Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 6 (10.2.1905)
- Date
- 1905-02-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdisches Yolksblatt Nr. 6 Die Existenz eines solchen Vereines unter den französischen Juden beweist, wie groß Vas jüdische Gefühl auch unter denjenigen Jude.; entwickelt ist, die man als die assimilier-tcsten unter den Judcn bezeichnet. Sie sind assiiniliert insofern, als sie sich in dem französischen Milieu eingebürgert haben ltnb dein Lande, in dem sie wohnen, nur Ehre bereiten, vergessen aber keinen Augenblick, daß sie einem alten, ehrwürdigen Volke angehören und sind stolz, als dessen Söhne zu gelten und für ihre Brüder anderer Länder mit Wort und Tat einzustehen. Ich erinnere nur an C r e in i e u x, den Gründer der Allianz, der sich zur Aufgabe machte, die Juden der Türkei und anderer mohammedanischen Länder der Kultur zuzuführen, obgleich hierbei mit Bedauern betont werden muß, daß die Schulen der Allianz zu Brutstätten der Assimilation verwendet werden. Jede Woche werden die Juden unseres Landes ausgezeichnet, was gewiß der beste Beweis ist, wie nützlich sie ihremGeburtslande unb. Um nur ein paar Beispiele von der letzten Woche zu erwähnen: Der Artillerieoberst V a l a b r e g u e, Kabinettschef im Kriegsnrinisteriuln, ein naher Verwandter des Kapitäns D r e y f u s, ist zum Brigadegeneral befördert worden. L y o n - C a e n, Mitglied des Instituts, Professor an der juridischen Fakultät in Paris, ist zum Sekretär des Universitätssenates, Paul Leon, Universitätsdozent, ist zum Kabinetischef in der Ministerialabteilung für bildende Künste, Lucien L i p p m a n ir, Verwaltungs- Mitglied der nationalen Schule für bildende Künste in Nizza, ist zum Offizier der Akademie ernannt worden. Dies ist ein Spiegelbild der Lage der Inden in Frankreich, die sich gar anders gestaltet, wie in Deutschland oder Oesterreich, lvo man sehr häufig solche Stellen vom Taufschein abhängig macht. Paris, Februar 1906. Vernarb. Vereinsvachrichten. Wien» (Jüdische Toy nb eestalleJDortragsordnung. Sonntag, 12. Februar. Dr. I. Samuely: Das Telephon. Montag, 13. Februar. Akaö. Maler Otto Herschel: Einiges Wer Kunst. Dienstag, 14. Februar. Diskussion, Mittwoch, 15. Februar. Felix Salten: Vorlesung. Donnerstag, 16. Februar. Max Racher: Gerhart Hauptmann 2. Freitag, 17. Februar, Bibelerklärung. Samstag, 18. Februar. Konzert. Sonntag, 19. Februar. Dr. Leopold Kahn: Meffianität und Judentum. — Die Kurse der Toynbeehalle haben Montag, 6. Februar, begonnen. Vorläufig finden folgende Kurse statt: Jeden Montag, halb 8 Uhr abends, Schnittzeichnen. (Frl. Jsabella K o h n.) Jeden Dienstag, 7,8 Uhr abends, Englisch. (Frau Iba, Berliner.) Jeden Donnerstag, 7,8 Uhr abends, Französisch. (Frl. Rosa Spielmann.) Ort der Kurse: Religionsschule der Israelitischen Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 2. Der Kranken-Unterstütznngs- und Humanitätsverein „Gomle Chesed" hält Sonntag den 12. Februar 1905, präzise 3 Uhr nachmittags, im Sitzungssaale der Jsraelttischen Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, seine 39. ordentliche Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Eröffnung durch Leu Obmann und Bericht über das Ergebnis des Jahres 1904. 2. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl von acht Ausschußmttglredern, und zwar an Stelle der durch Ablauf ihrer Mandatsdauer ausgetretenen Herren M. Baum, Dr. M. Blumenthal, Dr. S. Elias, Dr. Leo EHrentheil, Louis Flamm, Michael Jokl, David Kornfeld, Michael Neurath sowie Wahl von zwei Revisoren und zwei Ersatz-Revisoren. 