Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1905-01-20 · 3 (20.1.1905) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2432763-2433077-2433080--2767-2436665
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 3 ein Ansehen geben wollen, daß nachdem alle zum Wohls de- Vereines vorgelegten Abänderungen einstimmig angenommen waren, sie beim letzten Punkte den Feldzug eröffnete. Es galt die Umstellung bcziebungsweise Borschiebung des Namens: Währeno bisher »Krankenbesuch" unter „Bikur Chaulim" gestanden, soll von nun ab „Krankenbesuch" über »Bikur Chaulim" oder vor Bikur Chaulim stehen. Seit 35 Jahren besteht ein Verein mit der Benennung: »Kcankeuuuterstützungsvereiu Bikur Cvolim" und nun wird es als minder jüdisch beklagt, weil der Verein „Mäochen- und Fraueuverein Krankenbesuch" (Bikur Chaulim) heißen soll. Die verschwindende Minorität erlag bei der Abstimmung. Sie verfiel aber in ehrliche Entrüstung, weil nun nicht mehr auf eigenes Konto, sondern nach strengem Vereinsgesetze soll gearbeitet werden. Diese Entrüstung war wirklich ehrlich, aber am Unrechten Platze. Die Juden als Vorkämpfer des Deutschtums. (Orig.-Korr. des „Jüd. Volksblatt".) Agram, 16. Jänner. Wie vorauszusehen mar, hat sich die kroatische Presse des vielleicht wohlgemeinten, doch nicht auch gut informierten Artikels bemächtigt, den Herr Heinz Evers unter dem Titel „Die Juden als Pioniere des Deutschtums" im „Berliner Tageblatt" erscheinen ließ. Denn nicht informiert ist Herr Evers, wenn er in den Juden des Ostens darum Träger des Deutschtums sieht, weil sie sich der zwar verdorbenen, mit hebräischen Worten untermischten, immerhin aber deutschen Sprache im Verkehr untereinander bedienen, und falsch ist auch die aus einer schief gestellten Prämisse entwickelte Folgerung, daß diese östlichen Juden, weil sie deutsch sprechen, Handelsbeziehungen vorwiegend mit deutschen Firmen suchen. Die Sprache der östlichen Juden ist nicht die deutsche. Die Juden, die heute den Osten bewohnen, sind zumeist aus deutschen Gebieten gekommen und haben als Verkehrssprache die deutsche mit sich gebracht; das ist richtig. Im Laufe der Jahrhunderte aber hat die Sprache dieser Juden außer einer großen Zahl hebräischer auch viele slawische Worte ausgenommen. Noch deutlicher aber drückt sich die Tatsache, daß diese Judenzwar viele deutsche Worte beibchielten, ben Geist der deutschen Sprache aber aüfgaben, darin aus, daß die Satzbildung dieses jüdischdeutsch-slavischen Jargons eine nahezu rein slavische geworden ist. So wenig es auch zu einer Verschmelzung, Assimilierung der Juden mit den Slaven kam — das ist, bei im Kern des Wesens differenten Nationen in der Geschichte auch nie beobachtet worden — so ist daraus doch ersichtlich, daß die Juden des Ostens den sie umgebenden Slaven innerlich näherrückten, germanischer Art aber völlig fremd wurden. Das sind keine neuen Tatsachen. Bedauerlich ist nur, daß Herr Evers sie nicht kennt, und doch über das Thema schreibt. Um so bedauerlicher, als sie gegen uns Juden von nationalistischer Seite ansgerncht werden. So schreibt der Fiumaner „Novi list“: „Der Artikel des Herrn Evers bestätige nur die Theorie, daß die Juden die Träger des des deutschen Dranges nach Oste:: seien."" „Novi list“ übersieht eben, daß Herr Evers über Dinge schrieb, die er nicht kennt. Denn in Ungarn sowohl als in Kroatien beherrscht der junge Jude die deutsche Sprache heute nicht mehr,als jeder intelligente Ungar und Kroate, und dem „Novi list“ wird es nicht unbekannt sein, daß selbst die ihr nationales Judentum betonenden kroatischen