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Jüdisches Volksblatt · 1905-03-10 · 10 (10.3.1905) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
10 (10.3.1905)
Date
1905-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»-1 Redaktion: IX/1, SrrvitrngassL 4. Telephon Nr. 147»». Sprechstunden: An Wochentagen von 4 bis 6 Uhr nachm. Postadresse: Jüdisches Volksblalt, Wien. JX|i. Erscheint jeden Freitag. Eigenlümer und tztrauvgrbrr: Jakob Kraus;. W- H Administration: IX/1, Seroitengaste i, Telephon Nr. 14783. Abonnements» Preis: BfsrilWtrdCN wegen verspäte, er oder gar nicht erfolattr Zustellung erbitten wir un» drinaend. — Mannrdript« werde« nicht rarüengeskeitt. Postsparkassen-Konto 847037. In das Abbonement kann man täglich eintreien. p-ä Inserate übernehmen di« firmen: M. vukes llachf., lsaasenstein te Vogler, Nudolf Masse, M. pozsonyi, K. 5chal«k in Wien, ferner alle Annoncen. Expeditionen im Auslände. Einzel - Nummer in Wien SV Heller. Für Wie» n. Oesterreich- Ungarn s. Frankozustellung: Ganzjährig.... X 18.— Halbjährig . . . . K Vierteljährig ... X 3 - fc - - Für daS gesamte Ausland samt Frankozustellung: Ganzjährig ... X 13.36 Halbjährig ... X 0.33 Vierteljährig... X 3.4» . ä Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgeqengenonnnen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, 11/3, Untere Augartenstraße 9; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse. Mr. 10 Wien, 10. Miirz 1905 (3. Medar 5665). VII. Jahrgang. Deutsche, jüdische und jüdischdeutsche Studenten. Die verflossene Woche wirrde von den Studenten Oesterreichs beherrscht. Soziale, materielle und auch politische Fragen des Studenteulebms wurden diskutiert. Ausgegangen ist die Diskussion vom zweiten deutschen Hochschul'tage, der feilte Beratungen in Wien abhielt. Die Blüte unserer Gesellschaft, die hoffnungsvolle Zukunft unseres Staatswesens, wie man unsere Studenten so gerne p« neuen pflegt, hat sich um den grimen Tisch versammelt, um über ernste, bitter ernste Angelegenheiten des österreichischen Gesamtlebens Beschilüsse, zu fassen. Die ernsteste und biterste Frage zugleich bildete auch hier Ivie im ganzen Gesell schaftsleben dieses Reiches die Judenfmge. Und da hatte mann so Gelcgoicheit, zu scheu, aus lvelcheiu Schlamme die Blüten unserer Gesellschaft empoisp riesten. Eigeudünkel, Haß, bornierteste Unkenntnis auf der einen Seite. Ohnmacht, Verkennung der Situation und eine gewisse Angst, den Tatsachen, zu begegnen, aus der anderen Seite ist die Atmosphäre, in welcher der größere Teil dieser Gesellschaftsblüten zur giftigen Pflanze ausreift. Die deutschautifenntischen Studmten haben die unehrlichsten^ und Vorlage,nistlen Argumente herangezogenl, um ihrem niedrigen., schmutzigen Konkurrenzkampf gegen ihre jüdtschenKommilitonen das längst verschlissene Mäntelchen der ehrlichen Entrüstung umhängen zu können. Anstatt, ivie ein Redner in der Protestversamm- Feuilleton. Das unverstandene Lied. Von Fritz Löhner. -die Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte i n P a l a st i n a. Der Dichter wird von gewaltigen Bewegimgen ergriffen-; er singt das Lied, wie es ihm die heilige Erregung zurauscht; er Weiß nicht, von Wannen!, er ahnt nicht, wohin. Das Lied hallt über die Hügel und Wege. Dev Arnre hört darin sein Weh, der Fröhliche feine