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Jüdisches Volksblatt · 1905-02-10 · 6 (10.2.1905) · page 12

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Nr* 6 Nun hat der „Bar Kochba" an der Jahreswende 1906 durch den Brunner „Jüdischen Buch- und Kunstverlag" die schon so lauge angekündigte zweite A u f l a g e mit N o - t e n herausgegeben. Diese .Noten nun laufen keineswegs durch das ganze Liederbuch, wie wir das von den deutschen Kommersbibeln her gewohnt sind, sondern bilden einen Anhang und beziehen sich auf nur 34 der vorangehenden 98 Liedertexte. Und von diesen 34 Weisen ist kaum die Hälfte jüdisch, die drei Jargonlieder „Alef-Bejß", „Des Mühlners Trären" und „Immer in Zion", die aus dem letzten Brünne^ Volkskalender abgedruckt sind, die drei hebräischen Lieder „Hatikwoh", „Nischon l'Zion" und „Jehudi kotou oui", dann B.rtonun,gen von Ignaz Brück, Nadel, Oestermann und Fleischer. Wozu die deutsch e n Weisen Aufnahme fanden, bleibt unerfindlich, denn, so weit sie bekant sind, brauchen sie keine Fixierung, und daß Nationaljudicn jetzt deutsche Weisen statt ihrer eigenen erst erlernen sollen, ist kaum wünschenswert. Es scheint, als habe Herr Hickl aufs Geratewohl in Germanins Liederborn hineingegriffen, denn er verabreicht uns in bunter Fülle „Die bange Nacht ist nun herum" und „Ich gehe meinen Schlendrian" neben zwei Rheinliedern, dem „Sträußchen am Hute" und „Wenn'sM-ailüfterl weht" usw. Natürlich darngen nun die Texte dieser adoptierten Weisen vorne ,ins Liederbüchlein und es wurde ihnen Platz geschafft, indem eine ganze Reihe jüdischer Texte weichen mußte. Wenn auch diese Poeme wirklich einer strengeren Prüfung kaum standhalten, so hätten mit Rücksicht! auf die praktische Verwendbarkeit dieses Vereins liederbüchleins wenigstens die Bundeslieder, wie die der Wiener „Makkabäa", der Czernowitzer „Hasmonäa", der Berliner und Bielitzer Turnvereine, dann das die Assimilation so prächtig verspottende „Aschantilied" der Wiener „Jvria" verschont bleiben müssen. So hat Hickl glücklich erreicht, daß die Zahl der jüdischen Liedertexte auf 43 gefallen, jene „allgemeinen Inhaltes" auf 66 gestiegen ist. Und so leicht wäre die Verschärfung des Zirkerschen Proviosriums zu vermeiden gewesen, hätte bloß der ernste Wille geherrscht, die gerade letzterzeit so reich aufschießenden lyrisch-musikalischen Produkte jüdischer Eigenart sorglich zu sammeln. Wer vermißte nicht die schönen Weisen der B r ü n n e r „Veritas" und „Zephirah", der Wiener „Makkabäa", des Kellnerschen Psalmes, Ullmann-Gri'lnaus prickelnden „Wein von Jeruschalajim", die populären drei Syverlieder (neben „Hatikwoh"), „Misrachah", das Jargonlied „Da draußen blust" usw. Wenn die Weisen aus den letzten Jahrgängen der „Welt" bloß alle wären exzerpiert worden! Sohin scheint mir der Preisaufschlag von der ersten zur zweiten Auflage von 40 Pfennigen auf ihrer 86 (1 K.) schier zu hoch gerissen. Doch lassen wi runs durch eine, wenn auch noch so gerechte Kritik die Freude an unseren: einzigen „Jüdischen Liederbuch" nicht vergällen. Wenn nur diese Auflage so rasch vergriffen sein wird wie ihre Vorgängerin, dann mag der „Bar Kochba" zusehen, daß die kommende Auflage mit mehr Geschick, Fleiß und Verantwortlichkeitsgefühl für unsere große nationale Sache „gemacht" werde. Dr. C. M. Zweig - Wien. Vermischte Nachrichten. Klinger-Neqniem. Ueber Veranlassung des Kultusvorstandes wird Sonntag den 12. Februar, um 4 Uhr 15 Minuten nachmittags, im Stadttempel eine Trauerfeier für den ehemaligen Präsidenten der Wiener iSr. Kultusgemeinde. Herrn Tat). Rat Heinrich k linger abgehalteu. Aus der Plenarsitzung des Knltusvorstandes vom 2. Februar 191)3 