Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2432763-2433077-2433100--3023-2436941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
deite 6 Jüdisches Yolksblatt Nr, 23 fad ttrttb 51t. einer endlosen Formalität wird." Dies glauben wir — auf tschechische Assimilcmten angewendet — denr „Rozvoj" gerne. Andere Länder, andere Auffassungen- Naiv aber ist es, den Vorschlag zu machen^ die prächtigen Gedichte in Prosa der Ha-gaida durch das „schöne", in Wahrheit aber ebenso form? wie inhaltslose Gedicht „Ma nischtane" von! einem Max Lederer zu ersetzen. Da hört aller Ernst auf. Etwas Statistisches: In Mährenbekannten sich nur 15 Prozent Juden zur tschechischen Umgangssprache, die übrigen zur deutschen. Die Freunde des verstorbenen Assimilanten cand. ing. Erwin Porges brachten gegen die hiesige „Jüdische Volksstimme", resp. gegen den Verfasser Herrn Max Klein eine Klage ein. Gegenstand der Klage ist lein Artikel, den Herr Klein über Herrn Porges im genannten Blatte veröffentlicht. Im allgemeinen liegt das jüdischnationale Arbeitsfeld ziemlich brach. Zwar ist es in vielen Städten merklich besser geworden, aber die -eigentliche organisatorische Werbearbeit läßt viel zu wünschen übrig. Dies muß offen eingestanden werden-. Besonders aus die jüdische Landbevölkerung wird da ein wichtiges Augenmerk zu richten fein. Ein weites- Arbeitsfeld liegt hier vor uns, und wir können hier siegen, wenn wir wollen. Und wir müssen wollen! * * In der am 14. Mai stattgefrmdenen 9. Generalversammlung des hiesigen Bikuv-Cholim- Vereines -erstattete der Schriftführer Herr Dr. Friedrich >P i r a k den Rechenschaftsbericht über die drei letzten Vereinsjahre. Hieraus wurden in -den neuen Vorstand gewählt die Herren : S. Austerlitz, Glaser, Jellin-ek, Kätscher, Kohn, Königsgarten und neu Dr. Schimmerling. Heber Antrag des Herrn Wilhelm Löw wurden die Herren Michael Glaser und Adolf Kohn, die dem Vorstände durch volle 25 Jahre angehören und um den Verein und dessen Entwicklung sich besondere Verdienste erworben haben, zu Ehrenmitgliedern gewählt. Uöber Anregung des Herrn Red. Max Hickl stellt der Vorsitzende behufs Statutenänderung für die nächste Zeit die Einberufung eines -entsprechenden! Komitees in sichere Aussicht, und hieraus wird die Versammlung geschlossen. Die jetzigen Großen der Israelitischen Kultusgemeinde habengegenden- Willen der Majorität der jüdischen Steuerträger Aenderungen vorgenommen, die mit den gesetzlichen Bestimmungen nur schwer in Einklang zu bringen sind. Um dagegen zu protestieren, findet am Sonntag den 18. Juni im städtischen Redoutensaal eine große öffentliche Kültuswählerversammlung statt. Die Tagesordnung lautet: „Die Zustände in unserer Kultusgemeinde und der Bau des Tempels". Ich werde nicht verfehlen, Ihnen darüber zu berichten. Der Judentag der Mische« Turnerschaft. Der Sprechsaal der letzten Nummer der „Deutschen Turnzeitung" enthält einen mit „Z" gezeichnete Notiz, deren Verfasser wahrscheinlich der Matador Dr. Götz ist. Ihm geht das Nationaljüdische geg-on den Strich, er befürwortet die Verwischung der Juden mit dom Deutschen. Und damit wir in den schweren- Zeiten auch eine humoristische Erholung habeil, seien einige Sähe dieses sonderbaren Soziologen hier wiedergegebeu. Er schreibt: „Aus dem Bericht über den Turntag geht hervor, das; die n u v jüdi s ch e Richtung auch in der jüdischen Turnerschaft zur Oberherrschaft gelangt ist. Die Herren können ja machen, was sie wollen, was ja an und für sich die durch die Inzucht degenerierte jüdische Nasse ganz notwendig erscheint, die körperliche Beschaffenheit