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Jüdisches Volksblatt · 1904-12-30 · 53 (30.12.1904) · page 12

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
53 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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.”\>x fi Jiddisch Tolksblatt Kr. 53 % % . A - *\ ‘-1 '*+$ „fr'» gesehen. „Die Jikden" sind von einem Wiener Theater bereits erworben worden. Bl—l. Dr. L. Ierabek: „Der alte Prager Jndenfriedhof". Verlag B. Kvci. Prag. - Sn der reichen Literatur iiber den alten Jttdenfriedhof in Prag hat uns Tr. Ierabek ein Kunstwerk geschenkt. Tie Bilder, die dem Buche beigegeben sind, veranschaulichen uns diese weihevolle Todesstätte. Wir sehen alte Grabsteine. Bei den meisten ist die Schrift verwischt. Im Sommer grünt und blüht es an diesem traurigen Orte. Die Großstadt, die sich immer weiter entwickelt, ist gleich hinter den Mauern dieses Mysteriums. Wir durchschreiten das Datenfeld. Uns wird so weihevoll zumute. Wir denken an den Erdenlauf: „Ans dein Staube bist dll geboren und zrl Staitb wirst du-" Bl—l. „Der Jude von Konstanz" nennt sich ein Drama, das der vornehmlich als Lyriker und Kritiker bekannte Wilhelm v. Scholz (Sohn des ehemaligen preußischen Finanzministers) soeben vollendet und in München znm Vortrag gebracht hat. Tie dramatische Dichtung wird in der Münchener Presse sehr günstig besprochen. Ueber den Inhalt entnehmen wir der „M. P." das folgende: Im Mittelpunkt der Handlung steht der Jude von Konstanz, ein Aufgeklärter, der, um als Arzt wirken zu können und eine Heimat zu bekommen, die christliche Taufe nimmt. Doch als seine talmudglänbigen Brüder, Geächtete und Geängstigte, von den christlichen Nachbarn bedroht werden, fühlt er seine innere Zugehörigkeit zu dem jüdischen Volk wie einen Schrei nach der Heimat aus seinem Herzen hervorbrechen. Die Inden aber wenden sich von ihm, dem Fluchbeladenen, der ihren Gott verlengnete, und die Christen sehen in ihm nur einen verräterischen Scheinchrrsten, der es heimlich mit den Juden hält. So geht er, weil die Schmerzen seines Volkes, über dessen dumpfe Enge er hinausstrebte, auch seine Schmerzen sind, an dem Zwiespalt seines Innern zugrunde. Jüdische Abende. Es war eine gute Idee, die Vorträge, welche unter dem Titel „Jüdische Abende" seit einiger Zeit hier stattfinden, im Drucke erscheinen zu lassen. Die erste Nummer dieser „Mitteilungen" liegt uns vor. Sie enthält einen sehr instruktiven Vortrag von Mathias Ächer: „Die Sprachen des jüdischen Volkes", einen Auszug ans der Erzählung „Der närrische Batlen" von I. L. Perez und ein Gedicht von Slbr. Reisen: ,/Jch well machen Scholem". Wir wünschen, daß diese Unternehmung prosperieren möge. „Unsere Hoffnung." Die jüngste Nummer dieser Monatsschrift für die jüdische Jugend zeichnet sich durch seinen Inhalt besonders aus. M. Henes schreibt über die Bedeutung des Chanükah, ebenso/A. Freud. Sehr wirkungsvoll ist der Brief Adolf Stands an Hans Herzl. Ferner eiithält die Nummer den ersten Teil eines mit A. Z. S. gezeichneten Artikels Über 'die Erziehüngsftage. Hervorzuheben sind noch die Monvtzraphien Möses Heß von J.Meisel, der Schlutza'rtkkel „Die jüdische Nation" von Rabbiner D. A. Mttes. H. Bergmann: Einiges über das Jüdische, und mehrere Erzählungen von I. L. Perez und A. Reisen. Den Abschluß des Heftes bildet eine Blüten löse des jüdischen Humors von D. Jizchaki. Der "Abonnementspreis dieser