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Jüdisches Volksblatt · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt jNr. J4 ^v.-r,- »» Herausgeber der Jargonzeitung jüdisches Volksblatt". Kunstnachricht. Ter talentierte jüdische Maler Elijahn G r ü u m a u u, ein noch junger Schüler des Professors Rep in, weilt gegenwärtig in der Sommerfrische Knrkola iFinnlandi bei Maxim Gvrk i, dessen Porträt er malen wird. Budapest. (L eiche n b e g ä n g n i S.) Eine große Gemeinde von leidtragenden fand sich am 15. d. M. vormittags im Rakvs-Kereßtnrer israelitischen Friedhof ein, um dem so jäh verstorbenen Oberkontrvllor der königlich ungarischen Staatsbahncn Josef Gouda die letzte Ehre zu erweisen. Auch HandelSminister Ladislaus v. Vörös würdigte den Tahingeschiedenen, indem er sich beim Leichenbegängnisse durch den Ministerialrat Wilhelm Emmerling vertreten ließ, der auch im Namen des Ministers den Hinterbliebenen kondolierte. An dem Leichenbegängnisse beteiligten sich auch sämtliche Beamten der Tarifscktivn des Handelsministeriums unter Führung des Sektionslciters kön. Rates Oberinspektors Beta Hendel, zahlreiche andere Beamten des Handelsministeriums und der kön. ung. Staatsbahnen, Abordnungen des Eisenbahn- und Dmnpfschiffahrtsklubs, des Eisenbahnfachkurses und der Freimaurerloge „Reform". Tie Leiche war im Leichenhanse des Friedhofes anfgebahrt; den Sarg bedeckten nebst den Kränzen der Familie die Kränze des Beamtenkorps des Handelsministeriums, der Beamten der Tarifsektion des Handelsministeriums, des Eisenbahn- und Dampfschiffahrtsklubs und der Loge „Reform". Nach den vom Kantor Licht unter Assistenz des Tempelchors vorgetragenen Trauergesängen hielt Prediger Tr. Fennes eine tiefempfundene Trauerrede, in der er deil Verstorbenen als pflichteifrigen Beamten und zärtlichen Familienvater pries. Sodann hielt im Namen der Loge „Reform" Dr. Michael Szalay dem Dahingeschiedenen einen ergreifenden Nachruf. Unter Trauergesängen wurde hierauf der Sarg non den Freunden und Kollegen Goudas zum Grabe getragen, wo — nachdem die Erde schon den Sarg bedeckte — im Namen der Freunde des Verstorbenen Dr. Koloman Schiff innige Worte des Abschiedes sprach. Würzburg. (Tod eines jüdischen Komponisten.) Am Mittwoch den 26. Juli bewegte sich ein außergewöhnlich großer Trauerzug durch unsere Stadt. Es galt, den altbeliebten und weitgekannten Komponisten, kgl. Kommerzienrat Max Heim, zur Ruhe zu betten. Um 5 Uhr nachmittags hatte sich eine stattliche Schar Leidtragender am Sterbehause eingefunden. Die Würzburger Neuner spielten den von dem Verstorbenen selbst komponierten Trauermarsch, der Sängerverein, dessen treues, hochgeschätztes Mitglied Heim gewesen, trug das Lied „Um Friede" vor. In welch hohem Ansehen der Verlebte hier stand, bewies die Teilnahme bei dem Leichenbegängnisse. Hinter dem Leichenwagen, welchem sich die Leidtragenden anschloffen, folgte Herr Rabbiner Bamberger mit dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Bürgermeister Hofrat von Michel mit mehreren Magistratsräten, Herr Musikschuldirektor Hofrat Dr. K l i e b e r t, der Ausschuß des Verschönerungsvereines, die Neunerkapelle mit ihrem Musikdirektor Herrn Witt, die Studentenverbindung „Salia" mit ihren Chargierten und Philistern, der