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Jüdisches Volksblatt · 1905-08-18 · 33 (18.8.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
33 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 33 wäre es wohl für einen Thoravorleser besser, sich in diesem Fache zn vervollkommnen itiiö die Wochenabschnitte mit Verständnis und fehlerlos vorzutragen. Die meisteil der voll ihm angeführten Bllchstabeir siild illühelos und ohne Tastgefühl 51t erkennen. Der erkennbare ulld zu rekoilstruierellde Teil der Inschrift dürfte etlva so gelautet habeil: •w i (X) (n) I XTH OWK I (S) (71) I öpift Ta biivfte der Slamc der Be { treffeil den geftanbeu haben. Ta dürfte der Name des Mannes der Betrefj fendell gestanden habeil. ms i^vlelleicht^'^rr (a)ra nw Die von mir ergänzten, durch Einklammerung erkellllbarell Buchstaben sind verwittert oder fehleil ganz, da der Steiil in der Mitte altsgehöhlt und lvahrscheilllich 311 eitler Schießscharte verwendet worden ist. Die daran geknüpfte „Gelehrte" Capiftrano-Historie ist hier durch nichts beiviesell. Se. Ehrw. Herr Dr. I. Güilzig, Rabbiner in Loschitz, hat bei seiner zufälligen Allwesenheit hier durch das liebeilswürdige Entgegenkommen des städtischen Kustos Herrn Dr. Kux ben Steiil besichtigt ulld diese meiile Erklärung bestätigt. Keineswegs ist bamit die Angelegelcheit erledigt ulld iveitere Nachforschungen sind uotwendig. Ich hoffe noch darauf ztlrückzukommeil. Für die Äufnahnle dieser Zeilen bestens dankend, zeichlle ich Hochachtungsvoll Dr. B. Oppenheim Rabbiner. Vermischte Nachrichten. Wien. Israelitische Kultusgemeinde. Gebetstunden: Freitag, 4. August abends um 7 Uhr, Samstag, 5. August abends um 8 Uhr 10 Min. Vom 6. bis 10. August abends um 7 Uhr. Freitag, 11. August abends um 6 Uhr 45 Min., Samstag, 12. August abends um 7 Uhr 55 Min. Vom 13. bis 17. August abends um 6 Uhr 45 Min. Freilag, 17. August abends um 6 Uhr 45 Min., Samstag, 19. August abends um 7 Uhr 45 Min. Vom 20. bis 24. August um 6 Uhr 45 Min. Freitag, 25. August, abends um 6 Uhr 30 Min. Vom 27. bis 3 t. August abends um 6 Uhr 80 Min. Der Gottesdienst beginnt an Wochentagen um '1,7 Uhr früh, anSams- ^agen um 8 Uhr früh. Trebitsch. Am 20. v. M. wurde Frau Karoline Taussig, die Gattin des Kultusvorftehers und Kaufmannes Herrn Josef Taussig und Schwägerin des Hafenbaudirektors Herrn Hosrat Taussig in Wien, zu Grabe getragen. Die Verblichene erfreute sich allgemeiner Wertschätzung. Bielitz Der am 28. Juli im Kaiserhofsaale stattgefundene zionistische Abiturientenkommers hatte einen sehr zahlreichen Besuch aufzuweisen. Im blauweiß dekorierten Saale fand sich unter anderen als Vertreter des zion. Landeskomitees Dr. W a s ch i tz aus Krakau, der Präses der Bialaer Kultusgemeinde Herr S. Träger, der Vorstand des „Haschachar", der B.-B. Turnverein, die Ferialverbindung „Emunah- und Vertreter der „Bar-Kochba" (Pfrag) ein. Nach der Begrüßungsansprache des Abit. Adolf Beer und der Abfingung des Jvrialiedes hielt Herr Abit. Simon Steuer die vorzüglich stilisierte Festrede. Es toastierten: Dr. Waschitz im Namen des LandeskomiteeS stust. jur. Alex. Gell er im Namen des „Haschachar", Laon Citr0n für die „Emunah", stu<1. tech. Leopold Eisner für die „ Bar Kochba" (Prag) und Prof. Feuerstein zum Schlüsse des offiziellen Teiles den Damentoast. Nach einer kurzen Pause begann der offizielle Teil mit dem Tendenzsatirspiele: „Amtsgerichtsrat David Markus", vom Regisseur Laube trefflich inszeniert; der Rollen entledigten sich in durchaus schöner Weise Fräulein Elfriede Stapler und die Herren Kapellner, Kleinzeller und Schulhoff. Es folgten nun diverse Mustkvorträge der Frl. Berte und Terese R 0 s n e r und der Herren Weißenberg, Hahn und Blumenthal. Hierauf trat der