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Jüdisches Volksblatt · 1905-04-21 · 16 (21.4.1905) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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gp -----* Redaktion: IX/L, Servitengnsse 4. Telephon Nr. 1478». Sprechstunden: An Wochentaften von 4 bis 6 Uhr nachm. Postadresse: Jüdisches Bolksblatt. Wien. IX|i. BmHwerdtn wegen verspäteicr oder gar nicht crfolatt»: Zustellung erbitten wir uns dringend. — Manuskripte u»er«en nicht ruriievaeeteii». Postsparkasse».Koni» 847087. In das Abonnement kann man täglich cintrcicn. k-d Erscheint jeden Freitag. EigrnLiimr und Hemlsgrber: Ialrod Dra«s?. Inserate übernehmen di« firmen: M. Dukes Nachf., lsaasenstein L Vogler, Rudolf Masse, M. pozsonqi, fl. Schalek In wie», ferner alle Annoncen' Expeditionen im Auslande. Einzel-Nummer in Wien SV Heller. A dminifiratiou: IX/1, SLroikengastL Telephon Nr. 1478». Abonneme Für Wien ». Oesterretch- Uttgarn s. Frankozustellung: Ganzjährig.... X 18. - talbjöfHß . ... K ierieljährig . . . K » — 1 S - PreiS: Für das gesamte Nnsland samt Frankozustellung: Ganzjährig ... X 18.8» L albjährig ... X 8.88 Vierteljährig... 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Und als wir fünfzig Jahre nach der Westeuropa befreiendeit Revolution uns unseres c i g e n e n Menschtums 311 besinnen, die Unterdrückung zu entpfinden und über eilt Besreinngswerk nachzudenken begannen, da war wieder oft mehr Phantasie dabei im Spiele, als kaltes Nechnett mit den gegebenen Verhältnissen. Und lesen wir heute die Freiheitsgesänge, die verschiedene jüdische Blätter der Erinnerung an die ungewollte unb unbewußte Befreiung Israels aus Aegypten widmen, . so werden wir uns des traurigen Gefühls nicht erwehren können, daß die Befreiung des alten Israel aus ägyptischer Knechtschaft und nicht minder die Befreinngsmöglichkeit des immer weniger widerstandsfähig werdenden jüdischen Volkes mehr von der Phantasie einzelner Feuilleton. So schließ ich denn die Augen Und träume still; Nicht alles, was ich will, Wird kommen .... Der Tag ist blau Im Abendtau verglommen; Und alle Sehnsucht wird Zum Lichtlein, das einsam irrt In dunklen Nächten . . . Es weht ein sanfter Wind Und bläst das Lichtlein aus.- Sieh, meine Seele ruht und gute Engel sind Zur Linken und zur Rechten, Wie's Mutter einst erzählte.- Viel liebe Schatten kommen Und winken mir: Nach Hans! So öffne ich denn die Augen . . . Und alles, was einst mich quälte, Ist im Abendtan verglommen. M. Scherlag. „Der Jude «ns Wisch««". Der „Verein des heiligen Mett) 0 d i u s" in Wien, ein Verein zur Abhaltung tschechisch-katholischer Andachten in Wien, veranstaltete am 10. April im Saale des „Narodni Dlim" eine tschechische Theatervorstellung. Gespielt wurde „Der Jude aus abgeschätzt, als durch die gemeinsame Erkennt-; nis historischer Wahrheiten abgewogen werden.! Das ist unsere Situation, die Situation j der Juden des Westens, die sich im Jahre 1848! einen tüchtigen Freiheitsrausch angetrunken, - aus dem die meisten von uns noch nicht entnüchtert wurden und viele von uns nie mehr erwachen werden. Man muß von Natur aus nicht kleinmütig sein, um an die Zukunft ' dies e s Volksteiles zu verzweifeln. Unverj stand, Trägheit, gemischt mit falschem Dank-! barkeitsgesühl für unsere „Wirtsvölker", haben den größeren Teil der westlichen Juden für! ihre wahren Pflichten unempfänglich, für wabi res Leid unempfindlich gemacht.! Ich glaubte nicht mehr an das Wieder- \ erwachen des jüdischen Volkes, ich gab es ver-; loren, bis zu jenem Zeitpunkte, da aus fernein i Osten der erste Schiuuner von neuer, belebenj der Hoffnung zu mir drang. Die erste jüdische! Heldentat im großen, welterschütternden Freij heitskampfe,- der sich ver unseren Augen in! Rußland abspielt, machte mich in meiner Verzweiflung um die Zukunft meines Volkes wieder wankend; ich hoffe von neuem, aber es ist die letzte Hoffnung .... Wie beneide ich meine russischen Brüder um die glückliche Fügung, daß sie nicht vor einem halben Jahrhundert mit uns „befreit" wurden, um mit uns gemeinsanr unterzugehen. Wir sind heute ein abschreckendes Beispiel für unsere Brüder in Rußland. Wir wurden äußerlich befreit, und sind dabei innerlich getötet worden. Der Tod ist die billigste Befreiung, und für ein Volk, das innerlich tot ist, gibt es keine