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Jüdisches Volksblatt · 1905-06-02 · 22 (2.6.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 22 5. Der Vorstand hat sich auch mit der Frage betreffend Pensionierung und Altersversorgung für Funktionäre und Angestellte der kleineren Gemeindeit eingehend beschäftigt, nachdem insbesondere in den kleineren Gemeinden für die Versorgung der Funktionäre und Angestellten in keiner oder ltnzureichettder Weise Vorkehrungen getroffen sind. Es erging diesfalls ein Zirkular mit entsprechenden Anfragen au sämtliche 540 Knllusgemeinden Oesterreichs, worauf 4l Antworten einliefen. Tie mährischen Knltnsgemeinden lehnten die Beteiligung ab, weil sie im Wege des mährischen Landesmassafonds ein Abkommen getroffen haben. In der Vorstandssitzung vom 9. April dieses Jahres wurde nichtsdestoweniger beschlossen, diese Angelegenheit noch nicht als erledigt zll betrachten, sondern sie weiter im Auge zu behalten. 6. Die Schechita-Angelegonheit Nicderösterreichs hat den Vorstand des Bundes vielfach beschäftigt. Es fanderr mehrere Sitzungen statt, zu welchen särntliche Kultusgemeinden Nicderösterrcichs mit ihren Rabbinern geladen waren und es hat in dieser für alle Inden hochwichtigen religiösen Angelegenheit eine Einigung stattgefunden; die entsprechenden Gutachten wurden möglichst einheitlich an die niederösterreichische Stattchalterei geleitet und es wurde mft Beihilfe der Wiener Kultusgemeinde auch die Verfassung eines ausführlichen Werkes znr Widerlegung der in letzter Zeit erschienenen gehässigen Publikationen initiiert. 7. Herr Tr. Arnold Rosenbacher, Präsident der Kultusgemeinde Prag, hat anläßlich der angeregten Reform des bürgerlichen Gesetzbuches den Antrag gestellt, daß infonderhell die Paragraphen 126 und 129 des bürgerlichen Gesetzbuches abänderungssächig erscheinen und daß Paragraph 129 . eliminiert und Paragraph 126 bei dem Zitate der Paragraphen 70—78 auch noch der Paragraph 74 mitzitiert werden sollte. Der Vorstand konnte sich über diesen Antrag nicht einigen und legt denselben.' dem Bundestage behufs Aeußerung vor, worüber im Laufe der Tagung später die Debatte eröffnet werden soll. Der erstattete Bericht wird zur Kenntnis genommen. Herr Dr. Schanzer, Pilsen, legt das Hauptgewicht auf die Religionslehrerfrage, da in den 197 Kultusgemeinden in Böhmen sehr viele Religionslehrer' wenig gebildet sind; er hält die Frage der Errichtung einer Anstalt zur Heranbildung von Religronslehreru umso dringender, als in Böhmen und Mähren auch konfessionelle Schulen bestehen, an welchen ein ziemlicher Bedarf an Lehrern vorhanden ist; er bittet, diese Frage nickt aus dem Auge zu lassen und sich mit derselben dringendst zu beschäftigen. Abgeordneter Doktor Byk, Lemberg, hält eine Organisation der jüdischen Gemeinden durch Schaffung von Landes- und Reichsverbänden für unbedingt notwendig und beantragt, daß sich der Vorstand mll dieser Frage entgehend beschäftigen solle, ebenso häll er es für besonders dringend nötig, daß insbesondere für Galizien etwas geschehen müsse, damit die Matriken in bezug aus die Vornamen in Ordnung gebracht werden, da in Galizien die Juden mll teils ganz unaussprechlichen Namen in die Matriken eingetragen werden, diese Namen in die Geburtsscheine übergehen und dann große Schwierigkeiten entstehen, wenn dieselben mit ihren Rufnamen in die Schule, zum Militär, in das Verkehrsleben eintreten. Viele von den anwesenden Mitgliedern unterstützen diese Anregungen wärmstens, nachdem Oberrabbiner Dr. Güdemann aus seiner Praxis mehrere illtercssaute Mitteilungen gemacht hat. Herr Dr. I. Bloch teilt mit, daß ein Gesetzentwurf mit Motivenbericht für eine Organisation der jüdischen Gemeinden im Ministerium ausgearbellet liege und daß in der Negierung große Geneigtheit für eine solche Organisation vorwaltet. Er bemerkt, daß man für die Popularisierung des Bundes und fiir eine größere Propaganda sorgen