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Jüdisches Volksblatt · 1905-06-23 · 25 (23.6.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
25 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr, 25 der Partei das Recht erworben, haben, mitzureden: Sie mögen sich an die Spitze stellen und diese Schmach so bald wie Möglich austilgen. Die Studentenschaft — 80—40 Korporationen mit tausenden von Mitgliedern, alle zionistischen Akademiker in der Provinz — stehen wie c i n Mann hinter ihnen. Man hat den Alten Herren des öfteren und am Parteitage wieder vorgeworfen, daß sie untätig sind. Ich will nicht untersuchen, ob man mit diesein Borwurfe recht hat. Ich weiß, die Alten Herren haben sich infolge der Verhältnisse zurückgezogen als stille Beobachter, sie haben bis jetzt geschwiegen, sie konnten schweigen, weil man ihre Prinzipien nicht angetastet hat. Jetzt aber schweigen, jetzt nicht einschreiten, auch jetzt sich darauf beschränken, beim Kaffeehaustisch darüber zu debattieren, Witze zu machen oder gar die Achseln zu zucken, wäre das strafbarste Verbrechen an der Partei, das hieße mit eigener Hand das niederreißen, was man selbst gebaut hat, wofür man seine schönsten Jahre gekämpft hat, das heißt aber auch unseren gesamten Nachwuchs preisgeben. K e ine Proteste, sondern handeln! Wie, das ist mir selbst nicht klar. Vielleicht daß das L.-W. bewogen wird, die Mandate niederzulegen. Wenn das alte wiedergewählt ist — auch das ist mir unbekannt dank der Berichterstattung unserer Parteiblätter — so wird es ja diesen Schritt sicherlich tun, um einen neuen Parteitag herbeizu führen. Aber unbedingt muß in der kürzesten Zeit ein neuer Parteitag einberufen werden, sei es in Wien, in Krakau oder sonstwo. Und dann werden wir den 12. rmd 13. Juni aus unserer Geschichte austilgen und diese falschen Propheten, diese Schmach für den österreichischen Zionismus aus der Partei hinausjagen, hinauspeitschen und uns reinigen! Nur handelt, handelt! O. I. C z e r n o w i tz, 19. Juni 190.}. Löbliche Redaktion! Mein Begehren, gegen die Behauptungen des Gg. Herrn Dr. Zweig, wonach „die Aktion betreffs der südgalizischen Orte bloß eine persönliche des Löbel Taubes war" ufw., das „Wort" zu einer tatsächlichen Berichtigung zu erlangen, wurde mir vorn verchrlichen Präsidium, aus mir unbekannten Motiven nicht gewährt. Ich ersuche sonach die löbliche Redaktion, mir auf diesem Wege die Richtigstellung der Tatsache zu ermöglichen, wofür ich Ihnen im voraus danke. Es ist nicht richtig, daß die Aktion betreffs Angliederung einiger dem südgalizischen Distrikt (Stanislau) zugewiesenen Vereine an den Bukowinaer Distrikt meine p e r s ö n l i ch e war, richtig ist vielmehr, daß die D e l e g i e rt e n einiger von Stanislau räumlich ferngelegenen Vereine, die aber sonst mit Czernowitz in regem kommerziellem Verkehre stehen und auch sonst Agitationsredner sttzts von dort holen, bei einem Vertrauensmännertag in Kolomea die formelle Angliederung an den Bukowinaer Distrikt, als ihren Vereinsinteressen entsprechend, forderten. Es ist sonach auch unrichtig, daß diese Orte selbst sich gegen einen solchen Anschluß ausgesprochen haben, da, wie erwähnt, sie dies selbst gefordert hatten, richtig aber ist es, daß das Landeskomitee sich diesbezüglich an die betreffenden Orte gar nicht gewendet, sondern beim Distriktskomitee in Stanislau, also dem gegeninteressierten, Anfrage gehalten hat, welches natürlich gegen die Verkürzung seiner Machtsphäre, also gegen die Angliederung an Czernowitz lvar. Im übrigen hat auch das A.