Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Rrvakltonr ix/j, Wasagsstr 81. ‘ Telephon Nr. 14*38. Vprechst»»tze«: »« W»chent«gen km 4 »U 8 Uhr noch«. »»fUbrtffe: Jüdisch-» v-lkStzlatt, Wie«. IXjl. I«ietz»er»e« wegen »erspSteier »der I« nicht erfoleter 8». stellung erditten wir uti« drlrianid. — W»n«1hei-twer»-» «letzt »«eßetzgeeteli». Postsp«rkafsen>K»nto 847037. In Va« Abonnement T«nn man tSglich etattctcK. Erscheint jeden Freitag. SigeniMer und Kerlm-reter: Jaksb Kraus;. Inserat« übernehmen die firmen: M Vutes Nachf., lfaasenstein k Vogler, Nudolf Mosse, M. pozsonyi, N. Schalet in Wien, serner alle Annoncen« Expeditionen im ftuslanbe. Einzel - Nrrrumer iu Wien Sv Heller. f " 1. ' ' 1 Administration: IX/1, Wafagastr 31. Telephon Nr. 14733. Avo«»emeut»« Preis: Für Wie« u. Oesterreich, Ungar« s. 8rankoz»st-aung: Für da» gefauit« Au»l n tz I«mt Frvnkoiustcllun SanPShrig. . . . L 1Ä.— HalbjSH-ig . . . .K Sierteljädriß . . .K 3tz GanzjSlirig . . . X l .e - paibjährig . . .K 0.83 »ierteljährig. >. . K 8.49 ä Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements ento.egengenonmien werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 1l; Verlag „Zion" Wien, 1,3, Ctefaniestraße tL; Robert Weiß, Wien, J. Jatobcrgasse 7. Ur. 42. Wie», 20. Oktoder 1905 (21. Tischri 5666). Vil. Jahrgang. Die »eile Schul- «n» Unterrichtsordnung. ' Der neue Leiter deS Ministeriums für Kultus und Unterricht hat sich beeilt, eine neue Schul- und Unterrichtsordnung für Volks- und Bürgerschulen herauszugeben, die für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Lältder, natürlich mit Ausnahme des Königreiches Galizien und Lodomerien samt dem Großherzogtume Krakau, wirksam ist. Will man über sie ein allgemeines Urteil fällen, so muß man sagen, daß alles darauf ankommt, w i e diese Paragraphen, die sich äußerlich Gerechtigkeit und Objektivität zu tragen bemühen, gehandhabt werden. Wir verweisen zum Beispiel auf den Absatz VH, § 71, der das Mißfallen der „N. F. P." erregt hat. Gr lautet: 7. Bon öer Schulzucht. §. 71. Die erziehliche Tätigkeit der Schule verfolgt nach 8 1 des ReiÄs-Vollsfchülgesetzes im allgemeinen die Aufgabe, in. planmäßiger Verbindung mit dem Unterrichte und im einträchtigen Zusammenwirken mit dem Elternhaufe eine breite und feste «Grundlage für «öic Heranbildung tüchtiger Menschen und Mitglieder des Gemeinwesens zu schaffen. «Die Kinider sind demnach in der Schule sittlich-religiös zu erziehen,' die «Schule «wird sie namentlich zu Gottesfurcht, Ehrfurcht vor dem Kaiser und dem Allerhöchsten Kaiserhaufe, zur Achtung vor dem Gesetze und vor der staatlichen Ordnung, zur Diebe z-um angestammten Volkstum und zum gemeinsamen Vaterlande sowie zur kon fe sstone llen itnd nationalen Duldsamteit anleiteü und sich zugleich auch angelegen sein Feuilleton. Das Ende einer jädische« Selcher-Dyaastie. Jn> den Pester Blättern war jüngst eine Insolvenz verzeichnet, welche geeignet ist, den Wandel der Zeiten in gar trauriger Weise zu illustrieren. Die Koscher Selchwaren - Fabriksfirma Eduard Weils Söhne, die seit dem Jahre 1833 im Qrczyscheu Hause in der Klimly-utcza etabliert ist, ist insolvent geworden. Die Firma Eduard Weils Söhne erfreute sich einst in Pest sowie in ganz Ungarn einer großen Popularität und der Ruf ging weit über die Grenzen Oesterreich-Ungarns hinaus. Denn die Firma Eduard Weils Söhne hat die Koscher-Würstel- und Selchwaren-Jndustrie, wenn auch nicht geschaffen, so doch zu einer nie geahnten Blüte gebracht. Der erste Koscher-Würstelfabrikant