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Jüdisches Volksblatt · 1905-01-13 · 2 (13.1.1905) · page 12

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Jüdisches Yolksblatt Nr. 2 rungSbezirk Pfalz mit 10 500 Juden (vier VezirkSrabbinate). Dann kommt der Reg.-Bez. Unterfranken mü 4200 Juden von 125 000 Einwohnern (sechs Diftriktsrabbinate). Die bedeutendsten Gemeinden sind Würzbuvg (80000 Einw.) mit 8200 Juden, Schweinfurt (16 000 Einw.) mit gegen 450 Juden, Kissingen (500 Einw.) mit 120 Juden und Aschaffenburg (25 000 Einw.) mit 620 Juden. Der Reg.-Bez. Overfranken hat 3600 Juden unter 620 000 Einwohnern. Es bestehen drei Distrtktsrabbtnate und das Staötrabbinat Bayreuth (800 Juden), die größte Gemeinde ist Bamberg mit an 1200 Juden. Der Reg.-Bez. Niederbayern ist dem Distriktsrabbinat Regensburg unterstellt. Er hat unter 700 000 Einwohnern bloß etwas über 300 Juden. Im Regierungsbezirk Oberpfalz leben uMer 570 000 Einwohnern 1500 Juden, davon in der Diaspora 130. Hier bestehen zwei Distrtktsra-bbinate; die größte Gemeinde ist hier Regensüurg (50000 Einw.) mit 600 Seelen. Der Reg.- Bez. Schwaben zählt 2100 Juden bet einer Gesamtbevölkerung von 180 000 Seelen. Es bestehen drei Diftriktsrabbinate, davon ist Augsburg (65 000 Einw.) zugleich Staötrabbinat (1220 Juden) und Jchenhausen mit 620 Juden zugleich Ortsrabbinat. Außerdem befinden sich hier vier kleinere Rabbinate, die von den Distriktsrabbinery verwest werden. — In Baden leben unter 1600 000 Seelen 28000 Juden. Die oberste jüdische Behörde im Großherzogtum bildet der Großherzogl. Oberrat der Israeliten. Es bestehen 12 Bezirks- und 2 Ortsrabbinate (Karlsruhe, Mannheim). Die größten Gemeinden sind Mannheim (160 000 Einw.) mit 6600Juöen, Karlsruhe (100000 Einw.) mit 2400 Juden, Heidelberg (42 000 Einw.) mit 900 Juden, Bruchsal (800 Seelen), Breisach (an 500 S.), Freiburg i. B. (1100 S.), Konstanz und Pforzheim (je 600 S.). — Im Großherzogtum Hessen wohnen unter 1100 000 Einwohnern 25 OOO Juden. In den drei Regierungsbezirken bestehen 8 großherzogltche Rabbinate, davon 3 im Reg.-Bez. Starkenburg, 1 in Oöerheffen und 4 in Rheinheffen. Die größten Gemeinden sind Mainz (90 000 Einw., davon 4400 Juden), Darmstaöt (bei 75 000 Einw. 1400 Juden), Gießen (bei 28 000 Einw. 900 Juden). Bingen (10000 Einw., davon 600 Juden), Worms (45 000 Einw., davon 1250 Juden) und Offenbach (55 000 Einw., davon 1250 Juden). Ein Prachtexemplar. Aus Mähr.-Ostrau wirÄ uns geschrieben: Einer der hiesigen russischen Emigranten erkrankte in Ostrau sehr schwer. Ein Herr des hiesigen Hilfskomitees nahm sofort einen Wagen und fuhr mit ihm in das Kaiser Franz Jose^-^'^ 'läumsspital. Dort stellte er * .a^gem Warten dem inspizierenden Arzte Dr. Schmelz vor und bat, den Schwer-kranken und offenkundig Spitalsbedürftigen aufzunehmen. Herr Dr. Schmelz besaß aber die Fr—eiheit, in unmotivierter Erregung folgendes zu erwidern: „Solche E x e m p l a r e haben w i r hiergenug. Jchbrauchedasleere Bettfürandere Kranke." Trotzdem ihn der Vertrauensmann nochmals ruhig bat, den Schwerkranken, der doch anderswo keine Pflege finden kann, aufzunehmen, weigerte sich dev genannte „feine" Arzt, zahlungsunfähige „Exemplare" aufzunehmen. Auf die Bemerkung des Begleiters, daß er sich hierüber beim Bürgermeister beschlveren werde, erhielt er die taktlose Antwort: „Jetzt nehme ich ihnerstrechtnichtau fl" Es blieb dem Vertrauensmann, den wir persönlich kennen, nichts übrig, als den Emigranten wieder zurück in die Baracke zu führen. Dieses Vorgehen ist nicht genug zu brandmarken. Der Herr Tr. Schmelz darf sich ja privatim allerlei Gassensport, also auch den des Antisemitismus, erlauben, keineswegs aber darf er dies in seiner Eigenschaft als humaner Arzt und noch viel weniger als Spitalsarzt, also als Arzt eines Institutes, zu dem die Juden nicht gerade den mindesten Geldbetrag gespendet haben. Die Bezeichnung „Exemplar" ist total unmotiviert. Stammt doch Herr Dr. Schmelz nicht aus Os w i e n c z i m, sondern ließ sich dieses saubere Prachtexemplar von einem Arzt am letzten Roschh a s ch o n o h f e st e taufen. Wir bewußten Juden sind wahrlich froh, daß solche Individuen nicht mehr unserem Stamme angehöven, denn das wären nur faule Aeste, die abgesägt werden müssen. Wir raten dem Herrn Schmelz, seine rassenfeindlichen Instinkte wenigstens hier in Ostrau hübsch in seiner „teutonischen" Brust zu lassen; im Gegenfalle würde er sehr schief fahren. Hier in Ostkrau bedeuten die Juden noch eine Macht, die der genannte Herr sehr unangenehm zu fühlen bekommen würde. Im übrigen erwarten wir, daß die Affäre von den jüdischen Gemeindemitgliedern öffentlich aufgerollt und erörtert wird, um so mehr, als wir knapp vor den Gemeindewahlen stehen, wo die Juden aller Voraussicht nach wieder das Stimmvieh abgeben sollen. Na—. Berlin. Bei den R«präs«ntantenwahlen in der jüdischen Gemeinde haben die Kandidaten des Liberal-ü Vereines gesiegt. M.erhielten Stimmen: Die Herren Moritz Mannheimer 5852. Louis Sachs 5766. Professor Dr.Blaschke 5637, Kommerzienrat Friedländer 5635, Doktor Minden 5618, Stadlrat Dr. Weigert 6575, Justizrat Dr. Veit Simon 5572, Professor Dr. Kalischer 6521, Professor Dr. Geiger 6619, W. Loewenthal 5517, Ad. Mayer 6503. Diese elf Herren sind als Repräsentanten gewählt. GS folgen die Herren: BenaS Levy mit 6494-, Dr. Feilchenfeld 6491, Emil PincuS 5491, Moritz Rofenow 6488, Louis Ed. Sachs 6472, f. Schlochauer 6381 Stimmen. Diese sechs erren sind als Repräsentanten-Stellvertreter gewählt. Die Kandidaten des Zentralverems für die Interessen der jüdischen Gemeinde haben erhalten, und zwar dis Herren: Prof. Dr. Landau 3350, Kommerzienrat Bertbold Israel 3330, Löwenberg 3274, Dir. Sachs 3255, Prof. Dr. Pagel 3237, Justizrat S. Neumann l. 32! 8, Wassermann 3185, Schwarz 3185, Schwarz 3134, Lewin 3134, Dr. Steinthal 3185, Selig 3688, Dr. Israel 3065, Lewinski 3063, Seligsohn 3063, Jaffa 3051, Beer 3021, Kirchstein 3005 Stimmen. Wissenschaft und Glaube. Karl Weigerts Tod hat nachträglich in der medizinischen Fachpresse einen Disput verlaßt. Die Biographen des verdienstvollen Gelehrten waren um die für die deutsche Wissenschaft so beschämende Tatsache, daß nach seines Lehrers Cohnheim Tode für einen der hervorragendsten Pathologen seiner Zeit kein akademischer Wirkungskreis sich fand, mehr oder minder scheu herumgegangen, obgleich der rvahre Grund hierfür, die Konfesstonalität Weigerts, die er nicht ändern wollte, unter den Fachgenoffen eine längst bekannte Tatsache ist. Darob von einem Kenner der Vorgänge, die sich damals hinter den Kulissen ab spielten, zur Rebe gestellt, macht Pros. Lubarsch, einer der Biographen Weigerts, zur Entschuldigung des damaligen Verhaltens der Leipziger Fakultät geltend, daß „es in Sachsen, ebenso wie in Mecklenburg und Braunschweig ausgeschlossen war und noch ist, die Anstellung eines Juden zum besoldeten Staatsbeamten durchzusetzen,' (!) in Mecklenburg wie auch in Braunschweig teilen die Katholiken dieses Schicksal. (?) „Deswegen", so fährt Lubarsch fort, ,/waren auch die Versuche von Ernst Leberecht Wagner (seinerzeit ein sehr bekannter Kliniker), der beim König mehr galt als die gesamte Leipziger Fakultät, durch persönliche Vorstellungen für Weigert etwas zn erreichen, erfolglos." Das genügt! I» die Budapester Advokaten-Priifnngskommission sind für das Jahr 1906 u. a. auch folgende jüdische Advokaten gewählt worden: Max Berger, Alfred Bunzel, Sigmund Eisker, Wilhelm Fried, Sim. Gold, Karl Gräber, Emil Glücklich, Ernst Grä n e r, Heinrich Hirschler, Bela Löwy, Ludwig L o s ch t tz, Simon M e s s t n g e r, Samuel Oesterreicher, Max Oedöft, David Pap und Soma V i s o n t a t. Die Keiiage zur nächste« Kummer: „Handel und Oemerde" und „Der Arbeiter". Ungarische Allgemeine Creditbank. KUNDMACHUNG. Die am 5. Jänner 