Monatsschrift, deren Redaktion und Administration sich Wien, 3. Bez., Untere Viaduktgasse 25, befindet, beträgt ganzjährig K 4.50. jüdische Turnzeitnng". Oktober—Novernberheft 1904. — Das soeben erschienene Doppelheft der „Jüdischen Turnzeitnng", die bön fetzt an im „I ü d i s ch e n B e r l a g e" erscheint, enthält folgende Beiträge: In dem „Ein Angriff ausderdeutschen Turnerschaft" betitelten Leitartikel wird die Stellung der jüdischen Turnvereine zum Deutschen Tnrnerbund auseinandergesetzt und dargetan, daß diepositiven' Aufgaben der jüdischen Turnbeweguug (deren kultureller Wert, insbesondere für das osteuropäische Judentum, noch immer nicht genug gewürdigt wird) die Interessensphäre der ./deutschen" Turnvereine nicht berühren, und daß demnach kein Anlaß vorliegt, das Verhältnis beider OrganifationsgruppFn anders als frenndnachharlich zu gestalten. Sodann schildert Dr. Ludwig' Werner, Wien, den groben propagandistischen" Nutzen der „Jüdischen Schauturnen", gelangt aber ans der Erwägung, daßdie zunächst erforderliche innere Festigung der Vereine unter der allzu Häufigen Veranstaltung solcher Schauturnen stark zu' leiden habe, zu dem Resultat, in Zukunft seltener turnerische Schaustellungen vorzUWhren. Einen, „Die Aufgaben der jüdischen Dir Hritagr jw* Tnrnerschaft des Verbandes der jüdischen Turnvereine" behandelnden lehrreichen Aufsatz von Julius Berger-Köln folgt ein hochinteresianter Artikel des bekannten Dr. Franz Oppenheimer über „Sport". Der vom Standpunkte des Nationalö'konomen »nd Mediziners ans geschriebene Aufsatz ist von geradezu grundlegender Bedeutung und verdient auch schon wegen der geistvolleu Art der Darstellung weiteste Beachtung. Ueber eine im Aufträge der „Jüdischen Tnrnerschaft" nach Westdeutschland unternommene Propagandareise berichtet der Redakteur der Zeitschrift. Der Artikel zeigt, daß die jnngjü'dische Turnbewegnna rührig bei der Arbeit ist. Es folgt sodann „Ein Blick in die Entstehnngsgeschichle der Turngeräte" ans der Feder des in Fachkreisen wohlbekannten Wcttnrners Alfred Flatow, ersten Siegers auf dem deutschen Turnfeste in Hamburg. Eine Reihe von Berichten über die Tätigkeit der einzelnen Vereine. Vücherbesprechungen, Notizen und endlich turnerische Uebungsgruppen bilden den Schluß des 48 Seiten starken Heftes. Das Heft ist zu Prvpagandazwecken in größerer Auflage hergestellt worden. Propagandahefte werden gratis und franko versandt. Das Jahresabonnement auf die „Jüdische Turnzeitnng" (Charlottenbürg, Herderstratze 3—4) beträgt 9 Mark und kann bei der Reichhaltigkeit und der Eigenart dieser Zeitschrift mir empfohlen werben. Löbliche Redaktion! Zu dem interessanten Artikel in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 49 „Die Arche NoahS" wäre folgendes zu bemerken: ES ist nicht richtig, daß man sich gewöhnlich die Arche Noahs als einen kastenähnliche«Körper mit rechteckigem D»rchschnitt vorstellt. Auch ist eS nicht richtig, daß es auf die richtige Deutung des Wortes ,Zohar* ankommt. R a sch i erklärt es mit »F e n st er", und dennoch war nach ihm der Durchschnitt der Arche kein Rechteck sondern ein Dreieck. Ebenso sagt Abarbanell in seinem Thorakommentar ausdrücklich: »Eie hatte nicht die Form eines Würfels, sondern eines Dreiecks mit der Spitze nach oben, damit sie von Wasser und Wind nicht umgeworfe» würde." Er hebt auch besonders die Dimensionen von 30V Länge, 50 Breite und 30 Höhe hervor, als Gewähr dafür, daß