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Negiun der Sitzung 10 Uhr vormittags. Im Einlaufe gelangen zur Verlesung: (Lin Erlaß der Statthalterei, wo i. elchem das Ergebnis der am 0. Dezember 11)04 stattgehabteu Wahlen in den kultuSvorhaud und die am 0. Jänner 1005 vollzogene Koustituiernng des KultuSvorstaudeS zur Kenntnis genommen werden; weiters eine Eilschrift des Herrn Vaurateö Max F l e i s ch e r, iu rvelcher derselbe dem Kultusvorstande für die Bekundung der Teitlkahlne anläßlich des Ablebens seiner Gattin, der seligen Frau Regine Fleischer, lind für die derselben erwiesene letzte Ehre 5eu Dank aus spricht. Dem Anträge des Vertreter-Kollegiums, es sei für den verewigten vormaligen Präsidenten kals. Rat Heinrich Kling er eine Gedächtnisfeier im Stadttempel zu veranstalten, schließt sich die Versammlung einmütig au. Die Bestimmung des Zeitpunktes mtö der Modalitäten hat durch das Präsidium im Einvernehmen mit dem Bethausvorstande zn erfolgen. Als B e rtreterdes israelitischer: Religionsn n t e r richte s im W ie n cv Bezirkss chulrat e wird auf die Dauer der mit 1. Juli 1005 beginnenden neuen Funktionsperiode dieser Schulbehörde der Kulturvorsteher phil. et jur. Dr. Markus Spitzer, welcher dieses Mandat bereits seit einer Reihe von Jahren versieht, einhellig wiedergeiwählt. Ueber Vorschlag des Vorstandes der C h e w r a Kadis ch a wird die Vernfnng des Herrn Karl Lang als Vorstandsmitglied der Chewra Kadischa im Sinne der statutarischen Bestimmungen genehmigt. Gnadengaben an Personen, welche im Dienste der Gemeinde beschäftigt waren, bezm. an deren Hinterbliebene werden fiir das Jahr 1905 mit dem Gesamtbeträge von X 00 220,75 bewilligt. Folgende vom Vertreter-Kollegium, bezw. von den berufenen Kuratorien erfolgte Stiftungsverleihungen werden zur Kenntnis genommen: Die Salomon Horowitz-Widmung für Arme 12 Plätze zu X 60 und X 20); die Fanny Güdemann-- Stiftung für weibliche Kranke (1 Platz mit X 80h) die Freiherr von NothsHild-Künstlerftiftung 11 Platz mit K 2000, 1 Platz mit X 1200 . und 3 Plätze zu X 800); die Rosakie Mintz-Stiftung für Witwen 14 Plätze zn X 180); die Lori Banrngarten-Stiftnng fiir herzkranke Frauen (1 Platz mit X 30); die Dr. Adolf Schmiedl-Stiftung für Talrnudschüler 12 Plätze zu X 100); die Dr. Adolf Jellinek-Stistung für Talmudschüler (1 Platz mit X 100); die Max Ritter von Gutmann-Spcuöe für Talmudschüler 14 Plätze zu X 100); die Dr. Jgrraz Leimberger-Ausstattungsftiftuug 11 Platz mit X 260); die Dr. Max Friedlüuder-Ausstattungsstiftung (1 Platz mit X 118); die WidmuiS des Komitees der aufgelösten Abeudbörfe für Lehramtskandidaten (1 Platz mit X 100); die Ignaz Eisler vou Terramare-Widmung für Arme 12 Plätze zu. X 12); die Bernhard Friedmann-Widmung für Anne 16 Plätze zu X 16): die Jakob Fischl-Stistung für arme Verwandte 15 Plätze mit X 200, X 80, X 50, X 40, X 30). (An wen? Red.) In betreff der Behandlung der Austritte aus dem Judentum wird beschlossen, d aß die Einsichtnahme in das Austritt s r e g i st e r über Verlange n j edermann zu gestatt en sei. Nach Erledigung von Kultussteuer-Angelegenheiten wird die Sitzung um halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Wien. Freitag den 3. und Samstag den 4. hielt Herr Kantor Josef Grob im Fugbachtempel vor einem sehr zahlreich erschienenen Publikum einen Probevortrag. Herr Josef Grob hat mit seinem sympathischen und klangvollen Tenor auf die Anwesenden einen guten Eindruck gemacht und großen Beifall geerntet. Derselbe erwies sich als ein nach allen Richtungen musikalisch gebildeter Chasan und Kantor, so daß nach beendetem Gottesdienste alle Zuhörer dem talentvollen Chasan ihre wärmste Anerkennung zürn Ausdrucke brachten? Wien. 1V