Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr, 2 Vom zionistischen Distriktskomitee für Böhmen. Das gefertigte Dist-riktskomitee hat in Erfahrung gebracht, daß ein Herr Robert G u t t m a n n aus Prag sich als Bertrauensnmnrt 'der zionistischen Partei ausgibt und Sammlungen angeblich für zionistische Zwecke vornimmt. Das Distriktskomitee teilt mit, daß Herr Guttmann von niemandem dazu berechtigt wurde und mit der zionistischen Partei in keiner Verbindung steht. Das zionistische Distriktskomitee für Vöhmeit. Politische Gegenwartsarbcit in Galizien. Ter Lembcrger „Wschod"" bringt in der letzten Dezembernummer an leitender Stelle unter dem Titel „Die heutige Lage im Zionismus" einen Artikel, der im großen und ganzen folgendes ausführt: „Der Herzlsche Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich-gesicherten Heimstätte in Palästina. Um zu diesem Ziele zu gelangen, ist es norwendig, daß das ganze Volk seine heutige Lage versteht. Das kann aber nur dann geschehen, wenn der Zionismus irt den politischen Kampf eintritt. Wenn inan mit dieser Arbeit in Galizien, wo die Juden einen großen Teil der Wählerschaft repräsentieren, schon vor Jahren begonnen hätte, dann stünden wir heute anders da. In Rußland, wo sich der Zionismus an der revolutionären Agitation des „Bund" und der „Poale Zion" beteiligt, wächst die Bewegung von Tag zu Tag ... Es heißt vor allem, unseren armen Brüdern Rechte verschaffen. Nur durch die politische Macht können wir dem Antisemitismus wirksam entgegenzutreten ..." Der Schluß des Artikels lautet: „Das Endziel des. Zionismus wird und muß Palästina sein. Doch heißt es jetzt die Massen vorbcreiten, sie organisieren und sowohl ihr wirtschaftliches. als auch ihr geistiges.Niveau heben. Also vor allem muß um politische Rechte für das jüdische Volk gekämpft werden!" Ung.-Brod. Am 27. Dezember fand hier die von der „Achiwah" veranstaltete Matkabäerfeier statt, die einen überaus günstigen Verlauf nahm. Med. I. L ö w y eröffnete den Abend mit einer Begrüßungsansprache, in welcher er auch des verstorbenen Führers in warmen Worten gedachte. Hierauf hielt das Mitglied des L.--K. Arthur Freud die Makkabäerrede, worin er die Zustände in Inda von einst und jetzt gegenüberstellte, bas Chanuka als das Fest des modernen Judentums darstellte und die Entwicklungsgeschichte des zionistischen Gedankens bot. An der Debatte beteiligten sich von orthodoxer Seite die Herren Jakob S. Schön und Karl Beck. Man mutz bemerken, daß die Orthodoxen sich zum Zionismus nicht mehr so ablehnend verhalten wie früher. Küktusvorstand M. B r a m m e r versicherte die zionistischen Studenten der Sympathien der Gemeindeleitung, dies leider in einem Tone, den auch der Referent in seinem Schlußworte entsprechend zurückwies. Musik- und Gesangsvorträge sowie Vorlesungen und Rezitationen vervollständigten das Programm de Abends. Tie Feier war zahlreich besucht und nahm euren durchaus würdigen Verlaus. Für den Nationalfonds wurde eifrig gesammelt. Es steht zu hoffen, daß die zionistische Idee auch in unserer Gemeinde festen Fuß fassen wird, zumal da die studierende Jugend fast durchwegs in unserem Lager ist. Die Chargemvahlen der „Achlwali" ergaben folgendes Resultat: A. Freud, Präses, B. Gansl, Vizpräses, K. Sonnenfeld, Schriftführer. Vereiusnachrichten. Wien. Der Mädchen- und Frauenverein „Bkkur Chaulim" (Krankenbesuch) hat für Sonntag den 15. Jänner eine außerordentliche Generalversammlung im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, einberufen, um Vorschläge zur Aenderung der Statuten vorzulegen, da die bisherigen der Ausdehnung des Vereines nicht mehr genügen. Nebenbei Bericht über die bisherige Tätigkeit. Zahlreiches Erscheinen der p. t. Mitglieder im Interesse der guten Sache sehr erwünscht. Der. Vorstand. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Mvri a" hat Sonntag den 8. d. M. seine statutenmäßige 19. Generalversammlung abgehalten. Nach Verlesung des Rechenschaftsberichtes, der eine erfolgreiche Tätigkett und wachsenden Fortschritt des Vereines nachgewiesen hat, wurde dem abtretenden Ausschüsse das Absolutorium unter anerkennenden Dankesworten erteilt. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Zur Präsidentin wurde einstimmig Frl. Berta Herrmann wtedergowählt, Vizepräsidentin Frl. Helene Pasternak, Kassierin Frl. Henriette Sternberg, erste Schriftführerin Frl. Thekla Blech, zweite Schriftführerin Frl. Rosa Horowitz, Bibliothekarin Frl. Regina Kanner, ferner Frl. Helene Schlesinger, Frl. Frieda Ettelberg. Hum. Geselligkeitsverein der Nikolsburger in Wien. Morgen, Samstag den 14. Jänner, veranstaltet das Ballkomitee dieses Vereines im großen Saale des Hotel G u t h, 2. Bez., Stephaniestraße 14, einen Unterhaltungsabend mit Vorträgen und Tanz, der infolge der großen Bemühungen der Komiteemttgkieder wohl iuhv schöner sein wird als die letzte, in jeder Richtung gelungeue Veranstaltung,' man erwartet deshalb zahlreiche Beteiligung der Landsleute und aller Gönner des Vereines. Das- Kostümkränzchen (ohne Kostümzwang) zugunsten der armen, in Wien lebenden Nikolsburger findet am 26. Februar 1905 im Hotel „Vayr. Hof" statt. Jur. Wien. (Jüdische T o y n b c e - H a l l c.) Vortragsordnung. Sonntag, 15. Jänner. Adolf Gelber: Dreihundert Jahre Hamlet. Montag, 16. Jänner. Dr. Alexander Hausmann: Der moderne Landkrieg 2. Dienstag, 17. Jänner. S. Abraham: Die Juden und der Alkoholismus. 2. Mittwochs 18. Jänner. Diskussion. Donnerstag, 19. Jänner. M. Berkowicz: Pcrez Smolensky. Freitag, 20. Jänner. Bibelvortrag. Samstag, 21. Jänner. Konzert. Bukowiner Landsmannschaft „Buchenland". Geleitet von dem Bestreben, unseren Mitgliedern außer den gebräuchlichen geselligen Abenden auch geistige Anregung zu bieten, veranstaltet der Ausschuß am 17. Jänner 1905, präzise um 8 Nhr abends, im „Hotel de France" seinen ersten Vortragsabend, an welchem der bekannte Shakespeare- Forscher Herr Dr. Adolf Gelber über „Shakespeares Jude" sprechen wird. Zu Ehren des Vortragenden findet tm Anschluß an den Vortrag ein gemütlicher Festkommers statt. Einladungen für diesen Abend ergehen nur an Mitglieder des Vereines, jedoch sind von diesen eingeführte Gäste herzlichst willkommen. Eintritt frei. Gleichzeitig gibt der Verein bekannt, daß sein Klublokal sich im „Cafe Maendl", 2. Bez., Praterstraße, befindet, woselbst sämtliche Bukowiner Zeitungen ausliegen. Der israel. Frauenverein in der Stadt Weinberge brachte Samstag den 3. Dezember im Sitzungssaals der israel. Kultusgemeinde 80 komplette Winteranzüge für Kinder bedürftiger Eltern zur Verteilung. Am 2. Dezember, dem Jahrestage der Thronbesteigung des Kaisers, werden die Zinsen der Kaiser Franz Josef-Jubiläumssttftung im Betrage von 460 K an 12 arme Familien verteilt. München. Die „Vereinigung jüdischer Akademiker" hat im neuen Semester wieder einen beträchtlichen Zuwachs von Mitgliedern zu verzeichnen. Die Vereinigung veranstaltet nebst wöchentlichen talmudi'schcn Vorträgen auch solche aus