Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 26 Cz ernowi tz, 26. Juni 1906. Löbliche Redaktion! MerkwüMigerweise zeigt Ihr geschätztes Blatt, das doch jedenfalls ein „Privatunternehnnn" ist, mehr Interesse für die Verhandlungen des Vierten österreichischen Zionistentages in Prag, als unser Zentralorgan „Die Welt", für dessen Erhaltung unsere Partei genug materielle und moralische Opfer leistet. Während Ihr geschätztes Blatt den Parteitag für wichtig genug erachtete, mm einen eigenen Berichterstatter dorthin zu entsenden, wodurch Sie in der Lage waren, schon in der Nummer vom 16. Juni einen genug ausführlichen Bericht über die Verhandlungen des ersten! Tages (12. Juni» und in der vorwöchentlichen Nummer von 23. Juni über die des zweiten Berhandlungstages den geehrten Lesern Ihres Blattes zu bieten, machte sich es die „Welt" bequem und gab uns erst in ihrer Nummer vom 23. Juni den „Anfang" der Verhandlun>- gen mit der vertröstenden! Zusage, daß die „Fortsetzung folgt". Dieses Ihr Interesse für die Verhandlungen des gedachten Parteitages und dessen' „Beschlüsse" veranlassen ntich, einiges richtigzustellen, was Ihr geehrter Berichtmtatter, höchstwahrscheinlich aus Versehen, nicht genau wiedergegeben hat. Ich bin der Ueberzeugung, daß Sie diesen meinen Richtigstellungen, welche den Tatsachen und gefaßten Beschlüssen! genau entsprechen, um, so eher Raum geben werden, als es sich doch Ihnen um eine p r ä z i s e Wiedergabe der Beschlüsse handelt. Zunächst! der für uns und unseren Nationalfands so sehr wichtige Beschluß betreffs der sogenannten „Prozente", d. i. dev prozentuellen Abzüge für die „Welt", die Kolonialbank und die NationalfondÄommission. Diese „Frage", welche von mir aufgerollt wurde, führte zu dem einstimmigen Beschlüsse, 1. daß die „Welt" keine wie immer geartete „Vergütung" für die Veröffentlichung der Spendenausweise zu bekommen! habe, auch nicht irgend welche „Deckung" seitens der Partei für erwachsene Kosten, und dies aus dem Grunde, weil die „Welt" als Parteiorganverpflichtet ist, alles, was zur Förderung und Stärkung der Parteiintoressen dient, zu veröffentlichen. Die Spendenausweise für den Nationalfonds dienen aber nicht nur den Interessen dev zionistischen Partei als solcher, vielmehr bildet diese „Rubrik" bekanntermlaßen einen die zionistischen Leser der „Welt" am meisten interessierenden „Lesestoff", wodurch die „Welt" an.Abonnenten gewinnt. Für dieses Attraktionsmittel aber, welches der Nationalfondsder „Welt" bietet, von demselben oder selbst von der Partei irgend welche Bezahlung zu beanspruchen, ist nichts weniger als recht und billig. 2. Auch die sogenannten „Verwaltungsgebühren" für die Kolonialbank haben keine rechtliche Grundlage. Abgesehen davon, daß unser e Kolonialbank eigentlich die moralische Pflicht hätte, unsere Nationalfondsgelder in Perwahrung zu nehmen — und nur darin besteht gegenwärtig die eigentliche Verwaltung des NatianalfoNds — wird bekanntlich bei allen großen Geldinstituten eine Verwahvungs- oder Depotgebühr 1%,,, (eins pro Mille) oder V^°/oo (einhalb pro Mille) und eventuell noch weniger, je nach der Höhe der in Verwahrung genommenen Summe, eingehoben, während der Kolonialbank eine Provision von fünf Prozent geleistet wird. Es könnte aber außerdem die K'olonialbank die Beträge des Nationalfonds für ihre geschäftliche Tätigkeit verwenden, wonach dieser aus unseren Geldern ein geschäftsmäßiger Gewinn erwüchse. In diesem Falle wird genwiiriglich, gar keine Verwaltungsgebühr von dem Einleger — in unserem Falle der Nationalfonds — entrichtet, und dementsprechend beschloß auch der Parteitag, der Kolonialban'k keine wie immer gearteten „Abzüge" zu gestatten. 