müßte und daß öfter Berichte im Wege der Publizistik veröffentlicht werden sollten. Bezüglich des Antrages des Herrn Dr. Rvsenbacher sprechen sich Herr Dr. Sonnenschein, Abgeordneter Dr. Byk, Dr. Arnold Ascher und mehrere Herren dagegen; Herr W. Papponhcrm, Dr. Schanzer dafür aus, indem von beiden Seiten gewichtige Gründe geltend gemacht werden. Es wird sohin beschlossen, daß alle diese Anträge, insbesondere der Antrag der Organisation der Iudengemeinden und größeren Verbünde, die Frage der jüdischen Namen, die Anregung der Aenderung der Ehegesetzgebung, endlich die Bildung einer Lehrerpräparandie für Netigionslehrer, dem neuzuwählenden Vorstände zur weiteren Erwägung und Beschlußfassung dringendst empfohlen werden. Der Berichterstatter Herr Landesschulrat Dr. Gustav Kolm hebt insbesondere die Verdienste des Abgeordneten Dr. Byk hervor, welcher bei allen Gelegenheiten ein warmes Herz für alles das, was die Interessen der jüdischen Kultusgemeinden betrifft, unentwegt und ansdauernd bewährt und dies vor wenigen Tagen durch seine Interpellation im Reichsrate, betreffend die Schechita, bekundete, und schließen sich sämtliche Erschienenen der Dankeskundgeblmg au denselben an. 2. Kassabericht. Kafsavermalter Herr Dr. Gustav Kohn verliest der: Kassabericht, wonach bis 31. Dezember 1904 inklusive der Jahresbeiträge der Wiener Knltusgemeiinde pro K 500, K 2169,40 eingegangen waren, die Ausgaben in der der Berichtsdauer K 3720,09 ausmachen, so daß das Jahr 1904 mll dem Pafsisaldo K 1550,69 abschließt, welchem Passiv saldo die lln Jahre 1902 gemachte Widmung des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern pro X 2000 österr. Kronenrente gegenüberstcht. Herr Landesschulrat Dr. Kohn bemrekt hierzu, daß viele Gemeinden, darunter auch größere, mit ihren Jahresbeiträgen im Rückstände sind. Dev Kassabericht wird genehmigt und beschlossen, die Mitglieder, welche mll ihren Beiträgen im Rückstände sind, diesfalls zu mahlten. 3. Festsetzung der Jahresbeiträge. Es wird der Antrag gestellt 'und zum Beschluß erhoben, 'daß pro 1905 die Jahresbeiträge der EinzelMitglieder mit mindestens 10 K pro Jahr festgesetzt werden und daß die Einzelmttglieder um Einsendung ihrer Jahresbeiträge unter Anschluß von Postsparkassascheinen ersucht werden. Ueber Anfrage wird berichtet, daß der Bund derzell aus mehr als 200 Gemeinden und 64 Einzelpersonen besteht. Es wird eine größere Aktion geplant zur Vermehrung der Mitgliederzahl.! 4. Wahlen. Die bisherigen Mitglieder des Vorstandes, und zwar die Herren Dr. Alfred Sterrr, Wien; Dr. Arnold Rosenbacher, Prag; Dr. Emil Byk, Lemberg; Dr. Gustav Kohn, Wien; Dr. Moriz Güdemann, Wien; Bernhard Biller, Graz; I. Ph. Glesmger, Teschen; Jgn. Hahn, Linz; Wilhelm Pappenheim, Wien; Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau; Dr. Benno Straucher, Czeruowitz; Dr. Alois Hllf, M.-Ostran, und Dr. Benno Hieronymus Fialla, Brünn, werden per Akklamation neuerlich gewählt und werden an der Stelle der ansgeschiedenen fünf Herren: Herr Dr. Tilles. Präsident der 'Kultusgemeinde Krakau; Herr Dir. Alfred Berger, Vorstandsmitglied der Wiener Kultusgemeinde; Herr Dr. Josef Schanzer, Präsident der Kultusgemeinde PUsen; Herr Dr. Arnold Ascher, Sekretär der Baron Hirschstiftung in Wien, gewählt, weiters beschlossen, aus der Vertretung der böhmischen Landesfudenschaft diejenige Persönlichkeit in den Ausschuß zu wählen, welche nach einzuholender Jnformatiotl von der Prager Kultusgemeinde zu diesem Zweck empfohlen werden wird. Die Wahlen der Kassarevisoren und der Schiedsrichter werden dem Ausschüsse des Bundes überlassen. 