-C.-Mitglied Herr Dr. Kahn am Parteitag offen erklärt, daß das Verhalten des Landeskomitees in dieser Frage kein gerechtes ivar, ber eine „gezwungene Ehe" nicht segenbringend sein kann. Ich will noch konstatieren, daß im Jahre 1908, in welchem die bezüglichen Vereine den obzitierten Beschluß gefaßt, die Vereine in Kolomea trotz Widerspruches des Landeskomitees den Schekel konsequent nach Czernowitz geschickt haben. Löbel Taubes. Vermischte Nachrichten. Baron Nathaniel Rothschild. Das Leichenbegängnis des verstorbenen Barons 9t o t h - schild fand unter geradezu imposanter Bete kl igullg der Höchsten Kreise der Finanzwelt und der politischen Gesellschaft statt. Baron Rothnhild hat unter anderem eine Stiftung von 20 Millionen Kronen zur Errichtung einer Heilanstalt für Nervenkranke ohne U nterschied der K o nfefsion gemacht. 'Diese Verfügung ist typisch für den Verstorbenen. Bei der heutigen Strömung, wo die christltchsozlale Verwaltung die Inden von allen Begünstigungen ansschließt, ohne sich darum zu kümmern, daß diese Begünstigungen fast ausschließlich durch jüdisches Geld möglich geworden, verliert die Rothschilüsche Stiftung trotz der Großzügigkeit an Bedeutung, welche sie sicherlich gehabt hätte, wenn das Geld ausdrücklich und abgegrenzt den einzelnen Konfessionen zugewiesen worden wäre. Hoffentlich setzt das Präsidium der Kultusgemeinde bei den Erden des verstorbenen Barons wenigstens bas durch, daß der Kultusgemeinde im Stiftnngsknratorinm stiftbrieflich eine entscheidende Stimme gesichert werde. Israelitische Knltnsgemeinde Wien. In der am 18. Juni 1905 stattgehabten Plenarsitzung des Kullusvorstandes hielt der Vorsitzende, Präsident Dr. Alfred Stern, vor Ilebergang zur Tagesordnung dem verewigten Herrn Baron Nathaniel Rothschild folgenden Nachruf: „Als wir in der letzten Plenarsitzung Beschluß über die Ehrung faßten, welche wir dem Freiherrn Nathaniel von Rothschild anläßlich seiner hochherzigen Spende für unser Spital erweisen wollten, ahnten wir nicht, daß dieses äußere Zeichen tiefer Dankbarkeit nicht mehr dem Lebenden dargebracht werden wird, ahnten wir nicht, daß schon llach wenigen Wochen dem Gefühle der Dankbarkeit das Gefühl tiefer, aufrichtiger Herzenstrauer um diesen edlen, vortrefflichen Mann sich beigesellen werde. Die Trauer um den Verewigten ist wohlbegründet. Die Tradition seiner Familie, sein edles Herz wiesen ihm die Wege, die er Zeit seines Lebens wandelte, Tausende beglückend. Was Nathaniel voll Rothschild zur Linderung von Armut und Krankheit überhaupt, leistete, bedarf hier keiner näheren Erörterung.'An dieser Stelle ziemt es sich, jener Taten zu gedenken, die besonders unseren Glaubensgenossen zugute kommen. Die von ihm und seinem Bruder, dem Freiherrn Albert von Rothschild gemeinsam errichtete munisizente Stiftung für jüdische Künstler, die in gleicher Weise von ihm mrd seinen Brüdern gemeinsam vorgenvmmene Ausgestaltung des jüdischen Spitales in Wien, endlich seine letzte hochherzige Spende für dasselbe sind Werke, welche dem Verewigten ein dauerndes.Gedenken in unserer Gemeinde-verbürgen. SÄn "edles Herz war allem Guten gleicherweise offen. Es konnte Nicht fassen, daß die Lieblosigkeit, der Haß auch gegenüber den Armen, auch dort, wo nur Nächstenliebe und Erbarmen walten sollten, sich eindrängen könnten. Und voll dieser allumfassenden, keine