Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 4 (27.1.1905)
- Date
- 1905-01-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 4 scheu Kolonkalgesellschast Fürst Wrede und dessen Gemahlin, die Hofräte v. Becker, Nechivalsky, v. Sachs und deren Frauen, Ober- Landesgerichtsrat v. Neubauer, Dozent Dr. G rü n f e l ö, General v. Obermayer, die Professoren Dr. Kanitz, Antscherl, Ltppmann, Rabbiner Dr. Kamtnka, akademischer Maler Kurtz, Baronin M o r am eh - D ie r - kes, Dr. Zins, Kohn, Bräun er und Scho ist ein, Baurat Riedl, die Industriellen B u j a t t i, Fürth, Kohn, Stern, öle Präsidentin des Wiener Hausfrauenoeretnes und verschiedener anderer Frauenvereine rffw. Bei Eröffnung der Versammlung hielt Präsident Brohem unvergeßlichen und verdienstvollen Vereins>- mitgliede und Förderer kaiserlichen Rat Heinrich K l i n g e r einen warmen Nachruf. Wien. s„E s r a", Verein der Neligionslehrer der tsrael. Kultusgemeinde.) In der am 21. üs. stattgehabten Generalversammlung wurden folgende Herren in die Vereinsleitung gewählt: Obmann: A. Rotter, Obmannstellvertreter: Dr. I. Weiß, Kassier: L. Wiesner, Schriftführer: Dr. M. Rosenfeld, Beiräte: W. Dreier, M. Stengel, M. Rindskopf. Wien. (Liter. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria".j Sonntag den 31. d. hat Herr Dr. Weisengrün einen Vortrag über das Thema „Der Zionismus am Scheidewege" gehal- . ten. Gerade in dieser düsteren Zeit der inneren Kämpfe im Zionismus, ist es mit Freuden zu begrüßen, ernste, reiflich erwogene Worte eines Mannes zu hören, der sein Denken und Fühlen, seine ganze Individualität, der nationalen Wiedergeburt und Befreiung feines unglücklichen Volkes widmen will. Herr Dr. Weisengrün streifte vorerst die bisherige Tätigkeit des politischen Zionismus bis zum Todes unseres Führers Doktor Herzl und übte gelinde Kritik über manche Uebelstände in der Bewegung, die sich namentlich in der letzten Zeit «immer fühlbarer machen. Der Referent faßte den Zionismus in dr-.i Gruppen zusammen und führte sowohl die Aup.-hten der Ugandrsten, als der Territorialisten und derjenigen ohne jegliches Programm aus. Hierauf entwickelte Dr. Weisengrün mit warmer Begeisterung sein ausführliches ZNkunstsprogramln. Er befaßte sich mit dem Kolonialzionismus, mit der rvirtschanlichen Gegenwartsarbeit in Palästina. Mir lebhaftem Interesse folgten die Anwejenden den Ausführungen und nahmen dieselben ruck großem Beifall auf. Obwohl es zu keiner eigentlichen Diskussion kam, hatte der Redner Gelegenheit, Bemerkungen eines jungen Mannes energisch zu widerlegen. Herr Dr. Weisenqrün schloß mit einem Appell an die „Moria", seine ernsten Bestrebungen zu unterstützen. Die Präsidentrn Frl. Berta Herrmann sagte nach anerkennenden Dankesworten an den Redner ungefähr folgendes:-'Die „Moria" hat sich seit ihrem Bestände, durch die lange Reihe von Jahren, jederzeit dort betätigt, wo edles Bestreben zum Wohle und zur Befreiung des jüdischen Volkes angeströbt wurde. Sie glaube sich ermächtigt, sagen zu dürfen, daß sie auch fernerhin ihre Kräfte daransetzen werde, ehrliches, aufrichtiges Bemühen des Zionismus zu fördern und zu unterstützen. (Lebhafte Zustimmung.) a. n. Wien. (Jsr. Tempel- und Schulverein, 6. Bez., Sturnperg. 42.) Sonntag den 29. Jänner, um halb 3 Uhr nachmittags findet im Vereinslökale 6. Bez., Stumpergasse 42, die 12. ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Verifizierung des Protokolls der 11. ordentlichen Generalversammlung vom 8. Mai 1904. 2. Jahresbericht des Vorstandes. 3. Vorlage der Rechnungsabschlüsse und der Bilanz per 1901. 4. Bericht der Revisoren. 5. Bestimmung der Jahresbeiträge der Mitglieder pro 1908. 