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Jüdisches Volksblatt · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · page 9

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Synagoge, Schule und yaus. Beilage zu Nr. 38 des „Jüdischen Volksblatt". Der Prosanimterricht an den hohen Feiertage«. Die Unkerrichtsverwaltung Hai irr Würdigung der von den maßgebenden Faktoren diesfallA ins Treffen geführten Motive die j ü d ische ni S ch ü l e r von dem Besuche der Volks¬ und Mittelschulen an den h o h e n j ü d i - sche n, Feiertag e n Äispensier l. Die jüdischen Neligionslehrer unterlassen! es in anerknuenswerter Weise nicht, die jüdischen Schüler auf diesen Dispens aufmerksam! zu machen und sie zur Heilighaltung des Neujahrs- und Versöhnungsfestes anzueifern. Der Wahrheit gemäß kann in erfreulicher Weise konstatiert werden, daß sich die jüdischen Schüler auch ausnahmslos des Schulbesuches an diesen drei Festtagen enthalten. Mein diese Enthaltung wird ihnen deshalb verleidet und vergällt, weil in den Schulen, auch in denjenigen, in welchen die jüdischen Schüler numerisch prävalieren oder gar die größere Mahrzahl bilden, an diesen Fesittagen mit den Anterrichtsgegenständen fort g es chritten wird, ohne dieselben nachher 51t rekapitulieren. Hierdurch erwachsen den jüdischen Schülern natürlich Unannehmlichkeiten!, un!d der Djispens vom Unterrichte wird' ihnen verkümmert. In den Intentionen der Unterrichtsbehörde ist es aber nicht gelegen, den jüdischen Schülern den Dispens dadurch illusorisch zu machen, daß mit dem Lehrziel in deren Mwesenheit fortgeschritten wird. E s b e d a r f w 0 h l n\\ r einer Intervention der betreffenden jüdischen' R e l i g i 0 n sl e h r e r bei den Leit n n g e m d e r S ch u l a n st a l t e n, die von' jüdischen Schülern stärker frequentiert werden, um zn erwirken, daß an den hohen Festtagen mit dem Unterrichte nicht weitergegangen werde, eventuell daß eine Rekapitulierung stattfinde. Die jüdische. Jugend hängt leider derzeit nur mit schwachen Fäden an dem Väterglaüben, warum ihnen die Feier der höchsten Festtage erschweren? Nur kurze' Zeit noch trennt! uns von dem Neujahrsbezw. Versähn'ungsfeste, daher die Sache Aktualität besitzt und der Aufmerksamkeit der jüdischen Religionslehrer dringendst ans Herz gelegt zu werden verdient. Vom israelitischen Landeslehrerverein in Böhmnen. Laut den „Mitteilungen des israelitischen Landeslehrervereines in Böhmen" wurden in der am 27. August d. I. stattgehabtenBorstnndssitzung folgende wichtige Beschlüsse gefaßt: 1. Es wurde beschlossen, dem hohen k. k. Landesschulrate eiue Eingabe, betreffeuö den israelitischen Religionsunterricht, zu überreichen und der hohen k. k. Statthalterei jene 'Gemeinden namhaft zn machen, welche 'keinen Rabbiner haben und infolgedessen auch für den Religionsunterricht nicht sorgen. 2. Der Obmann erstattet 'folgende Berichte: 1. Die Kollegen Abeles-K'nttenberg und Stein-Radnitz haben bet den Abgeordneten P'aeak und Dyk Informationen eingchvlt, ob es im gegenwärtigen Zeitpunkte, in welchem 'sowohl die katholischen als auch die protestantischen Geistlichen um die Regelung ihrer Bezüge beim Reichsrate und bei der Regierung petitionieren, nicht angezeigt sei, daß auch wir namens eines großen Teiles der jüdischen Seelsorger unsere Wünsche Vorbringen sollten. Me beiden Abgeordneten rieten, eine solche Petition sowohl der Negierung als auch dem Reichsrate und den Vorständen der einzelnen Parteien persönlich zn überreichen, und versprachen, die Führung der Abordnung zu übernehmen und die Sache unterstützen zn wollen. Der Lehreroerein lud den Vorstand des Rabbtnerverbandes zu gemeinsamem Handeln ein, erhielt jedoch von dessen Obmanne erst eine unklare und