Sängerverein mit Fahnen und viele andere. Zürich. Au der hiesigen Universität haben die Herren Karl Maier, Baden, und Josef Weil, Randegg das medizinische Staatexamen mit ausgezeichnetem Erfolge bestanden. London. Der König hat Herrn Herbert von Stern zum Baronet und Herrn Zivilingenieur Isidor S p i e l m a n n zum Ritter ernannt. Jsaae A. I s a a c S hat das Amt deS Attorney General (Generalanwalt) im neuen Kabinette der australischen Föderation angenommen. Mit welcher Dreistigkeit die rnssischeu Mädchenhäudler arbeiten, zeigt nachstehender Bericht des jüdischen (U. O. B. B.) ZweigkomiteeS in Hamburg an daß hiesige Deutsche Nationalkomitee zur Bekämpfung deS Mädchenhandels : Ein Schuhmacher in der Zolkiewer Gaffe in Lemberg hat eine 18jährige Tochter namens Chane, die eine bekannte Schönheit ist. Diese verheiratete sich kürzlich mit einem Manne, der ihr große Geschenke an Schmuck »sw. machte. Einige Wochen nach der Hochzeit eröffnete ihr der Mann, daß sie nach Südamerika gehen wollen, wo er ein Geschäft betreibe. Sie, Cha»e, solle Möbel auf Abzahlung kaufe», die er da»» vor der Abreise weiter verkaufen wolle. Die Frau, die «ach gattzischeur Brauche nicht standesamtlich, sondern nur rituell getraut ist. weigerte sich, beidezu tun und hotte sich bei ihrem Vater Rat, der, den wahre« Charakter de» Manne» erkennend, fein Kind wieder z» sich nehmen wollte. Der „Ehemann" trat ihm jedoch mit der Waffe in der Händ entgegen. Chane entfloh nun und suchte im Hanse de» Vater» Schutz. Darauf erschien eine bewaffnete Bande in de« Hause de» Schuhmacher», um die junge Frau gewaltsam wieder zurückzuholeu, jedoch wurde dies glücklicherweise ourch das Eingreifen der Polizei vereitelt. Bier der gewalttätigen Burschen, Elias und Jsak L e z k a, Jakob Krün und Srul R o s e n f e l d, wurden verhaftet. Die vier haben nach den gegen die Zuhälter gerichteten Unruhen in Warschau ihre Stadt verlassen. Asyl für cingewanderte obdachlose Juden. Das Baron Hirsch-Institut in Montreal (Kanada) hat von der Jca eine einmalige Subvention von 00 000 Mark erhalten zum Bau eines Asyls für eiugewauderte obdachlose Juden. Die Zahl der Immigranten ist nämlich jetzt so groß, das; die jüdische Gemeinde die durch die Einwanderung entstehenden Ausgaben nicht mehr allein zu bestreiten vermag. Vermählung vmt Adel nnd Finanz in Frankreich. Ter Tod der Herzogin v. Gramont, die eine Tochter des verstorbenen Freiherrn Karl v. Rothschild in Frankfurt a. M. war, lenkte wieder die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß von Jahr zn Jahr Hvchadel nnd Finanzaristokratie sich in Frankreich durch Verwandtschaft mit einander verschmelzen. Es genügt, einen Blick ans die Familien des französischen Adels zu werfen, die ihren Titeln und Würden nach noch immer an dessen Spitze marschieren und teils den Bourbonen, teils den Bonapartes ihre Position verdanken. So hatte eine Schwester der Herzogin von Gramont deri Fürsten von Wagram geheiratet, eilten Eltkel des treuesten Waffengefährten Napoleons des Ersten, des Marschalls Bertbier, und da der Fürst durch seine Mutier, eine Elary, mit den Bernadvtte rtahe verwandt ist, so tonnte seine Gemahlin, Karl v. Rothschilds jüngste Tochter, den König Oskar den Zweiten von Schweden als ihren Vetter bei sich begrüßen, so