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Jüdisches Volksblatt · 1905-02-03 · 5 (3.2.1905) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Jüdisches Yolksblatt Nr. 5 Russische Emigranten in Czernowitz. Wiederholt ist in diesem Blatte von der Massenemigration ans Rußland, die zumeist nach denöstlichen. Ländern gerichtet ist, berichtet worden. In der Landeshauptstadt Czernowitz, wo bekanntlich die Tätigkeit eines Hilfskomitees, bestehend aus der akademischen Verbindung „Hasmouaea" und Stadtbaumeister Elias Pap st, welcher das Emigrantenquartier zur Verfügung gestellt hat und« das Hilfswerk außerordentlich fördert, die Emigration in derart geregelte Bahnen gelenkt worden, daß von einer ernstlichen Belästigung der heimischen Kreise nicht die Rede sein konnte. Durch Spenden, Wohltätigkeitsveranstaltungen wurden die Mittel zur Weilerbefördernng bezw. für den vorläufigen Aufenthalt aufgeboten. So find an 600 Emigranten der Unterstützung des Quartierbureaus, das Auskünfte erteilt und unentgeltlich vorübergehend Arbeit vermittelt, indem große Inserate in alphabetischer Reihenfolge die Arbeitsuchenden ankündigen, teilhaftig geworden. Durch ein Wohltätigkeitskonzert eines russischen Emigranten, des Heldentenors des Odessaer Theaters Herrn Leo S i n o w - j e w im Musikvereinssaale, der bis auf das letzte Plätzchen ausverkauft war, ist dem Komitee, dem ein Teil des Reinerträgnisses zufiel, die Förderung weiterer Kreise zuteil geworden. Jüdische Damen aus der Gesellschaft übernahmen den Vorverkauf und wurde durch überaus lebhafte Agitation die allgemeine Aufmerksamkeit auf die bedauernswerten Unglücklichen, denen die Veranstaltung galt, gelenkt. Herr Sinowjew beabsichtigt nun in anderen Städten, und zwar auch in Galizien, ähnliche Konzerte zu veranstalten und es wird sich zeigen, ob die Juden Galiziens in gleich aufopfernder Weise die Gelegenheit wahrnehmen werden, den Emigranten helfend beizuspringen, wie es in Czernowitz der Fall war. Hier wurde nämlich alles aufgeboten, um die Spesen für das Konzert zu verringern. Saal und Beleuchtung wurden unentgeltlich gewährt, die Druckereien lieferten Plakate, Programme usw. ebenfalls kostenlos, und einheimische Kunstkräfte wirkten bereitwillig beim Konzerte mit. In K o l o m e a, wo das Konzert am 12. Februar stattfindet, ist auf Anempfehlung des Czernowitzer Hilfskomitees durch den Führer der dortigen Zionisten, Stadtarzt Dr. R o s e n h e ck und Advokat Dr. Trachtend erg eine gleiche Agitation in Aussicht gestellt worden, um so eher, als in jeder Stadt ein Teil des Erträgnisses den im Orte weilenden russischen Emigranten zufällt. In Czernowitz ist für die arbeitslosen Emigranten, die keine Handwerker sind und deren Abreise noch nicht bewerkstelligt werden kann, für den Winter in bescheidenem Ausmaß Arbeit verschafft worden, damit nicht eine Ueberftillung des Emigrantenquartiers eintrete. Die Wiedereröffnung des „Nennerteich", des größten der in Czernowitz vorhandenen. Eislaufplätze, wurde heuer nämlich hauptsächlich zu dem Zweck ermöglicht, um das Personale (Eisarbeiter, Anschnaller usw.) mit Emigranten zu besetzen und ihnen so Arbeitsgelegenheit zu verschaffen, was auch gelungen ist. Auf solche Weise ist es leicht erklärlich, daß in Czernowitz die Emigranten nicht schlecht aufgehoben sind, wenn auch noch genug Hilfsbedürftige unter ihnen vorhanden