6. Wahl der Revisoren pro 1905. 7. Ergänzungswahl v:'N drei Vorstandsmitgliedern und Ersatzwahl für ein Vorstandsmitglied nach 8 31 der Vereinsstatuten. 8. Anträge. Wien. (Einzel verein F ü n f h a n s des „Z i o n".) Am 11. ds. fand in Reumanns Lokal Wien, 14. Bez., Schwendergaffe 1, die 7. ordentliche Generalversammlung des Einzelvereines Fünfhaus des „Zion" statt. Präsident Herr Dr. 5. Krenberger eröffnete die Versammlung und erstattete den Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr, wobei eine kleine Zunahme der Mitgliederzahl konstatiert werden konnte. Den Kassenbericht erstattete der Revisor des Vereines Herr S. Bernhardt. Sodann wurde die Neuwahl des Ausschusses vorgenommen, - wobei die von der Vererrrsleittmg vorgeschlagene Liste einstimmig zur Annahme gelangte. Hierauf referierte Herr Jakob Krausz, Redakteur des „Jüdischer: Bolksblatt" über das Thema „Aus dem Wiener Kultusle'ben". Die trefflichen Ausführungen des Referenten erregten bei den Anwesenden teils Heiterkeit, teils stürmische Entrüstung darüber, daß solche Vorkommnisse, wie die geschilderten, im Wiener Kultusleben überhaupt möglich seien. Dieses vorzügliche Referat klang in dem Satze aus, den nunmehr in der Gemeindestube sitzenden Zionisten Oskar Marmorek, ohne Rücksicht auf die Antezedentien seiner Wahl, nach jeder Richtung Hin zu urtterstützen, damit weder Präsident Dr. Stern, noch Kultnsvorsteher Marmorek die Ausrede haben, für das nationale Kuttusprogramm nichts tun zu müssen refp. zu können, wett Herr Marmorek nicht die Unterstützung seiner Partei besitze. An der sich hieran knüpfenden Debatte beteiligten sich die Herren Dr. Krenberger, Freund, Anton Stern und Dr. Zweig. Herr Grotzmann (orthodox) stellte einen Antrag auf ständige Ehrung des Andenkens deß verewigten Dr. Th. Herzl dadurch, daß ein Verein „Ewel Zion" (Trauer Zions) gegründet wird. Hierauf wurde die Versammlung um 11,80 Uhr nachts vom Vorsitzenden geschlossen. Wien. (Tempelverein des 13. Bezirk es.) Am 28. Jänner d. I. um 8 Uhr abends findet im „Ottakringer Bräu", 13/1, Auhofstraße 2, die außerordentliche Generalversammlung deA „Tempelvereines für den 13. Bezirk der Stadt Wien" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Ausschusses über seine bisherige Tätigkeit. 2. Neuwahl von drei Revisoren. 3. Eventuelles. Krankennnterstütznngsverein „Menschenliebe". Die Generalversammlung dieses Vereines findet Montag den 30. Jänner d. I., halb 8 Uhr abends, im Vereinslökale, 9. Bez., Porzellangasse Nr. 22, Cafe Jägerhoftmit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des^s Vorsitzenden und der Revisoren (Erteilung des/AVsolutoriums): 2. Bestimmung der Monatsbeiträge und Beitrittsgebühr: 3. Wahlen in die Verüinslettung: 4. Statutenänderung: 5. Anträge Md Interpellationen. Der neue Statutenentwurf liegt zur Einsichtnahme an folgenden Stellen/ auf: Im Vereinslokale Cafe Jägerhof, 9.BeM Porzellans. 22, bei Herr»: Jul. L. Löffler, 9. Bez., Hahngaffe 34, und bei Herrn Hermann Tan/tz/ 2. Bez., Pazmaniteng. 16. Wien. (Werein zur Abwehr des Antisemitismus.) Dienstag den 31. Jänner a. c. veranstaltet der Verein zur Abwehr des Antisemitismus: abermals einen Vortrag, und zwar wird der bekannte Schriftsteller Herr E. V. Zenker über „Antisemitismus und R a s s e n t h e o r t e" sprechen. Beginn halb 8 Uhr abends im Saale des Wissenschaftlichen Klub, Wien, 1. Bez., Eschenbachgaffe Nr. 9. Gäste willkommen. Wien, (jüdische To y n b e e h a l lc.) Vortragsordnung: Sonntag den 29. Jänner. Hermann Berliner: Thema Vorbehalten. Montag den 30. Jänner. Vorlesung aus Schiller. Dienstag, den 31. Jänner. Diskussion. Mittwoch den 1. Februar. Dtz