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Jüdisches Volksblatt · 1905-04-21 · 16 (21.4.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite tj Jüdisches Volksblatt Nr. 10 Drittens: Aus Bosheit, weil ich erkannt habe, daß die beiden Rhetoren nebstbei die Polemik zu einer gegertseitigcn Beweihräucherung benützen. Die beiderseitige Reklame der Herren ist eine zu plumpe Spekulation auf die Gläubigkeit der anderen, als daß sie nicht atlch dem Naivsten ausgefallen wäre. Dr. Max benützt sein Referat in der Nummer vom 31. v. Mts. dieses Blattes, um den ändert! über den grünen Mlcc zu loben. Er schreibt von der „formell glänzenden Kritik", von der „durch ebensoviel Vornehmheit als Scharfsinn" ausgezeichneten Rede des Dr. Mendel u. s. f. Dieser wieder benützt rasch in der nächsten Nummer die Gelegenheit der Polemik, um feinem Freund Diamant als Dankesschuld einen ganzen Sirupbottich über den Kopf zu schütten. Ezernowitz, 16. April 1905. Salomon Kaßncr. <NB. Wir erklären die Debatte hiermit für geschlossen und hoffen, daß unsere Czeruowitzer Freunde sich nunmehr der praktischen Arbeit widmen werden! Red.) Zangwill in Manchester. (Eine Resolution betreffend Uganda. Zangwill über die „Alien Bill".) Samstag den 8. April d. I. sprach Zangwill in Manchester vor einer stark besuchten Versammlung, die von der „Manchester Zionist Association" einberufen war, über das Thema: „Zionismus und Englands Anerbieten". Councillor C. Dreyfus führte den Vorsitz. In seinen einleitenden Worten erklärte er, das Anerbieten, den Juden einen Landstrich in Ostafrika zu überlasset!, kätne von der liberalsten Regierung der Welt, der gegenwärtigen Regierung des britischen Reiches. Bei dein letzten Kongresse zu Basel sei beschlossen worden, eine Kommission zum Studiurn der Besiedlungsfähigkeit Zu entsenden, deren Bericht jetzt bei der Leitung der zionistischen Bewegung sei. Ob er günstig sei oder nicht, der Majoritätsbeschluß deS Kongresses tnüsse absolute Anerkennung finden. Sonderbarerweise zeigten die am meisten leidenden Juden nicht die größte Loyalität, sondern den größten Widerstand gegen das Ostafrikaprojekt. Er brachte die Resolution ein, die auch angenonnnen wurde, daß die Prinzipien der zionistischen Bewegung aufrecht erhalten werden. Jur Unterstützung der Resolution nahm Zangwill das Wort. Was für eine Freiheit existiere für den Juden in Rußlands In welcher finsteren Welt lebe dort der Jude? Sei es nicht schon at! der Zeit, daß die Juden aus ihrer Lethargie aufwachcn!tud ihr Verhältnis zu ihrer Uingcbung in richtige Betrachtung ziehen, was sie seit 200 Jahren nicht getan! Es seien jetzt 1885 Jahre, feitbem sie ihr Vaterland verloren, und die Zeit des nutzlosen TrauernS sollte ihr Ettde erreicht haben. Der Jude scheine im Mittelalter die Fähigkeit verloren zu haben, feste Entschlüsse zu fasset! und sein Wunsch scheine dahin zu gehen, seine Nationalität zu verbergen, „Wenn Sie einen! Juden ein Kompliment inachen wollen, dann sagen Sie ihm. Sie hätten ihn nietnals für eilten gehalten." (Gelächter.) Ter Zionistnus sei eine politische Bewegung mit dein Bestreben, dem jüdischen Volk eine gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen, nnd eine politische Bewegung benötige Staatsmänner. Bisher seien die Anführer der Juden gute Rabbiner und freundliche Millionäre gewesen, die den Juden die Wahl ließen zlvischen Verfluchung und Hungertod. Den günstig gestellten westlichen