sind, die leer ausgehen müssen. Das Hilfskomitee bemüht sich in nächster Linie, die Emigranten weiterzubefördern, was zumeist bei Handwerkern der Fall ist, damit eine schädliche Ueberflutung des Arbeitsmarktes nicht eintrete, wogegen sich bereits Stimmen laut gemacht haben, die aber mit Rücksicht darauf, daß sie in dem bekannten deutsch-deutschen Blatte „Nachrichten" ihre Ablagerungsstätte gefunden haben, nichts anderes als einen Verhetzungsversuch, wie die vorausgegangenen, beinhalten. Derzeit sind noch über 100 Emigranten im Quartier, die Zahl der Ratsuchenden aus der ganzen Bukowina ist aber viel größer. Es wurde in letzter Zeit auch der Versuch gemacht, durch anonyme und gezeichnete Anzeigen wegen hygienischer Maßnahmen usw. die Tätigkeit des Hilfskomitees zu stören, wahrscheinlich um zugunsten der Agenturen, die ihnen lästige Information der Hilflosen seitens der Komitees zu vereiteln und dergleichen mehr. Diese Versuche scheiterten, die kommissionellen Erhebungen ergaben nichts Anstößiges und ist es nur sehr bedauerlich, daß zu solchen Mitteln gegriffen wurde, um eine aufopfernde und selbstlose Hilfeleistung zu vereiteln. Dies sehen auch die Behörden ein, Beweis hierfür, daß Landesregierung und Magistrat aus den Büchern, die im Quartier aufliegen und alphabetisch geordnet sind, stets genügende Auskunft für statistische Zwecke finden, ja, ohne das Hilfskomitee außerstande wären, über die Zahl der Emigranten und deren Aufenthalt im Lande auch nur annähernd Kenntnis zu erlangen. Im Quartier ist dies viel leichter zu bewerkstelligen. Gegen die im Landesausschusse laut gewordenen Klagen wegen Trachomverschleppung hat das Komitee s ch o n z u v o r Maßnahmen getroffen, indem gleich von Anfang an humane Aerzte unentgeltlich die Emigranten untersuchten, so daß Trachomkranke aus dem Quartier ferngehalten werden konnten. Ueberdies nimmt das jüdische Krankenhaus die anderen Kranken unter den Emigranten auf. Für die Verpflegung der Arbeitslosen wird im Quartier durch Spenden an Viktualien gesorgt. Die Hilfsaktion ist in jeder Hinsicht geregelt und wird auch überall die Tätigkeit des Hilfskomitees gebührend gewürdigt und unterstützt, unbeschadet der Unkenrufe, die gerne die Bemühungen des Komitees ermüden möchten, um freien Spielraum für ihre Geschäftszwecke zu erlangen. —er. Bereinsnilchrichten. Verein zionistischer Frauen und Mädchen in Fünfhaus. Am 26. Jänner Jour. Glänzendes Ncherat der verdienten Präsidentin des Vereines, der Frau Fanny Weiß, Wer „Die jüdischen Kolonien in Palästina". Die Vortragende entwarf auf Grund eigener Beobachtung und unmittelbarer Berichte eine Schilderung, welche alle Seiten des Lebens umfaßte. Hernach ergab eine Sammlung für den Nationalfonds sechs Kronen, bestrmmt zur Einschreibung ins goldene Buch. Fünf Damen bestellten Sammelbüchsen. Wien. lJ ü d i sch nat'i o nal er Arbeiterverein, 16. Bez., Sechshanserstr. 12.) Samstag den 4. Februar, 8 Uhr abends, findet die Eröffnung des neuen Vereinslokales, 16. Bez., Sechshanserstr. 12, Hochparterre statt. Gleichzeitig erster Leseabend und Bibliothek. — Samstag den 4. März veranstaltet der Verein in Ph. Neumanns Saallokalitäten 14. Bez., Schwenöerg. 