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Jüdisches Volksblatt · 1905-03-17 · 11 (17.3.1905) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Jüdisches Volksblatt Seite 5 Vielleicht gelingt es, die von Herrn Dr. Brettholz gegebene Anregung zu nutzen. Es kann ja nicht schwer sein, eine Gesellschaft zu gründen, die nichts als die spezielle Aufgabe hätte, die jüdischen Auswanderer vor den Folgen zu schützen, die infolge falscher Informationen an der Grenze entstanden und aus dem bedauerlichen Umstande sich entwickelten, daß trotz der Frankfurter Konferenz nod) immer gar nichts geschehen ist, um die Auswanderung in ein geordnetes Bett zu leiten. Die Aufgabe einer derartigen Gesellschaft wäre natürlich nur eine provisorische, und ihre Wirksamkeit hätte in dem Momente aufzuhören, da die geplante Organisation der Auswanderung durchgeführt und die Spezialaufgaben dieser Gesellschaft von der Organisation übernommen würden. Vereinsnachrichten. Wien. („D i e jüdische Vereintgung",) die sich am 20. Februar d. I. konstituiert hat, wählte folgenden Ausschuß: Adolf Bojko, Präses: Dr. phil. Hermann Kadi sch, Vizepräses: Med. Jehnda Jrrgang, Schriftführer: Hermann P l a s ch k e s, Kassier: Isidor Heiler, Hermann K o h n, Adv. Dr. Karl Lifczis, Sigm. Friedman n. Der Verein hält am Dienstag den 21. März um 8 Uhr abends in Hirschbeins Gasthaus, 2. Bez., Schiffamtsgasse, Ecke Schiffgasse, den ersten Disinssionsabend mit folgender Tagesordnung: „Unseres Vereinsprogramm". Referent Dr. Hermann Kadis ch. Gäste herzlichst wi ll komme n! Kaufleitte nnd Gewerbetreibende! Am Freitag den 24. März, halb 8 Uhr abends, findet im großen Saale des Hotel G u t h, 2. Bez., Stosaniestraße Nr. 14, eine Vvllversammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe unter dem Vorsitze seines Präsidenten B r o d mit wichtiger Tagesordnung statt. In derselben werden nämlich die gegenwärtigen Za'Hlnngs- und Kreditv erh ä ltni sse der Kau f mann s ch a f t und des Gewerbestandes besprochen und sollen ernste Mittel vorgeschlagen werden, durch welche aus dem Kreise der Bevölkerung bindende allgemeine Zahlungstermine bei Kauf und Verkauf im kaufmännischen und gewerblichen Verkehre festgesetzt werden. Ein auf diesem Gebiete mit reichen Erfahrungen ansgeftatteter Fachmann, Herr Professor Richard Singer, wird, der Einladung des Vereines Folge leistend, einen Vortrag über „Unsere Kredit- und Zahlungsverhältnisse" halten. Sodann folgt eine f r e i e D i s k u s s i o n, in welcher es j e d e m A n wese n d e n gestattet ist, seine sachlichen Vorschläge vorznbringen, die zur Kenntnis der Handels- und Gowerbekammer gebracht werden. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreiche Beteiligung der P. T. Kausleute, Industriellen, Gewerbetreibenden un>d Angehörigen aller Stände an dieser Versammlung. Bethausverein „Beth Hatfilah" Wien. <9. Bez., Müllnergafse.) Gebetstunden: 17. März, Freitag, abends 6 Uhr Predigt. 18. März, Samstag, früh 8 Uhr Minchägebet (Gottesdienst für Mittelschüler) 3 Uhr nachmittags. Die Erhörte hält Rabbiner Dr. M. Rosenfeld. Minchagebet an Wochentagen 6 Uhr abends. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" veranstaltet Sonntag den 19. d. M. eine intime Purimfeier. Referent ist Herr Dr. Hugo Träger und wird über has Thema „Das Esther-Fragment von Grillparzer" sprechen. Anschließend musikalische und deklamatorische Vorträge. Beginn 3Va Uhr nachm, im Kongreßbureau, 9. Bez., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wie». Der Mädchen- und Franenverein ,Fran>kenbesuch" (,-BUur Chanlim") ladet zu dem am 19. März, nachmittags 4 Uhr, im Sitzungssaale des israelitischen Kuttusgemeinde (1. Bez., Seitenstettengasse 4) stattfinderchen Vorträge Sr. Ehrwübden des Herrn Rabb. Dr. Feuchtwäng feine verchrten Mitglieder hö stichst ein. Anschließend daran Plenarversammlung zwecks Berttchterstattung und Diskussion Wer „Die Notwendigkeit einer teilweisen Vereinigung der Kranken- und Armenunterstützungsvereine". Gäste herzlich willkommen! Verbindung jiid.-nat. Hochschüler aus der Bukowina „Herzlonia" in Wien. Die am 8. d. M, stattgefundene Chargenrvahl für das Sommerfemester 1996 hat folgendes Resultat ergeben: Eand. In«. Efroim Finger, Präses: Stud. Ing, Markus Rosen stock, Mzepräses: Stud. Med. Menachem F losch n e r, Schriftführer. Jüdische Toynbeehalle. Vortwgsordnung. Sonntag, 19. März. H. Berliner: Jüdische Solidarität. Montag, 20. März. Dr. H. Stransky: Deutsche Literaturgeschichte 3. Dienstag, 21. März. Dr. S. Werner: Aus jüdischer Geschichte. 3. Mittwoch, 22. März. Professor Dr. L. K ö n t g st e i n: Unser Auge 2. Donnerstag, 28. März. Dr. K. Ltfezts: Das Problem der Armut. Freitag, 24. März. Bibelerklärung. Samstag, 25. März. Konzert. Sonntag, 26. März. H. Avrk-Steiner: Borlesung eigener Novellen. „Bar Kochba", Verein jüdischer Hochschüler aus Galizien, 8. Bez., Langegasse 14. Montag den 20. d. M. findet ein Vortrag des Herrn Schriftstellers Mathias Ach er über „Die Lage, Wege und Ziele des jüdischen Volkes" statt. Ort: Restaurant Guth, 2. Bez., Stefaniestraße 14. Zeit: 8 Uhr abends. Gäste willkommen. „Adaß Jisroel" (Schiffschnlj. Sonntag, 12. ö. fallt) die Generalversammlung dieses Vereines unter Vorsitz des Obmannes Herrn Markus Bondi und in Anwesenheit des Herrn Kultusvorstehers Dr. Alfred Berger, Ehrenmitglied des Vereines, statt. Der Rechnungsabschluß, der mit rund K 23 000 bilanziert, wird, als bekannt, nicht verlesen und konstatiert Vorsitzender, daß mit den steigenden Ausgaben glücklicher weise die Einnahmen Schritt halten. Herr Dr. Berger macht Mitteilungen über den Stand der Mikwehsrage, die zu lebhafter Diskussion Anlaß gäben. Der Rechenschaftsbericht wurde genehmigt. Vorsitzender erwähnt das Hinscheiden des Vorstandskollegen Herrn David Stroh und gibt die Versammlung der Trauer durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. Der Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt" veranstaltet Sonntag den 19. d. M. einen Vereinsabend, bei welchem Agronom S. Abraham über „Erziehung unserer Jugend 2" referieren wird. Ort: Kongreßbureau, 9. Bez., Türkenstraße 9. Beginn 6 Uhr. Gäste willkommen. Verein der Kobersdorfer. Die in Wien seßhaften Kobersdorfer hüben behufs Unterstützung ihrer engeren Landsleute einen Verein, der den Namen „Humanitärer Geselligkettsverein der Kobersdorfer" trügt, gegründet. Bei der jüngst stattgesnndenen tonstttuierenden Generalversammlung 'wurden nachstehende Herren in den Vorstand gewählt: Obmann Samuel Daniel: Obmannstellvertreter I. L. Zollschan: Kassier Jakob Fuchs: zu Schriftführern: Adolf Löbl, Moritz Nenmann: zu Revisoren: Sigmund Daniel, Wilhelm Grünwald. Jüd. akad. Lese- und Redehalle in Brünn. Die Wahl für das Sommersemester 1905 Hatte das folgende Ergebnis: Präses: Ingenieur Robert Stern: Mzepräses: Cand. Ehern. Ernst Buchwalder: 