3. Ganz anders verhält es sich mit der Rationalfondskoimniffion, deren! segensreiche Tätigkeit alle Delegiertenin Anerkennung wiirdigten. Diese braucht Geld, lim wirken zu können. Aber auch ihre Bedürfnisse — so wurde in Würdigung des heiligen Zweckes unseres Natimmlfonds beschlossen — sollen nicht von den Mitteln des Nationalfonds, sondern von der Partei gedeckt werden,. Also nicht die Kästen, die der „Welt" und der Kolonialbank eventuell erwachsen, wie es irrtümlich in Ihrem Berichte heißt, sondern die Kosten der Nationalfondskommission solle,: von der Partei gedeckt werden! Die „Welt" und die K'olonialbank hingegenhaben auf eine sogenannte Vergütung keinen Anspruch, da ihnen einerseits als zionistische Organe die Pflicht obliegt, in, ihrer Weise für das Wohl und zum> Nutzen! der Partei zu „wirken", andrerseits sie aber dabei auch ihr „Geschäft" machen. Auch die Beschlüsse betreffs der Teilnahme an dem Zionistcntage (dritte These a) und b) sowie an der im Monat Oktober oder November stattzufindenden Landeskonferenz -behufs endgültiger Beschlußfassung über das detaillierte Organisationsstatut bedarf einer Korrektur. Es soll nämlich heißen — laut meinem Anträge, der einstimmig angenommen wurde — an beiden Stellen: „Mit Sitz und Stimme: Die Mitglieder des L.-K., je drei Delegierte (die nicht gerade Mitglieder sein müssen) der D.-Ks. und die österreichischen! Mitglieder des A.-K." Löbel Taubes. Vermischte Nachrichten. Ans der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 25. Juni 1905, unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Im Einlause befindet sich ein Dankschreiben des Kultus Vorstehers Dr. Isidor Schnabl für die ihm anläßlich des Ablebens seines Vaters ausgedrückte Teilnahme des Kultusvorstandes,' ferner eine Zuschrift des Statthalters mit der Mitteilung, daß der Knltnsvorsteher Herr Dr. Markus Spitzer neuerlich zum Mitgliede des Bezirksschulrates für die kommende Funktionsperiode ernannt wurde. An folgende Bethansvereine werden Subventionen bewilligt: „Achdns Israel", Tempelverern Josefstadt, Bethausverein Am Volkert, Bethausverein 2. Bez., Hammerpurgstallgasse, Bethausverein „Talmud Thora". Anläßlich der Beratung über das Subventionsgesuch eines der obgenannten Bethansvereine wird die schmierige Lage hervorgehoben, in welche Bethausverein, e, die schon längere Zeit bestehen, durch die Errichtung neuer, teilweise auch von der Kultusgemeinde nicht genehmigter Bethanslokale versetzt werden. Das Vertreterkollegium wird beauftragt, über diese Angelegenheit Erhebungen zu pflegen, eventuell Anträge zu stellen. Bewilligt werden weiters: Der Kultusgemeinde Mödling ein Beitrag zur Verköstigung der jüdischen Sträflinge in Wr.- Neudorf während der Feiertage. Der Israel. Kinöerbewahranstalt anläßlich der lieber nähme des Vrigittenauer Kindergartens in ihre Verwaltung ein Aüaptierungsbeitrag. Das Ignaz Blumen feld sch e Stipendium per zirka .1900 Kronen wird dem vom Inrorenkolleginm primo loco vorgeschlagenen Maler Alfred Institz verliehen. Dem von den Juroren secundo loco in 'Vorschlag gebrachten Bewerber wurde mit Rücksicht auf seine Qualifikation im Wege einer Sammlung unter einigen Vorstandsmitgliedern eine Gratiale von X 500.