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Jüdisches Volksblatt · 1905-07-07 · 27 (7.7.1905) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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f... ■■ " " -1 Redaktion: IX/1, Servitengassr 4. Telephon Nr. 14733. Vprechfivnben r An Wochentagen von 4 bis 6 Uhr nachm. Postadresse: Jüdisches Volksblatt. Wien. IX>>. Erscheint jeden Freilag. Sizenimkr mt Kr«»rz. f i Administration: IX/l, Srroitengaste 1. Telephon Nr. 14733. Abonnements « PreiSr Sttchmeraen wegen verspäteier oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. — ManutKript« «WO«« nicht zttrSekACitdit. Postsparkassen-Konto 847037. In das Abonnement kann man täglich eintreten. 1 ä Inserate vb-rnehmen di« firmen: M. vuker Nachs., kjaasenstein Sc Vogler, Rudolf Masse, M. pozfonqt» fl. Schale! in Wien, ferner alle Annoncen- Expeditionen im flurlande. Einzel - Nummer in Wien SV Heller. , Für Wien u. Oesterreich- Ungar« s. Frankozust-llung: Halb^Ug '. '. L *o!- Bierteljährig . . .K 8- 1 Für daS gesamte AuSlanb samt Franlozustellung: Ganzjährig . . . K 13.66 Halbjährig . * . K 0.33 «ierteljährig . . . 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Haß, besonders der häßlichste, verabscheuungswürdigste seiner Art, da er der unberechtigteste ist, der Rassenhaß, Unduldsamkeit, Undank,. sollten ferngehalten werden von der Stätte, die allgemeiner Menschenliebe und dem Streben t nach Wahrheit geweiht ist. Von Geistern, die auf ben sonnigen Höhen menschlicher Erkenntnis schreiten, gilt noch heute: Odi profanum vulgus. Um so Mehr muß es einen wundevnehmen, daß Universitätsprofessoren, Männer der Wissenschaft, deren ganzes Leben der Erforschung des Wahren und Guten gewidmet ist, von glühendstem Judenhaß erfüllt sind. Männer, welche die höchsten Lehrstellen bekleiden, Bildner und Erzieher der studentischen Jugend, Lehrer der zukünftigen Aerzte, Advokaten, Richter, Professoren, Vorstände von Kliniken, an die sich hilfeflehend die Menschen ohne Unterschied der Nationalität und Kon- Feuilleton. Quäker und Juden in England. Aus London wird geschrieben: In einem von.Henriqnes, dem berühmten jüdischeuRechtsgelehrten, verfaßten Buch über die „Rückkehr der Juden nach England" (Duckworth) findet Man die Bemerkung, daß in vielen vom Parlamente zur Zeit des Stuartkönigs Karls des Zweiten erlassenen, Gesetzen, gegen bie. Noukonfirmisten Juden und Quäker auf die gleiche Stufe gestellt wurden. Das mag überraschen, ist aber begreiflich, wenn, man die religiösen Strömungen, in der Mitte des 17. Jahrhunderts auch nur oberflächlich kennt. Die Juden und Quäker waren vor dem Gesetze Dissidenten, gehörten aber nicht zu den Puritanern, deren Häuptling Cromwell die Anglikaner, d. h. die Anhänjger dev Staatskirche, perfolgt hatte. Auf der anderen, Seite war Karl der Zweite nur dem Namen nach das Haupt der anglikanischen Kirche; denn er hat sich auf dem, Totenbette zur katholischen, Kirche bekannt, der er im geheimen Wohl immer angehörte, während sein Bruder und .Nachfolger Jakob dev Zweite öffentlich die Katholiken begünlstigte und aus seiner Zugehörigkeit zuv katholischen Kirche kein Hehl machte, tvas ihm schließlich die Krone kostete. Nicht zum geringsten Teile hatten es die Quäker und Juden diesem Umstande — dem fession wenden, bei denen sie Rettung von ihren Leiden hoffen, zu denen sie mit größtem Zutrauen erfüllt sind, — die offenbaren sich als Antisemiten, die keinen Juden neben sich dulden wollen, auch wenn er seinen Platz nach Recht und Gebühr verdient. Geben diese Tatsachen nicht zu den schrecklichsten Erwägungen Anlaß? Daß im Prager allgemeinen Krankenhause nicht alles in Ordnung zu sein scheint, hat man erst vor kurzem bei dem Wechsel des Direktors! erfahren. Daß aber unter anderen daselbst die Juden in so unerhörter Weise zurückgesetzt werden, hat niemand in der Oeffentlichkeit geahnt. Erst die Entlassung eines Arztes, der durch einige Jahre auf einen.Assistentenposten gewartet hat, kurz vor Besetzung dieser Stelle, hat die Sache zum äußersten gebracht. Es fand eine Versammlung der Krankenhausärzte statt, in der beschlossen wurde, nachstehende Petition an die Prager Kultusgemeinde-Repräsentanz zu richten: ■ . An Mo löbliche , Jsr. Knltusgenreinderepräfentanz Prag! Da die gegenwärtigen Verhältnisse den Gedanken an einen Neubau eines isr. Krankenhauses in Prag in absehbarer Zeit nahelegen, so gestatten sich die Unterzeichneten Aerzte, folgende Anregungen im Interesse des gesamten jüdischen Aerztestandes wie nicht minder im Interesse des jüdischen Publikums der löblichen israelitischen Kultnsgemeinde zu ,unterbreiten. Die Zustände im allgemeinen Krankenhanse haben sich unter deutschrmtronalem Einfluß im letzten. Jahrzehnt Mr die Ausbildung der jüdi- Katholizismus der letzten Stuarts — zu verdanken, daß sie trotz vieler beinahe greifbarer Gegensätze im