Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 3 (20.1.1905)
- Date
- 1905-01-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches V*lkefckH jN’i\ 3 srdnungsivege unzweideutig feststellen, wo die Deponierung der Arbeitsbücljcr und eventuell auch der Abrechnungen in jenen Millen zu erfolgen habe, in denen eilt Arbeiter das Arbeitsbuch nicht anninunt oder in denen dasselbe dem Arbeiter infolge dessen Abwesenheit nicht ausßefolgt werden kann. Daraufhin erging an das genannte Verbandsmitglied »nachstehender Veftheid des Justizministeriums: „Mit Beziehung auf die Eingabe vom 24. November 1903, Z. 61.610/2 A, teilt dos Justizministerium der geehrten Direktion mit, daß es behufs Lösung der Fragen, die sich bezüglich der Hinterlegung des Arbeitsbuches nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses ergeben halben, umfassende Erhebungen einleiten ließ, deren Ergebnis zur Einholung einer grundsätzliche»» Entscheidung des Obersten Gerichrshofes führte. Laut des angeschlossenen Stückes des Justiznüuisterial-Verordnilugsblattes hat der ObeHte Gerichtshof dieses Gutachten erstattet. Auf Grund desselben hofft das Justizministenum, daß die in der Eingabe der geehrten Gesellschaft beklagte Unsicherheit in der Behandlung der gedachten Fragen in Einkunft entfallen wird." Das in dem Bescheide zitierte Gutachten des Oberste»» Gerichtshofes hat nachstehenden Wortlaut : ,,a) Der Arbeitgeber ist im Falle ordnungsmäßiger Auslösung des Arbeitsverhältnisses nicht verpflichtet, das Arbeitsbuch und die sonstigen Dokumente des Hilfsarbeiters weiter aufzubewahren, auch wenn dieser die ihn», angebotene Aushändigung der gedachten Schriftstücke ablehnt oder das Begehren um Ausfolgung derselben unter Uinständen zu stelle»» unterlassen hat, unter denen er es hätte füglich stellen könne»» und solle»». b) Der Arbeitgeber ist in» Falle des Annahmeverzngcs des Arbeitnehiners berechtigt, das Arbeitsbuch des Hilfsarbeiters, dessen Arbeitsverhältnis ordnungsmäßig gelöst ist, und die anderen bei ihm hinterlegten Dokumente bei einem Dritten zu deponieren, bei welchem deren Abholung nicht mit größeren Schwierigkeiten und Kosten für den Hilfsarbeiter verbünde»» ist, als bei»»» Arbeitgeber selbst, sofern ihm hierbei nicht böse Absicht oder amsallende Sorglosigkeit zur Last fällt. - c) Insbesondere kann die DeponierlMg Zmn Zwecke der Abwendung der in» 8 80, g, Gew.-O. statuierten Haftung bei der Gemeindebehörde des Aufenthaltsortes des Hilfsarbeiters oder bei der für den Arbeitsort zuständigen Gcwerbebehörde oder bei der für de»» Arbeitsort oder die Verwaltung des gewerblichen Unternehmens zuständigen Gemeindebehörde als Polizeibehörde bewirkt werden, vorausgesetzt, daß diese Behörde,» zur Entgegennahme der Schriftstücke bereit sind. d > Unter alle»» Umständen ist aber der Arbeitgeber berechtigt, bei ordnungsmäßiger Lösung des Arbeitsverhältnisses das Arbeitsbuch und die sonstigen Dokumente des Hilfsarbeiters gemäß 8 1426 a. b. G.