein die Präponderanz im Lande gesichert haben und jetzt schwerlich geneigt wären, aus diese Macht freiwillig zu verzichten. Doch glauben wir, daß die Einführung des allgemeinen Wahlrechts -auch da Wandel schaffen wird, indem es eine ganz gewaltige Verschiebung in den bisherigen Machtverhältnissen Hervorrufen wird. Und der Regierung wird es hoffentlich auch nicht so sehr um die Vergswaltiguvg der einen Nation durch die andere zu tun sein. Weit mächtiger und gefährlicher noch als die Polen kann uns unsere eigene Indolenz und die auch von zionistischer Seite vernachlässigte politische Erziehung für die momentanen Gegenwartsintereffen werden. In dieser Frage handelt es sich nicht darum, ob wir 10—12 jüdische Abgeordnete als Vertreter ins Parlament schicken werden, sondern um die nationale Emanzipation des Volkes, um die Wahrung seiner wirtschaftlichen Interessen und um ein eigenes Selbstbestimmungsrecht. Die wichtigste vorläufige Aufgabe scheint uns die zu sein, daß sämtliche Parteien und Gruppen, die die Forderung nach einer nationalen Autonomie zu ihrer eigenen machen, zu einem zielbewußten, gemeinsamen Vorgehen sich zusammenschließen. Die Zionisten, als treibendes Element, müssen durch Arrangierung von Massenversammlungen ein lautes Echo vernehmen lassen, damit ihre Stimme nicht überhört werde. Die Einberufurlg einer zionistischen Landeskonferenz, eventuell auch eines Gemeindetages würde die Aktion nur vereinheitlichen. Die Frucht ist reif, nur muß nach ihr energisch gegriffen werden. Unentschlossenheit und Kleinmut bedeuten das Grab der Bewegung und eine Vernichtung von Zukunftsmöglichkeiten, die nicht mehr wiederkehren werden. Preßßmme« über die Steüung der Juden zur Wahlresorm. Für die Bewegung, welche die Juden Oesterreichs im Interesse der Anerkennung und Gleichberechtigung der jüdischen Nationalität durch den Staat" gegenwärtig erfaßt, ist es wichtig, daß nicht nur die Juden selbst sich in ihrer überwiegenden Majorität diesen Bestrebungen tatkräftig auschließen, sondern auch, daß die anderen im Reiche lebenden Nationalitäten für diese Forderung der Juden gewonnen werden. Ir de Stimme, die im Lager der einen oder anderen Nationalität für oder gegen unsere Aktion laut wird, ist daher für uns von Bedeutung, und. die Juden Oesterreichs haben ein Interesse zu erfahren, wo sie die Freunde und wo t>ie’ Gegner der Anerkennung der jüdischen Nationalität zu suchen haben, um die ganze Situgtion klar überblicken und ihre Vorkehrungen zur Erreichung des vorgestreckten Zieles danach treffen zu können. Wir werden daher dis Preßftimmen aus den Lagern der anderen Nationalitäten mit Aufmerksamkeit verfolgen und sie unseren Lesern, soweit sie uns bekannt werden, zur Kenntnis bringen. Heute liegt eine Stimm» aus dem ruthenischen Lager vor, und diese hat nach der bekannten Rede R u m a n c z u k s im Abgeordnetenhause für uns besonderes Interesse. Unter dem Titel «Die Wahlreform und die Juden" schreibt der „Dilo", das führende Organ der Ruthenen, unter anderem folgendes : «Würde man bei der Einteilung der Wahlbezirke nach Nationalitäten sich nur nach der absoluten Bevölkerungszahl richten, so würde auch das polnische Element in Galizien nur eine