Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 30 (28.7.1905)
- Date
- 1905-07-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2432763-2433077-2433107--3100-2437025- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr, 30 Uüg.-Hradisch. Wie die „Lidove Novt-ny" Mitteilen, ist das deutsche Gymnasium in Ung.- Hradisch vollständig „jüdisch", denn im vergangenen Schuljahre waren von 177 Schülern 93 Juden. Prcrau. (Todesfall.) Am 19. d. M. wurde Herr Isidor Horner, ein achtbares Mitglied unserer Gemeinde, im Alter von 64 Jahren zu Grabe getragen. In Vertretung des Ortsrabbiners hielt der ausgezeichnete Redner Se. Ehrwürden Dr. Jakob S p i r a aus Mährisch-Ostrau einen tief ergreifenden Nachruf, in welchem er mit beredten Worten dem Schmerze der Familie Ausdruck gab. Raschi-Stiftuug. Wie aus Paris berichtet wird, hat das dortige israelitische Konsistorium auf Anregung des Grand Rab'bin Zadoc Kahn zum Andenken der achthundeicksten Jahreswende Rabenu Jizchakes (Raschi) eine Stiftung ins Leben gerufen, deren Zinsen zur Förderung des Studiums der jüdischen Geschichte verwendet werden sollen. Die Taufe ist in Ungarn immer ein rentables Geschäft gewesen. Jetzt ist wieder ein getaufter Jude, der Sohn eines Rabbiners, Josef S t e r e n y i, Staatssekretär geworden. Wir haben schon oft Gelegenheit gehabt, uns mit diesem Herrn zu beschäftigen, das letzte Mal, als er in eine bekannte Korruptionsgeschichte verwickelt war und die ungarische antisemitische Presse die Gelegenheit wahrnahm, wegen der unsauberen Geschichte das ganze Judentum zu verleumden. Wir haben schon damals darauf hingewiesen, daß schon der Vater Sterenyis, als er noch Stern hieß und Rabbiner von Neupest war, im Dienste der evangelischen Mission stand, das Judentum daher jede Gemeinschaft mit den Nachkommen dieses Mannes von sich weist. Ebensowenig bilden wir uns jetzt auf die Ernennung des Herrn Josef S t e r e n y i zum Staatssekretär etwas ein, wie der „Alkotmany" es seinen leichtgläubigen Lesern einreden möchte. Mähr.-Ost'rau. Wie von uns in der vorigen Nummer gemeldet wurde, hat der zionistische Verein „I e s ch u r u n" in Troppau gegen die Wahl des Herrn Dr. I. Schallt zum Delegierten Protest eingelegt. Bei der Wahl, die unter Leitung der Herren jur. Hermann L ö w, Louis Stapler und Dr. Rudolf Glücklich stattfand, erhielt Herr Dr. Schalit 116 Stimmen, Herr Architekt Oskar Marmorek 73. Der Protest des „Jeschurun" (Troppau) wurde vom Landeskomitee in seiner Sitzung vom 13. d. M. als unbegründet z u r ü ck g e w i e s e n. Der Hilfsvcrein der Deutschen Juden, der zur Lindrung der ersten dringenden Bedürfnisse 3000 Mark nach Schitomir gesendet hafte, hat jetzt eine weitere Summe von 20 000 Mark dorthin überwiesen. 