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Jüdisches Volksblatt · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · page 12

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Jüdisches Yoiksblatt Nr. 9 richte unseres Generalkonsulates in Montreal 436 von Einwanderern aus Oesterreich-Ungarn erworben wurden. Zurückgewiesene Auswanderer. Laut einer an das ungarische Ministerium des Innern gelangten Meldung ist derzeit der Andrang europäischer Auswanderer in den Bereinigten Staaten von Amerika ein so enormer, Satz Auswandererschiffe irn Hafen von New York oft Tage lang warten müssen, bis den Passagieren nach Erledigung der Jnspekttonsformalttäten das Landen gestattet wird. Auch sind viele Auswanderer, teils weil sie im vorhinein kontraktlich angeworbene Arbeiter waren — was laut amerikanischem Gesetze unzulässig ist — teils weil die Adressen ihrer Verwandten und Bekannten nicht richtig waren, am Landen verhindert und zur Rückreise gezwungen worden. Infolgedessen hat der Minister des Innern sämtliche Munizipien mittels Zirkularverordnung anfgesordert, alle diejenigen, die sich um Pässe bewerben, nachdrücklich und uiit allen Mitteln aus diesen Umstand und insbesondere auch darauf auifmerksam zu machen, daß die Arbettsverhältniffe in den Bereinigten Staaten von Amerika öerzett durchaus nicht günstige sind und dass die Auswanderer demzufolge, wenn sie ans der Auswanderung verharren, jensetts des Ozeans bitteren Enttäuschungen ausgesetzt sein können. Bon den Syrischen Bahnen. Nach einer Konstantinopler Meldung der „Frkf. Ztg." schlug die Pforte der Syrischen Bahn-Gesellsschaft, die die Strecke Damaskus—MezeviD infolge der parallel gelegten Mekka-Bahn erst der Türkei verkansen wollte, aber durch die französische Regierung am Verkaufe gehindert wurde, eine Entschädigung vor. Die Pforte erkennt an, daß die Interessen der Damaskus-Mezerib-Vahn durch die Mekka- Bahn geschädigt wurden, und vergütet der ersteren eine jährliche Indemnität von 10 000 Pfund während der Dauer der Konzession. Die Syrische Bahngesellschaft fordert 18 000 Pfund. Ueber die Fremdenfrage in England ließ sich jüngst Mr. Asquith aus, speziell über die Stellung der liberalen Partei zu derselben. Er bemerkte unter anderem, seit den letzten zehn Jahren sei diese Frage ein Punkt des großen sozialen Programmes der unionistischen Regierung gewesen, aber erst im Jahre 1904 habe man den Versuch gemacht,' sie zu lösen. Er sei durchaus nicht überrascht, daß ein statistisches Eingehen auf die Klagen über die der englischen Arbeiterschaft und der englischen Industrie aus dem Fremdenzufluß angeblich erwachsenden Schwierigkeiten ergäbe, daß diese Behauptungen phantastische Uebertreibungen genannt werden könnten. Daß gewisse Maßnahmen gegen die Einwanderung Unerwünschter angebracht sei, sei niemals geleugnet worden. Der Gesetzentwurf der Regierung habe aber nicht mehr oder weniger verlangt, als daß die Staatsbeamten in den Charakter und in die Mittel eines jeden Fremden, der in England landete, genauen Einblick erhalten solle. Natürlich feien die armen Leute, die heute aus dem Osten Europas nach'England strömten, nicht zu vergleichen mit den gebildeten und fleißigen Männern, die in früheren Zeiten religiöse Verfolgung aus Flandern und Frankreich nach England trieb. Die Flüchtlinge aus dem Osten seien aber, wie jene damals mit offenen Armen aufgenommenen, ebenfalls die Opfer politischer und religiöser Verfolgung oder unerträglicher sozialer Lebensverhältnisse. Eine Maßnahme gegen die Einwanderung müsse daher außerordentlich vorsichtig sein und in den Greilzen der Vernunft bleiben. Zunächst sei jeder damit einverstanden, daß ein Ausländer, der eines schweren Verbrechens überführt werde, nach seiner Bestrafmig auch deportiert werden müsse. Dann aber werde auch jeder damit einverstanden sein, daß ein Fremder, der nachweislich wegen eines Verbrechens aus der Heimat geflohen sei, für das Auslieferung verlangt werden könne, nicht im Lande behalten werden dürfe. Gewöhnliche und politische Vergehen dürften jedoch nicht itt Betracht kommen. Wenn man diese beiden Punkte in das Gesetz aufnehmen wolle, so werde damit der Gefahr vorgebeugt sein, daß das Ausland den Abschaum seiner Bevölkerung nach England bringe. Die beiden Juden. Raymond R e c o u