der Jude»l zu heben sllchen — aber tm großen und ganzen sind die Leute mit Blindheit geschlagen und sind aus dem Wege, ihren Stamm immer mehr zu schädigell und vor den Wohltaten, die im christlichen uub deutschen Volksleben liegen, sich gänzlich zu verschließen und auf die Verwertung der hervorragenden Geistesfähigkeiten, die sich bei den Inden vielfach finden, zu verzichten. Zweifellos hängen den Juden vielfach durch -eine fast 2000jährige Unterdrückung und durch freiwillige Abschltetzinig von dem geistig befreienden Ghri-stentnm großg-ezogene nnangcn-ehme Eigenschaften an — diese werden jetzt ersahrnngsgemätz nur Mnohmen und eine Zeit herbeiführen, in der auch die vorurteilsfreisten Männer sich abwenden werden. -Es ist das bedauerlich! Eine gesunde Zukunft kann dem Judentum nur -blühen, wenn es feine national-en Eigenschaften a'ufgibt und, was Deutschland betrifft, -im Deutschtum, dem es doch Bildung, Sitte und Erwerb verdankt, anfgcht — und in anderen Ländern, wie in Frankreich, Spanien. In deutschen Gegenden, wo die spanischen Juden überwiegen, ist ja diese Vermischung im Gange-, während der minderwertige russisch-polnische Anwachs das Futter für die verkehrten Ideen des Zionismus liefert." Was den ersten Teil dieser übergrünen Vokksweisheit anbetrifft, so können wir nur antworten: Mir danken für die Ratschläge, aber wir sind mit solchen genügend versehen. Der zweite Teil ist eine dummdreiste Anrempelung, denn abgesehen davon, daß es in Spanien keine Inden gibt, strotzt der Schlußsatz von Unverfrorenheiten, wie wir sie nur von einem Angehörigen des Volkes der „Dichter und Denket gewohnt sind. Im übrigen möge er sich seinen eigenen- Schlußsatz zu Ge-müte ziehen: „Wen der Herr verderben will, den schlägt er mit Blindheit", denn dem Manne kann nicht geholfen werden. na—. Jüdische Geschichtsforschung in Wien. Jüdische GeschichDso-rfchung undihre Jünger sind eine der Seltenheiten, welche unsere sonist an Forschern! und Disziplinen so! reiche Stadt sonderbarerweise aufweist, oder wenn man die Sache etwas von der Nähe besieht, gar nicht so sonderbarerweise. Denn wenn- Künste ohne Mäcene ein kümmerliches Dasein führen, so gilt dies in erhöhtem Maße von einer Wissenschaft, welche ohpe die ausgiebigsten- Hilfsquellen keine fein kann. Und nun muß man gestehen, -daß gerade in dieser Hinsicht die Wiener Kultusgemeinde mit ihrem, Archiv ver-> schiedenes zu wünschen übrig läßt. Was übrigens nach altem Herkommenin sämtlichen österreichischen Aemtem und nicht zulcht in der Wiener Kultusgemeinde recht ist, wird wohl auch bei Benützung des Archivs billig sein, und so darf es einen -gar nicht wundern-, wennmanohne gehörige Protektionselbst in rein wissenschaftlichen Angelegenheiten — die übrigens den Wünschen einer Wiener Kultusgemeinde kaum widersprechen Ersten — auf keinen grünen Zweig kommt. Einem ernsten Manne, der natürlich selbst hier mit solchen Fakten rechnet und daher keine Mühe scheut, wird es auch -gar nicht einfallen, sich über dergleichenalltägliche Dinge erst aufzuregen, sondern er wird ruhig den alten, ausgetretenen Pfad der Besuche und Gesuche betreten, er wird bei einigen einflußreichen Herren vorsprechen und sich dabei wegen „momentaner Abwesenheit" immer einige Male hinaufbemühen, er ivird endlich nach Durchlaufung dev xten Instanz, das verheißungsvolle letzte Gesuch schreiben unddann ruhig auf die endliche Erledigung, ben- Preis so vieler und beharrlicher Bemühungen, warten. Wenn nun die für eine so wichtige Sache gebührende Zeit verflossen ist, erhält er schließlich die Verständigung, daß die so ängstlich