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Jüdisches Volksblatt · 1905-06-16 · 24 (16.6.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Volksblatfc Nr. 24 uitd es wird aus denselben oft klar, -aß der betreffende Referent gut daran täte, an sich selbst zuerst, an seine eigene Ausbildung zu denken. Es gibt keine zionistische Studentenbewegung, den zionistischere Studenten gebührt lange nicht jene Bedeutung mehr, die sie für sich in Anspruch nehmen. Ich wiederhole: die zionistischen Studentenkorporationen haben bloß eine Aufgabe: ihre eigenen Mitglieder zu erziehen! Für die Erziehung der Massen, für Versammlungen, für Unterrichtskurse usw. sei Würdigeren Platz gemacht. Der zionistischen Stutendentenschast könnte darum in nächster Linie gedient sein, wenn man all den Flachköpfen und Bersammlungsschwätzern, die die nationaleBewegung an dieOberstäche geschwemmt hat und die sich an Verbandstagen, Versammlungen usw. mit ihrem Geträtsch aufdrängen, das Heft aus der Hand schlägt und ihre Ergüsse abzu setzen ihnen die Gelegenheit benimmt. Weniger Delegierte für Rednertribünen, die Studenten sollen nicht debattierende Führer spielen. Man müßte sonst allzu oft an jenen Diskussionsabend in Feuersteins ,-Jünglinge" denken. Und das wäre sehr schmerzlich. Daran wurde man aber unwillkürlich erinnert, wenn man den Bericht über den Wiener jüdischen Studententag, namentlich non der Debatte über Kappen, Schläger, Volkserziehung usw. gelesen. Solche Debatten sind nichts anderes, wie der Berichterstatter des „Jüd. Volksbl." zutreffend meint, als Zeitvergeudung, bei denen nichts heraus- . kommt, ein Sichselbstbelügen. Darum weg mtt den klischeeartigen Referaten, den betreffenden Referenten die wohlverdiente Ruhe der Bedeutungslosigkeit! Czernowitz, 11. Juni 1905. Salomo« Kaßner. Vermischte Nachrichten. Die dieswöchentliche Beilage unseres Blattes mußte wegen technischer Schwierigkeiten ausfallen und wird in der nächsten Nummer nachgeholt werden. BarM «Nathaniel Rothschild gestorben. Am 13. d. M, starb in Wien nach 'langem, schwerem Leiden Baron Nathaniel Rothschild im Alter von 69 Jahren. Der nunmehr verstorbene Baron, der bis an sein Lebensende Junggeselle blieb, war als Wohltäter und Mäcen überall bekannt. Aus seinem Wohltätigkeitsbureau flössen große Summen/ für Wohltätigkeitszwecke, wobei arme Juden und Mische Anstalten besondere Berücksichtigung fanden. Bekannt und noch in aller Erinnerung ist die anfangs dieses Jahres gemachte Spende von zwei Millionen Kronen für das jüdische Rothschildspital. Während Rothschild in Geld-' spenden sicherlich nicht kargte, muß es andrerseits erwähnt werden, daß er auf seinen Besitzungen fast keinenjü bischen Beamten hatte, und von seinen Gütsverwaltern sind direkt antisemitische Aussprüche im Umlauf. Ueber die Bedeutung der Spitalsstiftung haben wir uns seinerzeit schon geäußert. Am Leben der Wiener Killtusgemeinde nahm der Verstoßene wie die Wiener Rothschilds überhaupt nie persönlichen Attteil, doch gilt der Prokurist der Firma Rothschild, Herr Kultusvorsteher Emil Horner, der sich auch um die jüngste Spitalsstiftung des Barons Nathaniel verdient gemacht hat, allgemein als Vertreter des Hauses Rothschild im lKultusvorstande. Das Leichenbegängnis findet heute Freitag in Wien statt. ' Wien. (Auszeichnung.) Die Schriftstellerin Marie Franzosist von dem König von Schweden durch Verleihung der goldenen Medaille „Pro littovts et artibvs" ausgezeichnet worden. Wien. Die Bereinigung jüdischer Hvchschttler aus der Bukowina „Jordan ia" veranstaltet am Sonntag den 18. Juni einen gröberen Ausflug nach Purkersdorf, zu dem Freunde und Bekannte geziemend eingeladen werden. Abfahrt um viertel zwei Uhr mittags von Station Schottenring. Wie». (Todesfall.) Kaum ein Monat ist fett dem Tode des allgemein geachteten und verehrten Direktors des Wiener Bankvereins, Moritz Bauer verstrichen, und schon wieder hat das Geschick die Hinterbliebene Familie schwer heinigesucht: Sonntag ist tn Brüssel