Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 53 (30.12.1904)
- Date
- 1904-12-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jiidieelies Volksblatt Nr» 53 Gevatterschaft gestanden sind. Würde Se. Ehrwürde» nicht besser tun, wenn er dem Beispiele seine- VorgLn-er» folge« und den verantwortliche« Post«« «ine- Rabbiners verlassen würde? Ueber den Antrag de- Dr. K r a u - entwickelte sich eine sehr rege Debatte. Ewurde für und gegen gesprochen, und hier zeigte esich erst recht, wie tief dajüdische Niveau mancher Anhänger der „Närodni Jednota Ceskozidovskä“ schon gesunken ist. Da» Taufbecken ist nicht «ehr weit... Für da- Hebräische setzte sich energisch Doktor Stein, der Uebersetzer der Gebete in- Tschechische, ei«, außer ihm noch J.-U.-C. SaluS und ein gewesener Religtonslehrer. Schmolkn. Gegen da- Hebräische spräche» der gewesene Landtagsabgeordnete Dr.S ch a r f, Doktor Kafka, Dr. V o h r y f e k, J.-U.-C Guth und J.-U.-C. Müller. Alle Redner der zweiten Gruppe wüte« gegen die noch bestehenden jüdische« Schulen, gegen den in ihnen gepflegten Geist und stellen sich auf de» Standpunkt der entjudenden Reform des Judentums. Der Schlachtruf „Entfernet das Hebräische auallen Schulen" zeigt deutlich das Niveau dieser Reden. Endlich beantragte Dr. Otto Bondy, um die Schlappe, welche sich die Herren Tscheche« mosaischer Konfession uuter sich selbst geholt hatte», zu verdecken, die Veranstaltung einer Enquete unter de» zuständigen Korporationen, was auch sofort angenommen wmde. Wie diese Enquete aussallen wird, können wir schon im vorhinein sagen, da wir hoffen, daß die jüdischen Korporationen etwas mehr jüdischen Geistes besitzen als die Herren von der „Jednota“, Der Kongreß zeigte recht deutlich die Schwäche der ganzen tschechischjüdischen „Organisation". Die Spaltung, welche unter der offiziösen Partei und dem ,RoZvoj" herrscht, ist nicht mehr hintanzuhalten. Noch ein solcher »Kongreß" und die tschechischen Juden habe» gezeigt, daß sie einmal gewesen waren. G. Vereinsnachrichten. Von der Wiener Chewra-Kadischa. Am 27. ös. fand im Sitzungssaale der Kultusgcmeinde eine Delegiertensitzung der Chewra-KMscha statt, in welcher verschiedene, in letzter Zeit aufgetauchte Beschwerden erörtert wurden. Zweck der Sitzung war eigentlich, die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Delegierten anzuhören und aus Grund derselben ein N e g u l a t i v für die Friedhofbediensteten und Funktionäre auszuarbeiten. Nach zweistündiger Beratung beschloß die unter Vorsitz des Präsidenten Salo Cohn abgehaltene Versammlung, auf Grund der vorgebrachten Wünsche ein Memorandum auszuarbeiten und der Friedhofskommission der Kultusgemeinde zu unterbreiten. — Viel besprochen wird ein Zirkular, welches setzt in Kreisen der Chewra-Kadischa die Runde macht und in welchem gefordert wird, daß die von der Chewra veranstalteten jährlichen Requieme abwechselnd in der Inneren Stadt und in der Leopoldstaöt abgehalten werden sollen. Begründet wird dieses Verlangen damit, daß der monotone Gottesdienst, wie er in der Inneren Stadt gewöhnlich „exekutiert" wird, das Publikum eher fernhält als anzieht. Jüdische Toynbeehalle. Vortragsordnung: Sonntag den 1. Jänner. S. Abraham: Die Inden und der Alkoholismus. Montag den 2. Jänner. Dr. A. Hausmann: Der moderne Landkrieg 2. Dienstag den 3. Jänner. S. Bergmann: Kulturhistorische Streifzüge durch zwei Erdteile. Mittwoch den 4. Jänner. Diskussion. Donnerstag den 5. Jänner. Dr. I. Samuely: Japap, Land und Leute 2. Freitag den 6. Jänner. Bibelerklärung. Samstag den 7. Jänner. Konzert. Turnverein „Zion" in Fttnfhaus (Turnlokal: 14. Vez., Mlmannstr. 