-B. bei seine»»» zuständigen Gerichte zu erlegen." Vermischte Nachrichten. Auszeichnungen für HaudclsarigesteMe. Tic beliebteste Lüge der antisemitischer» Presse ist die Behauptung, das; der jüd. Arbeitgeber^ feine Angestellten gerne ausbcmte nr»d so oft als nröglich wechsle u»»d auf der anderen Seite der jüdische Angestellte es nicb! lange auf einem'Platze anshalte m»d desbalb nnverläßlich erscheint. Eine tresseirde Widerlegung dieser lügenhaften AnSstreuungerr bildete die vor einiger Zeit seitens des Gremiums im Festsaale des Hauses der Kausmannschast veranstaltete feierliche Ueberreicliuug einer größeren Anzahl von Gremialmedaillen und Tiplonren an Handelsan-- gestellte zur Anertennruig für langjährige, cinein uub dc»n selben Hause gewidmete Dienste. Zn de»» »»»eiste»» dieser Fälle »var entrreder der H a,» d e l s a ,»g e st e l l t e oder der Firma inhalier ein Jude. Die goldene Grenrialnledaille nebst Diplo»»» erhielt Herr Friedrich Kantor, Prokurist unb Kassier der Firma Ettissen n. Schloß (44 Dienstjahre). Je die silber»»e Greniial»»»edaille nebst Diplon» erhielten die Herren: Adolf Feri, Handelsangestellter der Firma H. Engländer u. Söhne (26 Dienstjahre); Josef Kolbenschlag, Abteilungsvorstand der Firrna A. Gerngroß (26 Dienstjahre); Adolf De »lisch, Reisellder der Firma A. Gerngroß (25 Dienstjahre); Josef D i t t m a j e r, Strazzist der Firrna A. Gerngroß (25 Dienstjahre); Moriz F e l d m a n rt, Buchhalter der Firma I. I. Pekel (25 Dienstjahre); Sal. Josef^Gntmann, Kassier und Prokurist der Firma Hernmnn Pottacks Söh»»e (25 Dienstjahre); Karl 54 o l b e n sch l a g, Verkäufer der Firina A. Gerngroß (25 Dienstjahre); Leopold L ö »v i t, Magazineur der Firrna I»,lius Fischl (25 Dienstjahre); Eduard P e ch t l, Kassier der Firnra A. Gerngroß (25 Dienstjahre); Philipp Rose nblüh, Geschäftsführer der Firrna Jgiraz Rosenblüh u. Sohn (25 Dierrstjahre); Joharrn v. Spiegel, Verkäufer der Firma A. Gerngroß (25 Dienstjahre). Je das Ai»erke»»»nmgsdiplom erhielten die Herren: Josef S ch»s ch a »», Ma»»ipula»»t der Firma Ludwig Zwieback »,. Bruder (22 Dienstjahre); Joachim Hoffman»», Disponent der Firnra Hern». Pöllacks Söhne (20 Dienstjahre); Joharrn I e l l i»»e k, Verkäufer der Firma D. Leßner (20 Dienstjahre): Anton O t t o p a l, Ma»»ip»llant der Firrna Lrrdrvig Zrvieback u. Bruder (20 Dienstjahre); Adolf Hilger, Magazi»»e»»r der Firma W. Ster»» (32 Dienstjahre); Sylvester T r ö tz n» ü l l e r, Geschäfte dien er der Firrna Mar Kohn u. Co. (25 Dieirstjahre). Arbeitsstatistisches Amt. Mit der kaiserliche»» Entschließung vom 14. Jänner ö. I. hat das Statut des Avbeitsstatisti'schcn Amtes im Handelsministerium eine bedeutsame Aendernng erfahren. Nach öcm neuen Wortlaute des Paragraphen 5 dieses Statutes wird der Nrbe'ltsbeirat nullmehr ausdrücklich als berufen erklärt, Gutachten abzngcden und Anträge zu stellen in allen Angelegenheiten, »velche das Arbeitsverhülinis, den Ärbeiterschlltz, die Arbeiterversicherung und die Arbeitersl'irsvrge betreffen. Außerdcn» wird die Bestellung von Ersahnränneri» für die aus der» Grupoen der Unternehmer und Arbeiter ernannten Mitglieder vorgesehen. Hiermit nt eine Aktiv»» zum Abschlüsse gelangt, welchd in dem Schoße des Arbcitsrates ihrer» Ursprung hatte und der die übcrivicgende Mehrheit der Vertreter aller Grup- ..Beirates sympatisch gegenttberstand, Miwerridigkeit allseits einpsunden ivrrrde, MrpWWWs'beirat als sozialpolitisches InfvrmationsUW» der Negiermrg ans eine festere Grundlage zu stellen und die bisher vor» ihn» -geübte Tätigkeit arrch »nit dem Statute in volle»»» Einklang zu bringen. Durch die gleichzeitig verfügte Bestellung von