unbestimmte und auf eine nochmalige Darlegung unseres Schriftführers gar 'keine Antwort mehr. Mit Rücksicht daran f, «daß die Michsratssession baldigst geschlossen werden sollte, entschlossen wir uns, nachdem wir zuvor alles in Wien vorbereitet Hatten, im Sinne des letzten Befchknsses des Ausschusses vorzugchen und eine Deputation, bestehend aus den Herren 'Freund und Stein, mit unserer 'Petition, deren Wortlaut in der letzten Nummer der „Mitteilungen" veröffentlicht war, nach Wen zu senden und selbständig vorzugehen, auch ohne Rabbinevver'band. Ueber Aufforderung des Obmannes erstatteten nun die Herren Mein und Freund Bericht über ihre Mission: Die Petition wurde dem Rcichsrate, dein Minister für Kultus und Unterricht, ebenso den Obmännern der größeren Klubs überreicht. Die Deputation wurde von den Abgeordneten D'pk und Slanra, Sr. Exzellenz dem Mtnister für Kultus und Unterricht vorgcstellt, dem sie in beredten Worten die traurige Lage der jüdischen Lehrerschaft und die unhaltbaren Verhältnisse 'in den Kultusgemeinden Böhmens schilderte. Der Herr Minister versicherte der Deputation, von den beregten Uebetstänöen zum Teile Kenntnis zu haben, und werde er unter Wahrung der Autonomie der Kultusgemeinden dieselben abzustellen bemüht sein. Die Abgeordneten Dyk, Slanra, Fort, Marchct und Seih sagten der Deputation ihre Unterstützung zu. 2. Der Obmann berichtet weiter über die Lehrplan-Angelegenheit: Unser Lehrerverein strebt seit Jahren einen einheitlichen Religionslehrplan für die Volks-, Bürger- und Mittellschulen in Böhmen an, weil wir wissen, daß durch die Jnslttßbringttng dieser Angelegenheit und gesetzliche Festlegung der Einheitlichkeit des Religionsunterrichtes der ganze Komplex desselben, als die Regelung der Bezüge der Neligionslehrer, deren Qualifikation iniö Anstellung nsw. zur Regelung gelangen werde. Durch unser Urgieren und durch Aufrollnng dieser Sache seitens unseres Landesschulra ts-M it.qliedes Herrn Dr. Bendiener ist eine 'Entscheidung des hohen k. k. Unterrichtsminrsterinms an den hvchlöblichen k. k. Landesschulrat herabgelangt, daß solche einheitliche Lehrpläne vorerst für ganz Vöhinen unter Mitwirkung des israelitischen Landes-LeHrervereiues, des Rabbinerverbandes und des Herrn Vertreters des Landesschulrates ansgearbeitet und diese dann dem hvchlöblichen k. k. Landesschulrate zur Genehmigung vorgelegt werden, der sie dann allen Kultnsgemeinden 'Böhmens zur Einführung empfehlen würde. Um dieselbe Zeit gelangte auch ein Antrag des Herrn Landess-chnlrätsmitgliedes Dr. Bendiener in der Plenarsitzung des Landesschulrates zur Annahme, daß zur Approbation von israelitischen Religionslehrern für die Volks-, Wirger- und Mittelschulen eine Prüfungskommission eingesetzk werde. Auch dieses De'siderium wurde feit Jahren von unserem Vereine nicht minder als eine Anstalt zur Heranbildung von Religionslchrern und Knltusfnnktivuären angestrebt, damit nicht wie bisher sich unberusene Elemente aus Polen und Ungarn ohne jeden VesähignngSuachiveis in den Lehrberuf einschnmageln, was viel zur Nichtachtung der so wichtigen Lehrdisziplin und des Lehrer- und Nabbincrstanöes beigetragen hat. Wir hofften, durch diese Bestrebungen der Sache unserer Lehrerschaft und unseres Standes zu dienen ,uud boten also recht gern unsere Mithilfe der endlichen Regelung dieser Angelegenheit. Herr Landesschulrat Dr. Bendiener berief zur Beratung dieser beiden Angelegenheiten eine Engncte ein und unser Verein designierte in dieselbe Herrn Frennd-Bodenbach, Herrn Hermann Kvhn- Reichenau und Herrn S. Springer-Prag, ferner nahmen an derselben teil drei Mitglieder des Nabbinerverbandes und mehrere Neligionslehrer ans Prag und den Vororten. — In Angelegenheit der Prüfungskommission