I. Samuely: Das Telephon. Donnerstag d«r 2. Februar. Dr. Heinr. Kohn: Vom Urquell des Rechtes. Freitag den 3. Februar. Bibelerklärnng. Samstag den 4. Februar. Konzert. Nochmals die Generalversammlung des „Biknr Chanlim". Wir erhalten folgende Zuschrift: Durch den neben meinem Artikel „Fortschritt?" abgeöruckten offiziellen Bericht des Vereines „Btkur Chanlim" könnten Uneingeweihte irregeführt wertem anzunehmen, daß,sich der offizielle Bericht auch auf mich bezieht Um allen Mißdeutungen vörzMeügM', eMär^ tch,öatz ich dem Bereipsftrefte, den ich nur vom Hörensagen, kenne, umso ferner stehe, als ich nach halbjähriger Abwesenheit erst seit einigen Tagen wieder in Wien weile. Ueber den Wert des offiziellen Berichtes — nebstbei gesagt — mag sich jeder ein Urteil bilden. Diese Umstellung und Verstellung — ohnedies fragwürdiger Natur, sieht in der Praxis so aus, wie Kohn-Komlos. Siehe die „Zeit" vom 18. d. M. unter Vereinsberichten. Dort prangt der neue Name „Krankenliebe". Man muß übernatürliche Sinne haben, um den jüdischen Charakter des Vereines herauslesen zu können. Die Vermessenheit, der rein zionistischen Entrüstung unredliche Motive unterzuschieben, ist bezeichnend .... Jochanan Than. Kolomea. Anfang dieses Monates fand hier die erste Generalversammlung des Vereines „Sofoh Chajoh" im Lokale der hebräischen Mädchenschule „Theodor Herzl" statt. Der Schöpfer der Schule und Begründer des Vereines, Herr Josua Fadenhecht, schiwerte in seiner Begrüßungsansprache die Entstehungsgeschichte und Zweck des Vereines und wies auf die Erfolge der hebräischen Mädchenschule hin. Redner kündigte für den nächsten Sommer die Gründung eines jüdischen Kindergartens an, in welchen» den Kindern schon in ihrer zaricsten Jugend jüdischer Geist und jüdisches Gefühl beigebracht werden soll. Herr Sußmann Fischbach, der dem Vereine urrd der Schule seit Beginn große Opfer bringt, gab Hierauf den Kaffabericht. Sowohl Herrn F a d e n h e ch t wie auch Herrn F i s chbach wurde für ihre Bemühungen und ihre Opfevwilltgkeit der Dank der Versammlung ausgesprochen. Bei der hierauf vorgenommenen Wohl des Ausschusses wurden gewählt: I. Fad enh echt, Präsident, S. Seid mann, Vizepräsident, I. Sokol, Sekretär fstr Polnisch und Deutsch, K. Weitz, Sekretär ftir Hebräisch, Ch. F e l d m a n n. Kassier, L. Jäger, Kontrollor, und die Herren M. S. L i n d n e r, P. H o r o w i tz und Sußmann F i s ch b a ch als Ausschußmitglieder. Der Lehrerverein im 2. Bezirke Wien veranstaltet am 12. Februar b. I. im Festsaale des „Hotel Continental" ein Kvstümkränzchen, dessen Neinerträgnis der Unterstützurrgskaffe des Vereines zufließt. Beginn 9 Uhr abends. Persoualnachrichten. Floridsdorf. Am 20. d. M., abends sowie den dararfffolgenden Samstag den 21. d. M. hielt der Wiener Kantor Eduard Regner in der Floridsdorser Synagoge einen Probevortrag. Wer Gelegenheit hatte, einmal den herrlichen Bariton dieses jungen Kantors zu hören, sich an seiner prachtvollen Koloratur zu ergötzen und den Bortrag zu bewundern, in welchem Herr Regner traditionelle Gesangsweise mit der modernen Richtung zu vereinigen versteht, wird sich nicht wundern, daß Herr R e g n e r auch sein Floridsdyrfer Publikum mit sich geriffen hat. Nimmt man noch hinzu, daß Herr Regner auch als Jude und Merffch seinem Stande zur Ehre gereicht, so wird man den Wunsch nicht unterdrücken können, daß der Beifall, den Herr Regner in Floridsdorf geftnrden, bald zu einem Engagement dieses tüchtigen Kantors führen möge. Wien. (Todesfall.) Kultusvorsteher Baurat Max Fleischer hat einen herben Verlust erlitten. Seine Gattin Regine starb am Dienstaöen 24. d. M. Das Leichenbegängnis -fand