Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 46 (17.11.1905)
- Date
- 1905-11-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr-aktion: IX/1, Wafagaffe 91. Telephon Nr. 14723. Hptrchstunbep r fln Wochentagen von 4 biL 6 Uhr nachm. Postadresse.' Jüdisches «SottSblatt, Wien. 1X|J. Leredweiät» wegen verspäteter oder gar nicht erfolotrr Zustellung erbitten wir uns dringend. — Manuokeipte Wträett »letzt rueiietzgeitem. Hostsparkassen-stonto 847037. In daS Abonnement kann man täglich etntreken. Erscheint jeden Freitag. Eigrrchiiiler irnd KcrlNlssrKrr: ZK Kob Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 7N. vukes Nachj., ksaosenstein & Vogler, Nudolf Mosse, M. pozsonpi, 0. Schale! in Wien» ferner alle Annoncen» Expeditionen im Auslande. Einzel - Nirwu,er irr Wien rrv Heller. Administration: IX/1, Wasagastr 31. Telephon Nr. 14723. Abonnements-PreiSr Für Wien u. Oesterreich» Ungarn j. Franlozustellung: Ganzjährig. . . .XIS.—. Haibjäh'ig . . . .X « — Bierteljäbrig ... X 3 — Für daS gesamte AnSl d samt Fronkozustellun,. Ganzjährig . . . X 13 «iS Halbjährig . . . X «.33 Vierteljährig. . . X. 3.42 ÄerschleißsNllen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements enlile6enc,enon>mcn werden: Hermann Goldsckmndt, Wien, Wien, il/3, Stesanlestraße' 12; Robert Weitz, Wien^ I. Jakoberqasse 7. I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Kr. 46. Wien, 17. Uovemder (1v. Mnrcheschwan 3666). VLI. Jahrgang. Dir große Trauer. Die ganze Welt steht noch immer unter dem Eindrücke dev Vorgänge in Rußland. Besonders das gesamke> Jn>dentum beider Hemisphären ist einmütig in seiner liefen Trauer über den unschuldig erlittenen. Tod so vieler seiner Löhne und Töchter. Und diese Trauer beherrscht jetzt das ganze jüdische Leben und. verdrängt alle cnitdeten Tagesfrageni aus der Diskussion. Wir sind gewiß mit der Form mancher der jeHt' vevanstalteten Kundgebungen nicht einverstanden. Auch der Inhalt mancher jetzt so üppig./ aufschießenden „Nesolnt'ionen" kann unser gedrucktes. Gemüt nicht befriedigen. U nser e Trauer ist grundverschieden von derjenigen, die jetzt in manchen/Kreisen zur Schau getragen' wird. Mer wir wollen die jedenfalls gesunde Erregung, welche jetzt das Judentum erfaßt hat und hoffentlich noch geraume Zeit wird gefangen halten, nicht durch eine allzuscharfe Kritik beeinträchtigen. Wir werden noch manches ernste Wart über diese ernste! Frage zu sagen haben. D i e s soll jedoch in ruhigerer Zeit geschehen, deren Eintreten wir sehnlichst erwünschen. Heute begnügen wir uns mit der Re- 'gistrierung derjenigen Vorgänge, welche die unmenschliche russische Schlächterei im Gefolge hat: Hilfsaktion der Jsr. Allianz zu Wien für die russischeu Juden. Das bisherige Ergebnjs der dev Israelitischen Allianz zu Wien zugegangenen Spenden beträgt zirka 220 000 Kronen. Der Vetter Pi»»i uud die Ävhme Reise. Ares hem Jüdischen des Scholanm Aleichem. Von Jakob Kransz. Unter obigem Titel ist von dom berühmten jüdischen Schüftsteller jüngst eine kleine Erzählung erschienene die jetzt viel von sich reden macht. /Sie liest sich wie.einsitlsames Märchen, das Mütterchen der Tochter erzählt zu Nutz.und Frpnmieu,. des jildischen Hansfriedens. Mer aber.hw G>cjschichte'ein zweites Mal liest, findet bald heraus, daß Vetter Pint niemand anderer d&. 3 a/l? a n; ist. und hinter dev Maske der Muhnse Reise sich Nußland verbirgt und daß endlich I a.n k e l al> iß,■. der' Hansfrennd in deri Erzählung, eine geschickte Verballhorimng von Ug. n f e e Doo o l o (Amerika) ' darstellt. , , Die russische Zensur hatte natürlich nicht so jbtc'I.Grütze, die Anspielung heransznfinden, l c&‘ . die Epzahlung: anstandslos/ passieren. Hrmte, da tziq M'zghllntg' in fast;alle im russtt scheid.. - ^eick^r/ tzprtM'nt'üi Sprachen - übersetzt lvnide,'' mochte. .dtp Aenstch gerne einschreiten. aber es ist Zll spät, und dann! kann ja inzlvischeti die/--- Verfassung! ttDle „Erzählung", die auch ins Deutsche übertragen zu. werden, verdient, lautet folgendermaßen: I- ,; r.