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Jüdisches Volksblatt · 1905-08-04 · 31 (4.8.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr« 31 Halt -ie Gosch» Moses! Aus T-attenttz bei Mähr-Trübau wird gemeldet: Kürzlich war «im hiesigen Schlösselgasthause unter anderen Gästen auch Herr DistriktSarzt Dr. Aron Ast anwesend. Herr Ast erzählte in umfangreicher Weise von feiner ärztlichen Praxis, alS plötzlich -er gegenübersitzende Pfarrer Joh. Maiwald die Rede des Herrn Ast abschnitt und ihm barsch znrtef: „Halt die Gosch, Moses!" Herr Ast verließ sofort das Lokal, fühlte, sich gekränkt und klagte den Pfarrer auf Ehrenbeleidigung. Der Strafrichter fand jedoch bei der Verhandlung in dem Ausdruck: „Halt die Gosch Moses!" keine (!) Ehrenbeleidigung und sprach den Pfarrer frei. Sollte es einem Inden einfallen, denselben Herrn Pfarrer beim Versehengange nicht zu grüßen, so wäre ihm eine empfindliche Strafe sicher, ebenso, wenn er sich herausnähme, zu behaupten, daß die Gerechtigkeit in Oesterreich nicht mit gleichem Maße gemessen wird. Die Czernowitzer israelitische Kultusgemeinde geht, wie bereits berichtet, daran, den 50jährigen Bestand der hierortigen israelitischdeutschen Volksschule zu feiern. Der Leiter dieser Anstalt, Direktor Dubensky, wurde seitens der Kultusgemölnöevertretung beauftragt, die Gederrkschrist zu diesem Zwecke zu schreiben. Die J'Ubelschule ist im Oktober 1855 in Einern gemieteten Gebäude in der Karolinengasse unter der Leitung des ehemaligen 'Bukowinaer Landesrabbiners Dr. Lazar Igel mit Bewilligung des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht eröffnet worden. Gleich im ersten Jahre wurden in diese Schule 268 Kinder — Knaben und Mädchen - — eingeschrieben. Die Anstalt ist als eine Doppelschule, nämlich als eine Knaben- und eine Mädchenschule, unter einer Leitung stehend, ins Leben gerufen worden und besteht als solche auch heute noch. Während der fünfzig Jahre des Bestandes hatte die Schule vier 'Leiter: Vom -Jahre 1855 bis 1864 leitete Rabbiner Igel die Anstalt, sodann bis zum Jahre 1877 Direktor Schulz, hierauf bis zum Jahve 1697 Oberlehrer Baltinester undfeit jener Ziet Oberlehrer Dubensky. Im Jahre 1860 überstedelte die Schule in das eigene Gebäude in die Universitäts-, damalige Bischofsgasse, welches die Kuliusgemeinde eigens zu diesem Zwecke vom verstorbenen Baumeister Anton Fiala erbauen ließ. Durch das Inkrafttreten des österreichischen Reichsvolksschulgefetzes im Jahre 1869 trat diese Anstalt aus der Reihe der öffentlichen Schulen in jene der Privatschulen zurück «und erhielt gleichzeitig vom k. k. Ministerium für Kultus- und Unterricht das Oeffentlichkeitsrecht zuerkamrt, so daß die Schule heute leine mit dem Oeffentlichtertsrechte ausgestattete Privatvolksschiule, deren Erhalter die hierortige israelitische Kuttusgemeinde ist, vorstellt. Dermalen wirken an der Schule ein Direktor, 5 männliche, 3 weibliche weltiTttBe gefrroerinnpn jtnft 9. jftp-frrnrnrtafffßrpy Schuljahre von 580 Kindern, 325 Knaben und 255 Mädchen, besucht. Zur Auswanderungsfrage. Bodeubach, den 28.. Juli 1905. Sehr geehrte Redaktion! Wie mir der ,>Montefiore"-Verein zur Beförderung bedürsttger Passanten in Rotterdam mitteilt, werden iAuswanderer mit Karten der holländ i s ch e n A m e r i k a l i n i e bei der Durchfahrt durch Deutschland nicht behelligt. Die in den letzten Wochen von Leipzig retournierten Auswanderer waren im Besitze von Karten der Anchor Line, Rotterdam. Alle jüdischen Blätter werden ersucht, von dieser Berichtigung Notiz zu nehmen. Hochachtend. Rabbiner M. F r e >n n d. Brünn. (Professor Dr. Gotthard Deutsch.) Seit einigen Tagen weilt Herr Dr. Gotthard Deutsch, Professor der Religionsgeschichte am Hebrew Union College in Cincinnati, zum Besuche seiner Hiesigen Verwandten in Brünn. Dr. Deutsch steht Hier noch von seinem Wirken als israelitischer Religimrslehrer an den deutschen Staatsmittelschulen Brünns in bester. Erinnerung. Er ist ein gebürtiger Kauitzer (zu Kanitz bei Eibenschitz am 81. Jänner 1859 geboren), absolvierte ein theologisches und philosophisches Triennium in Breslau, vollendete