jüdischer Geschichte sowie Diskussionen religionsphilosophischen Inhalts. Persoualnachrichten. Wien. (Todesfall.) Die jüdisch-akademische Verbindung „Veritas" in Brünn bringt hiermit ihren' „Alten Herren", inaktiven Burschen und Freunden die traurige Nachricht zur Kenntnis, daß ihr lieber A. H. Ingenieur Otto Neumann Sonntag den 8. Jänner 1905 um 11 Uhr vormittags in Wien plötzlich verschieden ist. Das Leichenbegängnis fand in Wien statt. Prag. (P e r l o b u n g.) Advokat Dr. Leo Schleißner in Prag hat sich mit Fräulein Erna Bloch, Tochter des Herrn Josef Bloch, Prag- Smichow, verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 8. üs. fand inr Bethanse 2. Bez., Gr. Schiffgasse 8, die Trauung des Herrn Joachim Mukden aus Brünn mit Frl. Cäcilie Kun stadt, Tochter des Restaurateurs Salomon K unstadt (Wien, 2. Bez., Schiffg. 6), statt. Berlin. Dem ordentlichen Lehrer, an der Königlichen Akademischen Hochschule für Musik in Charlottenburg, Ludwig Hirschberg, ist der Titel „Professor" und dem Dirigenten des Vlochschen Gesangvereins und des Synagogenchors der Heidereutergasse, Georg Bloch in Berlin, der Titel „Königlicher Musikdirektor" verliehen worden. Volkswirtschaftliches. Wiener Bankverein. Am 10. d. M. fand, wie bereits gemeldet, eine außerordentliche Generalversammlung des Bankvereins statt, um über die vom Administrationsrate beantragte Erhöhung des Aktienkapitals um 20 Millionen Kronen auf 100 Millionen Kronen Beschluß zu fassen sowie die hierdurch notwendigen Statutenänderungen vörzunehmen. Sämtliche Anträge des Administrationsrates wurden von den Aktionären angenommen. Direktor Bauer verliest den Bericht des Administrationsrates, der mit folgendem Passus schließt: „Da es uns, wie wir mit Genugtuung konstatieren können, trotz der vielfachen wirtschaftlichen und politischen Störungen stets möglich war, befriedigende Erträgnisse zu erzielen, so halten wir uns auch für berechtigt, unsere Ueberzeugung dahin auszusprechen, daß auch für das erhöhte Gesellschaftsvermögen eine Verminderung der Rentabilität nicht eintreten wird. Wir hegen vielmehr die sichere Hoffnung, daß angesichts der stetig erfolgenden Ausdehnung unseres Verkehrs, der ständig zunehmenden Klientel unid der sich stets erweitern-ett internationalen Beziehungen unseres Instituts auch die Erträgnisse unseres Unternehmens — falls nicht störende politische oder geschäftliche Ereignisse eintreten — in steigender Richtung sich entwickeln werden. Wir bitten Sie demnach, dem Ihnen unterbreiteten Anträge Ihre Genehmigung zu erteilen. Was den Modus der Begebung unserer Aktien anlangt, so ersuchen wir Sie, denselben vertrauensvoll der Entscheidung Ihres Administrationsrates zu überlassen, und letzteren zu ermächtigen, in der ihm geeignet erscheinenden Art die neu zu kreierenden 60.000 Aktien zum höchstmöglichen Preise zur Beräußernng zu bringen, hiervon den Betrag von 20 000 000 Kronen dem Kapitalkonto und den sich aus dcur Agio ergebenden Betrag, abzüglich der durch die Emission veranlaßten Spesen, dem entsprechenden Reservefonds einzuverleiben." Das neue Wiener Börsenstatut. Wie wir vernehmen, wird die Zustimmung der Negierung zu dem von dre Wiener Börsenkammer im Sommer d. I. ansgearbeiteten neuen Börsenstatut in den erstell Tagen des nächsten Monats herabgelangen. Die wichtigste Aenderung betrifft die Einsetzung einer Disziplinar-Kommission, die gerade in jüngster Zeit sich aus Anlaß einiger Fälle als dringlich erwiesen hat. Türkische Eisenbahnen. Man