Zionisten ihren Staildpunkt auf dein Kongresse (in Osijek (Eßek) dahin präzisierten, daß ( öffentlichrechtlich in Kroatien nur die kroatische Sprache Geltung haben dürfe. Von einer germanisatorischen Tendenz der südöstlichen Juden zu sprechen, ist um so törichter, als bekannt sein muß, daß die Juden des Balkans die deutsche Sprache in der Regel ar nicht oder nur ganz mangelhaft beerrschen. Daß aber die jüdischen Kaufleute sich meist der deutschen Sprache bedienen, hat seinen Grund barin, weil die deutsche Sprache eben im kaufmännischen Verkehre von Ariern sowohl als von Juden als allgemeines Verständigungsmittel benützt wird. Die wenigen Worte nur Herrn Heinz Evers und der kroatischen Presse. X. Y. Vereinsnachrichten. Wie«. (Verein zur Hebung -er G erv e rb e.) Am Sonntag den 22. Jänner a. c., präzise 7 Uhr abends, findet im großen Festsaale des Niederösterr. Gewerbevereines, 1. Vez., Ej:henbachgasse 11, eine Plenarversammlung des Vereines statt. Tagesordnung: 1. Berich des Vorstandes. 2. Vortrag des Schriftstellers Jacques I a e g e r, Herausgeber des „Wiener Almanach": „Island, das Land und seine Bewohner". (Mit 80 Skioptikvnbil'dern.) Damen und Gäste willkommen. Wien. (I ü d i s H n a t i v n a l e r Arbeiterverein, 14. Bez., Ullmannstraße 31, Kauer- - Hof 10a.) In der Sonntag den 8. ds. abgehal tenen Generalversammlung wurden folgende Mitglieder in den Ausschuß gewählt: Bock, Hafterlik, Re iß mann, Pollak, Klauber, K o p f st e i n, Fried, B u n z l, M e ch o r, R e i ß, S ch n e i d e r. Dem Rechenschaftsberichte entnehmen wir ein Saldo von K 50,29. Die Bibliothek, welche bereits eröffnet wurde, umfaßt 250 Bände. Wien. (Verband der j ü d. Stube ntenvererne Wiens.) Am 16. ds. fand im Kongreßbnreau eine Versammlung der Obmänner sämtlicher jüdischnationaler Vereine und Verbindungen Wiens statt, in der unter dem Vorsitze der Herren jur. Fritz Lö h n e r und ing. Jakob R o h r l i ch nach länger, eingehender Debatte die Gründung einer die gesamte jüdischnationale Studentenschaft Wiens umfassenden Organisation mit Stimmeneinhelligkeit beschlossen wurde. Es traten derselben bei die folgenden Verbindungen und Vereine: Bar Giora, Bar Kochba, Erez Israel, Jvria, llordania, Kaöimah, Lesehalle, Leo Pinsker, Makkabäa, Theodor H e r z l, U n i t a s. Zum Obmann der Organisation wurde jur. Löhn e r, Obmann- Stellvertreter jur. Schlesinger, Schriftführer jur. Gottfried gewählt. Zur Vertretung der Interessen der jüdischen Studentenschaft an den Wiener Hochschulen wurde ein Hochschulausschutz von obigen 3 Herren, jur. Hanns F i s ch l und ing. Jakob R o h r l i ch gebildet. Die Organisation plant die Gründung eines Diskussionsklubs, eines Athletic-Sportklubs, die Zentralisierung der jüdischen Studentenunterstützungsvereine und in s fernerer Zei^bi^Drbanung eines jüdischen Studentenheims^WW' Np endlich' erreichte Friede zwischen BeremM und Verbindungen ein Symptom sein für dgs Wiederaufblühen des Zionismus! Wiem (L it. Ge s e ll igbe itsv e r e i n jttd. M ä d ch e n „M o r i a".) Sonntag den 22. d. M. wird ein Vortrag des Herrn Dr. Paul Weisengrüu stattfinden. Thema Vorbehalten. Beginn präzise halb 4 Uhr nachmittags im Kvngretzbureau, 9. Bez., Türkenstraße 9. Gäste willkommen. Verein der israelitischen Fleischhauer «nd Fleischverkäufer in Wien. Bei der am 8. Jänner d. I. stattgefundenen Generalversammlung des Vereines der israelitischen Fleischhauer und Fleischverkttuser in Wien wurden in den Vorstand gewählt die Herren: Jakob Mittler, Obmann, Sigmund Kornmehl, 9., Obmann-Stellvertret e r, Jakob Frankl, Kassier, Heinrich