1905 abgehaltene außerordentliche General-Versammlung der Aktionäre der Ungarischen Allgemeinen Creditbank hat die Erhöhung des Aktienkapitals van: 17 Millionen Gulden bezw. 34 Millionen Kronen auf 44 Millionen Kronen im Wege der Ausgabe von 25.000 Stück mit 400 Kronen volleingezahlter neuer Aktien beschlossen und zugleich bezüglich der Ausübung des laut Artikel 9 der Statuten den Besitzern der alten Aktien zugesicherten Bezugsrechtes folgende Modalitäten festgesetzt: 1. Die Aktionäre haben unter den weiter unten folgenden Bedingungen im Verhältnisse von siebzehn alten zu fünf neuen Aktien das Bezugsrecht auf die neuen Aktien. Sich ergebende Aktienbruchteile werden nicht berücksichtigt. 2. Für die seitens der Aktionäre auf Grund ihres Bezugsrechtes zu beziehenden neuen Aktien sind per Stück dem vollen Nominalwert entsprechend X 400.— und für den Reservefonds X 300.— einzuzahlen, ferner die vom 1. Jänner 1905 an bis zum Tage der Einzahlung nach den obigen Beträgen gerechneten 5proz. Zinsen zu berichtigen. 3. Behufs Geltendmachung dieses Bezugsrechtes sind die alten Aktien in Begleitung von zwei Nummernverzeichnissr» — zu welchen Formularien bei den Anmeldestellen unentgeltlich zur Verfügung stehen — in der Zeit vom 4. bis 18. Februar 1905 zum Zwecke der Abstempelung in den bei jeder der nachgenannten Stellen üblichen Geschäftsstunven vorzuweisen in Budapest bei der Kassa der Gesellschaft; in Wien bei der K. k. priv. Oesterreichischeu Creditanstalt für Handel und Gewerbe; bei dem Bankhanse S. M. von Rothschild; in Berlin bei der Direktion der Discouto-Gesellschaft; bei dem Bankhause S. Bleichröder; in Frankfurt a. M. bei der Direktiou der Drsconto-Gesellschaft. 4. Zugleich mit der Anmeldung des Bezugsrechtes sind bei der Anmeldungsstelle für jede zu beziehende neue Aktie für den Reservefonds X 300.— nebst 5 Prozent Zmsen nach diesem Betrage vom 1. Jänner 1905 bis zum Anmeldungstage einzuzahlen. Jeder Aktionär, welcher sein Bezugsrecht bis zum obigen Termine und in der vorerwähnten Weise nicht auSübt, wird des Bezugsrechtes verlustig. 5. Die seitens der Aktionäre vorgewiesenen Aktien werden von der Anmeldestelle mit folgender Klausel „Elvöteli jog gyakorolva, 1905. Bezugsrecht ausgeübt" abgestempelt und nach erfolgter Abstempelung dem Aktionär samt einem Exemplar des Nummern-VerzetchnisseS, auf welchem der Betrag der auf das angemeldete Bezugsrecht entfallenden neuen Aktien verzeichnet wird, zurückgegeben. Gegen Rückstellung dieses Scheines und gegen Zahlung des Kapitalsbetrages von je X 400.—., zuzüglich 5 Prozent Zinsen vom 1. Jänner 1905 bis zum Uebernahmstage, werden die neuen Aktien mit Coupons per 1. Mai 1906 acht Tage nach der Abstempelung ausgefolgt. 6. Dieser Kupitasbetrag ist bei sonstigem Verluste des Bezugsrechtes sowie des laut Punkt 4 für den Reservefonvs entrichteten Betrages bis längstens einschließlich 31. März 1905 auf einmal an derselben Stelle, an welcher die alten Aktien abgestempelt wurden, einzuzahlen. 7. An den deutschen Stellen werden nur mit dem deutschen Reichsstempel versehene neue Aktien auögegebett. Die Kosten des deutschen Reichsstempels haben die Aktionäre zu tragen. 8. Die Besitzer der neuen Aktien nehmen vom 1. Jänner 1905 an an dem GeschäftSergebnisse sowie an sämtliche» den Aktionären zukommenden Rechten in gleicher Weise wie die Besitzer der alten Aktien teil, nur steht den Besitzern der neuen Aktien bezüglich der Verwendung des im Jahre 1904 sich ergebenden Geschäftsergebnisse- sowie bezüglich der da- Jahr 1904 betreffenden JuhreSrechnungen und Bilanz ein Stimmrecht nicht zu. 9. Die außer dem Nominalwerte der Aktien für den Reservefonds geleistete Zahlung wird — nach Abzug der mit der Emission der neuen Aktien verbundenen Spesen —dem Reservefonds zugeschlagen werden. Budapest, den 5. Jänner 1905. Ungarische Allgemeine Creditbank.

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