Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2432763-2433077-2433109--3118-2437045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr» 32 zu hemmen. Die Territorialisten und sozialistischen Zionisten, die sich unter der Führung Zangwills zu einer besonderen Organisation zusammenschlossün und ihre ganze Energie au die Erlangung eines wo immer gelegenen Territoriums wenden wollen, haben es ihren Gesinnungsgenossen freigestellt, in der Partei zu verbleiben. Mit ihnen zusammen werden die unter der Führung Grone m ans stehenden „politischen Zionisten", denen das autonome Territorium außerhalb Palästinas als geeignetes Mittel zur Erlangung des Endzieles Palästina gilt, eine recht respektable Gruppebilden, die hoffentlich bald dieMajorität in der Partei erlangen wird. Und dann wird die ominöse Resolution Ussischkins wieder in die Tiefen versinken, denen sie entstieg und das Baseler Progranun wird wieder jene Deutung erlangen, die Herzl ihr gab. Man wird erkennen, daß der siebente Kongreß so kläglich endete, weil die Frage falsch gestellt wurde; daß diesmal nicht zu entscheiden war: ob „Palästina oder Territorium", sondern: ob „Rußland oder Territorium". Man wird mit Schmerz die Ueberhebung gewahr werden, die in den Berichten der nach Uganda entsandten Expedition zum Ausdrucke kam, und sich nicht verhehlen, daß eine nach Rußland entsandte Expedition noch ungleich schlimmere Dinge erzählt hätte, als die Herren Gibbons, Kaiser und Wilbuschewicz uns mitzuteilen wußten. Und man wird dann auch die Niedergeschlagenheit jener begreifen, die an der Spitze unserer Bewegung stehen und die gegen ihre bessere Ueberzeugung einem Drucke folgten, der ausgeübt wurde von dem fanatischen Phantasten aus Ekaterinoslaw, der deutlich zu verstehen gab, daß er einen sich seinem Willen nicht unterwerfenden Kongreß in die Luft sprengen würde. Otto Kraus. Vermischte Nachrichten. Aufruf. P. T. Am 29. Thamuz l I. (rrD^n nön ta'S) wurden es 800 Jahre, daß R. Salomon b. Jsak (Rasch: ge» nannt) das Zeitliche gesegnet. Anläßlich dieses 800jährigen Todestages bereitet der Endesgefertigte die Drucklegung "mita “ibd. einer noch ungedruckten Schrift Raschis, versehen mit einer großen Einleitung und Anmerkung, vor, und soll dieses Werk am diesjährigen Todestage Raschis erscheinen. Um jedoch das Andenken dieses großen Lehrers zu verewigen, soll gleich eine Raschistiftung ins Leben gerufen werden, deren jährliche Ertragnisse zur Förderung eines vom Kuratorium dieser Stiftung zu bestimmenden literarischen Zweckes verwendet werden sollen. Es ergeht nun an alle ehrwürdigen Herren Rabbiner, Vorsteher und Freunde der jüdischen Wissenschaft die dringende Bitte, durch Zuwendung von Geldbeiträgen die ehetunlichste Aktivierung dieser Stiftung zu ermöglichen. Jeder Spender erhält ein Exemplar des "miKn “isd« unentgeltlich. Lemberg. Salomon B u b e r. Die hebräisch sprechender: Klubs. Am 29. d. fand in Basel im Hotel Spitz die erste Versaimw lung der Vertreter der hebräisch sprechenden Klubs, sowie aller anderen hebräisch sprechenden Delegierten und Gäste des Kongresses statt. Die Zahl der Anwesenden, mrunter viele Damen, betrug etwa 500. Der bekannte Schriftsteller R. Brainin eröffnet die Sitzllng und widmet dem Andenken unseres verewigten Führers sowie den in den letzten zwei Jahren verstorbenen hebräischen Schriftstellern einen warmen Nachruf. Hierauf wurde N. Svkolow, Redakteur, zum Leiter der Versammlung gewählt, der in seiner Ansprache auf die gewaltigen, ja geradezu uiwvwarteten Fortschritte, die das Hebräische als Sprechsprache gemacht hat, hinwies. Noch während der ersten Kongresse gehörte es zu der: Seltenheiken, wenn der eine öffentlich hebräisch sprach, jetzt gehört das Hebräische bereits zu den verbreitetsten Sprachen unter Delegierten und Gästen. Leider hat sich das Hebräische auf dem Kongresse selbst den ihm gebührenden Platz noch nicht errungen. Hierauf sprach unter großem Beifall der Anwesenden Dr. M. Ehrenpreis Über die sog. Kulturfrage. Er wies hin auf die Notwendigkeit der Wiederaiuifnahme der Kulturarbeit innerhalb