auch der zweite Sohn des Heimgegangenen bekannten Ftnanzmannes Herr Leopold Bauer im jugendlichen Alter von kam« 27 Jahren plötzlich verschieden. Der junge Mann, der früher als Prokurist der Firma Moritz Pflaum tätig war, mutzte sich eines Leidens wegen vom Berufe zurückziehen und weilte zur Erholung bei fernem Oheim, dem österreichischen Generalkonsul Rafael v. Bauer in Brüssel. Um 7 Uhr früh hatte er noch ein Telegramm an ferne Mutter gesendet und schon um 10 Uhr ereilte M)u der Tod: er sank, auf einem Spaziergänge begriffen, plötzlich tot zrr Boden. Der Leichnam wurde nach Wien überführt und hier in der Familiengruft unter großer Teilnahme beigesetzt. Vom Hilfsverein der deutschen Juden. Mit Beginn des Sommers stellen sich die Brände im Ansiedlungsrayon in Rußland vermöge der unzulänglichen Ballverhältnisse regelmäßig ein. Gegenwärtig kommen noch häufig Brandstiftungen behufs besserer Gelegenheit zur Plünderung durch die christliche Bevölkerung vor. So sind in der vergangenen Woche eine Reihe von jüdischen Gemeinden in der Nähe voll Kowno durch Feuersbrunst gänzlich vernichtet worden: Janowo, Bobt, Soslau, Kuschani usw. Fast 10 000 Glaubensgenossen sind obdachlos, der Materialschaden wird auf 1 Million Rubel geschätzt. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat sofort 10 000 Mark zur Verteilung unter . die abgebrannten Glaubensgenossen nach Kowno überwiesen, zu denert das Frankfurter Hilfskomitee 5000 Mark beigesteuert hat. Berlin. Der zweite Jahresbericht des Hilfsvereines für die jüdischen Taubstummen i n D e u t s ch l a n d pro 1904 meldet, daß dieses Jahr ein arbetts-, aber auch segensreiches gewesen sei. Der Appell an wettere Kreise, für die unglücklichen Taubstummen helfend einzutreten, hat überall in jüdischen Herzen einen lebhaften Widerhall geweckt. Der Verein zählt heute beretts 1616. Mitglieder, außerdem sind von 378 weiteren Personen einmalige Beträge geleistet. Das Vermögen des Vereines beträgt nach nur zweijährigem Bestehen 22 500 M. in Effekten, 325,55 M. in bar, ein Beweis der Lebensfähigkett und Existenzberechtigung dieser jungen Institution. In erster Reihe hat der Verein es für seine Aufgabe gehalten, für Arbeitsgelegenheit zu sorgen, von dem Gedanken ausgehend, daß auch für die Taubstummen Arbeit bester denn Almosen ist. Es ist gelungen, tn den meisten Fällen den Arbeitsfähigen Arbeit zu verschaffen, ferner einzelne Taubstumme threre Fähigkett entsprechend in eiüzelnen Berufen ausbtlden zu lasten. Leider ist auch eine große Anzahl Arbeitsunfähiger vorhanden,' für diese tmt in erster Reihe die Wohltätigkeit ein. Aber nicht nur dem materiellen, sorchexymuchLem i de,a1e n Wohl seiner SchützlingegaU öaZ Bestreben des Vereines. Wie im vergangenen'Jahre, so hatte der Vorstand auch in diesem für Gottesdienst an den hohen Feiertagen gesorgt, der Überalts stark von den Taubstummen und deren Angehörigen besucht war. Eines ebenso regen Zuspruches erfreuten sich die Vortragsabende. Erfreulicherweise hat sich auch in Breslau ein Zweigkomitee unter der verständnisvollen Leitung des Herrn Lippmann Bloch gebildet. Sein Hauptaugenmerk muß nun der Verein darauf richten, für alte und arbeitsnnfähige Taubstumme überall in Deutschland Unterknnft zu schaffen, um ihnen den Lebensabend menschenwürdig zu gestalten. Dieser großen Aufgabe ist jedoch dieser Verein mit seinen jetzigen Mitteln nicht gewachsen. Er bedarf daher dringend fernerer Unterstützung. Der Vorstand besteht aus den Herren: Theodor Löwenberg, Vorsitzender, William Reumann, Schriftführer, Moriz Leichtentritt, Rendant, Dr. Julius Moses, stellvertretender Vorsitzender, Adolf Köhler, stellv. Schriftführer, Jlia Beer, stellv. Rendant, Hugo Reichenheim, Beisitzer. Den Ausschuß bildert die Herren: Albert Silbermann, Vorsitzender, Julius Ebenstein, Schriftführer, David Struck, stellv. Vorsitzender, Mat Salomon, stellv. Schriftführer. Rabbiner Dr. Eschelbacher, Prof. Dr. Julius Lazarus, Pros. Dr. H. Rosin. Berlin. Der außerordentliche Professor in der philosophischen Fakultät der Breslauer Universität, Dr. vhil. Siegfried Friedlänber, feierte am 16. Mai seinen 70. Geburtstag. Ein Schlesier, erhielt Friedländer feine Ausbildung in Breslau und Heidelberg und habilitierte sich im Jahve 1664 an der schlesischen Lanöesuniversität als Privatdozent. 