Ersatzmcinnern für die Mitglieder der Unternehmer- und Arbeitergrllppe, die ans einen fast eirrstinunig akzeptierten Antrag a»»s Unternehrnerkreiisen znrückzllf,Ihren ist, wird den» vielfach ernpfundenen ttebelsiande, daß in den Sitzungen des Arbeitsbeirates nicht alle Gruppen in der müllschensroertei» Vollzähligkeit vertreten wäre»», abgeholfen. Poale Zivn in Alexandrien. Arn 18. Dezeinber hat sich, »vie der „Jüdische Arbeiter" zu melden weiß, iit Alexandrien (Aegypten) ein Arbeiterverein „Poale Zion" gegründet. Die erste Aufgabe des Vereines bildete die Lösung der Frage, »vas »nit den viele»» Arbeitern zn gesch^re»» habe, welche jetzt täglich nach Alexandrien kommen, da sie nicht na ch Palä stin a 6 ir» e i ngelassen »v e r d c n. Der Verein beschloß, eine genaue Zählung der jüdischen Arbeiter vvrzunehnren, nrn die so gewonnene Liste den jüdischen Gewerbcüreibenden, welche jetzt arabische Arbeiter beschäftigen, z»» empfehlen. Ferner »vilrde sofort ein regelrechter Arbeitsnachweis organisiert. Diese Einrichtungen sind n»n so löblicher, als der junge Verein bisher bloß aus 18 Mitglieder»» besteht und die an ihn gestellte»» Anforderungen sehr große sind. Ans Palästina. Mar» schreibt den» Petersburger „Frajud" ans Palästina: Die Arbeiter, »velche sich voriges Jahr auf der Kolonie „Peitliarh titwah" niederließen, habe»» dort viele Wvhlfahrtselttrichtungei» ins Leben gerufen. Es wurde ein Arbeitsveinnittlungsburea»» errichtet, das eilte, emsige Tätigkeit entwickelt. A»»s»erde»n gibt es ein Hotel für die durchreisenden Arbeiter unb eine billige Miirfjc, ivo man iür wenig Geld gutes Essen üekvlnlut. Im Spitale iverde» die tranken Arbeiter gut verpflegt. I»» letzter Zeit »vurdei» auch Bikdungsvereiue artgelegt. Die Bibliothekel» und Lesehallen sind allabendlich dicht gefüllt. Arbeiterhaushalte. Das Dresdener Statistische Amt ist gegenwärtig »nit der Bearbeitung einer genauen Arbeiter-Hanshaltstatistik beschäftigt, und zwar auf Grn»»d von geführten Hanshaltuttgsbüchern, die all»nvnatlich ansgetansrht wurden und die Zeit eitles.Jahres umfaffeu. Veröffentlicht find hiervon vor» Dr. Wiedfeldt tu den Mitteiilirlgen des Statistische»» Amtes von 87 dieser Bücher die Jnventarien. Diese gewähre» einen interessanten Einblick in die Bedürfnisse der Arbeiterfamilien und die Art ihrer Befriedigung. Von der» 87 Harrshalturkgen verfügten 28 ttver zrvei, 7 über drei heizbare Zimmer, die übrige» nur über ein Zimmer, 8 über keine Küche, un>d doch mußten sie d»»rchschnittlich über 21 Prozent ihres Einkommens für WohnnngSmtete ausgcben, 29 davon 20—25, acht 26—30, acht 80—35, zrvei 35—40, ein Heimarbeiter 41, eine Witwe 4& nnd ein Invalide sogar 68 Prozent. Vermögen, meist Geschäftsanteile von Konsumvereinen, besaßen 44 Familien, Schulden waren »venig vorhanden. Vorräte »vurdcn selten gehalten, sekbst Kohlen und Holz fehlte»» iit 36 Ha»»shaltnngen, wie auch Nähmaschinen in 25 Familien, nnd bei 21 waren zu wenig Schlafrämne vorhanden. Die Bedürfnisse an Mobiliar waren sehr verschieden; geklagt »vird über die Unsolidität der Möbel. Notwendige Wüsche fehlt vielfach, während überflüssige Stücke, z. B. Tischläuser, gehäkelte Decken, im tteberfkusse da si»td. Dies berveist die Notwendigkeit der Errichtung von Hanshaltungsschulen. Die Kleidllng liefert meist das Warenha»ts, Bücher