oft der Kölüg nach Paris kam und eine Jagdeinlaöung des Fürslert von Wagram nach dessen prächtigem Schlosse Grosbois annahm. Die Herzogin von Rivoli, öerert Gatte ein Nachkomme des Marschalls Massena ist und die in erster Ehe an einen Enkel des Marsch-alls Ney, deli Herzog von Elchingen, vermählt war, war eilte Adoptivtochter der Frau Furtado-Heine, und auch in den Adern des jungen Herzogs von Richelieu, des Sohnes erster Ehe der Fürstin Alice von Monaco, fließt von seiner Mutter Her Heinesches Blut. Die Fürstin Amedee von Brvglie und ihre Schwester, die Bieomtessc de Tredcrn, die ans erster Ehe die Mutter des Herzogs von Brissac ist und deren Salon zu den belebtesten und amüsantesten von Paris gehört, hießen mit Mädchennamen Say und sind aus jener millionenreichen Jndustriellenfamilie, die in drei Generationen Frankreich drei hervorragende Sozialpolitiker gab. Die Herzogin von Talleyrand und Sagan, die auch im Alter noch die Spuren ihrer einstigen vlelgefeterten Schönheit trägt, entstammt der Bankierfamilie Seillere, und die Fürstin Guy des Polignae ist eine geborene Pommery, deren Wiege in Reims stand. Eine andere Prinzessin von Polignae, die Witwe des Prinzen Edmond, hieß ursprünglich Singer, ebenso wie die in der Blüte der Fugend dahingeschiedene Gattin des Herzogs Deeazes, der kürzlich die Motvrbootwettfahrt zwischen Algier und Frankreich organisierte. Die beiden Fräulein Singer waren Amerikanerinnen von Geburt. Amerikanerinnen sind unter anderen auch die Herzogin von Bassano — eine Miß Symes ans Kanada, — die Herzogin von Ehoifenl — Miß Forbes aus New-Avrk — und die Herzogin von La Rochefoucauld — Miß Mitchell ans Pvrtland in den Bereinigten Staaten. Die Liste ließe sich noch um eirte beträchtlich lange Reihe fortsetzen. Die Gattin des Ministers Witte. Die Gattin des Herrn Witte ist bekanntlich in Cherbourg von ihm gegangen nnd hat sich zu Verwandten itctrij Brussel begeben, wo sie sehr eingezogen lebt. Den Grund dafür scheirtt «uns eilt New-Ävrker Korrespondent anzugeben, der folgendermaßen schreibt: Frau Witte ist eine geistreiche Jüdin und deshalb hat sic der Minister nicht mitgenommen. Sie selbst wollte gern mit in die neue Welt, aber ihr Gemahl hat sie zum Zurlickbleiben veranlaßt. Dadurch wurde eigentlich zürn erstell Male die Aufmerksamkeit weiterer Kreise ans die Ehe des russischen Staatsmannes gelenkt, die zwar eine glückliche ist, dem Mann aber viele Unannehmlichkeiten in seiner Karriere gemacht und viele gesellschaftliche Zurücksetzungen gebracht hat. Daß die Jüdin in Rußland keinem freundlichen Entgegenkommen begegnet, ist ja aus den Judenverfolgungen zur Genüge bekalint. Dazu kam noch erschwerend hinzu, daß sie in erster Ehe mit einem Unterbeamten des Herrn Witte vermählt gewesen war und sich von diesem hatte scheiden 'lassen, um die Heirat mit dem damals scholl hochstehenden Mann eingehen zu können. Es war eine Liebesheirat, bei der der Gemahl sich wohlfühlt, da sie geistreich und hochgebildet ist. Aber verkehren tllt bei ihr nur die Hanke Finanee nnö Wittes Gegner haben schon Hill nnd wieder behauptet, er laste sich von den Freunden feiner Frau zn Börsep-Cvnps aushorchen. Dieses Gerede nahm eine solche Ausdehnung all, daß der gewissenhafte Witte selbst eilte Untersuchung gegen sich