Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 27 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt Nr. 27 nein1 in diesem -Sinne zn richten. Hierauf teilte mir Herr Tr. L. .Lagan mit. Daf; nach Term turnt mit seinen Lotlegen dieser Vorßchlag an genommen lvorden -ei und buvies mir sei , 40r trauen, indem er einige Familien hierher sandte, welche seht allgemein bedauern, das; sie Vas ^arenland nicht schoir früher oerlassen haben. 'Alls di.se All siild nun schon im lebten Jahre bereit-:' 200 jüdische Auswanderer c\u-: verschiedeneil Drt schäften;)iui;(riuOv hier ange komnien. In Ateralidrieil eri'üiert seit tebleiil Jahr ein „Eomite de Debaranement de.' Inifs" unter der Leitung meine-:' Lollegen Herrn Lrentschmar < Beamter in der Anglotsg. Bank >. Tier in Eairo habe ich ,;u diesem Iweeke eine „Societe de Biensaisanee Israetite Aschkinasi", „Egroß .AA-dlichim" und „Societe de seeonrs mntnel-: de-:' C5rnii\iniUv Inis-:" gegriin det. Durch die büründling der letzteren glalibe ich zu erreichen: l. die notlveiwige lind vorteilhafte Vereiiliglnlg znnichen den Emigranten und 2. Daß sie seiten-: der eiichei'.nischen arabischen Inden liicht als Schnorrer betrachtet wer den, deren Einwandenmg nlan hindern nutf;. Bon Den; 200 angekommenen Allemande re rn, sind iin Laufe des Jahres ungefähr 20 teils nach Argentinien, England, teils nach Rußland znrückgekehrt, ivähreild der .'liest in Alexandrienlind .staiio geblieben ist.- billige der letzten ließen auch bereits ihre Angehörigen hierher Nachkommen. * * * SUcinc Mitteilungen. Für ein gutes I-ortkommen der Auswanderer in den Ländern, nach denen sie sich ivenden, ist es nötig, daß sie möglichst rasch die Landessprache sich, aneignen. Das Bureau hat, um die jüdischen Auswanderer zur Erlernung der Sprache ihrer zukünftigen Heimat anznregen, zwei kurzgefaßte Wörterbücher herausgegeben, das eine Englisch-Iargolt für alle, die nach England, Den englischen Melanien, den Vereinigten'Maateis uliis'öen.' englisch' sprechenden Ländern gehen, das andere Spanifch-Iargon für jene Auswanderer, die Südamerika lArgcntiilien, Cuba ) aufjudjeu. Die Umschlagseiteil enthalten übersichtliche Tabellenüber Schiffspreise, Maße, Münzen und Gewichte. Die Drucklegung wird dieser Tage vollendet. * # * - S o l d ci u, bcu 4. Mai 11)05. Das hiesige Schutzkomitee Des „Hilfsvereines der Deutischen Juden" linterhält seit fünf Monaten eine-Herberge. Die hierzli notivendige Cinrichtimg ist zum; größteir Teil voir deil Mitgliedern der hiesigen Gemeinde geschenkt worden. Cinige Varstandsdamen des hiesigen I-raneiwereines haben bis vor kurzein die Lüche für die Auswanderer besorgt. Seit einigeil Woebeir kochen die Auswanderer selbst für sich. Die Einrichtung hat sich als sehr segensreich beivährt. Viele nnferer ansivatldernden Glaubensgenosse» sind durch das Bestehen, der Herberge vor Ausbeutung und Schädiglmg geschützt ivordeil. Das Erziehuntzslverk der Alliance in Algerien. Algerien, das etwa 00 000 Inden zählt, nimmt int Crziehllngsiverke der Allianee eine ganz besondere Stellung ein. Die jüdischen Linder besuchen hier zn Hunderten die öffentlichen Clementarschlilen. Cs erübrigt sieh also und verbietet sich ( V) aus verschiedenen Gründen, in diesem LanDe besonDere jüdische Este nlentarschlilen zn errichten. lDie Hauptfrage ist: Habeil die jüdischen sbindcn in den allgemeinen Elementarschulen anl ^abbat uttD an jüdischen Feiertagen frei oder nicht; int lebten Ialle lverden sie systelnatisch dazli erzogen, dm Sabbat als Wochentag zn betrachten. A'ur die Gründung jüdischer Sehlilen ist Das einzig wichtige, tveiiil die jüdischeil Schüler am Sabbat unD an jüdischen Feiertagen uoui Unterrichte nicht dispensiert sind. Das gilt nicht mir von Algier. Wo der Dispens besteht, müssen die jüdischen Eltern auch davon (Gebrauch machen; leider geschieht dies sehr lvenig, ein Punkt, lvo Wabbiner und jiidische Lehrer mit aller Energie und dlirch eigenes Beispiel, iildem sie ihre Lin der anl Sabbat nicht iil die Schule schicken,Besserung erstreben sollten, w'ed. > Da der A'eli gionslniterrieht jedoch iil den öffentlichen Sehlilen fehlt nild, lvie bei einer Enquete in den Jahren 1S0S und l0!>!) festgestellt lvurde, der lvirtschastliche Io rt schritt sehr unbefriedigend war, so sah man sieh der doppelten Ausgabe gegenüber, die junge Gawraiion durch besondere w'eligionsknrse dem Judentum zgi erhalten nnd ilir durch I-örderimg des bereits beüehmden Lehrliiigslverkes neue Eriverbs'.oege zu erschließen. Die Bcittel zu diesen Unternehmlingen, die zunächst iil Algier lind Eonstantiire in Angriff genommeil nutibeu, lverden ausschließlich von den französischeil Juden aufgebracht. Die Aufwendungen überschreiten bereits 10 000 Iranes jährlich, doch lvären wenigstens iOOOOO Iran es jährlich nölig, mn die Existenz der Institute zu sichern, deren hohe A'iitzlichkeit eilieh von der ch'egiernng anerkannt lvird. Der Antisemitismus, der in Algerieil bekanntlich vor eiiligen Jahren zu einem heftigen Alisbrliehe gekommen ist, kann auf keine bessere lind lvirksamere Weise bekämpft werden. Herr Nahon, der Direktor der im! Jahre l000 gegründeten Schule in Algier, die Über 0OO Linder, Luabeu und Mädchen, zählt, gibt über das lebte Schlilsahr eilten Bericht, ans dem eiilige Stellen von allgemeinem Interesse heworgehoben seien. Der hebräische Ullterricht lvlirde in diesenl Jahre dlirch die Einführlnlg der direkteil Bcethode vervollkommnet. Man gewöhnt die Schüler, so lveit ivie nur irgend möglich, anschnelle Erfassung und Anwendung der heiligen Sprache. Die Befehle der Lehrer, die Datierung, die Strmdenpläne werdenin den oberen Llassen nild zmn Teile selbst in Den untereil Abteilungen hebräisch gegeben. Dlirch Lonversationsübliugen gelangen die Liilder allijlählich dazu, sich hebräisch aliszndrücken. Oierade desivegen, Iveil das Hebräische keine iil volleiil Sinne lebende Sprache ist uiib in A'ord- Äfrika anr allerwenigsten Aussicht hat, es zu "Herden, sehen oie Linder darin leicht eineil aus stereotypen Iormeln zlisainmengesetzten Lehrstoff. Die direkte Methode erweckte bei ihnen lebhafte Ueberraschrmg. Es erschien ihileil ivirklich als eine Unterhaltung, sich hebräisch zu unterhalten, nild sie wurden stolz Darauf, die altehrwürdigen, freiildartigen Worte arich im gelvöhillichen^ Umgang anlveuden nnd nach eigener Wahl konlbiilieren zu köilneil. Je leichter sie