4. Eventuelle Anträge. Wien. („B a r G i o r a.") Samstag den 11. Februar findet im Kongrebbnreau 9. Bez, Tiirkenstraße 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Weisengrün statt. Thema: „Was wird unsere nächste Arbeit sein." Beginn halb 8 Uhr abends, lenste erwünscht und herzlich willkommen. Wien. Samstag den 11. Februar 1905, halb 8 llhr abends, fiubet im Kougreßbnrean, 9. Bez., Tiirkenstraße 9, die MonatsversammlUng der „Poale Zion" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht über die bisherige Tätigkeit c Statuten, Verband). 2. Stellungnahme der „Poale Zivil" zu den Streitsragen im Zionismus (Referent: Kaplanstt), Kaplan). Floridsdorf. Ter Flori'dsdorfer Israelitische Fraueuwohltätigkeitsvereinveranstaltet Svuntag den!2. Ni. zu Gunsten seiner Uuterstühnngskasse ein Wohltättgketts-Kränzchen. Ort: Gisela- Säle, Floridsdorf, Pragerstrabe 11. Beginn: 0 Uhr abends. Soiree-Toilette. Karlen im Vorverkäufe zu K 2,40 bei der VereinsleiUiug und den Komtteemitgltedern erhältlich. An der Kasse 3 K. T er Verein, welcher im 25. Fahre seiner segensreichen Tättgkett steht, verdient die Unterstützung aller wohltätigen Glaubens- und Stammesbrüder. Der Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter Wien veranstaltet Sonntag den 12. d. M. einen Vottragsabend im Kongreßbureau, 9. Bez., Türkenstraße Nr. 9, bei welchem Kollege Max Schacher! über ,,M a x i m G o r k t" sprechen wird. Beginn präzise 9 Uhr. Gäste willkommen! Jüd. Arbeiterverein „Achwah", Lemberg. Am Samstag öen 28. v. M. fand eine Monatsver sarnmlung des Lernberger jüd. Arbeitervereines „A ch w a h" statt. Der Verein hat in den letzt.'» drei Monaten sechzig neue Mttglieder bekommen. Er veranstaltet eine rührige Agitation und die Hoffnung ist nicht unbegründet, daß die „Achwah" sehr bald die größte Arbeitervereinigung sein wird. Als Zweigverein der „Achwah" wurde ein Verein jugendlicher jüdischer Arbeiter „Poalei Zion" gegründet, der heute schon 65 Mitglieder zählt. An jedem Freitag finden in der „Achwah" Vorträge statt. Alle zwei Wochen wird ein geselliger Abend veranstaltet. Die jüd. Arbetterschaft Lernbergs bringt den Veranstaltungen des Vereines großes Interesse entgegen. Frankfurt a. M. Denr elften Jahresberichte des Vereines für jüöischeKrantenp f l e g e r t n rc e n zu Frarrkfurt a. M. entnehmen wir: In dem jetzt vollendeten Vevwaltungsjahre hat sich die Tätigkeit unseres Vereines nach-den gewohnten, durch nunmehr elfjährige Erfahrung bewährten Grundsätzen weiter enttoickelt,' Vorstand und Schwesternschaft waren in ihren Wirkungskreisen eifrig bestrebt, ihren Pflichten nach bestem Können nachzukommen. Während daher in unserem inneren Vereinsleben von keinen besonderen Ereignissen zu berichten ist, können wir doch in anderer Beziehung unseren Mitgliedern Kenntnis geben von einem bedeutungsvollen Fortschritt, der in der Frage der Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen in diesen: Jahre gemacht worden ist. Der Berliner Verein für jüdische Krankenpflegerinnen ergriff im Laufe dieses Frühjahres die Jnttiative zu einer Zusammenkunst aller der Vereine, die sich die Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen zum Ziele gesetzt haben. Ein Delegiertentag aller deutschen Vereine fand denn am 4. September in unserem Schwesternheim statt. Alle bestehenden Vereine mit Ausnahme des Breslauer wohnten demselben an. Wenn auch erklärlicherweise diese erste Zusammenkunft und Besprechung der Vereine, die gleiche Zwecke und Ziele verfolgen, nicht sofort zu einer vollständigen Uebereinstimmung und entsprechender Beschlußfassung führen konnte, so steht doch als bedeutungsvolles Ergebnis dieser ersten Konferenz die Vereinigung aller Vereine zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen zu einem Verbände sicherer Aussicht. Außerdem wurden andere ffftr alle Vereine höchst wichtige Fragen einer ersten und vorläufigen Besprechung unterzogen, wie z. B. allgemein