hatte sich der k. k. Landesschulrat an die Prager Kultnsgemeinde- Reprüsentanz um Vorschläge gewendet und diese gelangten auch in dieser Enquete zur Verlesung, fanden aber heftige Opposition seitens der Enquetemitglicder, da in denselben das Lehrer- und R'abbinerelement zu wenig berücksichtigt und auch das Ausmaß der Anforderungen an die Prüflinge zn Hoch gegriffen war. Es wurde behufs Umänderung dieser von der Prager Äultusgem e in ö e-Mcp räfe n ta nz vo rg e schlage n e n Be st immn ngen eine Kommission eingesetzt, der auch der Obmann angehörte, und es wurden dann die von dieser Kommission festgesetzten Normen, wonach der Prüfungskommission drei Mitglieder des Lehrerstandes und drei des Nabbinerverbandes angehören müssen, angenommen. Nunmehr befindet sich die Angelegenheit beinr Landesschillrate behufs Genehmigung. Sowohl in der oben genannten Enquete als auch dann in der Lehrplan- 'kommission haben wir mit aller Entschiedenheit darauf hingewiesen, daß die mißlichen Zustände im Neligivttsnnterrichte und der herrschende Lehrermangel nur dann wird beseitigt werden können, wenn die Gemeinden in der Lage sein werden, die Stellung des Rabbiners und Lehrers sowohl materiell als auch sozial bedeutend zu verbessern und für seine Altersversorgung genügend Sorge zu tragen: nur dann werden sich fähige Jünglinge dem Lehrberufe widmen. Wir haben in allen Enqueten entschieden nufere Rechte gegenüber dem NabVinerverbande vertreten und die Herren ad absurdum. geführt. Die Lehrplankommisston bestand ans zwei Mitgliedern des Lehrerve re irr es und aus zwei Mitgliedern des Räbbinerver'bandes und diese engere Kommission sollte unter Vorsitz des Herrn Oberrabbiners arbeiten und die Normalplüne nach den in der.' großen Sitzung festgesetzten Grundsätzen ansarbeiten. Da die zwei vom Herrn Oberrabbiner einberufenen Komiteesitzungen seitens des Nabbinerverbandes nicht beschickt w'urüeu, legte der Herr Oberrabbiner die Würde des Vorsitzenden in dieser Kommission zurück: doch bestimmte Herr Landesschulrat Dr. 'Bendiener den Herrn Oberrabbiner um Zurücknahme seiner Resignation und 'Herr Oberrabbiner übergab die Ausarbeitung der detaillierten Normallehrpläne für die Volks- und Bürgerschulen Herrn Freund-Bodenbach und die für Mittelschulen Herrn Dir. Knrrein. Nach Vorlage der Referate sollen dann diese einer Plenarversammlung zur Beratung und Genehmigung vorgelegt werden. In die Kommission wurden Herr Freund nnd Herr Friedrich Knöpselmacher seitens des Lehrcrvereines berufen. Wegen Vergütung der dem Lehrervereine entstandenen Auslagen und Spesen zu den Sitzungen des Lehrplankomitees hat sich der Landeslehrerverein um eine Subvention an den Gemcindebund gewandt: doch ist das Gesuch bis heute nicht erledigt worden. 8. In Angelegenheit des Pensionsfonds sind die Schritte unseres Vereines bezüglich des Beitrittes der Gemeinden zu demselben seitens der Landesjudenschafts-Repräsentanz realisiert worden, indem 'sich die einzelnen Repräsentanten an die einzelnen Gemeinden ihrer Kreise wandten, dem Pensionsvereine mit ständigen Jahresbeiträgen beizutreten. Wenngleich der Erfolg bis allher noch kein nennenswerter ist, indem bis jetzt bloß 15 Gemeinden beitraten, so läßt sich doch erwarten, daß dieser Schritt der Repräsentanz von Erfolg sein wird, wenn im Herbste die Repräsentanz diese Aktion anfnehmen wird. 