null die Terte verstehen unD sich aileigilen koililten, deüp größer lvurde ihr Interesse am Stlidilinr der Bibel unD des Gebetbuches. Auf Dem Gebiete der Lehrlingsausbildung arbeitet iil Algier feit langem der Vereiir „Le Travaii". Die Allianee widmet ihrn eine beträchtliche Subvention. Die Ausbildlillg von tveibliehen Lehrlingenlvurde jedoch erst voll t-er Allianee begoliilen. Werkstätteil für Wäschenähen, Strickerei und Sehireiderei ivurden geschaffen! unD habenglückliche Erfolge gezeitigt. In Eonstailtine lvar überhaupt noch alles .zu tnil. Jul Jahre 1!)()-! hatte die Allianee daschbst 27 Lehrlinge uilter ihrem Schlitze: 14 Tischler, l l Sehiiliede, l Sattler, l Photographeil, > Steinmetz. Iür die Btadehe-ie lvurden zwei Werkstätten sür Schileiderei und für Wäseheilähen eröffilet. Ein- Zeichen des neue» (Geistes ist die im Ial>re l!)04 zu Algier ge gründete „Vereinigmlg sür gegenseitige Unter - stützung" lLa I-raternelle i. Sie bekeilnpst al>f mehr direktem Wege das all eiitgelvurzelte BettlerliiNvesen. Es iü zli wünschen, daß die Dpserivilligkeit der sranzösische» Juden die Allianee bald in die Lage bringe, ihr Werk alich auf andere größere t^emeinDen, lvie Dran <>l>it über 1-0 000 Seelen > und Tlemeen (mit 5000 Seelen > auszndehnen. Uns lvurde es iilterefsieren, lvie es mit der Beobachtung der .A'eligionsgesetze seitens der vonder Allianee protegierte» Schulen, Hand lverkssrhulen, Lehrer, Handlverker nsw. stel)t. Dariiber liest man nie etwas in dem Be richte. Da die Alliailee nnr ein ))ieligiolis. kein A'ationaljndentlmii kennt, sollte die religiöse Betätigling iit der Berichkerstattliilg eine lvi.h tige Stelle einiiehmen. (Fortsehling alls de»l Hatlptblaiie.) MM Der er sic jüdische Dozent in Nnszland. Der TottSlvirt ,z. .glltischer wurde zum Privatdozeilteu der Pet-ercvnraer Uiiiucnitat cntanitt. Es gesell re i,! ,;u>» erslen Male, dasei» Jude au einer russischen tlniversilat als Dozent lvirien kanll. Tie Enkelin des Nabbincrs Dr. Ehorin getauft. Vorigen BOttivoch führte das jüdische Mitglied des ungarischen Magnatenhalises Dr. Ilanz E h o r i n seine Tochter in Blidapest zur Tause, die bald darauf mit dein arischen Aduol'ateu. Dr. H e i n r i rl) in derselben- Lärche ein E'bebüildilis schloß. Dr. Ehorin, der ein einstußleiltle: üA'itglied der neologen Drg-anisation Ungarns iü, bekleidet auch sonst eine 'gan.ze Lln',ahl Ehrenämter rein- „jüdischen" Eharattrrs. Wie eriniwrlich, war vor eiiliger fteit das tLerächt verbreitet, Dr. Ehorin selbst habe sich getauft. Das <s>eiitd)t wurde damals dementiert, aber es scheint ilirht gail-z ohne türimdlage geivese» zu sein. Die Iailrilie „Heinrich" hat sich schließlich mit der Taufe des I-ranleins begnügt, die eine Eirkelin des Vorkr'mnsers der Aeologie in Ungarn, des verftoi Oeren Ara der Dberrabbiners Dr. Aron E h o r i n, ist. Besondere Maßregeln gegen die Einwanderung der Itrdert. Der Munizipalerlas; des Lonntates 2A a r m a r o s i Ungarng hat jüngst dei" Beschluß gefasst, in dem Oirenzo-rte L ö v ö s - stA' c z ö eineigenes Stuhlrichterailrt ins Leben zri ntfen alis sch ließ lieh zli dem fttvecke, mir. die E i ir lv a li d e r n il g v o n g a l i z i s ch e n I li d e