Auferstehung! Haben aber unsere Volksgenossen, die jetzt im Kampfe für die Befreiuung so vieler Nationen in vorderster Reihe stehen, auch das Bewußtsein der hohen Mission, welche ihnen die Weltgeschichte zugewiesen? Sind sie sich dessen inne geworden, daß sie nicht nur sich von niedrigen, drückenden Fesseln zu befreien, sondern auch ihre Volksreste im Westen vor sicherem Untergange zu retten haben?! Viele Anzeichen sprechen dafür, daß der Freiheitskampf, den die Juden in Rußland führen, nicht nur ein Kampf für Menschheitsrechte, sondern mehr noch für die Gleichwertnng der Völker ist, und daß die Inden nicht bloß als geknechtete Individuen, sondern mehr noch, als eine Nation, der noch große Aufgaben harren, ihr Teuerstes aufs Spiel setzen. Unser Segen geleitet sie in ihrem heiligen Kampf um eine heilige Sache! Und da denken wir mit Bitternis an einen großen Teil der in lauter Taktik verknöcherten Juden des Westens, die in niedriger Unehrlichkeit oder aus kleinlichem politischen Egoismus jede ideelle Genreinschaft mit den heldeirnrütigen Freiheitskämpfern nicht ostentativ und laut genug zu leugnen vermögen. Es sind das dieselben Juden, die in den Märztagen die Gräber der jüdischen Freiheitskämpfer vom Jahre 1848 mit viel Wohlbehagen und wenigem Verständnis zu schinücken Pflegen. 1848 war eine Revolution, in der wir Menschheitsrechte gewonnen, Wischau", mährische Volkssage in vier Akten und einem Nachspiel von W. Lipovsky.*) Es ist überflüssig, 31t sagen, was für eine Figur der Jude in einem Stücke, das vorr einem klerikalen Vereine gewählt wird, spielt. Die Stadt Wischau in Mähren wird von den Schweden belagert.**) Die Bürger befinden sich auf den Mauern, um die Stadt vor dem Feinde zu schützen. Einige von ihnen sind betrunken und geraten mit ihren Mitbürgern in Streit. S l a v i k, ein schöner, junger Mann, muß den Streit schlichten. Nachdem es ihm gelungen ist, spricht er in einem Monologe die durch nichts begründete Befürchtung aus, daß er fallen werde. Der Monolog soll der Handlung vorgreifen und in uns die Ahnung erwecken, daß Slavik durch Intrige fällt. Er verfehlt aber ganz seinen Zweck, denn jeder Zuhörer muß glauben, daß Slavik im Kampfe fallen wird. B a t h n e l, der vornehmste Jude aus Wischau, sucht auf den Mauern den Bürgermeister N e u st u p s k y, begegnet aber statt seiner dem jungen Slavik. Auf die Frage, was er hier wolle, bittet Bathnel, es möge den Bewohnern der Jubenstadt die Beschütznng des *) LipoivSki ist das Pseudonym snr W. Matyaß, der aufansts bet Ezizeks Truppe Schauspiele^ ut<u> im Jab re 1832 der Nedaktnm des „Pvtrok" beigetreterl ist und derzeit als Redakteur der „Ä> l lad ovales lavs ke lisch" (Jttuabuuzluiier Blätter) wirkt. **) Die Handlung spielt ivobreud des dreitzigjäHrtgeu Krieges, im Jahre 1642. Tores bei der Rosengasse anvertraut werden. Slavik weist ihn mit der Bemerkung zurück, „die Juden hätten kein Recht, sich mit ihren schmutzigen Schacherhänden in die heiligen Dienste und Rechte seines Vaterlandes einzumischen". Ihre Unterredung wird durch das Auftreten L u d m i l a s, der Geliebten Slaviks, unterbrochen. Sie erzählt ihrem Liebhaber, was sie in der letzten Nacht geträumt habe, nämlich den ganzen loeiteren Inhalt des Stückes. Der Bürgermeister hat tatsächlich den Inden das Tor in der Rosengasse anvertraut. Sie benützen aber die Gelegenheit, um Wischau für eine gewisse Summe Geldes an die Schweden zu verraten. Es schleicht sich ein schwedischer Spion ein. und B a t h u e l unterhandelt mit ihm über die Bedingungen des Verrates. Der Verfasser setzt alle Hebel in Bewegung, mn bei dieser Gelegenheit den Schachergeist des Juden womöglich bervorznheben. Nach vielem Hin- und Herhandeln einigen sich Bathnel und der Spion. Es gilt aber noch eine Schwierigkeit zu beseitigen, nämlich den vorsichtigen Slavik, der dem Juden stark auf der Kappe sitzt, indem er ihn auf Schritt und Tritt beobachtet. Lipovsky ist um ein Mittel der Beseitigung nicht verlegen. Er läßt Slavik von Bathnel wegen Hochverrates anklagen. Der Angeklagte wird tatsächlich vor Gericht gestellt, vor ein Gericht, wie es nur in Krähwinkel denkbar ist. Der Bürgermeister und zugleich Richter von Wischau ist von einer unglaublichen Beschränktheit. Er schenkt dem Kläger Bathnel

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