am Donnerstag unter zahlreicher Beteiligung der Freunde und Verehrer der Dahingofchieöenen umt des schwerbetroffenen Gatten statt. Dem gramerftillt Leidtragenden, Baurat Fleischer, der sich in den weitesten Kreisen der Wiener Gesellschaft großer Sympathien erfreut, sind aus diesem Anlässe eine große Anzahl von Beileidskundgebungen zugekommen. Pisck. (Todesfall.) Am 16. Jänner fand hier das Leichenbegängnis des tm 78. Lebensjahre verstorbenen Kantors Herrn Markus Rosenfeld statt. Durch mehbals 26 Jahrehatte er in seltener Frische und Rüstigkeit sein Amt ausgeübt und sich die Zuneigung und Wertschätzung aller erworben, was sich auch darin zeigte, daß er nach einer feierlichen Gedenkrede des hiesigen Rabbiners Dr. Friedländer vom Gotteshanse aus unter überaus großer Anteilnahme aller BevölkerungÄreise zur letzten Ruhe geleitet wurde. Verlobung. Fräulein Elsa, Tochter des langjährigen Bedhansinspektors der Schiffschul Herrn HermannK u n st a d t hat sich mit Herrn Ernanuel Kohn, Antiquitätenhändler in München, verlobt. Nyitra. (A u s z e i ch n u n g.) Frau Moritz Weiß, geborene Johanna Krausz, Präsidentin des Levaer israelitischen Frauenvereines, wurde in Anerkennung ihrer Verdienste auf dem Gebiete der öffentlichen Wohltätigkeit vom Kaiser durch Verleihung des g o l d e n e n V e r d i e n stkreuzes ausgezeichnet. Petersburg. Am 11. ös. starb nach schwerer Krankheit der Rabbiner I. L. Alter in Gur. Der Verstorbene war das Oberhaupt der chassidischen Richtung in Rußland und übte hewnders auf seine Gesinnungsgenossen in Polen einen überaus großen Einfluß, und hat sein Ableben die große Zahl seiner Anhänger in tiefe Trauer versetzt. Volkswirtschaftliches. Fusion Pcrlnwo ser-Kaltenleutg eben. (Eigenbericht.) Die Gmeralversammlnng dieser beiden Zementunternehmnngcn, in welcher die Verschmelzung mittels Aktientausches durchgeführt werden soll, findet am 19. Februar d. I. vormittags 10 Uhr statt. Beide Generalversammlungen finden, getrennt voneinander, zur selben Zeit statt. Es besteht nunmehr kein Hindernis, daß die beiden Aktiengruppen Schneller (Perlmooser) und Länderbank (Kaltenleutgeben) miteinander verschmolzen werden. Oesterreichisch-ungarische Bank. (Eig.-Ber.)' Die diesjährige Generalversammlung findet, wie alljährlich, am 3. Februar in den Räumen des Militärwissenschaftlichen Vereines (alter Börsensaal) statt. Während im VorjcchrL die Wogen der nationalen Kämpfe auch in diese rein wirtschaftliche Reichsinstitution hinüberschlugen, dürfte die diesjährige Generalversammlung in Ruhe verlaufen. Die nationalen Gruppen der Deutschen und Tschechen werden wohl auch Heuer an der Generalversammlung teilnehmend doch dürfte es kaum zu lebhaften Debatten kommen. Russische Anleihe 1905. (Eig.-Berü In Berlin hat eine jüdische Versammlung Protest dagegen erhoben, daß Juden sich an der russischen Anleihe beteiligten. Man kann,, dieser Entrüstungskundgebung nur aus vollem Herzen zustimmen. Angesichts dieses Umstan-dtzs wie auch der Zutreiberdicnste, die unter dem 'Schlagworte non ölet für die Emission dieser Anleihe sowohl irr Deutschland wie auch bei uns" gemacht wurden und glücklich dahin führten, daß die Rente mit einem Aufgeld von 1% Prozenr in den Handel kam, mag es als eine moralische Genugtuung empfunden werden, daß diese Emission unter dem Eindrücke der jüngsten schmählichen Ausschreitungen der russischen Selbstherrschaft um 1/2 Prozent unter den Emissionskurs gesunken ist. Dies mag auch als Beweis angesehen werden dafür, daß nicht das legitime Kapital, sondern die gewagte Spekulationssucht es war, die einem so verkommenen Regime einen Milliardenkredit zur Vei> fügung gestellt hat. .