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Jüdisches Volksblatt · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 13 A«S Bodenbach. Bodenbach, den 20. Mürz. Am 19. d. M. fand hier anläßlich de» Purimfesteei« Sostümkränzchen unter dem vielverheißende« Titel »In der Sommerfrische^ statt. War da» BergniizungSkomitee de» Tempelbanvereine» diesmal an Arbeit geleistet hat, sah man beim Eintritt in de» zum Orte „Posemuckel" umgewandelten Saal. Eine Orientierung-karte gab Aufschluß in dem Gewirre, damit die Fremden auf da» Gemeindeamt, in die Badeanstalt, in die Gastwirtschaft, zum „Poroneim-See^, ja sogar nach Zion die kürzeste Route und anderwärts fänden. Zum Gemeindekotter wurde man geführt, wen« man die Dame nicht engagierte, wenn man sich «twas z« schulden kommen ließ. Köstlich war daS friedliche Beisammensein zweier bekannter Juristen, die sich gegen die öffentliche Ordnung vergangen hatten, sogar den Kassier steckten die bärbeißige« Gemeinde- Polizisten in» Loch. Und lustig war'S auf der Sommerfrische und außer dem ortsansässigen Banernvolke, dem Schnltheiß und anderen kamen elegante Städter und Städterinnen, Advokaten and Advokatinnen, Sportsdamen, Automobilisten, Radfahrer, Krämer, Landstreicher, slowakische Händler, Rastelbiuder, Leiermaun «. v. a., sogar ei» Postpaket znm Tanz. Unter einem großen Schirm war die Kramstelle der ehrwürdigen Jungfrau — der Name ist mir entfallen — die allerhand gute Dinge zugunsten des Vereines feilbot, ausgestellt. Was diesmal an Attentaten auf die Geldbörse verübt wurde, spottet jeder Beschreibung; Ansichtskarten, Spielsache«. Confrtti, Coriandoli, Leiermann, ein Schrammelkonzert in der .Gastnahrung*, die Badeanstalt, das Gemeindeamt, auf welchem allerhand Scheine nicht nur zum Schein ausgestellt wurden. Das alles kostete Geld. Und ein jeder gab gerne, denn alle waren befriedigt, die Teilnehmer, der Verein — ob es unser Redakteur der antisemitischen „Nordb. Ztg." sein wird, wenn er dies liest, daß die Einnahme» auf diesem Feste unserem Vereine zu Tempelbauzwecken eine nette dreistellige Summe eingebracht hat, weiß ich nicht. Jedenfalls hat er gut daran getan, nicht auf das Fest zu kommen, denn es hätte ihn doch allzusehr geärgert, zu sehen, was Gutes der Antisemitismus gezeitigt, wie die Juden unter sich ganz vortrefflich sich zu unterhalten verstehen. Am 2. April l. I. wird hier ein Vortrag von zionistischen Distriktskreisen gehalten. Darüber be. richten wir nächstens. r. Vereinsnachrichten. B«thausvsrein „B »th - Half i ll o h" Wien (9. Bez. Müllnergaffe). Sebotstunden: Freitag, den 3t. März abend» 6 Uhr 15 Minuten Predigt. EamStag, den 1. April früh 8 Uhr Minchagebet (Gottesdienst für Mittelschüler) 3 Uhr nachmittags. Die Echoste hält Professor Dr. Pollak Minchagebet an Wochentagen 6 Uhr 15 Minuten Abend. (Jüdische Toynbeehalle.) Bortragsordnung: Sonntag, 2. April, Dr. H. Kohn: „Moral und Rechte. Montag, 3. April, Dr.I. Jerusalem: „Geschichte der Arbeit-. Dienstag 4. April, Dr. I. Samuely: „Beethoven". Mittwoch, 5. April Professor Dr. I. Pollak: „Körper und Seele". Donnerstag, 6. April: Professor Dr. S. Ehrmann: „Die Kunst im Bölkerleben". Freitag, 7. April: Bibelerklärung. Samstag, 8. April: Konzert. Mit dem Samstagkonzerte wird