künstliche, durch nichts berechtigte, auf Kosten anderer Nationalitäten hergestellte Majorität erzielen. Zunächst würde dies auf Koste» und mit Hilfe der Juden und der Latiniker (ruthönische Katholiken) geschehen, die fast alle als Polen gezählt werden. Und sollte erst der Wunsch der Allpolen, daß nicht gleiche ruthenische und polnische Wahlbezirke geschaffen werden sollen, in Erfüllung gehen, dann wäre das sogenannte allgemeine Wahlrecht nichts als ein plumper Schwindel, mit dem sogar das Organ der Schlachta, das „Slowo Polskie“, zufrieden sein könnte. Durch diesen Umstand wird die Frage der Latiniker und der Juden in unserem Lande naturgemäß sehr aktuell. Wir behalten es uns noch vor, uns m>t den Latinikern in einem späterer! Zeitpunkte zu beschäftigen, während wir heute die Aufmerksamkeit unserer Gesellschaft auf die Stellung der Juden zur Wahlreform lenken wollen. Diese Frage ist für uns schon deshalb wichtiger, weil die Juden in Galizien sich in der für sie gewiß nicht ganz angenehmen Situation befinden, zwischen Polen und Ruthenen das Zünglein an der polnischen Wage zu bilden. Gegenwärtig werden sämtliche Juden Galiziens der polnischen Nationalität zvgezählt. Mit demselben Rechte oder Unrechte könnte man sie den Ruthenen zuzühlen; besonders in Ostgalizien. Es liegt uns natürlich ferne, die Forderung aufzustellen, daß die Juden Ostgaliziens tatsächlich uns zugerechnet werden. Die Ruthenen stehen vielmehr auf dem Standpunkte, daß jeder Nation das Selbstbeftimmungsrecht gewahrt bleiben müsse, und dies» Recht der Selbstbestimmung anerkennen wir auch für die Juden. Aber mit aller Energie müssen wir uns dagegen verwahren, daß die Juden für Polen ausgegeben werde» und daß in Konsequenz dieser falschen Zuteilung der Einfluß und das Machtgebiet des PolenklubS auf unsere Kosten und zu unserem Nachteile gestärkt und erweitert werde. Hingegen ist es Pflicht der ganzen ruthenischen Gesellschaft in Oesterreich, sich auf den einzig richtigen und politisch unerläßlichen Standpunkt zu stellen, den der Abgeordnete Romanezuk mit allem Nachdrucke vertreten hat, und demgemäß die Anerkennung der jüdischen Nationalität der Schafsung von Wahlbezirken nach N a t i o na litätsnzu fordern. Auf allen unseren Versammlungen und Konferenzen muß dieser Ruf erschallen und dieser Forderuug muß in jeder ruthenischen Versammlung durch Fassung eigenerResolutionenbes o »der er Na ch« druck verliehen werden. Mit einem Worte: wir müssen die ganze Macht unserer Massen darauf verwenden, daß die Juden, Prämiert I Wiener Licht-Ausstellung 1900. Telephon 12359. Kaiseröl-Fabriksoiederlage Ceh $ Blitz Wien, XX 2 Drssdnerstrasss 82 Petroleum in Kannen franko Haus nach allen der Juden ausgezeichnet; aber ob mem's jetzt noch wagen darf —" sie seufzte schwer. Dann befahl sie einem Diener, den Patriarchen zu rufen. Der ließ nicht lange auf sich warten. Eine hohe, magere Gestalt mit weißem Haar, stechenden Angen, einer schmalen, gekrümmten Nase und etwas vovstehendein Kinn. Sein purpurnes Gelvcmd lief aus in einer langen« faltenreichen Schleppe, die von einem Knaben ihm nachgetragen wurde. „Die größt« Majestät der Erde hat mich rufen lassen," sagte er sich verbeugend. „Heiliger Vater," sagte