Tanz inseine Rechte. Bilin. Bei der am 16. v. M. stattgefundenen Ausschußsitzung der isr. Kultusgemeinde erfolgte die Konstituierung des Ausschusses. Es wurden einstimmig gewählt zum Vorsteher Herr Maximilian Men dl, zum Stellvertreter und Tempelvorsteher Herr Ignaz F a n t l, zum Kassier Herr Max E l s n e r und zum Rechnungsführer I. U. Dr. W. Kraus. Lobositz. Der neue Rabbiner Herr S. Löwy hielt am Samstag, 5. d., im hiesigen israelitischen Tempel seine Antrittspredigt. — Herr Oberkantor Moritz Steckler hat am 15. d. sein Amt als Religionslehrer bei der Kultusgemeinde in Trschiblttz angetreten. Mailand. Am 4. August verschied hier der Senator Tnllv Massarani, der in seinen Jugendjahren an der italienischen Einheitsbewegung hervorragenden Anteil genommen und sich später als Schriftsteller, Poet nnd Maler einen Namen geinacht hat. Im Jahre 1820 zu Mantua geboren nnd einer sehr vermögenden israelitischen Familie entstammend, studierte er Rechtswissenschaften, trat aber schon im Alter tunt 18 Jahren nach den denkwürdigen Cingne Giornate von Mailand als publizistischer Vorkämpfer der nationalen Unabhängigkeit ans. Mit den Führern der Bewegung innig befreundet, ivirkte er nach der Niederwerfung der Mailänder Revolution im Auslände für die Sache der italienischen Freiheit und verfocht unter anderem in einer Schrift „La Germania l'Jtalia" die Angliedernng der deutschen Teile Oesterreichs an Deutschland. Nach der Gründung des italienischen Königreiches als Gemäßigt-Liberaler im Parlament tätig, wurde er 1876 znm Senator ernannt. Von seinen philosophischen und.kritischen Schriften seien ermähnt: Studii di letteratnre e d'artc,Diporti e veglie,L arte del rrdcre; voll seinen poetischen Werkelt: „Sermons" und verschiedene Uebersetznngen. Als Maler war eilt Schüler Domenieo Jndnnvs und erwarb mit einigen Historien- und Genrebildern allgemeine Anerkennung. Massaratti hinterläßt ein Vermögen von drei Millionen Lire, von dem ein großer Teil für wohltätige Stiftungen bestimmt ist. Chewra-Kadischa Wien, 1. Bez. In der Zeit vom 1. Jänner bis 30. Juni 1905 wurden seitens der Chewra-Kadifcha .Kurbeiträge und Unterstützungen im Gesamtbeträge von K 21.196,— gewährt. Weiters wurden 504 Parteien orthopädische und medizinische Behelfe ikünstliche Füße nnd sonstige Prothesen, Stützapparate, Stntzmicder, Bandagen, Augengläser nsw.) bewilligt und 10 240 Medikamente ans Rechnung der Chewra-Kadischa verabfolgt. Mies. (Todesfall.) Die jüd.-akad. Verbindung „Jvria" gibt allen Mitgliedern, Freunden und Gönnern die tiefbetrübende Nachricht von dem Ableben ihres l. a. Hern Isidor S. Kitz, Realschulprofessor, welcher am- Sonntag den 13. d. in Mies in Böhmen im 29. Lebensjahre verschieden ist. I. A. d. A. C. still, jur. Albert Schönhof cand.ing. F. Goldschneider dz. XXX dz. X Ausruf! Wie die Leut' So die Zeit! (Jüd. Sprichwort.) An die Jude«! Geehrte Volksgenossen! Vertreter ans allen Teilen der Serether Jndenschast haben sich in recht stattlicher Anzahl znsammengctan, um einer schon lange bestehenden und empfundenen Notwendigkeit gerecht zu werden. Uns Juden tut es in erster Reihe not, an unser Volk und darum an die Erziehung unserer Jugend zu denken. Wir gehen daher daran, ein nachahmenswertes Institut, ein Jüdisches Schülerheim in Sereth, ins Leben zu rufen. Die gewaltigen und nachhaltigen Schläge geschichtlicher Vergangenheit und der Gegenwart haben unseren ausgeprägt individuellen Charakter geschwächt. Viele der besten Kräfte vvn uns sind in die Körper anderer Völker übergegangen nüd unzählige verfallen täglich demselben Schicksal. Wollen wir nun unser Volk gegen die chemischen Zersetzungen, die ihm von vielen Seiten drohen, schützen, so müssen mir eine Generation schaffen helfen, die