1. Schriftführer: Eand. Ing. Eduard Stark: 2. Schriftführer: Sind. Ing. Artur Buchwalder: 1. Kassier: Sind. Ing. Max Donath: 2. Kassier: Geod. Jäkob Lichtigfold: Bibliothekar: Cand. Ing. Robert Ripper: Zettnngswart: Sind. Ing. Josef Blumenthal: Revisoren: Cand. Ing. Leo Fall, Sind. Ing. Siegmünd Haas, Cand. Ing. Adolf Sommerfeld. Requiem. Sonntag den 19. März a. c., abends 6 Uhr, findet in der Synagoge des Bet- Hausvereines „Chewra Beth Hatfilah", 9. Bez., Grünethorgasse 13 eine Tranerandacht für den verstorbenen Präsidenten unserer Kültusgemeinüe Herrn Heinrich Kling er s. A., für das verblichene Vorstandsmitglied Herrn Adolf K o h n s. A. und für die im äbgelansenen Jähre verstorbenen Vereinsmttglieder statt. Berlin. (Wissenschaftliche Vor - träge.) Auch in «diesem Winter veranstaltet das- Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Siistendiensonüs dieser Anstalt im Saale der Gesellschaft der Freunde (Potsdamerstr. 9). Es sprechen am 9. Jänner Privatdozent Dr. Georg Huch: „Die Juden in Turkestan" (nach eigenen Beobachtungen). Am 23. Jänner Rabbiner Dr. M. Warschauer: „Ueber die Gesetze religiöser Entwicklung mit besonderer Rücksicht auf das Judentum der Gegenwart". 6. Februar: Prof. Tr. Otto Marburg: „Die wirtschaftliche Entwicklung und Aussicht Palästinas". 20. Februar: Prof. Dr. Adolf Bagiusky: „Neisebilder aus Algier und Tunis" (mit Lichtbildern). 6. .Mürz: Wich. Goldbaum, Redakteur der „Reuen Freien Presse", Men: „Deutsch-jüdische Literaturzusammenhänge", 20. März: Prof. Dr. Heinrich Rosin (Thema Vorbehalten). Personalnachrichten. Danksagung. Außerstande für die uns anläßlich des Ablebens meiner unvergeßlichen Gattin erwiesene Teilnahme, einzeln zu danken, spreche ich hiermit allen Korporationen, Vereinen und Freunden in meinem und meiner Angehörigen Namen den innigsten Dank aus. Wien, im Weadar 5665. Rabbiner S. F ü r st. Wien. Am Freitag fand die Beerdigung deS tm Alter von 85 Jahren verstorbenen Rabbiners Salomon W. Freund bet zahlreicher Beteiligung von Freunden und Bekannten statt. Im eigenen Betlokale des Trauerhanses war die Leiche anfgebahrt und Rabbiner Dr. Abeles widmete dem Verewigten einen seine ausgezeichneten Charaktereigenschaften und den religiösen Sinn würdigenden Nachruf. Oberkantor Gutmann versah die liturgische Funktion. In der Zeremontenhalle sprachen Oberrabbiner Dr. Grogmann und Rabbiner Dr. Schmiedl. Letzterer verglich die vier goldenen Ringe, die im Oren hakodesch angebracht waren, mit den seltenen zierenden Eigenschaften des Verblichenen, dessen Frömmigteit, Gelehrsamkeit, allgemeinen Bildung und großen Bescheidenheit, wodurch er dem Judentum zur Ehre gereichte. Die Chewra Kadtscha widmete ein eigenes Grab. Zwei Söhne des Verewigten leben in Chicago. Das von ihm gegründete Betlotal dürste fortbestehen. Sein Andenken fei zum Segen! Wien. (Todesfall.) Sonntag den 12. ös. starb hier, 72 Jahre aü, Herr David Stroh, Privatier, Vorstandsmitglied der Schiffschul. Montag wurde die Leiche nach Eisenstadt überführt. Im Trauevhause hielt Herr Rabbiner F ü r st einen Hesped, in dem er die echt altjüdischen Eigenschaften des Verblichenen: Liebe zur Thora und für deren Träger, aufrichtige Frömmigkeit, unbegrenzte Wohltätigkeit nnd Gastfreundlichkett, rühmte und in tief zum Herzen dringenden Worten die Kinder ermahnte, auch weiterhin im Sinne des Verblichenen zu leben, der seine elf Kinder zu echten Inden erzogen hat. Es sprachen