Juden inöge vielleicht der Zionismus wenig bieten außer moralischer Würde, aber für die große Majorität der Rasse und die Hälfte der Juden lebe in Rußland - sei er nicht nur ein Gebot der Selbsterhaltung, sondern eit! Evangelium der Erlösung. Die Juden haben zu lange als ein sonderbares Volk gegolten, notwettdig sei für sie die Erkenntnis. daß die beste Form des Betens Arbeit sei. Das Stadium der Argtttnente habe der Zionismus hinter sich und an seinem Progrannn habe der Tod des Führers nichts geändert. Der Zionismus sei nicht entmutigt, weil Palästina noch nicht erreicht sei. Die Schwierigkeit des Palästinaproblems bestehe in seiner gegenwärtigen Bevölkerung. Er (Redner) befürworte die Annahme eines provisorischen Palästina als einer Zwischenstation — ein Territorium unter jüdischer Flagge, einen Sammelpunkt für den Zionismus, eine Schulung für selbständiges Regieren, einen Stützpunkt für politischen Einfluß und eine Erziehungsstätte der Ernigranten für das wirkliche Palästina, sobald eS erreicht sei. Das Gebiet in Ostafrika sei eit! Plateau von 160 Kilometern Länge und 80 Kilometern Breite. Nach seiner Meinung sei es ein epochemachendes Anerbieten von einer Nation, die in der Kolonisation die größte Erfahrung der Welt besitzt. Die schwere Pionierarbeit könnten die russischen Juden gewiß leisten. Die großen Vereinigten Staaten vot! Nordamerika seien gegründet worden von einer kleinen Kolonie von Engländern und es liege kein Grund vor, waruni ein großes Bevölkerungsgebiet in Ostafrika nicht von Juden geschaffen werden sollte. Einem Interviewer vom „Manchester Courier" äußerte Zangwill seine Ansichten über die „Alien Bill". „Meine Meinung ist," so sagte er, „daß der ganze Vorschlag auf falschen Eindrücken und Voraussetzungen beruht. Tie Urheber der Bill wünschen angeblich nichts, als hilfloses Volk voin Lande fernzuhalten; aber was ist die Tatsache? Der wirkliche Einwand liegt nicht darin, daß diese Fremden hilflos sind, sondern zu tätig und so die Christen aus dem Geschäfte verdrängen; er liegt auch nicht darin, daß diese Fremden unfähig sind, sondern zu fähig. Cs wurde von den Vertretern der jetzigen Politik gesagt: „Lasset uns Amerika nachahtnen." Aber Amerika schließt die fähigen Ausländer tticht aus. Es schiebt nur jenen einen Riegel vor, die wahrscheinlich den Steuern zur Last fallen würden. Zu sagen, daß die neuen Vorschläge dahin zielen, nur die Unerwünschten und Unfähigen abzuhalten, heißt den Sachverhalt lügenhaft darstellen. Matt ivürde es vertnullich als eine unchristliche Handlungsweise bezeichnet!, wenn eS bekannt wäre, daß die Maßnahmen dahingehen, fähige Ausländer fernzuhalten, aber das ist die Wahrheit in dieser Angelegenheit, und es wäre nur ehrlich, sie einzugestehen. Ich betrachte die ganze Sache als eine Schlvindelagitation. Sie ist nicht echt. Mr. Chainberlain und seine Genossen bieten den Juden in hochherziger Weise ein Territorium in Ostafrika zu Kolonisationszwecket! an, erklären aber zur selben Zeit, eine Alien Bill einbringen zu wollen, da es eine Schande sei, daß tüchtige Ausländer — man nennt sie unerlvünschte Freinde — die englische Arbeitsbevölkerung aus dem Osten Londons verdrängen sollet!. Man würde wahrscheinlich dein Strom der Menschlichkeit die Richtung nach Ostafrika geben, wo tausende Quadrattneilen Landes der Kultivierung harren. Durch ein solches Arrangentent suchen sie ein Komprotniß zu schaffen. Dies Anerbieten