Lieberm a n n, Alexander 5k l e i n, Schriftführer und zu Ausschüssen die Herren Brrthold G i r st in a n u, Jakob Morgen st er n, Leopold Winter, Jakob K lein, Theodor 5k r a u ß, Sigmund Kornmehl, 2, und Nathan L u st i g. Israelitische KnltuSgenninde Wien. (K o nst i t u i e r u n g der B e z i r k s k o m m is s i o n e n.) Bei der Donnerstog den 12. Jänner 1905 stattgehabten konstituierenden Sitzung sämtlicher Kultus- Bezirkskommissionen wurden gewählt: Für den I. Bezirk: Obmann Dr. Leopold Kohn, Obmannstellvertreter S. Heit, Schriftführer Dr. Jakob Löwinger. Für den II. und XX. Bezirk: Obmann Adolf Schramek, Obmannstellvertreter Markus Bondi, Schriflführer Dr. Josef Winternih. Für den III. und XI Bezirk: Obmann Dr. Jakob Ornstein, Obmannstellvertreter Osias Juer, Schriftführer Adolf Unger. Für den IV., V. und X. Bezirk- Obmann Adolf Lichtblau, Obmannstellvertreter Karl Seligmann, Schriflführer Franz Frankl. Für den VI. und VH. Bezirk: Obmann Dr. Jakob Engel, Obmannstellvertreter S. Steiner, Schriftführer Leo Bauer. Für den VIII. und IX Bezirk. Obmann Donuat Zifferer, Obmannstellvertreter Gottlieb Bettelheim, Schriftführer Jakob Modern. Für die Bezirke XII.—X V.: Obmann Samuel Mohr,Obmannstellvertreter Alexander Hecht, Schriftführer Anton Pick. Für den XVl. und XVII. Bezirk: Obmann Leopold Trebitsch, Obmannstellvertreter: Moriz Pick, Schriftführer Sigmund Schickler. Für den XVIll. und XIX. Bezirk: Obmann Anton Koretz, Obmannstellvertreter: Dr. Ignatz Winter. Schrifcuhrer Ignatz Katz. Personalmchrichten. Heinrich Minger. Vorigen Donnerstag ist in Wien nach längerem Leiden der vormalige Präsident der Wiener Knltnsgemeiude kais. Rat und 1 Kommerzialrat Heinrich Klinge r im 78. Lebensjahre gestorben. Seine hervorragende Tätigkeit auf dem Gebiete des Handels und der Industrie, welche in . mehrfachen kaiserlichen Auszeichnungen und durch Verleihung verschiedener .Ehreustellen die öffentliche Anerkennung fanden, wurde bereits in der Tages- und Fachpresse aus. ftthrlich gewürdigt, uns erübrigt nur noch, den Verstorbenen als Führer der Wiener Jndengemeinde zu kennzeichnen. Kais. Rat Heinrich K l i n g e r strebte stets den Frieden an, doch konnte er mit seinem sanften und friedliebende» Wesen nie seine Macht über seine Kollegen gewinnen, welche notwendig gewesen wäre, um den Frieden in der Gemeinde auch wirklich zu schaffen. Daher kam es, daß die Kurie der H ö h e r b e st e u e r t e n — wie der Verstorben« oft betonte — gegen seinen Willen ins Leben gerufen wurde, und daher kam es auch, daß die letzte Knltuswahl unter seinem Regime gegen seinen Willen jene bedauerlichen Formen annähm, welche die Opposition zum schärfsten Kampfe gegen das herrschende System heransfvrberte. 5kais. Rat Klinge r hat auch sein M ißverg n üg en über die Art und Weise, wie die j ii n g st e R a bbinerw a h l durchgeführt wurde, unumwunden znm Ansdrucke gebracht und betont, daß er gegen diese Cliqueherrfchaft machtlos sei. Wir haben seinerzeit auf diese Tatsachen offen hingewiesen. Mit dem Fortschreiten seiner Krankheit wich mch immer mehr die Widerstandskraft gegen Intrige und Hintertreppenpolitik und schied von einer Stelle, die ihm in letzter Zeit durch seine eigenen Kollegen so arg verleidet wurde. Wir standen, mit dem S y st e nt, das kais. Rat Heinrich K l i n-' g e r mit seinem Namen zu decken gezwungen war, in offenem Kampfe. Dem Menschen und Inden Heinrich Klinger haben wir stets die größte Achtung entgegengebracht und diese Wertschätzung machte es itns zur Pflicht, auch jetzt, da er, der stets das beste für