in, Pest war dev Fleischhauer Wolf Böhm, der es schon im Jahre 1827 versuchte nach Art der schon damals weltberühmt gewesenen, „Wiener Wü» stel", koschere Würste uns rituellen! geschlachtetem Ochsenfleische herzilstellen. Der Versuch gelang, aber trotzdem konnte Wolf Böhm mit feinem Erzeugnisse nicht durchdringen. Ebst als er zu seiner Selcherei im Jahre 1828 in« dev Königsgasse ein kleines Koscheio-Trakteurhaus, wie man damals die jüdischen Restaumnts lassen, die ihr an-vertrante Jugend zur Menschen- > freurMichkeit und zur Nächstenliebe zu erziehen; und in ihr Gemeinsinn zin wecken. - 8 72. D'urch die Schule ist der Sinn für alles j «Wahre, Gute und Schöne zu pflegen und die Heranbildung eines offenen, edlen Charakters an- Mstreben; zu dem Zwecke sind in dem Kind alle guten Charaktereigenschaften, wie «Pflicht- und -Ehrgefühl, Offenheit, Wahrheitsliebe, Ansland, Sparsamkeit, Selbstvertrauen, Mäßigkeit und Sekbst-beherrschung, zu entwickeln. - Wir finden diese Worte, selbst auf die! Gefahr hin, mit der „N. F. Pr/ nicht i übereinzustimmen, sehr schön; wer bürgt , aber dafür, daß diese Worte, nicht, wie! manche Worte der Verfassung, nur eben Worte bleiben werden? Sonstige Paragraphen, die für Juden von Interesse sind, sind folgende, wobei wir besonders darauf Hinweisen, daß den Kultusgemeinden sehr viel Einfluß engeräumt wird; wie sie diesen benützen werden, ist eine andere i Frage. Zum Beispiel: I Die Feststelllimg der Lohraufgabe für den Nslig'ivnNunterr'lcht UNV die BeÄeilung des Lehr- « stvffes in der Religion-auf. die -einzelnen Klassen, Abteilungen und Gruppen ist nach 8 5 des Reichs-! Volksfchulgesetzes der Kirchenbehörde, beziehungs- « weise dom 'Vorstande der iLraelMschen Kultusj gemeinde Vorbehalten.! 8 9. Die Verfügungen der Kirchenbchörde, i beziehungsweise des Vorstandes der israelitischen j Kultusgemcinde über die Reltgionsprüsnngeu «und! über die religiösen Hebungen werden von der Ve- ■ zir«!sschulbehör'de nach § 5, Absatz 5, des Reichs- Volkssch«ulgesetzes dem Leiter der Schule bekanntgegeben und auch der Ortsschulbehörde mitgetollt. Die Kirchenbehörderr, hezichnugs-weise der! Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, haben « ihre Verfügungen der Bezirkssthulbehörüe recht- ' nannte, eröffnete, und seinen- Gästen seine Würstel gekocht vorsetzte, sing m«an an, denselben Geschmack abzugewinnen, und bald fanden die „Krenwürftel" und das koscher Geselchte auch über die Gasse «reißenden Absatz. Wolf Böhm war auf dem besten Wege, ein reicher Mann zu werden, als ihm im Jahre 1833 plötzlich ein gefährlicher Konkurrent entstand; der Schächter Cheskel Weil war es, der, nach dem« Beispiele Wolf Böhms nun im Orczyschen! Hause ebenfalls eine große Selcherei eröffnete, und den Wolf Böhmschen Erzeugnissen gar bald große Konkurrenz machte. Zwar blieben die Bemühungen- Cheskel Weils im Orczyschen Haus ein Trakteurhaus errichten zu dürfen, erfolglos und so fehlte es Hin an deni wirksamsten Mittel, seine Erzeugnisse rasch bekannt zu machen. Aber Cheskel Weil wußte sich zu helfen, wie er denn Zeit feines Lebens nicht nur Fabrikant, sondern« auch ein tüchtiger, streu-g solider und ehrenwerter Kaufmann lvar. Weil evöffmete in mehreren, zumeist von Judenbewohnten Gassen der Theresienstadt Fllial-Verkaufsstellen, und brachte vor den Verkaufsstellen eine große Lampe an, deren eine rote Scheibe in großen roten hebräischen Buchstaben die Aufschrift trug: „Koscher Würstel und Selchwarenverschleiß von Cheskel Mil." Diese Lampen ließ Weil allch in der .Nacht brennen, und diese Weilschen Lauchen waren so ziemlich die erste Reklame im alten Pest. Zwischen den beiden, Fabriken« Wolf Böhm ' zeitig bekannt-zugeben, damit eine ordnungsmäßige j Verhandlung darüber bei der Vezirksschulbehörde! stattfinden kann.! 8 10. Bei der Verkündigung hat -die Bezirks- ' schukbehöröe zu bestimmen, in welchem Maße die zur Teilnahme an den Religionsprüf.ungen und an den religiösen Uebungen verpflichteten Schulkinder an den betreffenden Tagen vom Unterrichte befreit werden und ob den übrigen Kindern Unterricht zu erteilen ist. , Wo und wann sich die zur Teilnahme ver-! pflichteten Schulkinder z«u versammeln haben und i wie sie zu beaufsichtigen sind, wird nach den örtlichen Verhältnissen in der Lehrerkonferenz fest-; gestellt. i Zur Ueberwachüng der Schulkinder bei den { verbindlichen religiösen Uebungen können nur Lehrkräfte des betreffenden Neligionsbekenntnisses verwendet werden. Die Stunden für den Religionsunterricht sind, >rvenn kein eigener Religionslehrer bestellt ist, im -Einvernehmen mit der Kirchenbehöröe, beziehungsweise dem Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde anzusetzen. Kommt eine Einii äung nicht zustande, so ist an die Bezir>kssch«nl° \ be-hörde z-u berichten. Die Kirchenbehörde, be- ' ziehungsweise der Vorstand der israelitischen« - Kultusgemeinde hat die Wünsche bezüglich devÄnl- - setz'ung der Religionsstunden samt den Namen : der mit der Erteilung des Religionsunterrichtes « betrauten Personen dem Leiter der Schule recht-! zeitig vor Beginn des Schuljahres bekanntzu--! geben. i 11. Von der Lehrerkonserenz.! Mitglieder der Konferenz sind sänttliche an I der Schule -und an den etwa öazingehörigen Expo- « situren wirkenden Lehrkräfte einschließlich der Re- \ ligionslehrer. 8 142. Die von «der Kirche oder Religionsgesellscha!ft bestellten Religionslehrer, die Hllfslehrer und alle Lehrkräfte, die den Unterricht in! besonderen Schulabteilungen erteilen oder deren « Lehrgegen«ständ als ein unverbindlicher eingeführt 1 ist, haben eine beschließende Stimme nur dann, und Cheskel Weil entspann sich nun ein heißer Konkurrenzkampf. Einen stets größcren Absatz fanden die Ko sch er-Würstel und Selchwaren mit d-ev stets zuri-ehmen!den Bedeutung der Pester Märkte. Den aus allen Teilen des Landes zum -Pester Markte nach Pest gckommenerZ Kaufleuten, die in der ersten Hälfte des vongen« Jahrhunderts noch streng «religiös waren-, erschienen die Pester Koscher-Würstel als eine wahre Delikatesse und bald galten Pester Würstel und Pester Selchwaren als das begehrteste „Mitgebrachte" vom Pester Markte. Einen riesigen Aufschwung nahm das Geschäft dev Firn ui Weil mit der Eröffnung der Eisenbahnen und das Geschäft wuchs mit dem stets.zunehmenden Eisenbahnverkehre. Cheskel Weil hatte seine Söhne Eduard und Dawid in die Firma alifgenomlnen und diese als:^ Eduard Weils Söhne protokollieren lassen'. Die Fi«rm«a« exportierte nach Wim rind nach Delitschland, und namentlich waren es Breslau, Berlin und Hamburg, die drei Zentren des reichsdrnischeu Jlld'.ntlnns, die zll den bedeutendsten' Konslimenten der nngalläudischeu Koscherlviirstel und Selchwavenerzellgnisse zählten. Allein' bald waren dieser Jndllstrie gefährliche Gegner entstanden. In Wien entstanden in rascher Folge die Firnien D. Löwy und Theumann, lvelche rasch den österreichische Konsum ansich rissen, und das delltsche Fleischbeschaugesetz bereitete denn ungarischen Fleischwaren«exporte nach Deutschland ein jähes Ende. Inzwischen lvnren auch im neuen Budapest