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Jüdisches Volksblatt · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Rermkkivn: IX/1. Wgsagaffe 31. Telephon Nr. 147S8. Ä^rechstündeu r An Wochentagen von 4 bis 6 Uhr nachm. Postadresse: Jüdisches «olkSblatt. Wien. IX,,. BeeeWerdeH wegen verspäteter oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir unr dringend. — Msnuriltlpte werden nieftt zutttckaeetem. Postsparkassen-Konto 847037. In das Abonnement kann man täglich eintrelen. -H. .. .ä Gtscheint jeden Freilag. EigtMmr und jrrllnsßrdrr: Jakob Krüüsz. Inserate übernehmen di« firmen: ITC. Dukes Uachf., ljaasenstein & Vogler, Rudolf Masse, M. pozsonyi, R. Schalek in Wien, ferner all« Rnnoneen. Expeditionen im Ruslande. Einzel - Nummer in Wien SV Heller. Administration: IX/1, Wafagaste 31. Telephon Nr. 147»». Abonnements - Preis Für Wien ». Oesterreich- Ungarn s. Frankozvstellung: . . . K 12.- . . .K 6.- . . .K 8- Für daS gesamte Auslar. d samt Frankozustellung: Ganzjährig ... X 18.« © Halbjährig . . .K 0.88 Vierteljährig. . .K 8.4» Ganzjährig. Halbjährig . Vierteljährig Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entqegengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 1l; Verlag „Zion ' Wien, 11/3, Stefaniestraße 12; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Ur. 40. Wie«. 6. Oktober 1905 (7. Tischri 5668). VII. Jahrgang. Buße und Versöhnung. I. Kr. Kritische Zeiten leben wir setzt alle. Wo man hinblickt, herrscht die Feindseligkeit des 'einen1 gegen den anderen. Die großen Allmenschheitsapostel gehen gesenkten Hauptes herum und wenn ihr Herz voll wird vor Enttäuschung itnfei Verzweiflung an ihrem Ideal, eines alle Welt umfassenden Friedens, da treten sie zusammen und jammern und klag'n über die Verderbtheit der Sitten, über die Roheit der Menschen, die in geordneten und ungeordneten Schlachten einanider niedermachen. Wer die Jeremiaden an den, Friedenskongressen können es nicht hindern, daß zur selben Zeit das Morden unschuldiger Menschen lustig sortdauert, daß Nationen gegen Nationen erbitterte Kämpfe führen. Ja, die Friedensapostel müssen sich sogar den Hohn gefallen lassen, daß der Zar, der «allgewaltige Herrscher des mächtigen Nussenreiches, das Morden und Hinrichten in seinem Reiche wohl nicht unterbrechen läßt, dafür aber eine neue Friedenskonferenz einzuberusen gedenkt. Und in allen diesen Kämpfen, politischen sowohl wie wirtschaftlichen, liefern wir Inden die meisten Opfer. Und besonders wir Inden in Oesterreich und Ungarn. Und hier muß ein «offenes Wort gesprochen werden! Wir I u d e n h i e r z ul a n d e haben uns e r Schicksal verdient! Wir haben es uns selbst zuzuschreiben, «daß wir heute Praktisch entrechtet, wirtschaftlich dem Ruin entgegengehen und politisch ganz ohne Einfluß sind. Es wäre ein neuer Fehler, wir begingen Feuilleton. l. In einem fernen«, fremden, Lande irrte einst elend und verlassen der große Salomo umher. Er war Plötzlich seiner Krone beraubt, seiner Familie, seinem Volk und seinem Vaterland enüistzn worden. Asmodai. der König der (Geister, lautet eine alle Sage, batte den weisen Beherrscher üei Juden in eine von Fe-; rnsalem -UH) Metzen emseeme Gegend ge- « schleudert, selvsl aber de'? Be>ßoßemm Gehetzt . und Aufsehen angenommen un«e alv den Ki>- j ui ft der Juden sich auvgegeben. Von seinem j frützeren .'Jiiilim, seinem 'ieichnun uud seiner Ehre hacke Salomo außer der Weiotzeil nichts weiter als die Erinnerung zurügbetzalteu.^ So irrte er nun d* w.is-.r Bettler könig nnstät und flüchtig von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, überall von seiner etzemalgen Größe erzählend, sein gegenwärtiges Leid klagend, und allen, die i!nn begegneten,^ die Worte: „I ch b i n S a l o m o" znrusend, aber nirgends Trost, bei niemandem Glauben und Gehör findend. Vor dem Tore einer Stadt sah er einmal alte, ehrwürdige Männer, dem *1 Ans dem soeben erschienenen Buche: Albert .Und: „Biographische Charakterbilder ans der jüdischen Geschichte und Sage". Berlin. Vertan für moderne Literatur. eine neue Sünde an unserem Volke, wollten wir uns mit der alten Melodie einlullen, die uns von der Schuld anderer vorsingt, und uns nur als Opfer der Schlechtigkeit Fremder hinzustellen versucht. Wir haben gesündigt, indem wir unsere Geschichte verleugneten, wir haben gesündigt, indem wir das Meer von Blut nutzlos verrauchen ließen, das unsere Märtyrer für ihre Nation und ihre n Glauben aus den Schlachtbänken unserer Feinde lassen mußten, wir haben gesündigt, indem wir die Kette in unserer nationalen Entwicklung gewaltsam dadurch unterbrachen, daß wir unsere Kinder feige dem Moloch hinwarfen und sie zur Taufe führten, einen Verrat an Volk und Religion begehend, wir haben gesündigt . . . Wer vermag die Sünden alle anfznzählen, die wir begangen und nach immer begehen, ohne