seine Brüder gewollt und angestrebt, unserer innersten Ueberzengung Ausdruck zu geben. Das Leichenbegängnis,' welches am 12. ds. unter ungemein großer Teilnahme aller Bevölkerungsschichten stattfand, gestattete sich zu einer imposanten Kundgebung der großen Achtung, welcher sich der Verstorbene in allen Kreisen erfreute. Das Bild des Verewigten wird nunmehr in der „Ahnengalerie" des Kultusvorstandes Platz finden. Möge ihn nicht das Schicksal seiner Vorgänger treffen, deren Nachkommen heute nicht einmal äußerlich der jüdischen Gemeinschaft angehören. Dadurch wird sein Andenken am besten geehrt sein! Wien. (S i l b e r n e H o ch z e t t.) Am 6. Jänner feierte Herr Kultusvorsteher S. K a u - ders mit seiner Gattin Regine, geborene Schlesinger des Fest der silbernen Hochzeit. Am 6. ds. vormittags schon kamen Herr Dr: Ehrenierl und Herr Ornstein, der Obmann und Schriftführer des Tempelvereines Wien, 3. Bez., Biädukigasse, um dem Jubelpaare zu gratulieren. Herr Dr. Ehrenteil sprach im Namen des obgenannten Tempelvereines tiefgefühlte Worte, die dann vom Jubilar mit herzlichem' Danke erwidert wurde.«. Nachmittags kamen mit einer schönen Zldresse der Simmeringer israelitische Frauenverein (Frau kais. Rat Vogel, Frau Regine Tauber mch Frau Dr. Stern) und gratulierten ebenfalls, worauf Her? KaUders den Damen innigst dankte und seine fernere Unterstützung dem wohltätigen Vereine zusagte. Dann kam der Vorstand des Tempelvereins Wien, 11. Bez., dessen Obmann der Jubilar ist. und sprach der Obmann-Stellvertreter Herr Leop. Weiß rührende Worte des Dankes und brachte die Wünsche des Vereines in vorzüglicher Rede dar. Es schlossen sich dieser Deputation die Herren Dr. I. Ornstein, Jakob Hausner, M. Schwarz, Jgn. Tauber und Max Nemschitz und noch viele andere Herren an. Hierauf erschienen der Obmann der Vezirkskommissivn für den 3. und 11. Bezirk, Herr Dr. Ornstein mit dem Obmann- Stellvertreter Juer und dem Schriftführer Ungar, um dem Jubelpagre zu gratulieren. Herr Dr. Ornstein war zu Tränen gerührt und wünschte seinem Freunde und-dem Vorstände für die Bezirke 3 und 11 alles erdenkliche Gute. Herr Kauders dankte den Herren herzlichst und sagte seine fernere Unterstützung sowohl dem Tempelvereine Wien 11. Bezirk, als auch der Bezirkskommiffion zu. Der Tempelverein Wien 11. Bezirk stellte sich mit einer prachtvollen Adresse ein, die ein wahres Kttnstwerk darstellt. Auch die Simmeringer Chewra Kadischa gratulierte durch ihren Obmann Nenfeld. Samstag vormittags veranstaltete der Tempelverein Wien 11. Bezirk eilten Festgottesdienst im prachtvoll erleuchteten Tempel und wurde der Jubilar zur Thora gerufen.- Herr Kantor Trenhaft verlas einen für den Zweck verfaßten hebräischen „Mischeberach" und der Jubilar verlas dann in echt jüdischer Weise das Maftir. Beim Festgottesdienste waren Herr kais. Rat Friedr. Vogel, Herr Levp. Wolf, Frau Ernst Wolf, der ganze Vorstand und noch viele andere Damen und Herren zugegen. Das Jubelpaar erhielt von nah und fern namhafte Geschenke und Gratulationen. Wir schließen uns mit Freuden diesen Glückwünschen an und wünschen, daß der Jubilar nach wie vor für die Interessen des kvuservativen, nationalen Judentums unerschrocken eintrete. Wien. (T r a u n n g.) Sonntag den 22. ds. um Halb 2 Uhr findet im Tempel 1. Bez., Seitenstettengasse, die Trauung des Herrn Hugo Sin. ger mit Fräulein Josesine Hvsfmann statt. Die Abcudnuterhaltung wird in 5k i r s ch b a u m S Restauration „Hotel du Nord", 2. Bez., Kaiser Jvsefstraße 15, abgehalten werden. I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.