schreibt aus Konstantinopel: Der Direktor der Eisenbahn Salonichi—Konstantinopel, Herr Alexander Ney, veröffentlicht soeben die statistischen Ausweise über die Ergebnisse des Eisenbahnbetriebes in der Türkei im Jahre 1903, denen wir folgende Daten entnehmen: Die Gesamt-Brntto-Einnahme der Eisenbahnen im türkischen Reiche beliefen sich im Jahre 1903 auf Francs 43 817 000, um Francs 789 000 mehr als im Jahre 1902. Die Linien, welche zu diesem Mehrergebnisse beitrugen, sind: in Europa: die Gruppe der Orientbahnen und die Linien Salonichi^Kvnstantinopel und Salonichi— Monastir: in Asien die Linien Cassaba—A'idtn, Jaffa—Jerusalem, Morsine—Mana und Mudania—Brussa. Die Gamntiefumme, welche der Staat zu leisten hat, ist von Francs 15 512 000 im Jahre 1902 auf Francs 18164 000 im Jahre 1903 gestiegen. Seit dem Jahre 1896 sind die Brutto- E in nahm eil der türkischen Bahnen im steten Steigen begriffen. 1896 betrügen sie noch 33 Millionen, 1900 waren sie auf 36 Millionen gestiegen und beliefen sich im Berichtsjahre schon auf 43,8 Millionen. Es ist dies ein sicheres Zeichen dafür, daß der Wohlstand der Bevölkerung im Wachsen begriffen ist. Im Jahre 1903 hat die Eisenbahnlinie Hamidie—Hedschas in einigen Teilstrecken mit der Beförderung von Frachten und Personen begonnen: da aber die offizielle Eröffnung erst im Jahre 1904 stattfand, werden über diese Bahnstrecke sowie über die ebenfalls erst im laufenden Jahre eröffnete Teilstrecke Koufau—Eregli—Bulgurlu der Bagdadbahn in dem Berichte des Direktors Rey nähere Daten noch nicht veröffentlicht. Geschästsnotizen. Die Möbelindttstrie hat in jüngster Zeit, um dern verfeinerten, geradezu raffinierten Geschmacke des Publikums Rechnung tragen zu können, die größten Allstrengungen machen müssen. Tatsächlich überbieten sich die Möbelfabrikanten in der Herstellung von moderilerl und modernsten Möbelgegenstünden. Daß hierbei der wirklich seine Geschmack nicht immer auf seine Rechnung kommt, ist nicht zu verwundern. Und so sieht man Kauflustige oft von einem Etablissement zum anderen wandern, ohne sich in dein großen Chaos von marktschreierischer Sezession und Geschmacklosigkeit zurechtznsinden. Als einen treuen Wegweiser auf dem Gebiete des feinen Geschmackes in Möbeln aller Art müssen wir daher das reichMrstrierte Album des Möbelhauses I. Heiß, 0. Bez., Porzellangasse 20, begrüßen. Man findet hier wirklich moderne, diskret ausgeführte Gegenstände, bei denen das Moderne nicht auf Ko sie u der Dauerhaftigkeit hervorgekehrt wird. Ein Besuch in diesem Etablissement, auf dessen Inserat wir hier besonders aufmerksam machen, wird sich stets als lohnend erweisen. Die Vesten Herren- und Damenkleider in der fe'infteit Ausführung verfertigt Herr A u g u st Blaschke, Tailor, Wien, 1. Bez., Jasomi r g o t t st ra tz e 6, 1. Stock. Obige Firma zählt heute das vornehmste Publikum zu seinen Kunden. Trotz der guten Stoffe und der Eleganz, in welcher die Kleider ansgeftthrt sind, ist Herr Blaschke auf das -eifrigste bemüht, auch tm Preise mit den erstklassigsten Firmen Schritt zu halten und deshalb auch der große Kuttdenkreis. Erste Wiener Reinigungsanstalt „La Generale", Wien, 1. Bez., Dorotheergafse 7. Unter den vielen Reinigungsanstalten, welche heute tn Wien bereits existieren, oft obige Firma unumstritten die hervorragendste davon. Dies beweist wohl am bestell der kolossaloAbonnentenstand, welchen diese Firma bereits gewonnen hat. Wir können dieselbe der Geschäftswelt nur auf das wärmste empfehlen.