imstande sein soll, seinen Bedürfnissen zu genügen. Wir wollen also in jeder Hinsicht tüchtige jüdische ZukunftSmänner heranbilden. Zit diesem Zwecke werden wir tu dieses Heim jüdische Schüler des Gymnasiums in Sereth mit besonderer Berücksichtigung ihrer besseren Fähigkeiten in Verpflegung und Häusliche Erziehung übernehmen. Da wir nur auf die fähigsten, sowohl bemittelten (gegen Entgelt) als auch unbemittelten Schüler (gegen teil-weises Entgelt oder auch ohne solches) reflektieren, sv hoffen wir, daß unser Institut ein Musterinstitut werden wird. Wir wollen darin die uns anvertrauten Kinder nach dem Grundsätze: „Nur in einem gefunden Körper wohnt ein gesunder Geist" körperlich ausbilden und sie zu eifrigem Studium anhalten, ihre Kenntnisse mtö ihre geistige Kraft fördern und ihren Charakter erziehlich bilden und stählen. Däß auch den religiösen Bedürfnissen Rechnung getragen werden soll, braucht bei einem jüdischen Schülerheim nicht erst betont zu werden. Die Schüler sollen als ttberzeugnngstrene, freimiitige, tapfere, wahrheitsliebende, aber atlch bescheidene junge Männer das Heim verlassen könueit und in den Kämpfen des Lebens noch oft desselben gedenken, welches ihnen die Vorzüge gegeben, die sie stark gemacht und znm Siege besühigetl. Es soll eine dem Wesen jedes einzelnen angepaßte Behandlung dnrchgeführt werden. Dabei aber muß strammer Gehorsam unter allen Umstünden gefordert werden. Es wird mit allen Mitteln aus gegenseitige Verträglichkeit gesehen werden: denn es ist ein wichtiger Teil der Erziehung, daß die Knaben unter Wahrung der Selbständigkeit ihres Charakters sich in die Weife anderer zu finden lernen, was ihnen für das spätere Leben bedeutende Vorteile bringen wird. Auf Artigkeit des Benehmens, ans Sparsamkeit, auf passende Lektüre, ans größte Ordnung in den Habseligkeiten soll genan gesehen werden. In jedem Falle, wo ein Schüler erkrankt, soll er sofort vom Anstaltsarzt untersucht werden, kurz die Mischen Eltern und Schüler sollen es empfinden, daß die Jungen in einem wirklichen „Schülerheim" sich befinden. Nach dieser kurzen Schilbern ng unseres Planes appellieren wir an das stets bewährte Wvhltätigkeitsgefüht unserer Juden und bitten um zahlreichen Beitritt und mit nennenswerte Spenden für den zn gründenden Verein, da die Mittel für die Einrichtung und Bedürfnisse des ersten Jahres ntts noch sehr spärlich zngeslvssen sind und insbesondere, da tnts vom 1. September dieses Jahres nur tlvch eine kurze Spanne Zeit trennt. Da dieses Heim das erste jüdische Schülcrheim in der Bukowina sein wird, hoffen wir ans begeistertett Anschluß nnd reiche Spenden. Ihre Tat, verehrte Brüder nnd Schwestern, wird eine kräftige Probe unserer Verjüngnngsfähigkeit bedeuten. Zeigt, daß ihr noch Lebenskraft genug besitzet, daß sie nur in euch schlummerte wie ein uuverlöschlicher Funke unter einem Aschcnhügel. Die näheren Anfiiahmsbedingungeu können mündlich oder schriftlich begehrt werden. Die Herren Advokat Dr. Isaak K 0 h n, I. S. S t e i n-- bcrg, Kaufmann, nnd N. Kraft, Bankdirektor, werden srenndlichst alle Auskünfte erteilet«. S e r e t h, im August 1905. Der vorbereitende Ausschuß. Geschästsnotffen. Der heutigen Gesamtauflage liegt ein Prospekt des Bankhauses Eduard Urban, Brünn, bei. Wir empfehlen denselben gerne der Aufmerksamkeit unserer Leser, da die Firma Urban seit ihrem über 37jährigen Bestände ihre Kunden stets zu vollster Zufriedenheit bedient hat nnd selbe zn den angesehensten Banksirmen zählt. •**~i~VLnnr[Aru*Lj*irin Schön möbliertes Zimmer mit separatem Eingänge für einen oder zwei Herren eventuell Damen zu vermieten. Näheres bei S. Grünspan, VIII., Schlösselgasse 11, II. Stiege, Tür 23. 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