sind reichlich vorhanden, unter den politischen ulld geschichtlichen Schriften überwiegen die soziakdemokratischen Erze»»gnisse. Attszeichnungen für jüdische Gewerbetreibende in St. Lonis. Aus B n d a p e st wird »rnS geschrieben: Obgleich Ungarn auf der Weltall s st e l l»» n g in St. Louis nur in zwei selbstslüirdigeu Gruppen, nttb zwar bildende Künste und Kllnstgeiverbe, vertreten ist, hat dieselbe trotz ihres bescheidenen Umfanges auf kunstgewerblichem Gebiete schöne Erfolge aufzuwetsen. Die Knnstgowerbliche Gesellschaft, die von der Negierung »nit dern Arrangement der »»»»garischen Gruppen betraut »var, erhielt jetzt Nachricht über die den Ausstellern aus Ungarn verliehenen AuSzelchnnngen. Unter den Ausgezeichneten beiftnöen sich verhältnislnäßig viele Juden. Es erhielten »». a. den Grand Prix: A. Bachruch, Max Roth und Julius Jungfer (alle in Budapest). Die golderkeMedaille erhielten: M. Schill e r - Budapest, Eugen Fischer- Herend, Armin »»nd Franz Steiner-Budapest. Die silberne Medaille erhielten: Bukovics »t. K a »»f m a n i», Max Schmidt, Emil Fischer^ Eugen F i s ch h o f, Moriz W i s i »r g e »> I. R a p p a p o r t (B»»dnpest). Berlin. (I»'» d i s ch e Arbeiter k o l o- »»i e.) A»»» Sol»r»tc»g ben 25. Dezember J904 fand im Bureau des Deutsch-.Jsraclitischen Gemeindebundes eine gen»ei»»schastliche (Atzung des Vorstandes, des Wohlfahrtsausschusses und des Komitees der Ehrendamen des Vernns jüdischer Arbeiterkolonie statt. Das zuletzt genannte .Koniitee hat sich unterden», Vorsitz der Frau Maurermeister Adler konstriliert, derer» Stellvcrtrcterii» FrauZ>ln>»a Llpt ist, während Frau Oberlehrer Dr. Schäfer das An»i einer Schriftfi'lhrcrin übernommen hat. Auch, die übrige»» den» Kon»itee «»»gehörigen sechs Dame»» sind größtenteils tutf den» Gebiete der Wohltätigkeitspflege wohl bekannt und es ist z»» erhoffen, das; ihre Tätigkeit z»ignnsten der Arbeiterkolonie recht ersprießlich sein ivird. Hauptsächlich wird >e sich naturgemäß auf das Hauswesen beziehen. lieber das abgelaufene Jahr läßt sich Ersre»»liches berichten. Die Entwicklung der Kolonie ist eine glückliche gewesen. In der Zeit vorn 1. Jänner bis zum 3l. Dezember 1904 sind nicht weniger als 410 Mann neu ausgenommen worden, während 400 die Kolonie verlasse,» haben. Dadurch hat sich der am 1. Jänner 1004 vorhandene Bestand von 71 Mann ans die höchst zulässige Besetzungsziffer hon 00 Mann erhöht. Die DO Insassen fino, wie folgt, auf die verschiedenen Berufszweige verteilt: Dtohrflechterei 22, Stockfabrik 23, Hosenträgerfabrik 7, Bürstensabrik 32, Kolonieschneider l, Hausarbeit 1, »»och keinen» Betriebe fest zugewiesel» 4. Seit Eröffnung der Kolonie sind bereits 032 Man»» ailfgenonunen Ivordei». Der Gesundheitszustand der Kolonisteu ist eu» güllstiger. Hervorznhebenl ist noch, daß sich das Krankenhaus der jüdische»» Gemeinde iit dankenswerter Weise bereit erklärt hat, erforderlichenfalls erkrankte Kolonisten ansznnehwen. Die Ehanukkafeier hat einen schönen und würdigen Verlaus genommen. Znlveildungen sind in letzter Zeit nicht allzu reichlich der Kolonie zugeflossen. Erwähnt sei die Gewährung einer eimualigen Spende von 500 Mark seitens dcs Herrn Bankiers P'aul Jüdel, der die 4»echte eines Stifters erlvorben hat. Die Heilage nächsten Dummer: „Wissenschaft, Kunst und Kiteratnr"