l y, der Spezialberichterstatter des „Temps" in der Mandschurei, ist lange Zeit den Operationen der Brigade Samsonoff (Division Kondratowitsch) gefolgt, um das Leben, Treiben und Fühlen der Soldaten kennen zu lernen. Er veröffentlicht nun aus seinen Eindrücken und Erlebnissen un „Temps" befolgende wahre Geschichte: Zwei jüdische Soldaten aus Wilna, die schon vor dem Kriege nach der Mandschurei geschickt worden waren, standen bei der Brigade. Da sie lesen und schreiben konnten, Kenntnisse, die bei den russischen Soldaten sehr selten sind, hatte man sie dem Stabe der Brigade als Schreiber beigegeben. Sie arbeiteten Tag und Nacht, vervielfältigten die Tagesbefehle und Rapporteundregistrierten die Eingänge. Der Generalstabsches Oberst P e c o n t a war mit dem Eifer und dem Verständnisse der beiden sehr zufrieden und behandelte sie gut und freundlich. Die beiden Juden hingen mit außerordentlicher Liebe an ihrem Chef. -Als sie hörten, daß der Oberst gefallen fei — auf dem Terrain, das die beiden Feuerlinien trennte — gerieten sie in großen Schmerz und verabredeten insgeheim miteinander, ihren.Oberst zu suchen. Der Gedanke, daß ihr Oberst vielleicht verwundet und hilflos unter Toten liegen könne, war ihnen unerträglich. Abends, als Alles schlief, verließen sie im Geheimen ihr Lager und eilten nach der Feuerzone. Es wurde gefeuert in dieser Nacht und die Granaten schlugen rings um sie ein. Sie suchten rings um den Hügel, bei dessen Erstürmung der Oberst gefallen war. Sie hoben jeden Kadaver, der Offiziersschnüre trug, auf, um nach ihrem Oberst zu forschen. Der Leichengeruch, das Blut, der Ekel vor der verunreinigenden Berührung mit den Leichen quälten sie furchtbar. Aber sie suchten weiter. Einmal glaubten sie schon, die teure Leiche entdeckt zu haben, aber es war die eines anderen Offiziers. Sie kamen aus ihrer Such« den japanischen Positionen so nahe, daß sie die Stimmen der Japaner vernahmen und sehen konnten, wie die Japaner aßen. Bis zum Morgen suchten die beiden. Dann verzweifelten sie, die Leiche zu finden, und kehrten ins Lager zurück. General Samonoff erfuhr von der nächtlichen Expedition, belobte die beiden und versprach ihnen das Georgskreuz, welches allein den Juden das Recht der Freizügigkeit in Rußland gibt. Der General fragte die beiden auch scherzend: „Wenn Ihr so nahe bei den Japanern wäret, warum habt ihr nicht ein paar gefangen und mitgebracht?" Die Soldaten antworteten ruhig: „Ew. Exzellenz — es war nicht besohlen!" Literatur. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Die erste Nummer der von« Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46, heräusgegebenen „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" ist soeben erschienen. Die Zeitschrift bringt im Haupttett größere Originalabhandlungen, im „Stattstischen Archiv" zuverlässige, quellenmäßig belegte statistische und demographische Nachrichten Wer die Juden aus aller Herren Ländern. Der einleitende Artikel „Zur physischen Anthropologie der Juden" stammt aus der Feder des Berliner Anthropologen Professor v. Luschan, bekanntlich einer ersten Autorität ans dem Gebiete des jüdrschen Raffenproiblems. Der Kopenhagen er Statistiker Julius Salomon ist mtt einer Abhandlung über die Mischehen in Kopenhagen, Dr. Arthur Ruppin mtt einer solchen über die Kriminalität von Inden und Christen in Deutschland vertreten. Sehr reichhaltig ist das„Statistische Archiv", das Mitteilungen über die Bevölkerungsziffer, die Bitdungs- und Berufsver'hältnisse, die Bevölkerungsbewegung, die Einwanderung der Juden aus Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Italien, Dänemark, den Vereinigten Staaten, Indien Ufw. enthält. Die Zeitschrift bezeugt durch ihren Inhalt am besten, daß tatsächlich ein Bedürfnis für ein solches statistisches Organ vorlag. Das wirb auch dadurch anerkannt, daß zahlreiche hervorragende Fachmänner, z. B. Prof. Werner Sombatt in Breslau, Prof. Dr. Silbergleit in Schöneberg, Hofrat Prof. Bela Fölöes in Budapest, Dr. Will). Löwy, eheMal. Leiter des kvmmuualstatistifchenAmtes inWien, Privatdozent Dr. R. Weinberg in Dorpat, Dr. Sonnenfeld, Direktor der „Jca", Paris, Dr. Max Nordau in Paris, Dr. Alfred Nossig in Berlin, Dr. Fr. Hertz in Wien u. a. als Mitarbeiter der Zeitschrift genannt werden. Der Abonnementspreis