ist ebenso vernünftig wie hochherzig, und das Komprontiß würde England davor schützen mit der alten Tradition eines Freiheitsstaates zu brechen. Ich wiederhole, daS vorgeschobene Argutnent )vie die Furcht, das Ostend von London tvl'irde überschwemmt und die Steuer überbürdet bei Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes, ist absolut falsch." Vereinsnachrichten. Bethansverein „Beth Hatsillah" (9. Bezirk, Grünetvrgaffe 18). Gebetstunden: Freitag den 21. d. M., abends 0 Uhr 45 Min., Samstag den 22. d. M., morgens 8 Uhr, Mincha-Gebet und Mittelschul-Gottesdienst, nachmittags 8 Uhr, Exhorte: Professor Dr. Gold ha mm er. An Wochentagen 7 Uhr früh, abends 7<7 Uhr. Chewra-Kadischa, Wien. Im abgelaufenen ersten Quartale 1905 wurden seitens der Ehütora- Kadischa Unterstützungen und Kurbeiträge im Gesamtbeträge von K 0010 bewilligt,' weiters wurden 808 Bandagen, orthopädische Behelfe, Augengläser ttftu. verabfolgt und 5882 Rezepte unentgeltlich angewiesen. Der Zweite Jüdische Turntag. Am 28. ltnd 24. April 'wird in Berlin die Jüdische Tttrnerschaft, der Verband der ttativnaijüdlschen Duruvereine, ihre .zweite ordentliche Vevsammlung.. den sogenannten Jüdischen Tnrtttag, abhalten. Bel der anfsteigenden Entwicklung und 'bei der wachsenden Verbreitung der jüdischen Turnnercine verdient der Jüdische Tursntag ganz besondere Beachtung. Gelegentlich der Veranstaltnng soll ein Schauturnen und eine öffentliche Versammlung stattfinden. Wien. lV c r e i tt tt r A d w ehr des A n t i s e m i t i s m n o.) Mittwoch den 26. Aprll l. I. findet nn Festsaalc des Qesterr. Jngenkmr- und Architeltenvcreines, 1. Bez., Eschenbachgasse Nr. 9, ein großer Vortrag mit Lichtbildern seitens des Herrn Univcrsitätsprvfcssvrs Dr. Felix von L uscha n ans Berlin über „D i e anthropol o g i s ch e S t e l l n n g d e r I u d c tt" statt. Zu den bevorstehenden Festtagen empfehlen: Palästina-Weine GriginalMmg der. . I/^rmol" rlomman-lt-Gesellschaft jjIVal IIIBI Wien, II., Gredlerstrasse 9 Ecke Taborstrasse 11B. mit grossem Erfolge ausgestellt auf den PALÄSTINA - AUSSTELLUNGEN: Wien, März-April 1904, Prag, Mai 1904, Berliner Gewerbeausstellung 1896, Köln 1897, Breslau 1897, Hamburger Internationale Gartenbau-Ausstellung 1897: Bronzene Medaille. Franfurt a. M. 1898/99. Pariser Welt- Ausstellung 1900: QOLD. MEDAILLE. Unsere Weine und Kognaks sind nPB btt? "ICD und stehen unter Aufsicht Sr. Ehrvvürden des Herrn 8. Fürst, Rabbiners der „Adass Jisroel“ (Schiffschul) in Wien. Vollkommenster Butter-Ersatz HBB hl -IBS T 0 M 0 R nos bv NV2 Pflanzen-Margarine, In Geschmack, Aroma und Strelchdarleit von Nalurbutler nicht zu unterscheiden, selbst der vutter vorzuziehen, weil fleischig und milchig verwendbar. Obgleich riss Produkt frei von animalischen Fetten ist und keine Tiermilch enthält, muss dasselbe nach dem Gesetze doch als Margarine bezeichnet werden. Nicht zu verwechseln mit Margarine aus Tierfetten. Die Herstellung erfolgt unter ständiger Anwesenheit eines streng relig. Aufsichtsbeamten und wird von Sr. Ehrw. Hm. Rabb. Dr. B. Wolf in Köln inspiziert. Postpakete ä 8 Pfd. netto Inhalt Mk 5 45 postfroi exklusive Zoll unter Nachnahme. Proben stehen zur Verfilmung. Sana-Gesellschaft m. b. H., Cleve a. Rh estaurant laroline leidner Wien, I., Seilergassel4—Telephon 1276 Erstklassiges geräumiges Lokal mit allem Komfort dor Neuzeit i.usgest'iHet. 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