Wonnen, Und sie singen alle dem Dichter ihr Lob, demTräumer, ber starmet, du der Lorbeer seine Stirne kränzt. Dann aber kommen die Gelehrten« und Klugen und forschen, wo der Sänger lebt; sie fragen, wer ihn. gezeugt und gelehrt; und sie raten, wärnm er so sang und zu welchein Zwecke. Dann aber horchen sie dem Lied die Rhthmen ab und zählen sie und zergliedern die Stelleid. Dir' Weisen: fügen dann die Regel, allen und überall geltsam., nach welcher das Lied geschaffen werden soll, um die Armen zu erquicken! und die Fröhlichen zu 'bereichern. Und tvo sie sich nicht auskennen, dmit nehmen sie dicke Folianten! und durchfüllen die Lücken mit Annlogois. So toitd Rhythuiik und Pvosodik; unid die schjvachen Nachgänger haben Krücken. lrmg der jüdischen Studenten mit Recht hervorhob, offen und ehrlich zu bekennen, daß sie bloß, von jüdischem Fleiße, jüdischem Eifer und jüdischer Arbeitswilligkeit ungehindert, in beschaulicher Ruhe von der Staatskrippe zu fressen beabsichtigen!, berufen sie sich auf bereits tausendmal als Fälschung erwiesene, nach Rohling riechende Statistiken, um die Juden von ihnen nach Menfchen- und Staatsrecht gesicherten Positionen zu verdrängen. Tie Unehrlichkeit der Absichten dieser treudeutschen Jeunesse doree ist während der Debatte i'iber die Judenfrage gar oft in klassischer Form zutage getreten. Die Prager antisemitischen Studenten! waren naiv oder ehrlich! genug, zu verraten, daß sie wohl selbst sich der Konkurrenz der jüdischen Intelligenz entledigen möchten, daß sie sich sicherlich sreuer^ würden, wenn die in, dem Jndenantrage angegebenen Jndenverntchtilirgsziele bereits erreicht wären, aber leider gibt es noch immer Juden, die einen« Groschen' Geld iin Sacke haben, leider haben die Juden, noch ünmer ein Stimmrecht bei den Wahlen- und so lange dies nicht ansgemerzt ist, müssen« wir uns begnügen, die Ruinierung dev Juden auss Programin zu scheu, ohne auf die sofortige Durchführung des Programm Punktes zu bestehen. Es gelang den Pragern!, diesen durch d«ie ihnr innewohnende maßlose Verachtung, des Judentums nur noch gemeiner erscheinenden Standpunkt der Majorität des Hvchschultagcs berzubringen und zum Beschlüsse zu erheben. So lange also die antisemitischen Deutschen! in den national bedrohten' Gebieten der Mithilfe der Deutsch-Frei-!! HIWI» lllliMUUJ WfgKMWtül i, LHIIHI Unser armes jüdisches Volk hat ein hallendes Lied gesungen, dmchtönt von, unendlichem Weh, von brandender Sehnsucht. Von Qualen sang, unser Volk, wie sie nie ein anderes Volk empfand, vo«n. Freiheitsdürsten, wie sie nie ein anderes Volk erfüllt. Und das hallende Lied klang aus in dem heißen Hoffnungsschrei nach einer Heimat,!vo, die Zeder duftet und die Rosen« aus den! Höhen glühu. Das Lied scholl über die fünf Weltteile; und wo ein Jude den' Klang vernahm, Iva cd ihm heiß ums Herz und seine Nächte durchtönten die Harmonien seiner' Sehnsucht. Er lauschte und weinte, weil es nur ein Lied war, lvas er hörte. Da aber kamen die Zungen, denen das Lied mehr war als der Sang des Dichters; denen es ein Kampfruf war, ein Bergfeuer, das die Schwert fähigen rief zum Streit um Glück rmd Freiheit rmd Bolkstuni. Und der Aushall — Kadimah! ostlvärts— klang ihnen wie Krüigsfanfaren! rmd Siegesglockengeläute. Sie lvollten nicht tveinen und in Sehnsüchten sterben, Anne, Unfreie, Verachtete. Aus