e rba nd der israelitischer! Religionslehrer an den österreichischen M i t t e l s ch u l e n.) Am 13. Februar 1005, um 0 Uhr vormittags, findet in der Religionsschule der isr. Kultusgemeinde in Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse Nr. 4, eine Beratung über den einheitlichen Lehrplan für den Religionsunterricht arr Mittelschulen statt. Im Jüdischen Museum gelangen irr dieser Woche zur Ausstellung: 1. Eine Serie von künstlerisch angefertigten -H andzei ch n u u g e n, Ansichten der Synagoge zn Worms und der Nascht- K a p e l l e daselbst, nach den Arlgabeu des Herrn A. Epstein als Studien zu fciitem Werke „I üdi sch e A l t e r tü rn er i n Wor rrrs und Spei er" nach der Natur ausgenommen; dern Museum gespendet von dein Mitgliede des Kuratoriums Herrn A. Epstein. 2. Preis- K o u k u r r e rr z e n um die freiherrlich R vths ch i l ö s ch e n K ü rr st l e r st i p e n d i e n von derr Bildhauern Arthur Immanuel L ö w e rr t h a l, Geza S a l z m a rr rr, F. C. B e ch e r, Fritz H e rlirrger, Richard Hadl. Der Plan für den jüdischen Religionsunterricht in den galizischen Volks- und Mittelchulen. Herr Z. S. Taubes veröffentlicht im Lemberger „Wschod" das Projekt des vorl der galizischen Schulkornmission angeuvmrnerlen Planes des zukünftigen jüdischen Religionsunterrichtes, dem wir folgendes entnehmen: Der jüdische Religionsunterricht findet in jeder Klasse zwei Stunden wöchentlich statt. Das ganze Material ist im Lanfe voll 0—7 Jahren durchzunehrnen. Der Hariptgegenstand des Unterrichtes ist das Gebetbuch in hebräischer Sprache und erithält außerdem: 1. Die Lehre über Gott und den Glauberl. 2. Das Stlkdiererr der heiligell Schrift im Original oder in einer Uebersehllng. 3. Das Erklären der Gebete im Gebetbuche. 4. Die rituellen Vorschriftell für Hans und Synagoge. 5. Lehre von den Feiertagen. 0. Die Lehre voll den Pslichterr des Juderr. 7. Velanntmachung mit den ivichtigsten Ereiguisserl der jüdischen G.'- schichte. Der Unterricht im Beten begiriut s ch v n i n der e r st e rr K lasse. Es rvird den Lehrern zur Pflicht geiuacht, den Kindern die Bibel, die bei deil Juden die Grundlage des Glaribe»ls ist, gründlich zu ertlärerr. Der Uriterricht irr jridischer Geschichte hat erst iu der 0. mtö 7. Klasse zu erfolgen. Der Plan des Religions-, Unterrichtes ist für die Knaben und Mädi ch e n d e r s e l b e. Vom israelitischen Landes-Lehrerverein in Böhmen. Die Vertreter des israelitischen Landeslehrerverciues konseriertcu vor kurzem mit dem Mitgliede des böhmischen Larldesschulrates Herrn. Dr. Bendiener über die Negelutlg des israelittscheu Neligivusnuterrichtes. Die Beratung erstreckte sich über die Qrtalisikativn der Religivuslehrcr, riber Eirrsetzuug einer Prüftlugstvmmission, über Einführuug eines einheitlichen Lehrplanes und liber die Herausgabe von Lehrbüchern für die böhmischerl Anstalten, besonders fiir die böhmischen Mittelschulen. Die Prüsungskornmisston soll bestehen aus eirrem k. k. Landesschuliltspektor als Vorsitzendert, dem jeweiligen Vertreter der Juden im Larldesschulrate, aus je zwei Bertretem der Prager Kultusacuteinde, Repräsentanz des Lehrervereines und des Näbbinerverbandes. Dr. Bendiener referierte über diesen Antrag irn Plenum des Lan°. desschulratcs, wo er auch angenommen wurde. Betreffs Einsetzung der Prüfungskommission soll noch das Gutachten der Prager Kultusgemeinde eiugehvlt lverden. Wir köruren dem israelitischen Laudeslehrervereine behufs Einleitung und Durchführung dieser wichtiger! Aktivn nur gratulieren. r. Klattau. Die hiesige Kultus gemein de hat auch in der „Sturm- und Drangperiode" ihre jüdische Schule erhalten. Die letztere blüht und gedeiht; heute zählt sie 82 