das diesjährige Winter- (Bortrags-)Semester geschloffen. Die Kurse, die im Februar begonnen haben, dauern weiter fort. (Kostümkränzchen des Erste Wiener Jüdischen Turnvereines.) Das Kostümkränzchen des Ersten Wiener Jüdischen Turnvereine-, das am 25. d. M. im Ballsaale Ronacher stattfand, verlief wie alle Veranstaltungen dieses Vereines in äußerst glänzender und animierter Stimmung, die bis zu den letzten Klängen des Schnellpolka aushielt. Eröffnet wurde der Abend mit einem Damenreigen, welcher von 20 Turnerinnen aufgesührt wurde. Trotzdem kein Kostümzwang herrschte, sah man doch recht viele und vielartige Kostüme. Zu bedauern ist nur, daß unter den vielen kostümierten Damen gar so wenige in ihrer Kleidung den jüdischen Charakter der Veranstaltung betonten. Wir sehen bloß eine „Ruth" (Frl. Lotte Rand) und mehrere Damen, die man mit einigem guten Willen als „Orientalinnen" zu erkennen vermochte. Unter den vielen schönen Kostümen seien sonst noch in bunter Reihe hervorgehoben: Zwei Studentinnen (Frl. Ella Welt und Frl. Schmelz), eine Chansonette (Frl. Stern), eine Malerin (Fräulein Kraus), eine „Carmen", (Frl. Burian), ein Page (Frl. Monias), ein Page (Frl. Monias), ein« Attwienerin im Phantasiekostüm (Frau Robitschek), eine Pierrette (Frl. Frieda Egg), eine Nixe (Frl. Fanni Egg), eine Geisha (Frl. Rosenbaum), eine Russin (Frl. Wanda Fion), einige Wäschermädel (Frl. Elli Fron, Frl. Jsler, Frl. Heim re.), ein Veilchen Fräulein Korn) «in Frühling (Frl. Steiner), ein Baby Frl. Welt), einige Tennisspielerinnen (Frau Strompf, Frl. Kraushaar), zwei Strandgigerln (Frl. Schmeer und Frl. Schmolle), und eine Spanierin (Fräulein HostowSki). Wien. (Jüdischnationaler Arbeiterverein, XV.. Sechshauser st raße 12.) Sonntag den 2. April Ausflug zur Bieglerhülte. Abmarsch v«m Vereinslokal um halb 2 Uhr nachmittags, re» spektive um 2 Uhr von der Station Hütteldorf-Hacking, Hackingerseite. Gäste herzlich willkommen. Für Unterhaltung ist bestens gesorgt. — Das Sommerkostümfest findet nicht im Verbandsheim, sondern im Hotel Holzwarth, XV.. Mariahilferstraße 148, statt. Gruppenanmeldungen erbitten wir rechtzeitig ins Vereinslokal. Erster Wiener Jüdischer Turnverein. Der Erste Wiener Jüdische Turnverein veranstaltet Sonntag den 16. April d. I. zugunsten seines Turnhallen-BaufondS «ine Nachmittagsvorstellung im Deutsche« Volkstheater. Zur Aufführung gelangt mit den erste« Kräften dieser Bühne daS Lustspiel „Unser Käthche«" von Theodor Herzl. Indem,'wir zum Besuche dieser Vorstellung höflichst «inladen, bitten wir zugleich, durch Verbreitung dieser Einladung im Bekanntenkreise dem gemeinnützigen Zwecke neu« Freunde zuführen zu wollen. Der Turnrnt. Zentralstelle für den Kartenverkauf: Siegfried Beer, 1., Zelinkagasse 2. — Telephon 17.155. Ferner sind Karten zu haben: durch alle Vereinsmitglieder, im Casö de Fance und an der Tageskaffe des Deutschen VolkStheaters. Bethausverein ,.Em»naS AveS" (Wien, XIV. Storchengaffe 21). Herr Rabb.