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Jüdisches Volksblatt · 1905-05-05 · 18 (5.5.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 18 seines Volkes aus seinem Feuergeist und seiner lauteren Seele das glühende Wort tiefsten Glaubens, erhabenster Tugend und umfassenden Wissens in die Herzen und Gemüter seiner Gemeindekinder gesenkt und mit vollen Händen den Segen seiner umfassenden Wissenschaft auf den Gebieten heiliger und profaner Erkenntnis überreichlich ausgestreut. Von dem Hohepriester Simon dem Gerechten erzählt der Talmud im Anschluß an jene Schilderungen des Sühnedienstes, daß ihn beim Betreten und Verlassen des Heiligtums stets eine ehrwürdige Greisengestalt begleitet hätte, und als dies einmal nicht geschah, wußte er, daß nun seine irdische Laufbahn beschlossen werde. So hat auch diesen verstorbenen Priester himmlisches Wesen und göttliche Gestalt begleitet von der Stunde an, da er den Boden dieser heiligen Gemeinde betrat, bis zu diesem Augenblicke, wo er sie für ewig verläßt. Möge der Duft dieser von Gott in seinem Weltengarten gepflückten Blume sich balsamisch weiter verbreiten und mögen alle, wenn sie nun bald diesen heiligen Ort verlassen werden, unsichtbar eine ehrwürdige Greisengestalt heimbegleiten als deutliches Zeichen dafür, daß Rabbi Meir Kayserlings Geist in dieser Gemeinde wie auch in der ganzen Gemeinde Israel unsterblich sei. Das Andenken des Gerechten sei gesegnet!" Der Zweite Jüdische Turntag. B e r l i n, 28. April 1905. Am 23. und 24. April hat in Berlin die zweite ordentliche Versammlung der zur Jüdischen Turnerschaft gehörigen Vereine, der sogenannte „Jüdische Turntag", stattgefunden. Vor anderthalb Jahren, während der Tagung des letzten Zionistenkongresses, bildete Basel, die Stadt, von der der Ruf erging, allerorten jüdische Turnvereine zu errichten, den Schauplatz der Begründung des Turnverbandes und gleichzeitig den der ersten Tagung des Jüdischen Turntages. Diesmal durfte Berlin, das von Anfang an die Zentrale'jüdischer Turnerei gewesen ist und das erst eine eigentliche Turnbewegung geschaffen hat, in seinen Mauern die Delegierten des jungen Verbandes begrüßen. Außer den Vertretern des über 500 Turner zählenden Berliner jüdischen Turnvereines „Bar Kochba" waren folgende Bundesvereine vertreten: Köln, Wien, Mähr.- Ostrau, Bielitz, Graz, Oderfurt, Stettin und Lemberg. Außerdem wohnten Abgeordnete der dem Verbände noch nicht angehörenden jüdischen Turnvereine von München, Aachen und Posen den Beratungen des Turntages bei. Eingeleitet wurde der Turntag durch einen vom Turnverein „Bar Kochba" veranstalteten Palästinawein-Begrüßungskommers, zu dem außer Hunderten von Turnern nebst Angehörigen eine größere Anzahl von bekannten Führern der jüdischen Bewegung erschienen waren. Der Turntag selbst wurde am 23. April durch den Vorsitzenden der „Jüdischen Turnerschaft", Dr. Ernst T u ch - Charlottenbnrg, feierlich eröffnet. Der Turntag hat an diesem und dem folgenden Tage eine Fülle von Arbeit in ersprießlichster Weise bewältigt. Zunächst galt es, den Mängeln der bisherigen Organisation abzuhelfen und ein Statut zu schaffen, das der Eigenart der fraglichen Verhältnisse gerecht wurde. Nach dieser Richtung hin ist ein voller Erfolg zu verzeichnen. Vor allem ist ein glücklicher Griff mit der Organisierung der sogenannter: Obmannschaft, d. h. der Vorsitzenden der sämtlichen Verbandsvereine, getan worden. Dieses neue.Organ gewährleistet eine engere Fühlungnahme der einzelnen Vereine mit der Zentrale. Irr propagandistischer Beziehung waren die Anregungen des Dr. Ludwig Werner- Wien und Julius Berger- Köln besonders wertvoll. Die in den Referaten beider Herren niedergelegten Anschauungen und Vorschläge dürften lange Zeit hindurch die Richtschnur für die Tätigkeit der Berbandszentrale bilden. Auch die Ausführungen des Turnlehrers Rudolf P o l l a k - Wien über den Turn- Vetrieb in den jüdischen Turnvereinen werden in vielen Punkten für die Zukunft maßgebend sein. Zur Ermöglichung und Förderung einer systematischen und wirklichen Propaganda erscheint der Beschluß, einen Fonds für die „Jüdische Turnerschaft" zu schaffen, von außerordentlicher-Bedeutung. Endlich sei rwch auf die Referate hingewiesen, die die Stellungnahme der „Jüdischen Turnerschaft" zum Zionismus und zu den nichtjüdischen - Turnverbänden behandeln. Heber das erste Thema sprach Dr. I a l o - w i c z. Er wies» darauf hin, zu welch großem Danke die „Jüdische Turnerschaft" der zionistischen Bewegung.verpflichtet sei, von der die jüdischen Turnvereine die erste Anregung zu ihrer Gründung und die stete Förderung ihrer Bestrebungen erhalten haben. An das Referat schloß sich eine lebhafte Debatte, in der sich völlige