Zöglinge. Das Lehrpersvnal besteht aus fünf Kräften. Den Religionsunterricht versieht der neue Rabbiner Herr Dr. Siegfried Bret äußerst gewisseuhafi und sind die günstigen Resultate bereits kennbar. Nächstens werden wir Ihnen einen längeren Bericht über die hiesigen israelitischen Vereine und deren Tätigkeit übermitteln. Für heute schließe ich mit der Bemerkung, daß die löbliche Kultusgemeiude Klattau während ihres Best'cnüdies noch nie einem ihrer Beamten oder Angestellten „gekündigt" hat. Jüdische Abende in Czerrrorvitz. Aus Czernowitz wird uns berichtet: Die jüdischen Abende, welche Mathias A ch e r in Wien mit so großem Erfolge ins Leben gerufen hat, Huben bereits Schule gernacht. Nach Wiener Muster veranstaltet jetzt der hiesige jüdisch-akademische Verein „Ernuuah" jeden Sourlabeud Vortrüge über jüdische Literatur und Vorlesungen aus den Werken jüdischer Schriftsteller. Der erste, am 28. v. M. veranstaltete Abend verlief glänzend. Sind. jur. Anselm K l e i n m a n n hielt die Eröffnungsrede, in welcher er einen kurzen Ueberblick über die Entwicklungsgeschichte der jüdischen Literatur bot. Hieraus las Herr A. L. Tanbes ans Perez, F r i s ch rn a n rr urrd Scholen: A l e i ch e m. In Krakan wurde vor wenigen Tagen eine Toyribeehalle ins Leberr gerufen. Am 27. v. M. fand eine allgemeirle Versarnnrlullg statt, irr der die Wahl des Ausschusses erfolgte. Als Präsident wurde Dr. Hilsstein, als Vizepräsident Doktor Gottlieb und als Sekretär Dr. Vogler gewählt. Das Komitee hat es sich zur Aufgabe gestellt, durch populäre Vorträge, gesellige Veranstaltungerr usw. das Kulturnivearl der breiten jüdischen Massen zu lieben. Das Jrrteresse der jüdischerr Bevölkerung an der Toyubeehalle ist sehr groß. Bis heute sind schon viele Mitglieder bcigetreten. Hauptsächlich soll der Jargorr gepflegt werden. Als erste Veranstalturlg ist ein Jargvnvortrag von Dr. Gvldwasser „Wus ist Bildung" in Aussicht genommen. Die Vorträge svllerr regelmäßig an jedern Freitag, Samstag und Sonntag stattsinderl. Breslau. Am 27. v. M. wurde im jrMschthevlogischen Serninar der Geburtstag des Kaisers in Berbindnilg mit der Gedächtnisfeier fiir den Stifter der Anstalt, den verewigten Kounrrerzienrat Jonas Frttukel, festlich begangen. Herr Semiuarrabbirter Professor Dr. L e w y hielt die Gedächtnisrede; der inhaltreiche Bvrtrag behandelte die „r a b b i n i s ch e Eth i k". Zur Bewerbung um den „Josef Lehmarrnschen Preis" war für das vergangene Jahr nochmals als Aufgabe das Therua gestellt rvvrden: „Der Eirtfluß Al-Gazzalis ans Ehisdai Ereseas". Die eingegarrgene Arbeit erhielt den Preis. Als Verfasser ergab sich bei Oeffnung des Umschlages Dr. Jnlius W o l f s o h n. Hieran schloß sich die feierliche Errtlassnug der beiderr geprüfte» Kandidaten Doktor Jslnar Frerr nd llnd Dr. Arnold Lazarrls drtrrh Herrn Semiltarrabbiner Professor Doktor L e rv y. Herr Dr. Arrtold L a z a r u s sprach sodanrl roarnre Abschiedsivvrte all die Dvzerrten und Kvmilitvnen. Mit den: Psalm „Michtvm le-Dou>id" schloß die rviirdige Feier. Der Jahresbericht enthält diesmal eine anssührliche Beschreibttug der Jubelfeier des Se>uiuars mit dert Reden der Herrerl Dr. H or v v itz, Le w y uud Stadtrat Milch iu volleul Wortlaut. Samntlung alter Gebetbücher. In Frankfurt a. M. luiib jetzt die berühmte Münzensoimnlnng des verstorbenen Genemlkonsnls von W i l in e r s d ö r f e r atis München versteigert. Die Auktion erfolgt durch L. H ci m - b u r g e r. Erfreulich ist, daß die Sammlung alter hebräischer Gebetbücher und anderer jüdischer Werke erhalten bleibt. Die Beilage pxv nächsten Unrnmerr „Handel nnd Gewerde" and „Der Ardeiter".

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