sie nicht »mgeworfen werden konnte. Nach Jbn Efra, der „Zohar" ebenfalls mit .Fenster" gibt, hatte die Arche gar die Form einer spitz znlaufenven Pyramide, ebenfalls „damit sie nicht »mgeworfen werde» konnte". Die Fom eines Dreiecks nimmt auch Mendelsoh« an. —■ Was aber die Entdeckung des Herr» .Oberrabbmers Prof. S i m o »s e u - Kopenhagen betrifft, daß „Zohar" soviel wie Dachrücken bedeutet, so Hst diese Entdeckung bereits Schaltens (nach dem Arabischen) gemacht, welche aber Franz Delitzsch mit Recht verwirft. Es ist kaum axznnehmen, daß Herrn Oberrabbiner S i m o n s e n obige Daten unbekannt waren. ES dürste vielmehr die „Boss. Ztg." einem Ignorante» aufgesessen sein. - Rabbi»er Dr. Kaha n-Znaim. Vermischte Nachrichten. Wien. (Bortrag.) Donnerstag den 5. Jänner, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, 1. Bez , Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Doktor M. Grunwald statt. Thema: „Simon von Trient". Eintritt frei ohne Karten. Archäolvgenkongreß. In Athen traten am 17. ös. unter dem Vorsitze des Kronprinzen Konstantin von Griechenland das Organtsations- und Empfangskomitee für den im nächsten Frühjahre in'der griechischen Hauptstadt stattfindenden Internationalen Archäolvgenkongreß zusammen. Gemäß den bisher gefaßten Beschlüssen wird der Kongreß am 7. April auf der Akropolis durch den Kronprinzen eröffnet. Am nächsten Tage beginnen die Verhandlungen des Kongresses, fiir welche acht'Tage in Aussicht genommen sind, in sieben Sektionen. An den Kongreß reihen sich Exkurfionen nach dem Peloponnes, nach Kreta, Hmyrna und nach Kleinasien zur Besichtigung der Altertümer von Ephesus, Pergamos und Milos. Bndapest. Ein hochbegabter junger Maler, Karl Reinhard, der in den Ansstellüngen im Kitnftlerhanse wiederholt die verdiente Aufmerksamkeit aüf sich gelenkt, tritt jetzt mit einem neuen, eigenartigen Werke vor das große Publikums einem lithographischen Kunstblatte von kolossalen Dimensionen,' das eine ergreifende biblische Szene darstellt: „Stammvater Jakob auf dem <Nerbelager/ seinen'Söhnen die Zukunft kündend". Der Borwurs ist' mit seltenem Stikgefü'hl erfaßt und auf Grund mehrjähriger- Studien unter Berücksichtigung der Ratschläge von Fachgelehrten mit außerordentlicher Sorgfalt ausgeführt. Dev Künstler hat diese Original-Lithographie persönlich in der Anstalt des „Athenäum" auf zehtt Steinen hergestellt, Zeichnung und Maleret selber besorgt, sv daß hier nicht eine Reproduktion im landläufigen Sinne vorltegt, sondern jedes dev Blätter als Original zu gelten hat. Reinhard verzichtete bet dem Entwürfe auf jeden wohlfeile» Effekt, ihm war es sichtlich um je schärfere Charakteristik zu tun und diese erreicht er sowohl i» der Gruppierung der Söhne Jakobs als auch i» der Figur des Stammvaters, der erschöpft, halb und halb bereits einer anderen Welt angehörig, die magere Hand ans das Haupt des vor ihm knienden Juda legt. Zu Höupten des Greises stehen die Jüngsten, Jvses in der malerische» Tracht des ägyptischen Vizekönigs — auch in Typus und Haltung von den Brüdern unterschieden — und Benjamin, der weinend die Hände vor sein Antlitz schlägt. Die Köpfe der anderen, eine bewegte, abwechslungsreiche Gruppe bildende» Brüder sind nichts weniger als geschmeichelt; bejahrte Männer von rauhem Gesichtsausdrucke. Die Komposition als Ganzes ist aller Anerkennung wert und in der Farbengebung tritt dem Beschauer eiu ernster, tüchtiger Künstler entgegen. Wir glauben, daß Reinhards Kunstblatt weit« Verbreitung finden wird, zumal die Bezugsbedingungen (Preis 50 K) auch die Zahlung bescheidener Raten zitgestehen. Hamburg. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach Herr Dr. Ackermann aus Brandenburg über „Wesen und Entwicklung der jüdischen Poesie". Redner wies ans dieTatsache hin, daß die alten Israeliten auf dem Gebiete der Musik schon eine hohe Stufe erklommen hätten, wie die fast durchwegs in musikalischem Gewände erscheinenden Psalmen bewiesen. Von der Dichtkunst der Israeliten entwarf er dann ein anschauliches Bild. Sie hatte ihren Ursprung in der Phantasie und dem Empfindungsreichtum, der in den jüdischen Festen nnd Geboten liegt, und gewann ihre höchste Entfaltung in der Zeit der Leiden, aus der die am tiefsten empfundenen „Buß"- und Trauergesänge um den Fall Jerusalems hervorgingen. Die weltliche Poesie, die in den Zeiten des Druckes und der Verfolgung verstummt war, erhob sich zu neuer Höhe auf dem Boden der Duldung und der Freiheit, die dem jüdischen Volke in einzelnen Ländern gewährt wurden. Sie Hielt sich mit sonderbarer Vorliebe an die dem Juden aus seinem Schrifttum besonders naheliegenden Stoffe, der Fabel und dem Gleichnis, fand aber auch in der Naturbetrachtung und in den Stimmungen des Menschengemütes tiefe Anregungen. Die poetischen Leistungen der mittelalterlichen jüdischen Dichter sind zum Teil recht bedeutend. Redner führte einzelne hervorragende Dichtergestalten vor, ausgehend von Elea'sar Kalir, der für die gesamte mittelalterliche Poesie vorbildlich geworden ist, und schließend m.it Jehuda Halevi, der sie zum reinsten Akkord verbunden und ihr einen hinreißenden Schwung verliehen Hat. — Der Bortrag,'der durch Rezitation von Gedichten ergänzt wurde, fand lebhaften Beifall. Rafchi und Mairnorttdes. Dem Andenken dieser beiden Geistesheroen des Judentums widmete, die „Israelitische ungarische Literatur-Gesellschaft" in Bndapest ihren für den 20. Dezemberangesetzten Vortragsabend. Zunächst hielt der Bndapester Seminarprofeffor .'Dr. Wilhelm Bacher eine Vorlesung, in welcher er eine Parallele zog zwWen Rabbi Salomon Jizchaki lRüfchi) und Rabbi Moses ben Maimon (RambaA), und die' verschiedenen Wirkungen hervorhob/welche sie auf. die geistige--Entwicklung ÄeS Judentums ausübten. „Hätte der berühmte Philosoph .Nietzsche", sagte der Vortragende,;,MaiMonides' unsterbliche Werke gekannt, so würde er diesem größten jüdischen ' Religions- Philosophen ttn -„Uebermensch" sicherlich ein ehrendes Denkmal gesetzt haben." Der Vortrag Professor. Bachers hatte auch , eine politische Pointe, Wem '. der als Optimist bekannte Gelehrte darauf hinwies, baß das - philosophische System MatrrwniöeS' seinerzeit eine ihm entgegengesetzte Richtung! -hevvorrief, ohne jedoch > die EtnheitdeS Judentums?, zu» beeinträchtigen. So ist. auch das heutige Judentum, trotzdem in seiner . Mitte verschiedene Richtungen vorhanden find, dennoch einheitlich. Hierauf hielt Oberrabbiner von Gr-BeMkerek Dr. ,Moriz Klein einen ausschließlich dem Andenken Maimonides germdmetett' Vortrag, dem das zahlreich erschienene PMtknm ebenfalls Mil großer Auftnerksamkett folgt«. Dr. Klein zählt zn den b'ekamrtesten Kennern der - matmonidtschen Literatur - und'.-hat auch Me ungarische Ueberfetzung des Moreh Newochim herausgegeben. nSchstrn Nummer: A»»ma«d»r«ng «nd Kolonisation.

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