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Jüdisches Volksblatt · 1905-03-10 · 10 (10.3.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Yolksblatt Nr. 10 stamm ung sind, durchlebmcht zu haben. Dann würde ein neuer Luftzug in> die nwi-scheni Glieder unserer verknöcherten Bourgeois fahren, den sie schwerlich ertragen würden. Aber andrerseits dürfen! keine Renegaten oder Konfessionswechslev sowie Gewaltmenschen zu dieser jüdischen Gruppe zugistassen werden. ' Denn die. halben! das Recht, über jüdisches Empfinden und Feingefühl zu reden, verwirkt. Das mutz einmal klar und deutlich gesagt worden. MiMärvesreiuligsschwindel in Ungarn, Budapest, 5. März. Diei von! der hiesigen Presse breitgetvetenen Militärbefreiuntzsschwindcleieni im Zempliner Komitat sind auch von der Wiener Presse übernommen wordm. So sehr miau nun auch die in diesen! SchMndeleien sich ausdvückende Tendenz Zrrr Befreiung vom Militärdienst aus unrechtmäßige Weise bekämpfen muß, so verdienen diese „Schwindeleien" doch, daß man ihren tiefer!iegerEien Ursachen nachforscht, um sä mehr, als es merkwürdig ist?, zu sehen, wie früher liberale Zeitungen! seit der Bildung der Koalition! sich bestreben, derartige Ereignisse unter einem nichts weniger als IHk-cciIeni Gesichtswinkel darzustellen, damit der verbündeten „VoKspartei" ein Gefallen! gescheho. Vor altem! sei darauf verwiesen, daß Schwindeleien, in einem derartigen! Umfange ganz, ^undenkbar wären!, wenn, sie nicht die Geneigtheit der behöiMchen Organe, diabei^ mitzuhelfen, bereits vorfänden. Ja, man kann! sogar sagen, die den Militärdienst fürchtenden Jünglinge oder ihre Angehörigen! würden gar nicht auf die Idee kommen, sich auf unrechtmäßige Weife vom Militärdienst befreien zu wollen, wenn sie nicht wüßten!, daß für gutes Geld der Mann zu finden sei, der den Schwindel auch dlirchzuführen imstande ist. Denn es ist nicht richtig, daß nur die jüdischen Matrikelführer es sind, von denen die Befreiung vom Miltärdienst abhängt. Wenn nicht auch andere Faktoren ein Auge zudrücken, bleibt die Mühe der M'atrikelführer vergeblich. Man lese diesbezüglich den vor kurzem im „Bevl. Tageblatt" erschienenen! Roman „Der Pojaz". Die darin von Karl Emil Franzos geschilderten Verhältnisse haben sich auch heute noch, nicht geändert und aus den wahrheitsgetreuen Schilderungen sieht man, wie viele Faktoren Mitwirken müssen, bis eine derartige Befreiung vom Militärdienst zustande kommt. Und indem noch einmal betont werden soll, daß die sich in manchen Kreisen der zumeist einem östlichen Milieu, entstammenden Juden zeigende Tendenz, sich vom Militärdienst um jeden Preis zu, befreien, mit allen Kräften bekämpft werden^ muß, kann mein es doch andrerseits menschlich begreifen,, daß diese zumeist wirtschaftlich verelendeten Elemente sich dem Militärdienste zu entziehen trachten. Wenn kann der Vorgang in der Seele eines jüdischen Jünglings, der dem Eintritt in, das Heer fürchtet, unverständlich sein, wenn! er weiß, tvas der Inden!, und namentlich der westlicher Art fernstehenden Juden des Ostens beim Militär wartet? Nicht nur, daß er wegen seines Judentums von dm Kameraden verspottet und verhöhnt wird,, auch seine Vorgesetzten: zeigen! i'fj-mi bei jeder Gelegenheit ihre Verachtung und setzenihn, tm sie nur können, zurück. Daß also diese Elemente dem Militärdienste keine Liebe entgegenbringen können, ist nicht verwunderlich, und wem kann von ihnen nicht fordern, daß sie mit B e g e i st e - r n n g dein Rufe folgen!, der sie in eine drei Jühre Ivährende Folter bannt. Wenn man, also den Militärbefreinngsschwindel ausrotten! will, muß man vorerst im Heere solche Zustände schaffen,, die den Juden den Militärdienst nicht als ein unerträgliches Martyrium erscheinen lassen. Nur wenn der östliche Jude wissen wird, daß seine Eigenart im Heere in der gleichen Weise respektiert wird wie die der Angehörigen