Glauben und in kirchlicher Gliederung vom Gesetz auf die gleiche Stufe gestellt und gleich behandelt — genauer mißhandelt worden sind. Die Strafgesetze gegen die Quäker wurden im Jahre 1812 abgeschafft, aber die Juden haben bis gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf die politische Gleichstellung mit. den, anderen britischen, Staatsbürgern warten müssen, weil man in ihnen Fremdlinge und Nichtchristen sah, die sich im Gegensätze zu deu englischen, Untertanen befanden. Daß schon im 17. Jahrhundert die Juden als „undesirable aliens" angesehen wurden, weil die Kaufleute Londons deren Wettbewerb fürchteten, geht aus einer Eingabe des Lordmayor und des Aldermen der City of London hervor, die sich iibev „heuschreckenartige Ueberschwemmung Londons durch Fremdlinge, Juden und Christen", beklagen, „als ob das Gebiet des Königs eine Jauchegrube wäre, in die sich die menschlichen Abzugskanäle leeren, zur Plage der Untertanen Sr. Majestät". Tatsächlich gehörten« Juden, und Quäker zu den Ruhigen im Lande. Ihrem Gewerbefleiß, ihrer Nüchternheit, ihrer Ehrlichkeit und der Gewissenhaftigkeit, mit der Quäker und Juden ihren Geschäften nachgingen, ohne sich um die politischen Zänkereien zu fiimmiern, haben sie es zu verdanken, daß sie, die in Vorzeiten« grausam Verfolgten, in unseren Tagen zu großem politischen Einfluß und zur Macht gelangt sind, die nicht allein ihrem Reichtum zugeschrieben scheu Aerzte derart ungünstig, gestaltet, daß ihnen allmählich eine Klinik nach der anderen versperrt wird. Seit dem Jahre 1895, in welchem Herr Professor Anton Woelfler die Leitung der deutschen chirurgischen Klinik übernahm, gelang es keinem Juden, eine der vier Assistentenstellen zu erlangen, und jetzt, wo es sich um die Besetzung der vierten Asststentenstelle Handelt, wird dieselbe vakant gelassen, da kein geeigneter arischer Bewerber vorhanden ist, wohl aber chirurgisch gut ausg-ebi'ldete israelitische Operationszöglinge. Während der Abfassung dieser Zeilen erfahren wir, daß ans der chirurgischen Klinik eine bewährte jüdische Kraft, die durch dreieinhalb Jahre als Operationseleve sowohl in wissenschaftlicher als auch praktischer Richtung sich glänzend bewährt hatte, kurzerhand entlassen wurde; man ist allgemein gespannt, welchem neuen arischen Sterne damit der Weg zuw vierten Assistenten gebahnt wurde. Besonders kratz aber sind die Verhältnisse an anderen Kliniken, unter denen in erster Reihe die interne Klinik des Herrn Professor Jaksch und die Ohnenklinik des Herrn Professor Zanfak zu nennen sind. An der Klinik v. Jaksch ist der antisemitische Einfluß so mächtig geworden, daß nicht bloß seit einem Jahrzehnt kein jüdischer Assistent angestellt wurde, sondern auch seit mehreren Jahren kein E x t e r n a r z t die Möglichkeit einer Ausbildung in diesem wichtigen Fache der ärztlichen W i s s e nschaft genießen ko n n t e. Dasselbe gilt von der Klinik Zausal, seitdem der Chef, durch eine langwierige Krankheit an der Leitung der Klinik verhindert, diese dem Dozenten Piffel übertragen mußte. Tatsächlich mutzten von dem Zeitpunkt an, wo der Dozent die Führung der Klinik übernahm, sowohl der jüdische Assistent als auch der jüdische «Externarzt die Klinik verlassen. Seither ist den Juden die spezialistische AnKbilöttttg in Ohren- und Nasenheilkunde in Prag unmöglich. werden kann. Weder Juden noch Quäker sind in England— Schottland fällt für beide außer Betracht — sehr zahlreich. Die Juden in Großbritannien zählen dem Jüdischen Jahrbuche zufolge etwa 180 000 Seelen, die Quäker gar nur wenig über 18 000. Und doch haben beide Religionsgemeinschaften auf den Gang der englischen Politik einen Eiw fluß ausgeübt, der mit ihrer Mitgliederzahl in keinem Verhältnisse steht. Seit der völligen Gleichberechtigung der Juden im Jahre 1868 sind sie im Oberhaus und im Untcrhause vertreten. Unter 'den Staatsmännern jüdischen Ursprunges steht der Earl of Beaconsfield, der als Benjamin Disraeli im der Zeitgeschichte besser bekannt ist, obenan. Freilich war er ein getaufter Jude. Und unter den Gesetzgebern verdienen Lord Rothschild und Baron Henry de Worms, unter den Rechtsgelehrten der Richter Sir George Jessel hervorgehoben zu werden. Der politische Einfluß der Quäker war wohl am größten zur Zeit der zweiten Verwaltung des Herni! Gladstone zwischen 1880 und 1886, als er den großen Redner John Bright und den Sohn eines Quäkerpredigers W. E. Förster in seinem engeren Ministerium Hatte. Im Unterhause selbst saßen genau zwanzig Abgeordnete, die wirkliche Mitglieder der Quäkergemeinde oder doch Söhne von Quäkern waren. Seither hat der politische Einfluß dieser christlichen Mystiker entschieden abgenommen, nicht zum Nachteil Englands, das Gefahr lief, zu „verquäkern", d. h. in der Anhäufung von Reichtümern und beschaulicher Selbstsucht das

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