1, einen Theaterabend mit anschließendem Tanzkränzchen, zu welchem alle Freunde und Gönner _<J> Vereines höfl. eingeladen werden. Karten zu X 0,80 sind bei allen Ausschußmitgliedern sowie täglich 8—10 Uhr abends i'm Vereins lokale zu haben. Wien. (Zion. Seminar des akad. Vereins „Theod. Herz l", 2. Bez., Förstergasse 8.) Freitag: techn. Kohn: Palästinakunde. Samstag den 4. ös., 7 Uhr: Politik des Zionismus. Herr Dr. P. Weisengrün: Zur Lage. Die verehrt. Stuöentenkorporationen werden eingelaöen, zu diesem Thema in der Diskussion Stellung zu nehmen. Sonntag, 10—12 vorm.: HerrM. Berkowicz: Hebr. Elementarkurs. Montag: agr. Gold: Jüö. StatistU. Mittwoch: Herr B. Lrfschitz — Pethach Tikwah: Hebr. Konversationskurs. Die Vorträge beginnen außer Samstag und Sonntag um halb 8 Uhr. Gäste stets willkommen. Wien. lVerein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstad t".) Sonntag den 29. Jänner fand die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt, bei welcher der Rechenschafts- und Kassabericht erstattet wurde. Aus den Berichten ist zu entnehmen, daß zwar der Stand des Vereines ein günstiger zu nennen ist, trotzdem aber noch lange nicht auf der Höhe stch>, welche er vermöge seiner Tendenzen erreichen könnte. Der Bericht konstatiert ferner, daß im abgelausenen Halbjahre Borträge, Diskussionen, Exkursionen (Telephonzentrale, Ottakringer Bauhaus usw.) sowie eine gutöesuchte Akademie (am 8. Jänner) stattgefunden und die Bibliothek durch Spenden einen wesentlichen Zuwachs bekommen hat. Die Wahlen in die Vereinsleitung ergaben folgendes Resultat: Obmann: .Schacher!,. Obmannstellvertreter: Reiß, 1. Schriftführer: Glücksmann, 2. Schriftführer: Lobstein, Kassier: Ullmann sen., Bibliothekar: Teitelbau'm, Ersatzmänner: Blatt, Preindler, Ratz, Rosenberg, Kassarevisoren: Körpner, Rosenste'in. Beim Punkte „Eventuelles" wurden verschiedene Anregungen gegeben, z. B. Intensivere Agitation, Lehrlingsschutz, Ankauf von jttdischnattonalen und sozialistischen Werken für die Vereinsbibliothek' nfw. Zusammenkünfte der Mitglieder bis auf weiteres jeden Sonntag halb 5 Uhr nachmittags km Kongretzbureau, 9. Bez., Dürkenstraße 9. B. Gr. Wien. Sonntag den 29. Jänner 1996 sandte vom Vollzugsausschüsse der jüd. Studentenschaft einberusene Versammlung der jitd. Akademiker in Guths Restaurant statt. Erschienen waren die Verbindungen ,Ovria", „Kadimah", „Unitas", „Makkabäa", die Vereine „Bar Kochba", „Bar Giora", „Erez Israel", „Leo Pinsker", „JoröaNia", „Theodor Herzl" und die „Lesehalle", außerdem 2 Studentinnen. Der Obmann des Vollzugsausschusses Herr jur. Löhner („Kadtmah") eröffnete die Versammlung und betonte, daß der Ausschuß dem außer der „Theologia", „Esperanza" und „Herzlonia" alle jüd.-akad. Korporationen angehören, kein fester Verband, sondern ein Zusammenschluß zu gemeinsamen Vorgehen sei. Er eröffnete die Diskussion über die Mittel und Wege der zu begründenden Institutionen, wie: jüdisches Studentenheim, akad. Sportverein, Studentenunterstützungsverein usw. Herr jur. Zucker mann („Theodor Herzl 0 beantragt die Ehrung der in Rußland für Recht und Freiheit Gefallenen durch Erheben von den Sitzen. (Geschieht.) In der Diskussion, die sich, hauptsächlich darum drehte, ob der Verband ein jüdischer oder zionistischer werden solle, sprachen die Herren Ohler („Kadimah"), Schlesinger (Lesehalle), Fischl („Unitas"), Gottfried („Theodor Herzl"), Carniol („Theodor Herzl"), Dr. P i e k a r s >k y („Kadimah"), Her - zer (Lesehalle), Wild lech („Theodor Herzl"), Lö w („Jvria"), Th au und Fischer („Bar Kochba"), L