'Es zeigt sich hier wieder, mit welcher Indolenz unsere Mitglieder ihre eigene Sache in den Gemeinden fördern, und es muß diesbezüglich unsererseits Wandel Hierin geschaffen werden. Auch sollten unsere rioch außerhalb des Penfionsvereines stehenden Kollegen dem Vereine beitreten. Als Erfolg der Arbeit des Obmannes kann es blezeichnet werden, daß in mehreren Gemeinden neue Danien'komitees eingesetzt wurden und noch mehrere solche in Aussicht stehen. Der Berwalturlgsausschuß hat sich ferner an jene Kultusgemeinden gewandt, welche bereits Beiträge zu dem allgemeinen Penfionsvereine und zn dem Siechenhanse anläßlich des 50jührigen Kaiserjubilänms geleistet haben, damit sie gestatten, daß diese Bietrüge dem Lehrerpensions'vereine zngewcndet werden, da inan ja mit diesen mininralen Beträgen — sie dürsten im ganzen 10—«12 V00 K ausmachen — keinen allgemeinen Beamtenpensionsverein und kein Siechenhaus gründen könne. Endlich hat das Präsidium der Prager 'Kultusgemeinde als Leiterin des Kvmttees anläßlich des Kaiserjubiläums gestattet, daß der Vjerwaltungsausschutz auch diejenigen Kultusgemeinden mahnen dürfe, welche mit ihren Verpflichtungen zum Lchrerpenfionsvereiue noch im R'ückstande find oder überhaupt nicht gezahlt haben. Wenn uns diese Aktion gelingt, was wir wohl annehmen können, so können wir aus schöne Zuschüsse zn unserem Penfionsvereine rechnen. — Auch kondoliert und gratuliert wird unablässia und wir können auch mit dem 'Erfolge vorläufig zufrieden sein. 4. Das Stellenvermittlttrlgs'kom.itee hat bis allher nur geringe Resultate anfzuweisen. Es 'ivenden sich zwar viele Gemeinden an den Vereinsobmann: doch kommt es zu faktischen Besetzungen nur sehr selten. Woran die Schuld liegen mag, ist schwer zu sagen. Es wandten sich an uns die Kultusgemeinden Jungbunzlau, Nachod, Böhm.- dkellstadtl, Liban ,Nenhans, Patzau, um Empsehlnng von Kandidaten, allein die betreffenden E'mpfehkttngen hatten bis allher keinen Erfolg: denn entweder paßte die Gemeinde nicht dem Empfohlenen oder dieser nicht der Gemeinde. Also trotz des Lehrermangels keine Resultate. Die Gemeinden fcheinen noch nicht zn wissen, daß ein Lehrermangel herrscht, da ihre Aspirationen noch immer ins Unendliche gehen. Viele Kollegen haben sich um Stellen mit Umgehung des Komitees beworben. Der beeinträchtigende Umstand in der Stellenvermittlung hat auch darin seinen Grund, daß noch viele Kollegen 'außerhalb des Vereines stehen, hier also eine Kontrolle ansgeschlosseu ist. Nicht genug beklagt kann es werden, daß die größeren Gemeinden, mit Lobositz und B'ndweis, ihre Lehrer nicht aus dem eigenen Heimatlande wählen, sondern ans anderen Ländern. 5, Für den dritten Elternabend hat der „'Jüdische Vvkksvcrein" sich an den Vorstand um Namhaftmachnng eines Vortragenden gemendet und derselbe machte für diesen Abend unser Bereinsmitglied Herrn Dr. Max Hoch in Jungbunzlan namhaft. 'Dieser entledigte sich meisterhaft seiner Aufgabe. Er behandelte das Thema „Die Sprache unserer Väter für unsere Kinder" — ein Thema, das damals sehr zeitgemäß war, da von einer Seite in einein hiesigen jüdischen Vereine, von einem Doktor-Rabbiner angeregt, beschlossen wurde, dahin zn streben, daß das Hebräische ans dem Religionsunterricht eliminiert werde. An den Vortrag knüpfte sich eine sehr erregte Debatte: doch verstand es Herr Dr. Hoch, die aggressiven Angriffe mit sachlichen Argumenten abzuwehren. Dä die bewußte Partei mit ihren Anschauungen ad absurdum geführt wurde, so eröffuete sie gegen Dr. Hoch i-n ihren Blättern eine Agitation und Herr Dr. Hoch, der anfänglich geneigt war, über unsere Bitte den Vortrag zu veröffentlichett, zog infolge dieser Angriffe seine Zusage zurück und gestattete den Abdruck seines Vortrages nicht, was zu bedauern ist. DIagegen ließen wir die Vorträge des Herrn. S. Königs^ berg und des Herrn Freund abdrucken. Dieselben sind in B'roschüreuform in 200 Exemplaren fevkiL und wir wollen sie gegen den Betrag von 60 n zugnnsten unserer Kasse an den Mann bringen und. den ^Jüdischen Wolksverein" einladen, diese Bro-

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