den Tschjaudalas sollten. Veysijas werden, Kämpfer ans Sklaven. Und die Heimat lvolltm sie haben. Und als die Alten und die Klugen und vor allen die Gelehrten sahen, daß der Saug des Volkes hoch' und heilig gehalten ward, da schien sie sich zusammen rmd fragten, wer das Lied gesungen., lvev es gezeugt und wer es gelehrt. Und da geschah es, daß sie erstürmend einen Armen entdeckten, der der Vater war, sinnigen (lies: Juden) noch bedürfen, ist den Juden eine gewisse Schonzeit zugesagt. Wird aber der Moritz seine Pflicht getan haben-, dann mag er sein Ranzel schnüren und wieder Handels ude werdlen, aber die Tore der deutschen Universitäten sollen ihm alsdann verschlossen« werden. Wir Juden hoben! sicherlich keinen Grund, rms darüber zu beklagen, daß unsere Gegner uns nicht offen und« unzweideuti!g das Ziel zeigen, wohin sie uns zu« drängen« beabsichtigen. Wie hat sich« nun die jüdische Studentenschaft Oesterreichs zu dieser ganzen Frage aestellt? Wir müssen es hier offen hemnssagen, daß die Stellungnahme der bewußt jüdischen Studentenschaft Wiens uns zu. zahm!, zu devot und auch zu wenig zweckentsprechend erschient. Gegen« diese Summe von Gemeinheiten und Rohheiten!, welche die deutschl-antisemitischön Studenten gegenihre jüdischen Kommilitonen sozusagen unter dem Schutz ihrer Professoren zu schleudern gewagt haben, ist «eine Abwehr, wie sie in der an anderer Stelle reproduzierten Resolution zum Ausdrucke kommt, nicht mehr ausreichend. Da «genügt es nicht mehr, die jüdischen Abgeordneten- Dozenten und Professoren auszufordern, zu« diesen Fragen unzweideutig Stellung zu nehmen, es genügt auch nicht, seiner Entrüftu«ng iir einier Resolution noch so energisch Ausdruck zu verleihm, sond«ern« «da muß die ehrliche Entrüstung und die durch brutale Unt«erdrückung und Rechtsverletzung, gezeugte Wut zum Arisbruche konmüen, da muß man fordern, und imaushörlich aus den Rechtm bestehen, die uns zugesichert «wurden«. Wir müssen mit aller und in Elend darbte er und Hangende Knechtepein war über ihm. Wie das die Alten und die Klugen und vor allendie Gelehrten saheui, da zählten sie sorgsam die Rhythmen, und zergliederten bie Stellen des Liedes. Und siehe! Sie schufen! die Prosodik des jüdischen Volkstums. Und da hatten die Nachgänger Knicken, um zu« gehen de'n guten« Weg. Wir gehen ihn noch immer. Aber das alte Lied nur begeistert u«ns. Die. neuen Bücherunid großen Werke, die unsere Weisen nach des Liedes Bau schufen«, fühlen sich kalt und sverüd an. Wir denken immer nur cmdm alten, hallenden. Sang. Und da> mm die Führenden fühlen, daß fremd und kalt die Regeln sind, die aus des Volkes Wehe- und Sehnsu-chtslied geschöpft wurden, so beginnen, sie zu ändern, zuzanken; die Wege aber, die zur Erleichterung sichren und langsam- «durch stets lichtere Nebel zum leuchtenden Ziel, von, dein das Lied des Volkes jubelt, verschmähten, sie, weil nichts erzählt v o n de n Wegen der Ursaug. Jedoch! die Jungen'. deu«en der Kämpf Uns im Herzen «dröhnt, stehen« zagend unid! tmnrig. Sie schainen fragend zu «den Weisen und Alten,, Oie hadern, weil die Prosodik keine Wärme gibt und keine Erlöstrug. Wissen die Weisen nicht, «daß der Dichter von Baal spricht, wenn er die SmÄ>e meint, von Sonne singt, wenn er an Licht und Wärme

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