1869 wurde er ordentlicher Lehrer an der landwirtschaftlichen Akademie zu Proskau, 1881 Extraordinarius in Breslau. Er ist von seiner akademischen Tättgkett entbunden ltnd wohnt in Berlin. In Paris ist am 2. ds. die bekannte Bitdhauertn Frau Elisa Bloch gestorben. Ihre bekannteste Leistung war der „Moses mtt den Gesetztafeln", eine Bronze (uuif Bürbedtenne vielfach gegossen). Frau Bloch, die übrigens auch journalistisch tätig gewesen ist auf dem Gebiete der Fraueufrage, war Offieier de l'Justruction publique und Inhaberin vieler ausländischer Orden. Mainz. Vorige Woche feierte hier Herr Rabbiner Dr. S a l f e l d das Jubiläum seiner Lkjährigen Tätigkeit als Rabbiner der Mainzer Religionsgemeinde. Dem Jubilar wurden von allen, voll Privaten, Behörden rmd Vereinen, teils , mündlich, teils schriftlich, zahlreiche Glückwünsche dargebracht. Die Einwanderung in Amerika. Beinahe eine Million Einwanderer ist auf das vergangene Jahr, Monat Juni etngeschloffen, zu riechnen, die aus aller Herren Ländern, vorwiegend aus Rußlaud, Italien und Ungarn, nach den Vereinigten Staaten kommen. Diejenige Einwandertig, welche der Amerikaner willkommen! heißt, nämlich aus Großbritannien, Deutschland und Skandinavien, verringert sich, während die weniger erwünschten Elemente in Immer größeren Massen kommen. Man sinnt tn Washington auf neue Methoden, um der erndringenden Flut einen Damm entgegenzusetzen und hat eine Kopfsteuer von 2—10 Dollars pro Einwanderer tn Vorschlag gebracht. — In den Südstaaten bemüht man sich, den Strom der Einwanderer dahin zu lenken, aber nur mtt geringerem Erfolge. Die Fremden bleiben lieber tn den großen Städten im Norden: der Süden wird mtt Mißtrauen betrachtet. Sttd-Karolina hat jetzt ein Bureau in der Stadt New Nork errichtet, um Fremde zu veranlassen, sich im Süden ainzusiedeln. In den Südstaaten, wo die Landwirtschaft bisher vorherrschte, hat die industrielle Entwtcklung in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und strebt nach Ausdehnung. Diese Entwicklung wird gehindert durch den schlechten Ruf, in den die Südstaaten gelangt sind. Die Kunde von den vielen Lynchmorden hat den Glauben erweckt, daß es mtt der Sicherheit der Zustände dort sehr bedenklich bestellt sei. Demgegeniiber weist man jetzt mtt Eifer darauf hin, daß tn dem letzten halben Jahre die Zahl der Lynchmorde ganz bedeutend abgenommen Habe. Aus dem Staate Mississippi wird berichtet, daß dort ein Neger, der angeklagt war, auf eine weiße Frau einen Angriff verübt zu haben, von der Jury freigesprochon wurde. Es wird behauptet, das fei tn der Geschichte des Staates der erste derartige FM. Früher galt eine solche Anklage als gleichbedeutend mtt der Verurteilung des Negers. War der Angeklagte unschuldig, so wurde seine Bestrafung als Warnung für seine Raffengenoffen aufgefaßt, denn es war ja nur ein „Nigger". Das Zeugnis einer weißen Frau gegen ihn genügte als Schuldbeweis. — Solche Zustände wirkten natürlich recht abstoßend auf viele Einwanderer, am meisten auf solche, die mtt einigen Mitteln sich anfiedeln wollten und eine allgen,eine Rechtssicherheit in erster Linie für notwendig hielten. Das soll jetzt anders werden, die industrielle Entwicklung verlangt es, aber ftir den mittellosen Einwanderer fft heute ebensowenig tm Süden wie im Norden etwas zu holen. SriÜ-Tihik M. Wedermann, Ll-serant der r.u.k.«rieg»mar!ne. 41 Telephon Interurban 1517.Telephon Interurban 1587 Kartonnagewaren - Fabrik mit elektrischen Betrieb Emil Biermoritz Wien, VII., Kandlgasse 32 Spextslltlt: Kartone aus Wellpappe für Elektriker, Weinhündler, Glasfabriken u. für Tuben, Kartons m. 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