gehüteten- Pforten des Archivs ihmmmt offen stünden. Froh des erreichten Zieles eilt er hin und verlangt dm Einsicht in die gewünschten Akten. Da wird ihm. eröffnet, daß die verlangten Akten „iricht da" seien. Sie feien vor langer Zeit von einem bekannten Müsstjede des Vorstandes in -dessen Harrs geschafft worden. Und da diese so einfache Erklärling eiixeu sonst gar nicht so ein- 'acheii Tatsache den ernsten Historiker ilicht beü'iedigen kann, so lvird er, uni doch nicht alte Beiilühllirgeir linrsoilst gehabt zu ljaben, den gailzen, langen Weg der Instanzen noch einmal durchlaufen, um endlich abermals im Haf'n des etztell Gesuches zll lairdeil, welches ihm die endgültige Erledigung der Angelegenheit erwarten läßt. Wenn er murr aber zwei, drei, vier Monate auf diese endgültige Erledigung wartet und ihm endlich jede Aussicht auf deren Eintreffen verloren geht, da läßt auch sein zäher Eifer nach und er gibt seinen Plan auf. Und mir sein historisches Gefühl findet eine gewisse Befriedigung in der Erkenntnis, daß auch in unserer hypermodernen- Zeit Institutionen existieren-, welche sich pietätvoll anlehnen an jene gute, alte Zeit, in der es hieß: „Processus Spirenses, spirant, exspirant.“ sed non B. G. Geschästsnotsien. 18.898 Gewinste in barem Gelbe, darunter ein Haupttreffer von 200.000 K, ferner Treffer zu 40.000 K, 20.000 K, 10.000 K, 5000 K etc. im Gesamtbeträge von weit über einer halben. -Million Kronen, sind bei der 24. Staats-Wohltätigkeitslotterie zu gewinnen, deren Ziehung schon am 16. Juni l. I. stattfindet. Ein Los dieser Lotterie, welche ihrer wohltätigen Zwecke wogen besondere! Beachtung verdient, kostet 4 K. Die Lose liegen in allen k. k. Tabak-Tra-fiken, Wechselstuben etc. zum Verschleiße auf. Strickmaschinen das Neueste n»a B«te «<r Gegenwart, ohne Honkarreax maVcibfn(n>|abr!ft M. WedePVIiailll, Lieferant derk.u.t.Krieg«marlne. TOfen»VI„ltlariabllfer*traM««« AMERIKA Abreise aus HAVRE jeden Samstag Französische Linie. Bequeme, rasche Fahrt, ausgezeichnete Verpflegung samt Wein und Likör. Fahrkarten nach allen Stationen sämtl. amerikanischer Bahnlinien zu Originalpreisen. Nähere Auskünfte erteilt gratis und franko Französische Linie WIEN, IV., Weyringergasse 8. - --*- Telephon Interurban 1517.Telephon Interurban 1587 Kartonnagewaren - Fabrik mit elektrischen Betrieb Emil Biermoritz Wien, VII., Kandlgasse 32 Spezialität: Kartons aus Wellpappe für Elektriker, Weinhändler, Glasfabriken u. für Tuben, Kartons m. Blechkanten zum Versand von heiklen und zerbrechlichen Gegenständen, Postrollen zum Versand von Oeldruckbildern, Kalendern etc. Apotheker« kartonnagen. Lagerkartons ans Holz für Modewarenhttuser sowie alle in dieses Fach einschlägigen Artikel. Alle bisherigen Erzeugnisse der Tischler an Preis und Schönheit weit Ubertreffend. Provlnzauttrüge promptest. ssssssssssssssssssssssssssssssss estaurant laroline leidnei Wien, I., Seilergassel4—Telephon 1276 Erstklassiges geräumiges Lokal mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet. Anerkannt vorzügliche Küche, Biere aus den renommiertesten Brauereien, Bouteillenweine, sowie Schankweino in jeder Preislage. Champagner, Liköre etc. — Hochzeiten werden auch ausser dem Hause angenommen. — Für Hausfrauen, Pensionen, Institute; Flaschenweine, Bouteillenweine Champagner, Delikatessen Zustellung ins Haus. Wi Alfred Kunstadt Billigst« Bezugsquelle für Gruft* * « - und Grabmonumente von 10 fl. aufwärts ProvlnzauftrMge werden prompt und eitakt ausgeführt « * h * * . . . . Lieferant der. . israelitischen l^ultusgemeinde . WIEN II. Bez., Rotensterngassse ftr. 27