-Kand. Aron Fürst, Sohn Sr. Ehrw. des Herrn Rabiner S. Fürst, wird Samstag den 1. April pinn D präzise'/, 10 Uhr vormittags über Emladung des Vorstandes in der Vereinssynagoge XIV., Storchengaffe 21, einen Vortrag ,-ttp-H halten. Jüdischnationaler Arbeiterverein Wien. (Bibliothek.) Die Bibliothek ist jeden Dienstag und Freitag von 8 bis 9 Uhr abends geöffnet. Leseabende jeden Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag. Jeden Mittwoch Vortrag, jeden Samstag Diskussion, jeden Sonntag Exkursion. Zusammenkunft halb 9 Uhr früh im V ereins lokal. Jeden Sonntag nachmittags bei schönem Wetter Ausflug. Zusammenkunft 2 Uhr nachmittags. Bei schlechtem Wetter Vorträge im Vereinslokal. Jüdischnationaler Arbeiterverein Wien. Voranzeige: Samstag den 29. April 1905 veranstaltet der Verein ein Prvmenadekonzert mit anschließendem Frühkingskränzchen in den Prachtsälen des Berbandsheimes, 6. Bez., Käsernengasse. Gruppenanmeldungen erbitten wir 8 Tage vor dem Feste. „Jordania", Vereinigung jüdischer Hochschüler aus der Bukowina in Wien. Die für das lausende dritte (Sommer-) Semester vorgenommenen C'hargenwahlen ergaben folgendes Resultat: Präses: stud. jur. Marcus Schaffer, Vizepräses: cand. jur. Leo K r u m h o l z, 1. Schriftführer: stud. jur. Chaskel Wurzel/ L Schriftführer: stud. techn. Hersch Hoffende L"g, Kassier: stud. exp. ac. Jakob Inrgrau, Bibliothekar: cand. ing. Simon F e l b e r b a u m. — Vereinslokal: 8. Bez., Langegasse 14. Floridsdorf. (CHewra K a d i s ch a.) Wie alljährlich, fand auch dieses Jahr seitens» der Chewra Kadischa Dienstag den 14. März, abends 5 Uhr, eine Gedächtnisfeier statt. Herr Bezirksrabbiner Dr. Rosen wann gedachte in seiner ausgezeichneten Rüde der im vorigen Jahre dahing eschiedenen Mitglieder und schilderte die umfassende und segensreiche Tättgkeit dieses Vereines. Um das Gedeihen des Vereines sind besonders die Herren Max Neumann, Obmann der Chewra Kadischa, G. Duke s, Obmannstellvertreter, und I. Eysler, Kontrollor, eifrigst bemüht. Verein zur Hebung der Gewerbe. In der am 24. März d. I. abgehaltenen Vollversammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe, wurde nach Abhaltung eines mit Beifall aufgenommenen Vortrages des Herrn Professor Richard Singer über „Unsere Kredit- und Zahlungsverhältnisse" folgende Resolution an die Niederösterreichische Handels-undGewerbeka mm er beschlossen : „Behufs Regulierung unserer desolaten Produktionsverhältnisse, welche dazu führen, daß der Warenkredit im Allgemeinen in irrationeller Weise gehandhabt wird, erscheint die Unterstützung eines soliden Zwischenhandels unumgänglich notwendig. Das gegenwärtig ungeordnete Zahlungs- und Kreditwesen, dem eine gewisse Unsicherheit im Verkehr« zuzufchreiben ist, erfordert eine dringende Reform, die im Einvernehmen mit allen Handels- und Gewerbebranchen anzustreben ist. Auch dem Gewerbeftande angepaßte Kreditquell.en sollen eröffnet werden." Die verehrte Handels- und Gewerbekammer für Oesterreich unter der Enns wird ersucht, die in diesen Richtungen dringlich notwendigen Schritte einzuleiten. In derselben Versammlung wurde auch der Z u s a tz a n t r a g des kaiserlichen Rates Herrn Adolf Ruziczka angenommen, daß die Gültigkeit der Fakturen im Geschäftsverkehre durch deren Bestätigung gesetzlichen Wert erhalten sollten. Prrsonalnachrichten. Stantsla«. Am 17. ,u>d 18. März l. I. hielt Herr Joses Grob, Konto» aus Wien, im hiesigen Tempel als Borbeter Probevorträge. Das ganze Publtkum war von seinem Vortrage entzückt und bewunderte seine herrliche