10 000 Mark davon sind eine gemeinsame Spende des Hilfsvereines der Tieutschen Indien, der Großloge fiir Deutschland VUl. U.O.BB. und des Hilfskomitees für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M. und 10 000 Mark wurden dem Hilfsvereine der Deutschen Juden, von» dein London Committee os the Deputies of the British Jews sveundlichst zur Verfügung gestellt. Ferner hat der Hilfsverein' für. die durch Ferkersbrunst heimgesuchten Gemeinden in Daugi und Bakscht in Rußland 900 Mark bewilligt. ' Hannover. Erst jetzt wird der Wortlaut des Testamentes bekannt, das der verstorbene Konsul! Moritz Simon in Hochherziger Weise gemacht Hat. Simon hinterlleß ein mehr als drei Millionen Mark betragendes Vermögen, dessen größter Teil zu einer Stiftung verwendet werden soll, die die Namen der Eltern des Heimgegangenen zu tragen hat: „Alexander und Fanny Simonsche Stiftung." In den kurzen, einfachen Sätzen prägen sich die Persönlichkeit des Mannes, sein Wollen und Streben aus. Es heißt dort: „Die Grundzüge der Verfassung der Stiftung bestimme ich wie folgt: In der Erkenntnis, daß meine Glaubensgenossen infolge der Jahrhunderte währeudein Unterdrückung und Ausschließung von Handwerk, Industrie tmö Landwirtschaft, von Beamtenstand und ähnlichen Berufen sich notgedrungen dem Handel znwenden nnrßten, daß es aber im Interesse meiner Glaubensgenossen und des Vaterlandes liegt, wenn sie sich allen rechtlichen Berufszweigen widmen, ordne ich als Zweck der Stiftung an: .Hand- und Fabrikarbett, Handwerk, Landwirtschaft, Garten- und Obstbau unter den Israeliten in größerem Umfange zu verbreiten. Ans den Einkünften der Stiftung sotten: a) israelitische Kinder vom frühesten Alter an namentlich in den Volksschulen, in jüdischen Waisen- und Erziehungsanstalten, auch insbesondere durch Handfertigkeitsku rse oder in sonstiger Weise HandfeMgrettsunterricht erhalten sowie in den Handgriffen des« Garten- und Obstbaues und, wenn angängig, auch in Landwirtschaft unterwiesen werden. b) In Lehererbildnngs- und Vorbereitungsanstakten oder >in sonstiger Weise sollen angehende jüdische Lehrer praktische Kurse in Handfertigkettslehre, in Garten- und Obstbau, Bienenzucht und, wenn angängig, auch in Landwirtschaft durchmachen, insbesondere sollen solche Anstalten, falls dieses zweckmäßig erscheint, Garten- und Ackerland zu Eigentum oder pachtweise erwerben, um die zukünftigen oder auch bereits tätigen Lehrer für die Heranziehung der Jugend zum Landbaue und zur Handfertigkeft zu befähigen. Es können solchen jüdischen Lehrern Prämien zuerkannt werden, die mit besonderem Eifer, Geschick und Erfolg Unterricht in Gartenbau und .Handfertigkeit an jüdische Schüler erteilen, c) Würdigen, befäHtgten, bedürftigen israelitischen Arbeitern, Handwerkern, Landwirten und Gärtnern sollen zur Ausbildung ihres Berufes, namentlich beim Beginn Ihrer Tätigkeit insbesondere in Form von Darlehen, Vorschlüsse gewährt werden; je nach den Umständen zu niedrigem Zinsfuß, ansnahmswelfe auch unverzinslich. Die zttrückgezahlten Darlehen sollen dem Stistungsverm'ögen zugeschlagen werden, ö) Ein Teil der Einkünfte der Stiftung kann nach bestem Ermessen des Stistungsvorstandes für allgemeine Zwecke des Garten- und Obstbaues verwendet werden. Der Stistungs vorstund soll auch ermächtigt sein, einen Teil der Einkünfte zur Erteilung von Handfertigkeits- und Gartenbaunnterricht an anHerdeutscherr israelitischen Schulen zu verwenden. Hierbei soll in erster Linie Galizien ins Auge gefaßt werden. Ich bestimme folgende Vermächtnisse: 1. Dem Hilfsfonds für ehemalige Lehrlinge der Israelitischen Erzte- HungAanftalt zu Ahlem (eingetragener Verein) den Betrag von 100 OOOMärk, 2. der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem die Summe von 100 000 Mark. Ich beschränke nach reiflicher Uöberlegung -meine Zuwendung aus diesen verhältnismäßig geringfügigen Betrag, weil ich den dauernden Bestand der Anstalt nur dann für gesichert halte, wenn sie von allen Glaubensgenossen als Gemeingut betrachtet und unterstützt wird." Diese Hoffnung wird Erfüllung finden. Ahlem entwickelt sich unaufhaltsam weiter; neues »Land, neue Häuser kommen hinzu. In Sartorius Rheiugokd, Simons berufenem Nachfolger im Vorstande, und dem Inspektor A. Silberberg besitzt es weitblickende Leiter. Juden mit nichtdeutscher Muttersprache in Berlin gab »es cmil. TMembev 1900 4196, d. h. 4,55 Prvzen! her gesamten, im Berlin gezählten 92 207 Juden. In den 23 Vororten gab es unter den daselbst gezählten 26 240 Juden 816 — 3,11 Prozent, mit nichtdeutscher Muttersprache, darunter in Charlottenburg 646 — 6,63 Prozent der daselbst insgesamt gezählten 9701 Juden. Von den eine fremde Muttersprache sprechenden Juden waren in Berlin 2498 männlich und 1699 weiblich, in den 23 Berliner Vororten 414 männlich und 401 werblich (darunter insbesondere in Charlottenburg 290 männlich und.266 weiblich). Der Staatsangehörigkeit nach waren unter 92 207 Juden in Berlin 11 661 12,64 Prozent Ausländer (Nichtdeutsche), unter den 1 796 642 Christen 23 491 1,31 Prozent. (Statist. Jahrbuch der Stadt Berlin 1903.) Jüdische Studentenverbindungen in Deutschland. Seit vier Jahren haben wir an unseren Universitäten einen Bund Jüdischer Korporationen (B. I. C.). Zu ihm stehen Studenten, die sich bewußt als Jrrden fühlen und ihre Kraft einsetzen wollen für die Entwicklung eines lebendigen Judentums. Die dem B. I. C. angegliederten Vereine haben überall eine itnb dieselbe Farbe: blauweißgelb. Die Stellung zur Satisfaktion überlassen, sie jedem einzelnen Mitgliede. Die 'beiden ältesten Vereine des Bundes sind Berlin (1896), Breslau (1899). Ihnen folgen: München (1900), Straßburg (1902), Frei bürg i. Br. (1903), Königsberg (1904). Neben diesem jüdischen Bunde besteht bereits seit dem Jahre 1896 der Kartellkonvent der Tendenzverbinduugen Deutscher Studenten jüdischen Glaubens (Jüdische Verbindungen im K. C.). Ihm gehören an: Sprevia-Verlin (1894), Licaria-München (1896), Rheno-Silesia-Bonn (1899), Thuringia - Breslau (1901), Bavaria-Heidelberg (1902), Jsaria- Straßburg (1904). Außerdem werden noch verschiedene freie jüdische Verbindungen gezählt, z. B. Salia-Würzburg (1804), Wirceburgia-Würzburg (1886), Normannia-Vreslau. (1892), Thuringia-München (1892), Alsatia-Leipzig (1893), Ghibellinia-Freiburg (1896), Hasmonea-Berlin (1902), Makkabäa-Breslau (1902) usw. i.09,05 Konkurs. In der Israel. Kultusgemeinde der Landes* hauptstadt Czernowitz (Bukowina, Oesterreich) gelangen ab I. Jänner 1906 sämtliche Ksntoren-Otelfen itn neuen Tempel dieser Kultusgemeinde zur Besetzung und zwar: a) eine Oberkantor-Stelle, b) eine Kantor-Stelle c) zwei Unterkantoren-Stellen und d) eine Chor-Dirigenten-Steile. Mit den Gehaltsbezögen, die den Gegenstand besonderer Vereinbarungen zwischen den geeigneten Bewerbern und dem