Iren« und küßte die Hand des Patriarchen, „wir brauchen euren Rat." Und nachdem« Steumkius ihm seinen Sessel zurecht gemacht und der Knabe das Gemach verlassen hatte, erzählt« Irene, lvas ihr Steumkius berichtet. „Ich fürchte, wir haben die Heiligen gegen uns, sollst könnten die Juden nicht plötzlich so hexen," fügte sie hinzu. „Gebt Rat, heiliger Vater, wie wir sie versöhnen." „Ihr habt nur zu recht, meine hohe Tochiter," erlviderte der Patriarch. „Gar ruchlos war das Treiben mit den heiligen! Bildern. Doch wollt ihr die Heiligen versöhnen, so rate ich: Erlaßt ihnen alle Steuern! Stiftet ihnen Klöster! Und Güter! Und Kirchen!" „Wörtlich!" murmelt« Stenmki us höhnisch. „Wie meint ihr, mein Sohn?" Die Blicke des Patriarchen schienen den Eunuchen durchbohren zu wollen. „So denke auch ich," erwidert« der schnell. „Das freut mich! — Das, nieine Tochter, müßt ihr iun für di« Heiligen. Für die heilige Dreisatt aber müßt ihr noch etwas ganz besonderes tun. Dann wird die Macht des Judenzanbers gebrochen sein." „Meint ihr, heiliger Vater? Doch was könnte ich tun?" „Ich habe schon gesagt," fiel Steumkius ein, „die Inden von Byzanz müßten als Geiseln gefangen gehalten werden. Daun! hätte man Sicherheit gegen den, Zauber und täte dabei glcich ein: gottgefällig Werk. Beim di« Güter dieser Gotteslästerer könnten verwendet werden für neue Kirchenbilder." „Nicht übel," murmelte der Patriarch. „Auch gut für die Heiligen, aber nicht groß genug für Gott. Etwas Großes, sehr Großes mriß geschehcn, denn fürwahr, wenn die Juden, die Feinde der Christenheit, schon mit Untieren haben! Bündnis schließen können, dann haben sich Gott und die Heiligen vön uns abgelvandt. Es wird schwer sein, sehr schwer, sie zu versöhnen. Etlvas Großes! Etwas Großes!" „Aber was?!" „Darüber werden wir -beraten, Nachdenken müssen. Vielleicht, wenn die Heiligen unsern guten Willen sehen, helfen sie uns auf ein« gut« Idee." „Ja, wenn sie uns doch ein Zeichen geben wollten, die Heiligen." Ein Palastsoldat trat ein. „Hund, duwagst es mich zu stören, gegen mein« Befehl«. Aufs Rad laß ich dich flechten," fuhr ihn Irene an. „Verzeihung, größte Kaiserin. Doch draußen begehrt die Gesandtschaft von einem fremden -Könige Einlaß. Sie kommen gar weit her und bringen Geschenke und wünschen mit Euch zu reden." Erstaunt blickte Irene auf Steumkius. „Von welchem König?" fragte, sie dann. -Der Soldat wußte es nicht. Steumkius ging mit ihm hinaus und kam bald zurück. Verwunderung war auf seinem Gesicht zu lesen. „Vom Chakan Butan, dem Chazaven!" rief er. „Dein Juden?!" kam es zugleich über die Lippen dev anderen. Jrene war sehr bleich. „Der Fluch! Die Feinde!" murmelte sie. Dev Patriarch hatte sie gehört. „Vielleicht!" sagte er. „Aber vielleicht auch das Zeichen dev Heiligen!" Und seine Augen blitzten. Dann befahl er, die Gesandtschaft hereinzufühven. „Doch lasset sie draußen die Waffen, ablegen," fügte er noch rasch hinzu. (Fortschung folgt.) 5. niTTELBflCn Soda-Pastillen. 'LLL.°'°°N u/ian I Unhar Markt Nr ft üetoel» eiten, Sbdbrenen, AuMossen etc. leiden, VflQlt) I , nunur in arm nr. O u „entbehrlich. Vermöge der Ausstatlnn« in Pastillen' — Prall pro 8ehichtil 99 Htllir dar Stadt form sehr beauetn.