Grundsätze zur Annahme der Schülerinnen und Ausbildung derselben. Es werdet: nunmehr wettere Vorbereitungen getroffen, um demnächst eine zweite Konferenz abhalten zu können, die imstande sein wird, definitive, für alle Bereinigungen bindende Beschlüsse zu fassen. Aber auch heute schon hegen wir dieTseste Zuversicht, daß jener erste Delegiertentag der jüdischen Krankenpflegerinnenvereine für die Fortentwicklung unserer Bestrebungen in Deutschland die schönsten Früchte tragen wird. Eine andauernde und schwierige Ausgabe des Vorstandes besteht in der Gewinnung und der Aufnahme neuer Schülerinnen. An Anfragen und definitiven Anmeldungen von Schülerinnen hatten Hvir keinen Mangel. Von 20 Anmeldungen, die 'zur Schl'nßprüfung kamen, mußten nicht weniger äls 13 abgelehnt werden, da sie den Anforderungeil ganz oder teilweise nicht entsprachen: eine derselben mritzte nach mehrmonatlicher Lehrzeit wieder entlassen werden, da sie unseren Ansprüchen nicht genügen konnte. Von den drei Schülerinneil, die schon im Vorjahre eingetreten waren, vollendeten zwei im Berichtsjahre ihre Lehrzeit und wurden als Schwestern in unscrell Verband ausgenommen. Mit Beginn des neuen Verwastungsjahres sind im ganzen sieben Schülerinnen,in der Ausbildung begriffen, von denen eine ihre Lehrzeit im Krankenhau'se der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg durchmacht. Zwei unserer Schwestern, Anna Ettlinger und Rosa Goldstein, haben im Laufe des Jahres für zehnjährige treue Dienste in unserem Verbände die goldene Brosche erhalten. Trotz des Hinzutretens zweier neuer Schwestern ist doch am Schtllsse des Jahres die Zahl der Schirestern' um zwei geringer als zu Beginn. Zu dein bisherige«, unveränderten Arbeitsfeld nuferer Schwestern kam noch ein neues Gebiet hinzu. Dem oft wiederholten Wünschendes Jsraelttischen Wvhltätigkeitsvereilles in Heilbrouu entsprechend, entsandten lvir zunächst versuchsweise eine Schwester als Vereinsunb Gemeindeschwester dorthin. Wir glaubten dadurch auch im Interesse unserer Schwestern?,u handeln, da eine solche selbständige und abwechslungsreiche Tätigkett stets von den älteren Schwestern gesucht mtö gewünscht wird. Für das tummenbe Jahr stehen 13 Schwestern für die Privatpflege dahier zur Verfügung. Die Tätigkeit unserer Armeilschwesteru ist im allgemeinen dieselbe gebliebell rvie in den Vorjahren. Wie aus dei,i Berichte des Kassiers zu ersehen ist, silid in dem abgelaufeueu Jahre unsere Ausgaben nicht uiibedeiltelid gestiegen, während die Eiuuahlueu die gleichen gebliebell sind. Wir bedürfen daher, wem: >vir llicht im nächsten Jahre einem Defizit entgegellsehen sollen, dringend der leeiteren nachhaltigen Unterstützung unserer Freunde und Gönner. Deshalb richten wir nochmals die dringende Bitte an alle, die sich für unser« Bestrebungen intereffieren, dieselben auch im kommenden Jahre, womöglich in erhöhtem Maße, durch Geschenke und Gaben unterstützen zu wollen. Persoualnachrichten. Wie«. Die Familie des Brigittenauer Tempelvorstandes Herrn Ad. Schreiber wurde von einem schmereil Schicksalsschlage betroffen, indem dessen Schwiegertochter Else, Gattin des Ddktor Jakob Schreiber, nach kaum dreimonatlicher glücklicher Ehe eines plötzlichen Todes starb. Die Beliebtheit, deren sich die Frühverblichene in allen Kreisen erfreute, zeigte sich bei der Beerdigung am Mittwoch durch große Beteiligung. Im Trauerhause wie auch in der Zeremonienhalle fungierte Herr Oberkantor Bohils mit feinem Chor in vollendetster Weise. Die erhebende Leichenrede hielt Rabb. D. David, der trostreiche Worte an die Leidtragenden richtete. Möge ihnen- Gott die Kraft geben, diesen großen Schmerz zu überwinden und das Andenken der edlen Dahingeschiedenen sei zum Segen! Minister Berzeviezy an Moses Bloch. Der