hierauf seine Studien in Wien, wo er 1881 das philosophische Doktorat erwarb. Im selben Jahre wurde Dr. Deutsch von der israelitischen Gemeinde in Brünn zum ReligionsteHrer bestellt, trat im darauffolgenden Jahr in gleicher Eigenschaft in den Staatsdienst, wo er bis 1887 verblieb, um in der Folge als Rabbiner in Brüx zu wirken, von wo er im Jahre 1891 als Professor der Religionsgeschichte an das vorerwähnte Institut in Cincinnati (Amerika) berufen wurde. Herr Dr. Deutsch Hat sich auch verschiedentlich literarisch betätigt. Er schrieb über „Symbolik in Kultus und Dichtung bei den Hebräern", Paradigmentafeln für den Unterricht in Hebräischer Grammatik, dann eine Anzahl theologischer unanderer wissenschaftlicher Arbeiten in deutscher und englischer Sprache. Verleihung des Erlöserordens an einen Kultusvorsteher. Aus Athen wird uns berichtet: Der König von Griechenland verlieh der» Vorstande -er hiesigen israelitischen öJemchtöe Ävustantinis das Offizterskreuz des Erlöserordens. Berlin. Der Ausschuß der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" hielt jüngst in den Räumen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes seine ordentliche Sitzung ab. Herr Professor Dr. PHilippson eröffnet«: die Beratungen mit einem warmen Nachruf auf das kürzlich dahingeschiedene Allsschußmitglied Dr. Kayserling, „einen der letzten Veteranen aus der Blütezeit der Wissenschaft des Judentums". Die Verhandlungen ergaben ein erfreuliches Bild von den Leistungen der Gesellschaft. Den bereits erschienenen Werken von Bäck und Esche wacher, die einem wetteren Kreise das Verständnis jüdischer Fragen vermitteln wollen, wird sich bald ein drittes Werk anreihen, das allenthalben frendtg begrüßt werden wird: 'die gesammelten Aufsätze jüdischen Inhalts des unvergeßlichen Stotnthal. Herr Dr. Gustav Karpeles Hat den Plan zu diesem Unternehmen gefaßt und einen großen Teil der Vorarbeiten bereits beendet. Herr Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau berichtete über die Germania Juüaica. Die organisatorischen Vorarbeiten stlld abgeschlossen: die Mitarbeiter Haben vor einigen Wochen in gemeinsamer Beratung einen Arbettsplan aufgestellt, der für alle bindend sein soll und es besteht die begründete Hoffnung, daß bereits in drei Jahren der erste Band des groß angelegten Werkes vollendet sein wird. Auch an dem Corpus Dannatticum wird rüstig gearbeitet, wenngleich selbstverständlich auch hier die Fertigstellung noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Als erster Band wird ein umfanfsendes Wörterbuch zur Sprache der tannattischen, Literatur erscheinen, das im Aufträge der Gesellschaft Herr Dr. Eugen Mittwoch bearbeitet. Vom „Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums" wird in nicht allzuferner Zeit der -erste Band erscheinen: die Apologetik des Judentums von Dr. Güdemann. Für einen wetteren Band des „Grundrisses", die „Epigraphik", wird Herr Prwatdozent Dr.. Horowitz gelegentlich einer Reise nach dem Orient an Ort und Stelle Vorstudien machen. Herrn Dozenten Dr. Elbogen, der für . den „Grundriß" die „Liturgik" bearbeitet, wurden die Mittel zu einer Studienreise nach England bewilligt, in dessen Bibliotheken er die für ihn wichtigen Handschriften studieren will. Neben ihren eigenen Unternehmungen sucht die Gesellschaft die jüdische Literatur auch noch durch Gewährung voll Subventionen zu fördern. Solche wurden bewilligt: der Redaktion der „Zeitschrift fiir Hebräische Bibliographie", sodann Herrn Rabbiner Dr. S. Arje in Dobrisch zur Herausgabe seiner Schrift „Die Bauweise des bürgerlichen Wohnhauses in Palästina", ferner Herrn Geometer I. Goldhor in Rosch Pinah bei Safed fiir ferne Geographie Palästinas, ebenso- Herrn I. Last-München für seine Edition der Werke Josef Kaspis und schließlich Herrn Gemeinde- Bibliothekar Dr. Stern-Berlin für seine Bearbeitung der Geschichte der Inder: unter Albrecht dem Zweiten. Es ist somit eine große Aufgabe, für deren Lösung die Gesellschaft ihre Kraft einsetzt. Möge die tätige Anteilnahme der weiteren Kreise es ihr ermöglichen, ihrem Ziele, der Förderung der jüdischen