der zionistischen Organisation, welche ganz unrechtmäßig von der Tagesordnung des 6. und 7. Kongresses abgesetzt wurde, und wünscht zu diesem Zwecke ein einheitliches Vorgehen aller Delegierten, die von der Bedeutung und Notwendigkeit der kulturellen Arbeit durchdrungen sind. Hierauf verwies er ans die Notwendigkeit der Gründung einer zentraler: hebräischen Lehrerschule in Palästina. „Die nationale Erziehungsfrage ist eine Lehrerfrage." Schriftsteller I. Epstein aus Palästina referierte hierauf über einige überaus wichtige Fragen in der: Ansiedluugsverhültnissen Palästinas. Hieraus wurde die Versammlung geschlossen. Wien. (Kaisers G e b n r t s t a g.) Anläßlich des diesjähriger: Geburtsfestcs Sr. Majestät des Kaisers finden Freitag der: 18. August 1906 um 9 Uhr vormittags im Tempel der Inneren Stadt, um 10 Uhr vormittags im Leopvldstädter Ternpel feierliche Gvttesdierrste statt. In den übrigen Gemeiiidebeihäuserii werden dieselben im Anschlüsse an den Morgengottesdienst (7 Uhr früh) abgehalten werden. Wien. (T e m p e l v e r e i r: I o s e s st a d t.) Am 18. d. M., halb 7 Uhr abends, findet im israelitischen Tempel, 8. Bezirk, Neudeggerg. 12, ein besonderer Gottesdienst zur Feier des Geburtstages unseres Kaisers statt. Promotion sub auspiciis imperatoris. Der Kaiser hat gestattet, daß der Gerichtsansknltant Heinrich B u r st y n in Czernowitz zum Doktor der Rechte sub auspiciis imperatoris promoviert werde. Die feierliche Promotion wird anfangs Oktober stattfinden. Der Tempel kann nicht exeqniert werden. Die israelitische orthodoxe Religivusgemeiude in Maramaros-Sziget reichte beim dortigenGerichtshose ein Gesuch ein, es möge zu ihren Gunsten ans das Grundstück der sephardischen Neligionsgemeinde das exekutive Pfandrecht in der Höhe von 6794 Kronen intabuliert werden. Der Gerichtshof gab diesem Begehren auch Folge, doch wurde der bezügliche Bescheid seitens der Debreczen-er königlichen Tafel abgeändert und die Ausführung desselben untersagt, weil auf den: fraglichen Grundstücke mittlerweile ein Bethaus erbaut wurde, ein dem Gottesdienste gewidmetes Gebäude aber keiner Exekution unterzogen werden kann. Dieser Bescheid der königlichen Tafel wurde nun auch durch die Kurie vollinhaltlich bestätigt. Bezalel. Unter Vorsitz des Prof. W a r b u r g fand Montag früh in Basel eine VerfaMmvmrg statt, um Zweck und Umfang des Bezalel zu erklären. Prof. Marburg und Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis erklärten in überzeugender Weise die Wichtigkeit dieser Gründung, durch die für Tausende Arbeit, zudem lohnender und würdiger Erwerb gebracht und nun die Chaluka aus der Welt geschafft werden soll. Die Idee sarrd großen Beifall und es wurde die Eintragung in die Spendenliste begonnen. Basel. Zan gwill, der an die Spitze der territorialistischeu Neuorganisation getreten ist, hat an den englischen Premierminister Balfour wegen Landabtretung telegraphiert. Die Antwort soll günstig laute». Innerhalb der Kongreßoppofition hat sich ein Herzlklub gebildet. Die Opposition will auch durch Schaffung einer nationalen Autonomie außerhalb Palästinas das Baseler Programm durchführen und auf dem nächsten Kongreß ihrem Programm mit allen parlamentarischen Mitteln zum Durchbruche verhelfen. London. In China besteht eine alte jüdische Kolonie, die gegenwärtig aber in Auflösung begriffe« ist. Nun plant man in London die Gründung einer Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe machen soll, die Vergangenheit dieser Kolonie zu erforschen und gleichzeitig Umschau zu halten, ob das chinesische Reich nicht auch noch andere jüdische Kolonien beherbergt. Bisher ist nur so viel bekannt geworden, daß jene Kolonie, die in der Stadt Kainfong-fu ihren Sitz hat, von einer Jesuitenmission, welche im 17. Jahrhundert nach China kam, entdeckt wurde und daß in deren Forschungsbericht die Mitteilung enthalten war, die jüdische Kolonie in China habe einstmals in großer Blüte gestanden, von der die prächtigen Synagogenbauten Zeugnis gäben. Diese sollen noch aus den Tagen Alexanders des Großen stammen. Aus der