ungarische Küttus- und Unterrichtsminister Albert Berzeviezy hat an den Direktor des Budapester Nabbinerseminars Moses Bloch das folgende Schreiben gerichtet: „Geehrter Herr Direktor! Anläßlich Ihres 90. Geburtstages beglückwünsche ich Sie, Herr Direktor, aufrichtigen Herzens. Sie ■ können mit der größten Befriedigung und mit dem erhebenden Bewußtsein' der Pflichterfüllung auf Ihre bisherige, lange Laufbahn zurückblicken. Der Herr des Alls gewähre es, daß Sie, Herr Direktor zu unserer aller Freude in voller Gesundheit noch zahlreiche Gebllrtstage feiern können. Mtt aufrichtigem Gruße bin ich Ihr getreuer Albert Berzeviezy." Zum Tode des Rabbiners Alter von Gora- Kalwaria schreibt der „Kur. Poz." folgende Einzelheiten: Auf die Todesnachricht des bekannte» Rabbiners Jfak Majer Alter, der im 60. Lebensjahre verschieden ist, sandten wir unverzüglich einen besonderen Berichterstatter nach Gora- Kalwaria, welcher uns folgende Details meldet: Im Lause der Fahrt nach Gora-Kalwaria konnte ich nur die tiefe Trauer feststellell, welche jeder der Mitreisenden empfand, um dem bekanntesten, populärsten und Hochgebildeten Hebraisten und Tatmudisten, als den man I. M. Alter bezeichnen kann, die letzte Ehre >zN erweisen. Ohne Aufenthalt langten wir in Gora-'Kalwaria an. DcA laute Weinen, furchtbares Stöhnen, das ans der Brust tausender der vor dem Hanfe des Verblichenen bereits versammelten Juden, Einwohner von Gora-Kalwariä, kam, wackln beredt«, Zeugen der Trauer um bell beliebten Rabbiner. Die Menge wuchs ungeheuer an. Um 2 Uhr nachmittags erreichte die Zahl der hinzugekommene» Jndeir bereits 10 000. Sie trafen mit der Bahn ein, die außer den regelmäßigen noch vier Sonderzüge abfertigte, andere trafen in Wagen ein, deren Anzahl schwer zu zählen war. Unter den Allgekommenen befanden sich viele Vertreter der jüdischen Geistlichkeit und viele Proviutztalrabbiner. Um 5 Uhr rückte der Trauerzug aus. Die Zahl der Teilnehmer war mittlerweile aus mehr als 17000 Köpfe angervachsen. Gora-Kalwaria stellte ein ungewöhnliches Bild dar. Die schwarze Menschenwoge zog zum Friedhof, vo» einem entsetzlichen Stöhnen und Jammern begleitet. Den großer! Schmerz, der den Jllden zugesügt war, fühlte man. Der Verlust des Rabbiners, der für sie das Alpha und Omega war, der eme ist erlich verstand, diesen Menschen die Träne» zu trocknen, ist für sie äußerst schmerzlich. — Die Stelle des Verstorbenen soll dessen Sohn einnehmeit, der nach dem Vorbilde des Vaters ausgvbildet wurde und eine ungewöhnliche Kenntnis des Hebräischen und des Talmud besitzt. Petersburg. Der russische Professor Gregorowitsch Truitzkv hat von der Akademie der Wissenschaften zu Petersburg den Titel „Ehrendoktor" für sein Werk „Die L eh re d e S Talmuds über die Unsterblichkeit der Seele" erhalten. London. (A n s z e i ch n u n g.) Der König von England hat dem Generaldirektor der Posten von Indien, Hermann M. M i s ch, Öen Orden des „Sterns von Indien" verliehen. Arad. Hier starb am 18. ds. der auch im Anslande als Kouiposiieur von Synagogengesänßen bekannte Kantor der israelitischen Kultnsgemeinde Adolf G r ü n z w e i g im Alter von 76 Jahren. Grünzweig hatte länger als 50 Jahre bei der Araber Gemeinde gewirkt. Geschäftsnoiizen. Erste Wiener Reinigungsanstalt „La Generale", Wien, 1. Bez., Dorotheergafse 7. Unter den vielen Reirligullgsanstalteu, welche heute in Wien bereits existieren, ist vbige Firrna rnlumstritten die hervorragendste davvll. Dies beweist wohl am besten der kolvssaleAbvnneutellstalld, welchen diese Fillua bereits gelvormell hat. Wir können dieselbe der Geschäftswelt nur auf das wärmste enrp- 'ehleu. Stampiglie in jeder Größe in der bestell AuSlührntlg erhält mall am billigsten bei I. Lewinf o n, Wien, l. Bez., Adlergasse 10.