beträgt 6 Mk. für das ganze Jahr, 3,50 Mk. für bas halbe Jahr. Bestellungen sind direkt an bas „Burdan für Statistik der Juden", Berlin-Halenfee, Westfälische Straße 46, zu richten. AMERIKA Abreise aus HAVRE jeden Samstag! | Französische Linie. Bequeme, rasche Fahrt, ausgezeichnete Verpflegung samt Wein und Likör. Fahrkarten nach allen Stationen sämtl. amerikanischer Bahnlinien zu Originalpreisen. Nähere Auskünfte erteilt gratis und franko Französische Linie WIEN. IV., Weyringergasse 8 5 MM Die Beilage Mr nächsten Uuwmer: «Synagoge Schule und Haus". zzvaae K* k. priv. Oesfcerreiehisehe Credit^Änsfcalfc für Handel und Gewerbe. u>. ■ MMAmMV^Nri r « hmm an tüou Kundmachung. Die reunundvierzigste ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der k. k. priv. Oesterr. Credit-Anstnlt für Handel und Gewerbe findet Montag den 3. April d.abends 5^ Uhr, im grossen Festsaale des Oesterr. Ingenieur- und Architekten-Vereines (I., Eschenbachgasse 9) statt, Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Jahresbericht des Verwaltungsrates. 2. Bericht d«s Revisions-Ausschusses über den Rechnungsabschluss des Jahres 1904 und Beschlussfassung über denselben. 3. Beschlussfassung Ober die Verwendung des Reinerträgnisses des Jahres 1904. 4. Abänderung der §§ 2, 4. 15, 26. 30, 43, 56, 60, 74, 77 und 80 der Statuten. 5. Beschlussfassung über die Wahlen in den Verwaltuogsrat nach §§ 23 und 24 der Statuten. 6. Wahl des Revisions-Ausschusses für das Jahr 1905. Uia stimrabHreehtigten Harren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiermit eingeladen, ihre Aktien samt Coupons oder die deren Stelle vertretenden Depotscheine der Anstalt spätestens am 0. März tf. J, als dem statutenmässigen Endtermine zu deponieren, und zwtrs in Wien bei ehr Liquidator der Anstalt (I., Am Hof 6) an Wochentagen von 9 hiH 12 CJhr, „ Bozen, Brünn, Feldkirch, Innsbruck, Karlsbad, Lemberg, Prag, Reiclienberg, Triest und Troppau bei den Filialen der Anstalt, „ Budapest bei der Ungarischen Allgemeinen Kreditbank, , Berlin bei »hr Direktion der Diskonto-Geseltochaft oder bei der Bank für Handel und Industrie oder bei 8 Bleiohröder oder bei Mendelssohn & Co.’ „ Breslau bei dem 8ehlesisohen Bankverein, ln Dresden bei der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt, Abteilung Dresden» „ Frankfurt a. M. bei der Direktion der Diskonto-Gesellschaft oder bei der Filiale der Bank für Handel und Industrie, „ Hamburg bei L. Behrens & Sühne, , Köln bei Sa!. Oppenheim jr. & Co., .. Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt, , München bei Merck, Finck & Co., „ Paris bei De Rothschild Fröres. Die Aktien oder Depotscheine sind arithmetisch geordnet bei der Unterzeichneten Anstalt mittels einer einfachen, bei den auswärtigen Deponieruogsstellen mittels doppelter Konsignation einzureichen und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abgehaltener Generalversammlung die Aktien oder Depotscheine rückgestellt werden. Je fünfundzwanzig Aktien geben das Recht auf eine Sthnme. Mehrere Besitzer von weniger als fünfundzwanzig Aktien könnet* aus ihrer Mitte einen gemeinschaftlichen Bevollmächtigten ernennen, der ander Generulvei Sammlung teilnehmen kann, wenn die Zahl der von ihm vertretenen Aktien wenigstens fünfundzwanzig beträgt. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimm, berechtigten Aktionär au^zuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimatiotiskarte auazustelton und eigenhändig zu unterschreiben. Diejenigen Herren Aktionäre, welche hiernach in den Besitz von durch Vollmacht übertragenen Stimmen gelangen, haben die an sie übertragenen Legitimationskarten (Vollmachts-dJrkunden) spätestens einen Tug vor der Generalversammlung der Direktion einzuhändigen. Es werden demzufolge dieselben eingeladen, die in ihren Händen befindlichen eigenen und an sie übertragenen Legitimationskarten vom 25. März bis inklusive 2. April d. J. in der Liquidator der Anstalt zu den oben erwähnten Amtsstunden abzugeben, wogegen Ihnen eine die Gesamtzahl der von ihnen zu führenden Stimmen ausweDende Legi imationskarte ausgefolgt weiden wird. Wien, am 18. Februar 1905. K, k. priv. Oesterr. Credit-Anstait für Handel und Gewerbe, (Nachdruck wird nicht honoriert.)

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