— Anerkannt. Bezüglich der Bewilligung von Haustrannngen werden prinzipielle Beschlüsse gefaßt. Ms Ehrendame des L. D. Königsbergschen Mädchen-Erziehungs-Jnstitutes wird über Vorschlag des Kuratoriums dieses Institutes Frau Pauline K a u d e r s berufen. Die an den „Verein zur Hebung dev Gewerbe" hinauszugebende! Erledigung feiner Eingabe, betreffend die Vergebung von Arbeiten seitens der Kultusgemeinde, wird genehmigt. Rach Erledigung von Personalien,wird die Sitzung um 1 Uhr Mittags geschlossen. Kaiser Franz Josefs-Ferienheim. In der abgelaufenen Woche hat der Verein „Ferienheim" seine ersten diesjährigen Kolonien expediert. Nach dem I odbade Hall wurden zu sechs wöchentlichem Kuraufenthalte zwölf mit schwerer Skrofulöse behaftete Mädchen entsendet, während IW Kinder in das „Kaiser Franz Joses-Ferienheim" nach Tischno witz abgegangen sind. Es sind dies teils rekonvaleszente, teils mit Herz- oder LungenasfMiv^- nen behaftete Kinder, die ihres Gesundheitszustandes wegen schon jetzt vom Schulbesuche befreit wurden und nun in der frischen, würzigen Luft, bei kräftiger Kost und unter fürsorglicher Pflege Genesung oder doch Linderung ihrer Leiden finden sollen. Insgesamt wird der Verein „Ferienheim" in diesem Jahre 660 Kinder in Heilbäder und Kolonien entsenden. Eine seltene Ehrung wurde der Präsidentin und Begründerin dieser eminent segensreich wirkenden Institution, Frau Sofie Grünfeld, beim Beginn des diesjährigen Kolonienbetriebes von Seite der Vorstandsmitglieder ihres Vereines zuteil, indem die letzteren ans eiö'cncti, Mitteln eine „Sofie Grünseld-Midmung" ins Leben riefen. Das Widmungskapitak wurde von der Wiener israelitischen Knltnsgemeinde in Verwahrung und Verwaltung übernommen und bat die Bestimmung, daß, ans dem Erträgnis nach Maßgabe desselben für immerwährende Zetter: alljährlich ein oder mehrere Kinder in das „Kaiser Franz Iosefs-Ferienlieim" entsendet werden. Das VvrMagsrecht für die „Sofie Grünfeld-Midmungsplätze" ist der verdienstvollen Präsidentin und, falls diese das Recht nicht mehr ausüben könnte oder wollte, deren Kindern znerkannt. Das Widttmugs-Promemoria nebst einer die unvergänglichen Verdienste um den Verein „Ferienheim" würdigenden Adresse wurde der Präsidentin Frau Sofie Grünfeld vom Vereinsvorstande korporativ überreicht. Eine jüdische Kantorenschnle für Oesterreich- Ungarn. Wie die,/Oesterr.-niigar. Kantorcnztg." meldet, wurde in einer jüngst stattgehabten Vorstandssitzung des Oest.-nng. Kantorenvereines das Vereinspräsidium ersucht, in der nächsten Vorstandssitzung ein Programm für die geplante Kantorenschule vorznlegen, und weiters, die Kantoren der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie zu einer gemeinschaftlichen Beratung einznladen, um ein einheitliches Vorgehen zur Wahrung der gemeinschaftlichen Interessen zu erzielen. Als Beratungsort wurde diesmal Budapest in Aussicht genommen, jedoch soll vorher diesbezüglich noch ein Einvernehmen mit den hervorragendsten Kollegen Ungarns und der gesamten Monarchie gepflogen werden. MT Allen Reisenden bestens empfohlen! Hotel Hordwesfbahn WIEN, II. 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