Einschränkung kennenden Menschenliebe gibt beredtes Zeugnis sein Testament, ein unvergängliches Denkmal jüdischer Wohltätigkeit! Sie haben ü«*. meine Herren, zum Zeichen der Trauer von Ihren Sitzen erhöbell. Ich halte mich ermächtigt, diese Tranerkundgebung deln Protokolle einzuverleiben und von derselben dem tiefgebeugten Bruder des Dahingeschiedenen Kenntnis zu geben. Auch werden Siv gewiß dem Anträge beistimmen, daß für den Verewigten innerhalb der 30 Tage eine Gedächtnisfeier im Tempel der Innern Stadt abgehalten werde." Die Versammlung stimmt einhellig den gestellten Anträgen zu. Wien. („B e t h H a t f i l a".) Schlutzgottesdienst der Mittelschüler Samstag den 24. d. M., Schlttßexhorte um 8 sthr von Professor Doktor Pollak, 9. Bez., Müllnergasse. Jüdische Studenten in liberalen Berbindnngen. Die Stellung, welche die liberalen Studenten unter den Prager deutschen Hvchschttlern einnehmen, zeigte sich in der jüngsten Zeit tu scharfer Beleuchtung anläßlich der I4tügigen Exkursion der Techniker nach Seestadt!, einem Städtchen in der Nähe von Komotau. Nach den Erklärungen der völkischen Delegierten aus dem letzten deutschen Studententag in Wien konnte man glauben, die Nationalen würden ihre liberalen Kollegen — „deren Hilfe sie bei der nationalen Arbeit nicht entbehren können" — als gleichberechtigt anschen und sie wenigstens zu den offiziellen Veranstaltungen mit heranziehen. Die armen Liberalen erlebten aber eine bittere Enttäuschung. Es wurde ein Begrüßungsabend veranstaltet, es gab Fackelzüge und Kommerse, Gusslüge und Untechattmigen — doch kein Jude wurde geladen; diese saßen mit betrübten Mienen, im Gasthanse beim Bier und simulierten, „es gehe sie nichts an".- Nicht genug daran, die Scheidung wurde noch reinlicher durchgeführt. Vom zweiten Tage an atzen Juden und Christen nicht mehr gemeinsam; die freundlichen Mitglieder des Seestadtler Geselligkeitsveretties „Konkordia" batten den Völkischen ihr Lokal zur Verfügung gestellt — . Vermutlich hatten diese im erstell Zimmer den Appetit verloren! Nur einige „Paradechristen" blieben. Die Trennüng vertiefte sich von Tag zu Tag. Man bekam die Herren Antisemiten kaum mehr zu Gesicht; von Zeit zu Zelt erschien, die Ankündigung irgendeiner Veranstaltung, oft mit ein wenig Hohn gegen die Jüdep gewürzt; so sah man eines Tages die.Ankündigung, es sei eilt arischer Gesangverein „Keuch'husten" gegründet worden. Die Pointe der Kbrüödie kam am letzten Tage. Die Studenten sollten mit dem Professor gemeinsam aufgenommen werden; in zwei Gruppen, die durch den Assistenten eingeteilt wurden. Die erste Gruppe wird verlesen — und siehe, es waren lauter Christen. Die Völkischen halten nämlich erklärt, sie wollten mit Inden nicht auf einem Bilde sein! Da endlich rührte sich den Liberalen die Galle; lauter Juden auf einer Photographie, das ging nicht — daher faßten sie den . Entschluß, sich überhaupt nicht aufnehmcn zu lassen! Mit dem Bewußtsein ihrer edleren Entsagung traten die Liberalen die Heimreise an, ihre völkischen Kollcgeü fuhren mit einem anderen Zuge am Nachmittage. Doch nun sind wir wieder zuhause — nnd die Gemeinbürgschaft dauert fort! E. P. Prag. Der israelitische Nächstenliebeverein hielt vergangene Woche unter Vorsitz des Direktors Dr. Ludwig Bcndiener im Altstädter Rat- Hause die 64. Generalversammlung ab. Der Geschäftsbericht weist ein Vereinsvermögen von 8756,63 K aus. Die Herren M. 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