noch Herr Rabbinatsassessor B a u m g a r t e n, ein Sohn, ein Schwiegersohn und ein Entel des Verstorbenen, die alle die überaus zahlreiche Trauerversammlnng zu Tränen rührten. Floridsdorf. (Todesfall.) Samstag den 4. März l. I. verschied hier Herr Michael Kohn, Vater des Präsidenten der israelitischen Knttusgemeinde A w st e t t e n Herrn B. K o h n, im Alter von 84 Jahren. Der Verblichene, durch großes talmiudifches Wissen ausgezeichnet, gehörte zu den noch sehr wenig Vorzufindenden Schülern des Chasam Sofer. Derselbe wurde unter großer Teilnahme zur ewigen Ruhe gebettet. Herr Bezirksrabbiner Dr. R o s e n m a n n hielt dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf, in welchem er die Tugenden und die Gelehrsamkeit des Verstorbenen feierte, Ebenso hatte Herr Ignaz L ö w, Oberlehrer der Talwud-Dhora in Wien, von seinem Lehrer warmen Abschied genommen. Bitte nm Arbeit! Universttätshörer, Jsraeltt (mtt Gyrnnafialmatura), der sich in den drückendsten Lebensverhältnissen befindet — denn er beisitzt weder ein Stipendium noch eine andere dauernde Unterstützung und hat während seiner Studienzeit mtt den größten Nahrungssorgen zu kämpfen — bittet flehentlichst seine edelsinnigen Glaubensgenossen nm Stunden, LeMonen bei Volks-, Bürger-, Mittelschülern, beziehungsweise nm einen Hofmeisterposten oder Hauslehrer, eventuell eine andere entsprechende Beschäftigung. Er beherrscht vollkommen die deutsche und böhmische Sprache, ist in allen Gymnasialfächern gut bewandert, besonders tüchtig im Religionsunternnterrichte (Hebräisch-Lesen, Ueberfetzen). In seiner verzweifelten Lage appelliert derselbe an das echt jüdische Herz seiner Glaubensgenossen und bittet dieselben, ihn durch ihre sicherlich wirksame Hilfe sowie Einfluß aus seiner Lage zu befreien, da sich derselbe der Verzweiflung nahe befindet. Gefällige Zuschriften unter ,>K. W. 23" an die Universität, 1. Bez., Franzensring. Vermischte Nachrichten. * Die Künstler S. Hirszenberg, I. Epstein und Abr. Neumann, die sich bekanntlich die Aufgabe stellten, in einem Panoramenbild den Einzug Herodes' in Jerusalem darznstellen, treten schon in einigen Tagen die von ihnen beabsichtigte Studienreise nach Palästina an. * In der vor einigen Tagen eröffneten Ausstellung des K tt n st l e rh a u s e s sind auch Werke der beiden jüdischen Künstler Jfidor Kaufmann und Jehnda Epstein ausgestellt. Die Ausstellung wurde anläßlich ihrer Eröffnung auch vom Kaiser besucht. Ans seinem Rundgange fiel dem Monarchen auch Kaufmanns Oelbtkd „Das Laubh tttte n fest" auf und er wandte sich an den Künstler mtt den Worten: „Sie malen immer diese Sujets." Nach der bejahenden Ilntwort bezeichnete der Kaiser die Durchführung als würdevoll und wandte sich desselben Meisters ,^öettelkind" mtt der Frage zu: „Das haben Sie auch gemacht?" Mtt großer Aufmerksamkeit betrachtete der Monarch Jehnda E p st e i n s holländische Atotive und fmgte den Künstler, ob die Bilder im letzten Sommer entstanden seien, was der Künstler bejahte. Fortsetzung der Vermischten Slachrichten auf der Beilage. AMERIKA Abreise aus HAVHE jeden Samstag Französische Linie. Bequeme, rasche Fahrt, ausgezeichnete Verpflegung samt Wein uud Likör. Fahrkarten nach allen Stationen shmtl. amerikanischer Bahnlinien zu Originalpreisen. Nähere Auskünfte erteilt gratis und franko; Französische Linie I; WIEN, IV., Weyringergasse 8.

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