beantragte, die die völlige .Haltlosigkeit des Geschwätzes ergab. Aber trotzdem lllld obgleich ihr Mann zeitweilig der llttchste am Zaren war, ist die Gattin als geborene Jüdin nie am Hofe zugetassen worden nnd äuf dieses Verhältnis ist auch wohl hie und da eine „Kaltstellung" Wittes zurttckzuführen. Zwar find am Hofe auch sonst noch Beamte, deren Frauen Nicht Hoffähig sind, lllld das ist durchaus nicht bloß in Rußland der Fall, vielmehr ist man darin an den kleinen deutschen Höfen viel „engherziger", aber hier war der Mann in der höchsten Stellung und seine Gemahlin blieb die Jüdin. Sie stand geradezil unter dem Boylutt, das hat auch ein Mitglied der allerhöchsten Petersburger AdclSgesellschaft erfahren müssen. Der vor einiger Zeit ermordete Minister deS Innern Dsipjagin stieß in der gesamten Aristokratie damit an, daß er fei item besten Freunde Witte nach seiner Hochzeit mit der Fürstin Byssemska einen Antrittsbesttch machte, um ihm und ansgesprvchcner- Mißcn auch seiner Frau die Neuvermählte vorzustetten. Das ivar ein „grober Verstoß" gegen den „Heiligen Geist der guten Sitte," ein Schlag ins Gesicht der besten Gesellschaft der Zarenstadt, die höfisch bis in die Knochen ist. Es hat zwar dem harmlos vertrauenden Ssipjagin beim Zaren nlcht dauernd „den Hals gebrochen", er ist, ivie erwähnt, später doch Minister geworden und dabei einem Meuchelmörder zum Opfer gefallen. Sv der Zar, die Zarin aber, die doch eine deutsche Fürstcntechler ist, hatte von ihrem englischen Blute noch soviel Gefühl für „shocking" in sich, daß sie ihrerseits dem „Herrn" Minister des Innern ihre tiefgefühlte Mißbilligung über diesen seinen unüberlegten Schritt in einer so verletzenden Weite aussprechen ließ, daß der gesainte Kreis der Höflinge ltvch monatelang einen pikanten Gesprächsstvfs daralt hatte." Das Wittesche Paar hängt mit großer Liebe an seiner jetzt mit in Brüssel weilenden Tochter, die übrigens an einen Naryschlin, einen hohen Moskauer Adeligen, vermählt ist. ans dessen Hanse auch bereits einige Zarinnen entstammt, worunter auch die Mutter von Peter dem Großen! — also keilte ganz „üble" nnd das jüdische Ratder „Stavebni Obzor" mitteilt, der Assanierung der Alturtd Josefstadt nicht zum Opfer fallen, sondern erhalten bleiben. Um sie dem durch die Assanation zu schassenden netten Milien anzupassen, hat das städtische Bauamt zwei Projekte ausgearbeitet, deren eines darauf hinausgeht, beide Gebäude mit Rücksicht auf das erhöhte Niveau der Umgebung zn heben. Der Aufwand hierfür ist mit 100 000 K veranschlagt. GeschiiftsrwtiM. Anläßlich des Sukkothfestes liefert Ethrogim und Lulawim in feinster Qualität zu billigste» Preisen Ignatz Rath, Triest, via Boccacio 3. Schön möbliertes Zimmer mit separatem Eingänge für einen oder zwei Herren eventuell Damen zu vermieten. Näheres bei 8. Grünspan, VIII., Schlösselgasse 11, II. Stiege, Tür 23. i;;! flttERIKfl CM Abreis* atts Havre Jeden Samstag. JfsJ Französische Linie , i Bequeme, rasche Fahrt, ausgezeichnete Verpflegung ] < samt Wein und Likör. Fahrkarten nach allen Stationen j i i' sämtlicher amerikanischer Bahnlinien zu Original-! 1; ' preisen. Nähere Auskünfte erteilt gratis und franko ' | "" französische m^iiE * * j i Wien, IV. 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