i ch t e n st e i n („Kadimah"), N u tz - bäum („Erez Israel"), Rohrli ch (Jordania"), Kaplan („Leo Pinsker"). Auch die Gründung eines jüdischakademischen Zentralvereins und die Schaffung einer jüdischen Akademikerzeitung sowie Bildungskurse wurden angeregt. Die Abstammung ergab die Einhelligkeit der jüdischnattonalen Studenten und die BeUitigung des Ausschusses, der aus den Herren Löhner („Kadimah") Obmann, Schlesinger (Redehalle), Obmannstellvertreter, Gottfried („Theodor Herzl"), Schriftführer Fisch! („Unitas") und Rohrlich („Jordania") besteht. Literarischer Gesclligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" in Wien. Sonntag um halb 4 Uhr nachmittags findet im Vereine „Moria", Kongretzbureau, Tüvkenstratze 9, sine Vorlesung aus der Jargonliteratur statt. Gäste willkommen. Die Wiener zionistischen Korporationen an die Verteidiger von Hornel. Die Wiener zionistischen akademischen Korporationen haben folgende Resolution beschlossen: »An die Hochwohlgeborenen Herren Verteidiger der Juden im Homeler Prozesse. Wir erlauben un», Ihnen die Resolution, die am 15. Jänner 1905 von allen zionistischen akademischen Korporationen angenommen worden ist, bekanntzugeben: Die Vertreter der zionistischen akademische« Korporationen Wiendrücken den Verteidigern der angeklagten Juden und den Anwälten der Zivilkläger am Homeler Prozesse ihre Sympathie und wärmste Anerkennung aus für ihr tatkräftiges und mannhaftes Eintreten für Wahrheit und Licht in dieser russischen DreyfuSaffäre. Wir verbeugen uns vor Ihrem Bestreben, die systematische Verletzung des Menschenrechte» und der Menschenwürde zu bekämpfen, und bewundern die Ausdauer und Aufopferung, mit welcher Sie auf Ihrem Posten ausharrten. In der Tatsache, daß Sie den Saal des Gerichtes verließen, welches die Verurteilung der Homeler Juden für ihren rühmlichen Versuch, ihr Leben und Ihre Ehre zu verteidigen, sich zu» Zwecke gemacht hat, sehen wir einen Protest gegen die Rechtsverletzung und die Verhöhnung der menschlichen Persönlichkeit. Wir schließen uns diesem Proteste an, in der Ueberzeugung, daß nicht nur die jüdische Gesellschaft, sondern die gesamte gebildete Menschheit Ihr Vorgehen anerkennen wird. Für die Korporationen „Bar Giora", „Bar Kochba", „Erez Israel", „Jordania", »Jvria", »Kadimah", „Leo Pinsker", »Maccabäa", „Theodor Herzl", „Theologia", „UnitaS": pdij. Gottfried Marek hir. Fritz Löhner Schriftführer Präses der Organisation. Miskolcz. Die hiesige Ehewra Kadischa hat in einer jüngst stattgehabten Sitzung beschlossen, das neuerbaute jüdische Krankenhaus am 1. Februar seiner Bestimmung zu übergeben, Das neur Krankenhaus ist allen Anforderungen entsprechend musterhaft eingerichtet. Die Eröffnung wird ohne jede Feierlichkeit vor sich gehen. Eperjes. Der hiesige israelische Frauen» verein feierte das 60jährige Jubiläum seines Bestandes durch einen Festgottesdienst tu der Synagoge. Räbbiner Dr. Mayer Austerlitz hielt eine schwungvolle Festrede. Der Chor trug &eu Hymnus und einen Choral vor. Die Festveriamm» lung eröffnete Präsidentin Frau Dr. Theophil Rosenberg, worauf Sekretär Dr. Josef Provper in knappen Zügen die Geschichte des Vereines skizzierte. Zur Verewigung des denkwürdigen Tages in der Geschichte des Frauenvereines wurde einstimmig die Errichtung einer Volksküche beschlossen.

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