( .. : - „Ich hatte. eine Muhlne, hie heißt Reise. Sielst eine htzchgewachsene, robuste Person mit dickkst^ ckufgnvMemm. ÄfEpeN/'' einer ' vte.sten Am 14. d. fand im; Bureau der Israelitischen Allianz eine gemeinschaftliche Konfaronz des Präsidiums der Allianz mit Delegationen der beiden hiesigen B'ne B'rith-Logen und dev zionistischen Organisation sowie mit Vorstands- , Mitgliedern der Oesterreichisch-israttitifchen Union statt. Es wurde einstimmig beschlossen, die von der Allianz eingeleiteie Hilfsaktion in allen Kreisen der Bevölkerung wirksam zu fördern, damit den nach vielen taustnden zählenden unglücklichen Familien der Ermordeten und wirtschaftlich Ruinierten in ausgiebiger Weise Hilfe gebracht werden könne. London, 15. November. Gestern fand unter dem Vorsitze Lord Rothschilds eine Konferenz statt, in, welcher über die Art der Verteilung der für die notleidenden russischen Juden gesammelten: Gelder beraten wurde. An der Konferenz mahnten Delegierte aus Paris, Berlin und Petersburg teil. Die Konst renz beschloß, mti den Überweisungen au Baron Günsberg, der für die Vevterlunig der Gelder! sorgen soll, sortzufahren, ferner die Entsendung ener uns drei Mitgliedern! besehenden, Kommission vorzrmehmen, welche die von den Unruhen betrosfenen Städte besuchen soll. Ferner wurde beschlossen, ein Zentral-Jnformationsbureau in Berlin zu errchten, welch.es detaillierte Meldungen über die Bedürfnisse jeder Ortschaft sammeln soll, uni eine den Verhältnissen entsprechende Verteilung zu Jedes Komitee ans dem Kontinent soll Nase und einem echten Tatarmherzen/ Ihre Stimme ich rauh, dazu, schielt sie beständig mit einem, Auge und kommt ans dem Streiten und Zanken nicht heraus. Meine Muhme versteht sich sehr aufs Essen, und — unter uns möge es bleiben: W auch.aufs. Trinken., Sie trinkt ' leidenschaftlich gerne, trinkt viel, hauptsächlich Wutki, und zwar arn. liebsten uns Biergläsern. Die Leute behaupten, daß meine Bcuhme diesen Hang zur Trunksucht von-ihrer-Urgroßmutter geerbt habe, die ebenfalls nmcn bitteren Tropfen lieb hatte. - Abgesehen> von diesen Fehlerir ist Muhme , Reise fromm nud gottesfürchtig, sie glaubt an Teufel und Geister spuk und ähnliche Narreteien. Sie vergißt nie, beim Gähnen dreimal , auszuspucken' und trägt fttts ein Amulett auf dem Herzen. -! Ganz das Gegenteil von der Muhure Reise ist derrMtt.er/Pinni, Mein gewachsen, lchhaft, geschickt, mit kleim'u, klugerr Aenglein und einem gesunden, klareir Verstand. Besonders auffallend ist si'ine Behendigkeit in den Bewegungen und im Deii'keir. sowie seine Schlauheit im Handeln. . Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, wenn der Vetter Piuni vor der Muhme Reife einen Heidenrespekt eiupfand, und in ' Höllenangst verfiel, so oft sie nach, ihln schielte. Schickte er sich einntal an, etwas zu tnü,!vas/ l^er Viuhine nicht gAnhiu war, da brauchte..sie lsuv tuit dein rechten Fuß aufzustampfen/ tmd ihn anzuschrcien: „Pinni!" und Wtev Pmni sierkrvch sich und Rieb stumün / die Kontrolle über die Gelder/welche es aufgebracht hat, beibchalten, aber anordnen, daß der gegenwärtige Ueber schuß aller Gelder du rch! das Bankhaus S. M. Rothschild Sons üibcrwiesen oder zur Verfügung dieser Firmn gehalten werde. Sonntag den 19. November 10 Uhr vormittags findet im Sofien s a a I e, 3. Bcz., Marxergasse, eine T r 2 n e v e r f s m m 1 u u g . dre Wiener Iudrnichirft für die Opfer der JnÄenderfolguAgen iilRüßtand statt. Glaubens- und Stammesgenossen l Gestaltet diese Versammlung durch massenhaftes Erscheinen zu einer imposaltten Kundgebung eurer schnrerzlichen Gefühle! Für die Einberufcr: Kais. Rat Wilh. A uni n g e r, Dr. Eduard K o h n, Architekt Oskar M a r m o r e k, Siegmünd M a y e r, Dr. I. Samuel y, Dr. I. Sch a lit. ' Unterdes hat meine Muhme zu Hause die unglaubl.chsten Szenen aufgeführr. .Sie prügelte ihre eigenen Kinder in schändlicher Weise, peinigte ihre Bediensteten zutode und quälte jeden, der das Unglück hatte, mit ihr in Berührung zu komnren. , So-verging eine lange Zeit. Wie aber jedes Ding einmal ein Ende nehmeir muß, so nahm auch die Herrschaft der Muhme Reife mit einoin Mal ein jähes Eiche. Und das kam so: Pinni hatte einrn alten: Freund nanrens Jankl Dovid. . Dieser war ein reicher, rinporgekonluiener Handelsnlaun, lebendig und glänzend wie ein fvischgeprägter Dollar - und klug wie dev Tag., Als Pinni eines Tages seinem Freunde, . seine Unerträglich gewordenen Leidenklagte, fuhv ihn dieser an: „Ja, warunl schweigst, bat denn zu qlledem^ du — Idiot du?! Fahr' ihr mal ühers Maul!" „Was sagst du da?" jammerte Pinni erschrocken. „Sieh' dir/nur ihre Pratzen, ag! Und betrachte dieses.scheußliche, fnrchterregenbe Geschövf etwas näher!" „Dni bist ein»'^ Rindvieh!"^^ .polterte Dovid. ,^Hall' ihr mir mal eine runter, mib bit wirst sehen, wie sie uachgebeg lind -sich bessern wirp." Und Pinni. ist dem! Pate seines Frcmches gefolgt. - / .:! i Eines Nachts versetzte P'inlri. der Mlchme Reise eimm so heftigen Schlag auf dm Kaps, Laß sie entsetzt ztlrücktminMe.?'.. / ./,,' i „Pimn! Mas chagst. du ha: zu tun?!" - schreit die Mühmest