il z n v e r h i il d e x n. Die ch'egierling hat die Lostendes n-elie-n Amtes schon be-rvilligt. Attentat auf das tliabbinerseminar in Budapest. Der Mddlmg eines nirgarischeit Blatte-: zufolge ist dieser Tage irr einem Hörsaale des Bndapester Ülabbiiierseminars voll glisivärts eilis einem! ch'evolver. eine Lugel, eilige sei re rt ivordeil, ohne jedoch jentanden zu treffen. Die Seminarleitmig.wollte die Sache verheimlichen! und habe daher feine Anzeige erstattet. Die Angelegenheit soll damit in Verbindliii'g stehen, daß die Seminarzöglinge darüber erbittert sind, daß der Profesforent'örper einem .Landidaten, der seine Stlidien im Anstand absolviert hatte, ein. Rabbiilerdiptom geben tvollte, wodurch ihnen niibefligte .Lonknrrenz gemacht würde. Die BetNätigmig dieser Meldung ist noch -ab.znlvarten. Bv,n Nabbiner zum Pastor — da-s ist ge-,vis; -ine seltene Larrierc. Jir Odessa starb der ehemalaae Pastor der TrtnitatiS-Lirche zn Mitan, ))!»- dvlf Eermoiln «L n r l a n d. Gn-rland war als Lotzn eines Ükabbiners im Jahre i1 geboren und nur de, nachdem er sich mit grotzem Eifer dem Talmndslndiniu gewidmet nnd ein Aabbiner-Leininor absolviert hatte, im gahre 1W0 selbst Ntabbiner in Wolvsin. Es ivar eine Beit, in ivelcher aus r-restenropa eingedrnng-ene sreigeistige Ideen die Paalaiip der jüdischen Orthodoxie in Üilisgaud zn durchbrechen begannen. Obivohl min Glirlmid selbst streng orthodox ivar, suchte er doch einen Ausgleich zivischeu der orthodoxen und der liberalen ))i'ic()(umt des jüdischen Glaubens herbeizutnhren und legte, als seine Benrühnngen lläglich scheiterten, im Jahre N>57 sreiivillig sein Amt nieder, um sich ansschliesilich literarischer Tätigkeit zn lvidmen. pl'achträglich noch irmrde er in seinem <Pa»be» ivantend und schivan-lend und alS er im Ia!>re U-aa in .gjschenem init dem Iiidennrissivnär Ialtiii bekannt geworden ivar, ivar von feinem Judentum nur noch so lvellig vorhanden, das; seinem tteberkcitt zur chrisUichen tlieligio» kaum noch etn aS im r>tzege stand. Er lies; sich im Bahre Mi kl tanfen lind trat dann in daS Berliner MissionSsem-inar ein. 'ötachdem er hier 0-t>7 ordiniert ivorben ivar, wurde er Pasior-Adjnnlt in Lischeuem, ivv er bis IN71 verblieb. Er ging da»» als I-ndenmissionär nach Lnrlaird und ivnrde süns Jahre Iv-äter als NUnhsolger 'Leanders znm Prediger an der Drinilatis-.uirche zu Mita» gemählt. Hier jvirlle er zivanzig Ialue lang und machte sich in> Laufe der Heit s-ethst seine erbütertslen Gegner, die;tni als Eindringling lo'lracl>teten und es anfangs lucht venviiide n ton »len, das; an der Spitze der erslen Gemeinde des Landes ein ehemaliger iüab bittev stand, wenn nicht z» I-reii»den, so doch zn ansrictztigen LOeivunderern. Dabei ivcrr <e>,,rland dem L-lolte, ans dem er ln-roorgegangen ivar, in der Seele treu geblieben lin-d die Leide» seiner etzerlmkigen islanbeiiSgenossen ersüllten ihn mit lneser Sclnoermnt. Bzcszow. Bnm erslen Atate bet-eUigten sich die B.ioiiisle» bei de» .L»llnsivalile». Die Ehnssidim lärnpsien mit alle» Mitteln gegen die neue Partei, aber vergebens. Geivälilt m-nrde der L-ivinsl Israel Lohn mit Stimmeti. Beilage zur nächsten Uammerr »Kynagoge, Kchale und Haus".