musikalisch ausgebildete Stimme. Alle Anwesenden sprachen den Wunsch aus, Herrn Grob als Kantor für den hiesigen Tempel zu gewinnen. Oeffentliche Danksagung. Ich Endesgefertigter erachte es als meine Pflicht, auf diesem Wege, dem Herrn Dr. med. Emauel Deutsch, IX. Porzelangasse 54, den herzlichsten Dank auszusprechen für die aufopfernde Behandlung meines schwerkrank gewesenen Sohne« und verdanke ich hauptsächlich diesem so gewissenhaften Arzte das Leben meines Kindes. Ich danke auch bestens dem humanitären Krankenunte,stützungsvereine „M e n s ch e n l t e b e" für sein außerordentliches Gntgegenkommen, welches er mir erwiesen hat. Hochachtungsvollst Theodor Burger, Tapezierer. IX. Servirengasse 4. Wien. (Todesfall.) In der Nacht vom 19. auf den 20. ds. verschied in Wien Herr Isaak Landau im Alter von 70 Jahren. Durch diesen Todesfall wurden die Familien der Hof- und Gerichtsadvvkaten DDr. Carl L i f c z i s und Leopold B l e ch, die in dem Verstorbenen ihren Schwiegervater verloren, in tiefe Trauer versetzt. Lobositz. (Rabbrnerwah l.) Die durch Ableben des Rabbiners Heinrich Saar erledigte Stelle eines Rabbiners bei dev Kultusgemeinde Lobositz wurde dem diplomierten Rabbiner Salomon L ö w y aus Graz verliehen. Geschästsnottzeu. Anläßlich der herannahenden Pessach-Fest-» tage werden in den meisten Familien Tafelgeräte, hauptsächlich Eßbestecke, nachgeschasst, und es ist für jedermann von Interesse, eine in diesen Artikeln leistungsfähige Bezugsquelle kennen zu lernen. Wir machen unsere geehrten Leser ans die bekannte reelle Firma Brüder Gold mann ,>Zur Brillantenköniigin", Wien, 1. Bezirk, Adlergasse 3, ausinerksam, woselbst eine reichere Auswahl von echt Silber-, sowie Berndorfer Chinasilber-Eßöestecken, Tafelleuchtern, Sederschüsseln und allen zu Hochzestsgeschenken geeigneten Artikeln in solider und phantasiereicher Ausführung preiswürdig zu Haben sind. Zu den bevorstehenden Festtagen empfehlen: Palästina-Weine, Originalfüllung der Kommandit - Gesellschaft „Karmd“ WIEN, II., GREDLERSTRASSE Nr. 9, Ecke Taborstrasse MB. GM-, ©essertand ^edizinalweine, mit grossem Erfolge ausgestellt auf den PALÄSTINA¬ AUSSTELLUNGEN : 'Wien, Mürz-April 1904. Prag, Mai 1904. Berliner Gewerbeausstellung 1896. Köln 1897. Breslau 1897. Hamburger Internationale Garjenbau-Ausstellung 1897: Bronzene Medaille, [''rankurt a. M. 1898/99. Pariser Welt-Ausstellung 1900: -GOLDENE MEDAILLE.- t a a c 1 : A b r e i Französische Linie. Bequem«, rasche Fahrt, ausgezeichnete Verpflegung samt Wein und Likör. Fahrkarten nach allen Stationen sämtl. amerikanischer Bahnlinien zu Originalpreisen. Nähere Auskünfte erteilt gratis und franko L Französische Linie j WIEN, IV., Weyringergasse 8. I AMERIKA s e aus HAVRE jeden Samstag estaurant laroline ieidner Wien, I.,Seilergassel4—Telephon 1276 Erstklassige« geräumiges Lokal mit allem Komfort dor Neuzeit uusgestattet. Anerkannt vorzügliche Küche, Biere aus den renommiertesten Brauereien, Buutoillonweine, sowie Schnnkweine in jeder Preislage. Champagner, Liköre etc. — Hochzeiten werden auch ausser dem Hause angenommen. — Für Hausfrauen, Pensionen, Institute: Flaschenweine, Bouleillenweine Champagner, Dolikutossen Zustellung ins Haus. 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