anderer Nationen, wird er freudig dein. Ruse folgen, der an ihn wie an jeden' anderen Staatsbürger ergebt. Selbst der orthodoreste Jude wird, gerne seine Pklicht als Bürger einem Staate gegenüber tun, der ihm dieselben Rechte gibt wie allen anderen, In diesiw Richtung, haben sich die Reformen zu, bewegen, die darauf abzielen, die Abneigung dev östlichen Inden vor dein Militärdienste Ali bekäsnpfen. Schließlich sei noch dawuf verwiesen, daß d!iese Militärfchwindeleiengerade in Gegenden am häufigsten^ Vorkommen!, in denen die wirtsehaftliche Not am, größten und das allgemeine K.ulturnivcau der Bevölkerung am tiefsten Hst.! Wahrend aber die anderen! .Nationalitäten sich! dem Dienste gewöhnlich durch Selbstvevstümnie-. lung oder Auswaindevung entziehen, km die: Juden dies i n dem Weise, die man den „Mili-! tärbefreiungsschwiMel,, nennt. Das soll gewiß j n icht entschuldigt werden. Aber bedacht werde, j daß im: Zcmpliner Komstat nicht nur das: Külturniveaui der Juden, sondern auch das der ' anderen Nationalitäten, ein erschreckend tiefes' ist, weil die Regierung mit ihren gewaltsamennmgyarisatorischen Bestrebungen den Leuten die : eigene Kultur nimmt, ohne sie für die magyarische Kultur gewinnen zn können. Jochanan. Perstnalnachrichten. Die Verhaftung Perezstk Me man aus Warschau meldet, wurde der bekannte jüdische Jargonschriftstellev I. L. Perez verhaftet. Die Verhaftung erfolgte angeblich, weil er eine Erklärung jüdischer Studenten! mitunterschrieben hatte, in/der die Errichtung jüdischer Schulen! gefordert wird. Des v-erhafteten Schriftstellers hauptsächlichstes Verdienst besteht darin, die jüdische Mundart, dm Jargon-, zu einer literarisch arlisdrulcksfähigen Schriftsprache ansgestaltet zu: haben'. In, der Vorrede der Uebersetzung der Novellen, Perez-' sagt Matias Ach e r : „Kein Winkelchen, desostjüdischen Lebens bleibt fein,em! tiefdringenden Blick verborgen, und> keines gibt es, in welches er den Loser nicht führt. Wer -das jüdische Leben schön kennt, hat Muße, den Dichter als Seelenmaler voll zu -genießen!. Selbst in seiner an Heine an- MNgmden Lyrik verleugnet Perez die psychologische Feinheit picht. Promotion. Donnerstag Herr 9. b. M. fiat iln großen FemaGle der 'Wiener Universität die Promotion des^Eheunchrs i. a. V. der jüdakade mischen Verbindung östcrre'ichisch-schle>sischcr Hochschüler „Fvria", Herbert K urrc in, zum Doltor der Philvsovhie stattges-unden. Brüssel. tG r a n d R a b b i n A st r u c.) Am 23. Februar d. I. starb in Brüssel Grand Rabbtn Elie - Aristide Astrue im Alter von 74 Jahren. Die Familie Astrue gehört zu den ältesten Ju'deusa-milien Stidfrantreiichs. Die Geschichte nennt schon 1630 einen Jo-sun Astrue. Der Verstorbene, der zu den Gründern der Alliance Jsraelite Universelle gehörte, stand im Rufe eines hervorragenden Gelehrten. Die Leichenfeier fand am 26. Februar in Paris, wo der Verstorbene seine letzten- Lebensjahre verbrachte, unter großer Beteiligung statt. j Budapest. (SC u szeichn u n g.) Frau Sophie >' v. Wechselmann geb. Neuschloß, Witwe nach, dem verstorbeneu Philanthropen Ignaz Ritter v. W e ch fe (man u, ist vom Kaiser mit dein gol-! denen BeMenstlrenz mit der Krone ausgezeichnetj worden. Frau Sophie v. Wechselmann hat an den ' humanitären Werken ihres verstorbenen Gatten mit Freude mitgearbeitet nvd waltet jetzt noch weiter als Wohltäterin der Annen mtd Bedürftigen im Geiste des verstorbenen Gatten. Geschästsnottzen. Josef Matanscheks Haus- und Küchengeräte finden sowohl in Wien als auch in der Provinz ein starkes Absatzgebiet. Eine Unzahl Bestellungen seitens der Bräute wurden bis jetzt, einerseits wegen der Güte und Dauerhauftiskeit, andrerseits wegen der Bilkigikeit, gemacht. Es ist jedenfalls lohnend, die Firma, dessen Etablissement sich Wien, 1. Bez., Naühensteingasse 10, befindet, zu besuchen. Zu <lc*n bevor'fWOuMi len Festtagen einpfVhlon : Palästina-Weine, Originalfüilung der Kommandit - Gesellschaft nKarmd## WIEN, II., GREDLERSTRASSE Nr. 9, Ecke Taborsirasse IIB. Uske!