auf ihre Folgen« zu achten! Es ist fast kein Haus in unseren Gassen, in dem nicht ein 'wirtschaftlich-- Toter läge . . . aber es ist auch kaum mehr ein jüdisches Haus zu finden, in dem nicht ein moralisch Toter -- ein Getaufter die Familie verunziert. Es ist schrecklich traurig, was sündhafte Politik und sündhafte Erziehung unter uns angerichtet haben. Dem Judentum als Volk und als Religion, droht die Katastrophe des schmählichen Unterganges, wenn wir uns nicht rechtzeitig ermannen und Einkehr tun. Wir müssen eine Regenerierung unserer Reihen vornehmen, denn!d«as Judentum ist dank.der Unfähigkeit seiner Führer politisch degeneriert. Wir haben I eine Gesundung an Haupt und Gliedern nötig. Anschein nach Richter, beisammen sitzen, und hörte, wie sie in ihrem Urteil auf ihn, auf seine Sprüche sich bezogen. Er eilte schnell auf sie zu und sprach: „Ich bin der, auf den ihr euch soeben bezogen habt, ich bin Salomo, die Sprüche, die ihr soeben, angeführt habt, sind meinem Weisheitsborn entquollen." Allein die Männer sahen einander 'stumm an, schüttelten mitleidsvoll das Haupt — und ließen ihn durch ihre Diener entfernen«. „Nun werde ich mich", dachte der Verkannte, „an die Gelehrten. Die den Menschen nicht nach seinen i Kleidern beurteilen, wenden; sie werden mich i schon erkennen' und mir zu meinem Recht ver-! helfen." Er faßte frischen Mut, trat iu eine j Gelehrl'.'.'ischiile ein, und hörte sein? Sprüche i u'tze'.ei:, seinen Nmn"n mit Ehrfurcht nennen. „Hier bin rb," ei es er ihnen entgegen; „ich, ich bin es. dessen Namen ihr soeben erwähnt habt: i-.b bi» Salomo!" Aber auch die Gelehrten schenkten seinen Worten keinen Glauben, und die Aerzie, die sich unter ihnen befanden, erklärten ihn für --- wahnsinnig. Mutlos verlies; er die Geiehrienschnle nnd setzte seine Wanderungen fort. Da hörte er aus einem Hanse fröhlichen. Gesang ans die Straße dringen. Aufmerksam lauschte er den lustigen Liedern, die, wie er sich klar nnd deutlich "erinnerte, er selbst einst gesungen hatte. Die trügerische Hoffnung nmgankelte ihn noch einmal mit ihren verführerischen Bildern nnd Aussichten und ließ ihn in das fröhliche Hans einkebren, wo lustige Männer beim Wein verum diejenige Position 'einzunehmen, die uns kraft unserer Zahl und unserer Arbeitsfähigkeit zukommt. Aber die Buße muß ehrlich' sein, die Einkehr aufrichtig. Der. Anfang muß in unserem Hause gemacht werden. Die Erziehung unserer Jugend muß eine für den ehrlichen, offenen Kamps vorbereitende sein. Wir müssen ein Heer von charakterfesten, an ihrem Glauben und an ihrem Volkstum unerschütterlich sesthaltenden jüdischen Kämpfern erziehen, die, allen Schicksalsschlägen trotzend, nötigenfalls auch ihre Führer aus dem Wege räumen, um selbst den Kampf zu führen. Haben wir ehrlich Buße getan, bekennen wir uns als das, was wir sind, ein einheitlich gefügtes Volk, das nur auf seine nationalen Rechte pocht, sie aber auch zu erkämpfen versteht, dann wird dauernde Versöhnung einkehren! in unser Herz und Versöhnung mit den Völkerschaften, die uns heute deshalb befehden,! weil wir nicht einmal ein Volk sein wollen. Wozu wir «ns als Ratio« erklären! Trotzdem die nationale Bewegung im Judentum erst wenig äußere Erfolge aufzuweisen hat, hat sie wenigstens theoretisch die Genugtuung, daß die Anerkennung einer jüdij scheu Nation sich immer mehr Bahn bricht, j Selbst stockassimilatorische Blätter gewöhnten! sich anläßlich der russischen Ereignisse daran, sammelt waren und an den von ihm! gedichteten Liedern sich ergötzten. Ans den Geist des Engel und Menschen erfreuenden Weines und Sanges vertrauend, näherte er sich den singenden Zechern und sprach mit lauter, Ueberzeugnng einslößender Stimme zu ihnen: „Ich bin Salomo!" Doch kaum waren diese Worte seimm Lippen entfahren, als alle Anjvesenden' in ein schallendes Gelächter ansbrachen, wie reißende Wölfe über ein schwaches Lamm über ihn. herfielen, ihn ver-! höhnten, beschimpften und beleidigten nnd als Wahnsinnigen, ja als Betrüger ans dem Hanse jagten . . . Ans einem Stein außerhalb der Stadt saß nun, e nein vagabundierenden Bettler gleich, der weise Salomo und weinte und klagte bitterlich : „Wo iß das Meer, wo d der See, Daß sie faßten im-in tiefes Web? Ach. Leib und Herz sind mir zerrissen, Das Ang' bedeckt von Finsternissen." „Mein Rllhm ist hin, me im Ehre verloren; ich bin zwar noch Salomo, aber ein armer, blutarmer Salomo! Wehe! wehe! die Weisheit des armen Mannes ist verachtet!" Seit fast zwei Jahrtausenden irrt Israel, wie einst sein weiser König, elend nnd verlassen, verhöhnt und verachtet in der Welt umher. Asmodai, der König der bösen Geister, die »'''ü der Herzen seiner Söhne bemächtigt hatten, hat es seinem Geburtsort, seinem Heiligtum entrissen und in weite, entlegene Länder geschleu-

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