5. Anträge und Interpellationen. Dieselben wurden bereits .unmittelbar nach der Berichterstattung gestellt und erledigt rund sind oben in dem Protokoll enthalten. Nach Erschöpfung der Tagesordnung dankt der Präsident den Erschienenen für ihre Anwesenheit >und Ausdauer-Mtch. schließt die Sitzung um 2 Uhr nachmittags. ' Sitzung des Ansschusses am 13. Mai 1905, um 2 Uhr nachmittags. Einstimmig werden gewähtt: Herr Dr. Alfred Stern, Wien, zum Präsidenten; Herr Dr. Arnold Rosenbacher, Prag, zun, 1. Vizepräsidenten; Herr Dr. Emil Byk, Lemberg, zum 2. Vizepräsidenten; Herr Dr. Gustav Kohn, Wien, zum 'Kassa vermalter; Herr Wilhelm Pappenheim, Wien, zum Schriftführer. Personalnachrichten. Lektor Ignaz Weiß. Mittwoch morgens verschied hier in seinem 91. Lebensjahre der Lektor an der Wiener jübisch-theologischen Anstalt, Ignaz H. Weist. In ihm verliert die jüdische Wissenschaft und die nenhöbräischo Siterah.tr einem ihrer hervorragendsten, genialsten Vertreter. Als Begründer der „Geschichte der jüdischen Tradition" hat er sich einen unvergänglichen Namen in der Wissenschaft des Judentums gesichert. Dlirch zahlreiche andere Werke sowie wissenschaftliche Aufsätze und Essays in verschiedenen Zeitschriften des Jnnnid Auslandes wurde sein Ruf in alle Weltteile getragen, und zu seinem 90. Geburtstage kamen ihm auch aus Afrika und Amerika erhebende Ehrungen und huldigende Adressen zu. Ignaz H. Weist war einer der letzten bedeutendsten Vertreter der klassischen Talmudgelehrsamkeit. Ansgestattet mit einem phänomenalen Gedächtnisse, vereinigte er mit immenser Belesenheit einen durchdringenden kritischen Verstand ilnd die Gabe einer klaren und leichtfaßlicheu. Da rsteiliing, wodurch seine Werke auch in nichtjüdischen Gelehrtenkreisen! hervovrageilde Würdigung gefunden haiben. So stand er iln^ lvisseuschafttichen Verkehre mit Franz Delitzsch und anderen Gelehrten, die sich gern als seine dankbaren Schüler bekannten. Gvost ist die Zahl seiner Schüler, die in allen! Weltteilen in hervorragenden Stellungen als Rabbiner, Seminarprofessoren unb> Lehrer wirken. Ignaz H. Weiß ist in Grost-Meseritsch lMühren) geboren'. Es jvurde ihm zu seinem 80. Geburtstage das EhveErgervecht seitens der Israelitischeil ^kultusgemeinde oevliehen. Prag. Die hiesige Schriftstellerin Frau Bai« bette Fries veranstaltete am 18. v. M. im Saals des Hotel Bristol eine Vorlesung ihrer Erzählungen aus dem jüdischen Leben, die sich eines zahlreichen Besuches auch der literarischen Kreise Prags erfreute. Die Erzählungen, darunter auch ein von Fräulein Stefanie Palm mit Verständnis vorgelesenes Märchen von der Evastochter, fanden vollen Beifall. Geschäftsnotsteri. 24. Staatslotterie für Militär-Wohltätigkeitszwecke. Wie alljährlich sett fünf Dezennien wird auch Heuer auf Befehl des Monarchen eine Staatslotterie, diesmal für Milstär-Wohltätigkeitszwecke, veranstaltet. Die billigen Lose (zu 4 Kronen) erfreuen sich um so größerer Beliebtheit, als der Zrehnngsplan den Teilnehmern so giinstige Chancen bietet wie keine zweite Verlosung. Es gelangen 18 898 Gewinste rn baren: Gelde — es ist die einzige in Oesterreich gesetzlich gestattete Geldlotterie — int Gesamtbeträge von 512 980 Kronen zur Verlosung. Der Haupttreffer allein -beträgt 200 000 Kronen. Die Nachfrage nach den populären Glückspapieren ist so groß, daß voraussichtlich sämtliche Lose lange vor dem Ziehu n gsterm in, fiir den unwiderruflich der 15. Juni festgesetzt ist, vergriffen sein werden. 6 Monate znr Probe sendet jedermann eine Anker-Nickel-Noskopf-PatenttUhr die bestbekannte Uhrenfabrik I. H. R a b i u owic z, Wien, 7. Bezirk, Lindengasse 2. I. V. Für richtige Zeit leistet obige Firma 5 Jahre schriftliche Garantie. Jedenfalls lohnt es sich, das Inserat der betreffenden Firma in unserem Blatte, 7. Seite, aufmerksam zn lesen. Strickmaschinen das Neueste und Neste der Segeuwar». ohne Koniwrrenz üaVciiJJn-TÄ K8, Wedermann, Lieferant derk.u.k.KriegSmarine. IDied,VI.,marial)llfcritra$ie« F. L. Adler & Sohn Handelsgerichtlich protokollierte Firma WIEN, VIII. Bezirk, Kochgasse 7 Fabrik für Kunst- und Synagogeneinrichtungsgegenstände. Spezialisten für Synagogen-Einrichtungen von der einfachsten bis zur feinsten Ausführung. 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