Entstehuugszeit der Synagogen sowie aus dem Umstande, daß die chinesischen Juden weder etwas von der Zerstörung des Tempels in Jerusalem noch von der Geburt Christi wußten, zog die Jesuitenmission den Schluß, daß die Juden iu China lange vor Christi Geburt schon ins „Reich der Mitte" eingewandert seien. Die heutigen Mitglieder der jüdischen Kolonie in China, die keine Rabbiner: haben und bloß eine Art von Larengottesdienst pflegen, tragen unverkennbar die Merkmale der Raffe an sich. Brüssel. Professor Leo E r r e r a, der bedeutendste Botaniker Belgiens, ist am 2. d. M. im Alter von 47 Jahren einem Schlaganfall erlegen. Mit ihm verliert die botanische Wissenschaft »inen ihrer Hauptgelehrten. Für unsere unterdrückten Brüder in Rußland ist er öfters in Wort und Schrift energisch eingetreten. Die hiesige Presse widmete ihm einen warmen Nachruf. Schattmannsdorf. Während des am 22. v. M. stattgefundenen Gottesdienste-in der hiesigen Synagoge schlug dvselbst der Blitz ein; der Anwesenden, worunter sich viele Sommergäste aus Pretzburg und Wien befanden, bemächtigte sich eine große Aufregung, doch wurde zum Glücke niemand erheblich verletzt. Bukarest. Anfang Juli haben die 25 Schüler der 4. Elementarschulklasse des SchulvereinS „Cultura" vor einer staatlichen Prüfungskommission ihr Examen abgelegt und, wie dies seit den zirka 12 Jahren des Bestehens dieser Schule der Fall war, wieder alle ausnahmslos die Prüfung glänzend bestanden. Gestern, Sonntag, fand ein Konkurs sämtlicher Prämiauten der hiesigen israelitischen Volksschulen statt, an welchem sich die Schulen „Jakob und Karoliue Löbel", „Reschith Daath", „Malbim" und „Cultura" beteiligten. Auch bei dieser Gelegenheit glänzte der Vertreter der Schule „Cultura", der kleine Kermisch, durch seine prompten und doch wohlüberlegten Antworten in rumänischer wie deutscher Sprache, so daß ihm der Preis dieses Konkurses, ein Sparkaffebuch über eine Einlage von 50 Frs., einstimmig zugebilligt wurde. Schön möbliertes Zimmer mit separatem Eingänge für einen oder zwei Herren eventuell Damen zu vermieten. Näheres bei S. Grünspan, VIII., Schlösselgasse 11, II. Stiege, Tür 23. 1 AMERIKA;| Abreise aus fiervre Jeden Samstag. j; Französische Linie i; Bequeme, rauche Fahrt, ausgezeichnete Verpflegung! samt Wein und Likör. Fahrkarten nach allen Stationen 1 sämtlicher amerikanischer Bahnlinien zu Original- | preisen. Nähere Auskünfte erteilt gratis und franko , ■ " m französische i*ihie ~ * i Wien, IV. Weyringerg. 8. : i Heilanstalt für Näseln, Fehler in der Aussprache - sowie andere - Sprachu.Stimm- - - Störungen - - (Eigene Pension für auswärtige Patienten). M.-U.-Dr. Hugo Stern, IX., Garnisongasse 4. Telephon Interurban 1527.Telephon Interurban 1527 Kartonnagewaren - Fabrik mit elektrischen Betrieb Emil Biermoritz Wien, VII., Kandlgasse 32 Spezialität: Kartons aus Wellpappe für Elektriker, Weinhändler, Glasfabriken u. für Tuben, Kartons m. Blechkanten zum Versand von heiklen und zerbrechlichen Gegenständen, Postrollen zum Versand von Oeldruckbilderu, Kalendern etc. Apotheker* kartonnngen, Lngerknrtons aus Holz für Modewarenhauser sowie alle in dieses Fach einschlägigen Artikel. Alle bisherigen Erzeugnisse der Tischler an Preis und Schönheit weit Ubertreffend. ProvlnzauitrUge promptest. ssssssssssssssssssssssssssssssss estaurant laroline ieidner Wien, I., Seilergassel4—Telephon 1276 Erstklassiges geräumiges Lokal mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet. Anerkannt vorzügliche Küche, Biere aus den renommiertesten Brauereien, Bouteillenweine, sowie Schankweine in jeder Preislage. Champagner, Liköre etc, — Hochzeiten werden auch ausser dem Hause angenommen. — Für Hausfrauen, Pensionen, Institute: Flaschenweine, Bouteillenweine Champagner, Delikatessen Zustellung ins Haus. jiiuLkjjMiüs Alfred Kunstadt Billigste Bezugsquelle für Gruft* * * ** und Grabmonumente von 10 fl. aufwärts Provinzaufträge werden prompt und evakt ausgeführt ' h m h * * . . . . Lieferant der. . israelitlsehen l^ultusgemelnde . . . . . WIEN II. Bez., Rotensterngassse Nr. 27 ^9999991