-, ©essertand ^edizinalweine, mit grossem Erfolge ausgestellt auf den PALÄSTINA- AUSSTELLUMGEN: Wien, März-April 1904. Prag, Mat 1904. Berliner Gevverbeausstellung 1896. Köln 1897. Breslau 1897. Hamburger Internationale Gartenbau-Ausstellung 1897: Bronzene Medaille* Frankurt a. M. 1898/99. Pariser Welt-Ausstellung 1900: --GOLDENE MEDAILLE.—-— estaurant larolme ieidner Wien, I, Seilergassel4—Telephon1278- Eralklassigos garäamfgea Lokal mit allem Koftifort dor Jfeuzei üagestHttet. Anerkannt vorzügliche Küche, Biere aus den re nonnnirrteston Brauereien, Bouteillenweine, sowie Schaokweiner in jeder Preislage. Champagner, Liköre etc. — Hochzeiten werden auch ausser dem Hause ar genommen. — Für Hausfrauen, Pensionen, Institute: Flaschenweine, Bouleilleuweina Champagner, Delikatessen Zustellung ins Hans, HDS btff Delikate Salzgurken HD£3 bp' I Kiste 5 Kronen, liefern BRÜDER JELUNEK Gurken- und Samenexport -BI5EHZ, nÜHKEM- HKU W1 Alfred Kunstadt Billigste Bezugsquelle für Oruft*- - -- - und Grabmonumente von 10 fl. aufwärts Provlnzaufträge werden prompt und eitakt ausgeführt « « * „ .Lieferant der. . israelitlsehen B^ultusgemelnde . . . . . WIEN .... II. Bez., t^ofcensfcerngassse 27. Bank - Veraia. Die fünfunddreissigste ordentl. General-Versammlung fmiet am 6. April 1903 um 11 Uhr vormittags in Wien, I., Herrengasse 8, statt. Verhandlung8-G«goit8t&n(le: 1. Jahra^boric.ht 0 s A l>riini^tsvljniior»l. 2. < 1 -r üb<*r >in R--c'ir.ur)K8nbsiohlu h pro 1904 uti«1 Bt>ai.'hlu8Hfna^Uf'g über (lems»lbf>n. 3. [WohlnsKfn.cßung f*ö r ili* Vorwendung Iiei: ^«winries d»'s Jahres 1904 (§ 58, lit. c dt»r Statuten.) 4. Antrag auf Aenderung der §§ 8, 9, 18, 62 und 69 der Statuten. 5. Wahlen in den Adminiatrationsrat. 6. Wahlen in da« Zensoren - Kollegium und den Aufoichtsret für die Filialen. Nach 8 40 der Statuten sind -iir Slinimfflhrung in d r Genaralve-sammlung nur j-ne Aktionärs berechtigt, welche seit wenis«ttns 14 Tagen vor dom Zusammsntreten derselben miudeiten» fUnfuudzwanzig Aktien nebst Coupons bei der Qesellsctialtskme od^r den suust hie /u vom Administiationsrate basümmten Stellen erlegt haben. J* iilnfundzwa' zig Ak iei gehen das Hecht auf Eine Stimme (g 47 der Sta*uten.) Di« stimm er<-clitigten Herren AkHonii e werden daher einguladen, ihre Alctiin samt Coupons bis ipttteitem 23. Mdt’2 (I. J. in WIEN bei der Llqjidatur (I., Uerrenxaeae 8), in AUSSIG h. E.. BHÜNN, BUDAPEST, CZERNOWITZ, GRAZ, LEMSSRG - nd PRAG t-i den Filieltn, in ST. PÖUEN, PROSiNITZ und Wr. NEUSTADT beiden Expoelluren des Wlaner Bank Verein, in TRIEST hei der Banca Commerdal* Trlcellna. in BERLIN bei d»r Dsutsohsn Bank, in FRANKFURT a. M< bei der Deutaehen Verelnabank und der Frankfurter Filiale der Deutschen Bank, ir STUTTGART bei der WUrttemberglschen Verelnabank, ln MÜNCHEN beider 8ayrlsohen Filiale dar Deutschen Bank, in ZÜRICH bei Her Sohwall. Kreditanstalt und 8ehwelz. Bankverein, in BASEL bei der Schweiz. Kreditanstalt, beim Schweiz, Bankverein u. bei der Aktiengesellschaft von 8peyr & Cd. au deponieren. Die Ak'i*-n sind, von niitlmietisrli geordneten und vom Kioreicher eigenhfl» dig i nlerze'clmeleu honnifnation (u. /.w.bM der Liquiditetiir in "Aien in swui, bei den aomtigen D*poiia«imigest»lten in drti fx'niplBren) begleitet, einzureiehen. Ein Exempar dir Xo >»!«>,.,ti»n erhiiit der Deponent mit der Empfangsbestätigung vererben zurück und gleichzeitig wird gern e« g 04 der Statuten die Legltimutiouek»rte für di« Tellinthme an der Generalversammlung erfolgt, welche auf den Nomen (fee Deponenten mutet und nur Mr die bozeiebnxte Person oder deren gehörig legitimierten Bevollmüchtigten Otdlung bol. WIEN, den 7. Mürz 1005. Wiener Bank-Verein.

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