Einigkeit.aller Redner darüber ergab, daß die „Jüdische Turnerschaft" mit dem Zionismus die nationaljüdische Basis gemein habe, daß sie aber nach ihren Satzungen keinerlei politische Zwecke verfolge. Das Referat von Theobald Schalem Berlin über die' Stellung der „Jüdischen Turnerschaft" zu. den anderen Turnverbänden führte zur einstimmigen Annahme nachfolgender Resolutionen:- 1. Der zweite Jüdische Turntag rklärt, daß die Stellung der „Jüdischen Turnerschrft" gegenüber den anderen Turnverbänden gegeben ist durch dey § 2 der Satzungen, welcher i utet: „Die „Jüdische Turnerschaft" bezweckt die Pflege des Turnens als Mittel zur Hebung des jüdischen Stammes im Sinne der nationaljüdischen Idee. Unter Nationaljudentum verstehen wir das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aller Juden auf Grund gemeinsamer Abstammung und Geschichte sowie den Willen, die jüdische Stammesgemeinschaft auf dieser Grundlage zu erhalten. Der Verband verfolgt keine politischen Zwecke. /; Der „Jüdische Turntag" stellt fest, daß sich diese Zwecke und Ziele nur in der „Jüdischen Turnerschaft" erreichen lassen. Aggressive Tendenzen liegen der „Jüdischen Türnerschaft" fern. 2. Der zweite „Jüdische Turntag" gibt seinem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck, daß jüdische Mitglieder des Kreises 15b der „Deutschen Turnerschaft" trotz der judenfeindlichen Stellungnahme des Kreises 15b sich nicht ihres jüdischen Volkstums bewußt geworden, sondern in der „Deutschen Turnerschaft" verblieben sind. Nach Erledigung der Neuwahlen und nach der Bestimmung des nächsten Turntagsortes, wozu einstimmig Wien gewählt wurde, schloß der Vorsitzende Dr. Ernst T u ch den zweiten Jüdischen Turntag. Persomlnachrichten. Wien. (Bar Miztpah.) Samstag den 6. ds. findet im Vethause 6. Bez., Margarethenstraße 73, beim Mussafgebete (Beginn halb 9 Uhr morgens) die Bar Mizwahfeier des Josef Krenberger, Sohnes des Herrn Schuldirektor Dr. S. K r e n b e r g e r, Obmann des zionistischen Landeskomitees, statt. Die Eltern des Konfirmanden wohnen 13/8, Auhofstraße 222. Wien. (Todesfall). Am Freitag wurde Bürgerschullehrer Samuel Epstein im Alter von 71 Jahren zu Grabe getragen. Derselbe war -0 Jahre im Letzt fache tätig, 33 Jahre in Ottakring, wo et auch als Exhortator fungiert«. Er verstand es, die Jugend für das Judentum zu begeistern und die Sache der hebräischen Sprache zu fördern. Auch war er Begründer des Ausspeise- und Bekleidungsvereines für die Schulkinder des XVI. und XVU Bezirkes und erfreute sich allgemeiner Sympathien, waS die die große Teilnahme bekundete. Rabbiner Doktor Bach widmete dem Heimgegangenen einen ehrenden Nachruf, in welchem er dessen Verdienste und Vorzüge, besonders die Anhänglichkeit an die Familie und seinen Pflichteifer gebührend hervorhob. Ebenso predigten die Herren Schulinspettor Dr Langfelder und Lehrer Zeckendorf die bedeutsamen Leistungen des Verewigten. Jüdische Abende Vorträge a. d. Literator der ostjtid. Volkssprache [„Jargon") Theater-Abend veranstaltet vom Akademischen Verein zion. Hochschüler aus Russland „LEO PINSKER*. €uer Wohlgeboren! Wir beehren uns, Sie zu der am Samstag den 6. Mai d. J. im Theatersaale des Hötel „Bayerischer Hof*, II. Taberstrasse 39 (Eingang: Obere Augartenstrasse), stattfindenden Aufführung von „Di familje Zwi“ Tragödie Io vier Akten von David Plnskl höflichst einzuladen und sehen Ihrem Erscheinen mit Zuversicht entgegen. Das Reinerträgnis flieht ruHUch-|adiüdien Hilfszwecken zu, Beginn: präzise 8 Uhr abends. Parquet K 3.—, Parterre I. Platz K 2—, II. Platz K 1.—, Galerie. sitz K 1.—, Stehplatz K_60. Karten sind zu haben: Im akad. Verein „Leo Pinsker“, IX., Bleichergasse 6; Caf6 „Augartenbrücke*, II., Ob. Donaastrasse; Gafö „Börse“, I„ Wipplingerstr. im Zionistischen Kongressbureau, IX.. TQrkenstret-se 9; Verlag „Zion* II., Untere Angartenstrasse 9; in d>-r Redaktion des „Jüdischen Volksblatt*, IX., Servilei gasse 4 und bei U, Hammer, I., Rotenturrastrasse 81. Preise der Platze: Nnp fl. 3.50 Weltwunder »IN bilbct schon seit Jahren unsere berühmte Herrrrr- Mrachtgarnttrrr. Genau reguliert! S^Jahre Garantie! bestehend aus 30 Stück wertvollen und praktischen Gegenständen samt einer echten Anker*System-Roskopfubr, und zw.: 1 echte Anker - System - Roskopfuh , genau gehend 1 feine GuMdouble-Panzerkette oder feine la Massiv-Nickelkette mit Kompass 1 Futteral t. Anker-Syst.-Roskopfulir 1 Golddoublö-Fingerring, neueste FaB-on, lmimit. Brillant. 2 Golddoub ü - Manschettenknöpfe, bleiben immer neu 3 Brustknöpfe, Chemisetten 3 Patent-Umlegkiagenknöpfe 1 Seidenkrawatto, licht oder dunkel 1 Notizbuch,sehrsehön u.prakt. 1 Schroibkassette, enthalt 30 prakt. 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