Wissenschaft, immer näher zu kommen. , Von der „Alliance Jsraelite UniveMlle". Beit' veb 'MlEWeMmMüng dev „Alliance" in Paris, wurden. u. a. folgende neue Mitglieder ' in das Zentralkomitee gewählt: Prof. Dr. M a r g u l i e s - Florenz Louis Marshall - New Dort, Maurice Philip p s o tr - Brüssel, B. Dreyfus- Brettauer - Bafel, Eduard Masse- Paris und Sally Floersheim - Dortmund. t Für die russischen Juden. Zwei Schwindler gerieten dev Mannheimer Polizei in die Finger. Auf Grund gefälschter Ausweispapiere und Sammellisten und unter der Vorspiegelung, von der Israelitischen Zentral-Union in Koustantinopel mit der Sammlung von Geldern zur Unterstützung ausgewiesener russischer Juden detmut zu sein, erschwindelten' sie sich ansehnliche Geldbeträge. Die Verhafteten sind der 69jährige Händler Katzenstein und der Bilderhändler Stein. Es wird vermutet, daß die Genannten auch in anderen Städten ähnliche Schwindeleien verübt haben. Die Staatsanwaltschaft zu Mannheim ersucht um entsprechende Mitteilungen. Mach Schluß -es Slattes. Bafel, 2. August. Die Minorität des Zionistenkongresses, die, tvie bekannt, einen .Neben kongvch abhält, wählte zu ihrem Führer den englischen Schriftsteller Israel Zangwill. Diese Organisation der Minorität zählt bisher 160 Mitglieder. Zangwill richtete an den englischen Ministerpräsidenten namens der Territorialisien eine Depesche, in der er dev englischen Negierung den Dank dafür allsspricht, daß sie die Bemühungen der politischen Zionisten, ein Territorium in Ostafrika zllr Ansiedlung der Juden zu gewinnen, kräftig unterstützt, jedoch das Beda lurn darüber ausspvicht, daßdas den Zionisten zur Verfügung gestellte Ugandagebiet sich so ungeeignet zur Kolonisation erwiesen hat. Er gibt ferner der Hoffnung Ausdruck, daß die englische Negierung auch weiterhin den auf Erwerb eines geeigneten Territoriums gerichteten Bestrebungen der politischen Zionisten ihre wertvolle und wirksame Sympathie anigedeihen lasse. Die Kongrchmajorität wählte heute ein Komitee, bestehend aus den Herren Wolffsohn, Kann, Kohanl-BernMn, Ufsifchkin, Greenberg u,nld Dr. Alexander Marmovek, dem die eigentliche! Führung der Zionisten palästinensischer Richtung obliegen wird. Nach Erledigung aller auf der Tagesiordnung der heutigen Sitzung des Zionisienkow gresses gestandenen Punkte erhob sich der Vorsitzende Bankier Wolffsohn (Köln) und erklärte den Kongreß für geschloffen. Wolffsohn resümierte in kurzen Worten die Arbeit, die dev Kongreß gefeiftet hat, und betonte insbesondere, daß nunmehr die Krise, die eine gedeihliche Tätigkeit der Partei verhinderte, gelöst sei. Dadurch, daß der Kongreß sich dafür entschied, jedes andere Projekt als das dev Besiedlimg Palästinas abzulehnien, sei er dem reinen Programm, das auf dem elften Baseler Kongreß ausgestellt wurde, treu geblieben. Laute Beifallsworte folgten den Worten Wolsffohus. Nach Schluß des Kongresses versammelte sich das heute eingesetzte KomAee zn einer Sitzung, in der die Wahl des Präsidenten vorgenommen wurde. Wie vomusgefchen wurde, fiel die einstimmige Wahl auf den Bankier Wolffsohn aus- Köln, der daher im kommenden Jahre die Funktionen eines -ersten Repväfentanten der Partei zu erfüllen haben wird. Gleichzeitig wurde beschlossen, den Sitz des großen Aktionskomitees von Wien nach Berlin zu verlegen. F. L. Adler & Sohn Handelsgerichtlich protokollierte Firma WIEN, VIII Bezirk, Kochgasse 7 Fabrik für Kunst- und Synagogeneinrichtungsgegenstände. Spezialisten für Synagogen-Einrichtungen von der einfachsten bis zur feinsten Ausführung. Bei auswärtigen Aufträgen wird um schriftliche Bestellung ersucht. Kostenvoranschläge auf Verlangen gratis. Gegründet 1862 Telephon Interurban 1527.Telephon Interurban 1527 Kartonnagewaren=Fabrik mit elektrischen Betrieb Emil Biermoritz Wien, VII., Kandlgasse 32 Spezialität: Kartons aus Wellpappe für Elektriker, Weinhändler, Glasfabriken u. fllr Tuben, Kartons m. 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Lieferant der ..... . israelitischen J^ultusgemelnde . . . . . WIEN II. Bez., Rotenaterngasssa Nr. 27

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