Kuitusvorstande bilden sollen, sind auch die üblichen Emolumente verbunden. Bisher war für die Stelle ad a) ein Jahresgehalt von 3200 K, ad b) ein solcher von 2400 K und für die Stellen ad c) und d) von je 1400 K festgesetzt. Bewerber um diese Stellen müssen die entsprechenden musikalischen Kenntnisse sowie das erforderliche hebräische Wissen und überdies die Eignung besitzen, einen grösseren Chor auszubilden und zu leiten. Die Bewerber dürfen keine Kohanem sein. Zur provisorischen, eventuell definitiven Besetzung der obigen Stellen wird hiermit der Konkurs ausgeschrieben. Die Bewerber haben in ihren Kompetenzsesuchen ihre Staatsangehörigkeit, ihr Alter und den Familienstand, ferner die genossene musikalische und wissenschaftliche Ausbildung, die Qualität der Stimme (ob Tenor, Bariton oder Bass), ihre bisherige Verwendung und Wirksamkeit in einer derartigen Stellung, endlich ihre physische upd geistige Gesundheit sowie ihr moralisches Verhalten mittelst Attesten nachzuweisen. Die bezüglichen Kompetenzgesuche sind beim Vorstande der Unterzeichneten Kultusgemeinde bis spätestens 20. August d. J. zu überreichen. Der Kultusgemeinde-Repräsentanz bleibt es Vorbehalten, die für die bezeichneten Funktionen geeigneten Personen nach eigenem Gutdünken anzustellen oder auch ohne Angabe von Gründen abzuweisen, ebenso nach ihrem Ermessen ihr geeignet erscheinende Bewerber oder auch Andere zur Abhaltung von Probe- und Gast-Vorträgen in ihrem Gemeindetempel einzuladen; Reisespesen werden nur den Akzeptierten vergütet werden. Czernowilz, 7. Juli 1905. Für den Israel. Kultusvorstand Der Präses : Dr. STRAUCHER. Strickmaschinen netteste nttd Beite <fer Gegenwart, ohne Konkurrenz liefert die strick* HB täfftflst n n masckinen-Tabrik flBliePmann, Lieferant derk.u.k.Kriegsmarine. OMen,VI.,lfiarial)ilfer*tra**eM Telephon Interurban 1527 .Telephon Interurban 1627 Kartonnagewaren - Fabrik mit elektrischen Betrieb Emil Biermoritz Wien, VII., Kandlgasse 32 Spezialität: Kartons aus Wellpappe für Elektriker, WeinhUndler, Glasfabriken u. für Tuben, Kartons m. Blechkanteu zum Versand von heiklen und zerbrechlichen Gegenständen, PoBtrollen zum Versand von Oeldruckbildern, Kalendern etc. Apothekerkartonnagen, Lagerkartons aus Holz für Modewarenhäuser sowie alle Tn dieses Fach einschlägigen Artikel. Alle bisherigen Erzeugnisse der Tischler an Preis und Schönheit weit übertreffend. Provlnzautträge promptest. ssssssssssssssssssssssssSSSssssa estaurant Mine ieidner Wien, I., Seilergasse 14—Telephon 1276 Erstklassiges geräumiges Lokal mit allem Komfort der Neuzeit auBgestattet. Anerkannt vorzügliche Küche, Biere aus den renommiertesten Brauereien, Bouteilienweine, sowie Schankweine in jeder Preislage. Champagner, Liköre eto, — Hochzeiten werden auch ausser dem Hause angenommen. — Für Hausfrauen, Pensionen, Institute: Flaschenweine, Bouteillenweine Champagner, Delikatessen Zustellung ins Haus. Alfred Kunstadt Billigste Bezugsquelle für Grutfc* * * - und Grabmonumenfce von 10 fl. aufwärts Prouinzaufträge werden prompt: und eatakt ausgeführb ****** . . . , Lieferant der . . . . . israelitischen Kultusgemeinde . . . . . WIEN II. Bez., Rotensterngassae flr. 27