31, Kauerhof, 10. St.) veranstaltet am 7. Jänner 1905 im Saale des Verbandsheimes 6. Vez., Kasernengasse 7 (Eingang Königseggasse 10) ein Turnerkränz - ch e u, verbunden mit turnerischen Vorführungen und Humoristischerl Vorträgen. Eutreekarten zu K 1.50 (an der Kasse K 2.—), Familienkarten zu X 5.— (an der Kasse K 6.—) sind bei allen Turnratsmitgliedern sowie im Cafe Schwenderhof, 14. Bez., Mariahilferstraße 180, Cafe Westerid, 7. Vez., Mariahilferstr. 124, Cafe Boulevard, 0. Bez., Martahilferstr. 127 erhältlich. Prag. Letzten Mittwoch fand hier im Saale des „Hotel de l'Europe" die Kinder-Chanukafeier des „Jüdischen Frauellvereines" statt. Der Rabbiner Dr. Deutsch hielt die Festrede. Die kleinen Gäste (es waren ungefähr 800 Kinder erschienen) wurden dann mtt einer Jause bewirtet. Zum Schlüsse sprach die BeretnVpräsidenttn Frau R o V t t s ch e k, die die Kinder aufforderte, ihrer unglücklichen, heimatlosen Brüder zu gedenken und zu deren Gunsten dem NattonalfondS einige ihrer Sparkreuzer zu opfern. Jüdischer Gesangverein in Czernowitz. Die Gründung eines jüdischen Gesangvereines steht für öte nächsten Tage bevor. Ein aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung — Beamten, Advokaten, Kaufleute, Vertreter sämtlicher jüdischen Verbindungen — gebildetes Komitee hat die Grüttdungsarbeiten übernommen. Da die Statuten des Vereines bereits bescheinigt sind, dürste die konstituierende Versammlung tu den nächsten Tagen stattfinden. Radautz. (I tt d t f ch n a t i o n a l e r V t l - bungsvereitt.) Dieser Verein, der den Zweck hat, die jüdische Jugend durch geschichtliche und hebräisch-sprachliche Vorträge heranzubilden, hat in seiner kürzlich äbgehaltenen Generalversammlung folgende Herren in den Ausschuß gewählt: stud. jur. Rubin Ln n g, Obmann, jur. Abraham Sommer, Vizevbmann, jur. Moses Rath, erster Schriftführer, ferner die Herren Hermann Feiler, Samuel Harth jun. (Kassier), I. W e i n st e i tt, E. Brender, B. Schärf, I. B r tl ck e r und I. F r ä n k e l. Personalnachrichten. Auszeichnungen. Der Kaiser hat dem N e u t r a e r Großhändler Josef Engel und dessen gesetzlichen Nachkommen für seine auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten und der öffentlichen Wohltätigkeit erworbenen Verdienste den ungarischen Adel mit dem Prädikate „de Paskodar" verliehen. Herr Josef Engel ist schon seit vielen Jahren Präsident der Neutraer Kultusgemeinde, welcher er in den letzten Jahren namhafte Spenden überwiesen Hat. Seiner Muntsizenz sind auch der Vau der neuen jüdischen Volksschule, sowie die Errichtung eines Talmud-Thora-Hauses und ein den modernenAnforderungen entsprechendes jüdisches Siechenhaus zu verdanken. Wir schließen uns den unzähligen Glückwünschen, welche Herr Engel aus diesem Anlasse zukamen, mit Freuden an. Herr Engel ist bereits Ritter des Franz Josefs-Ordens. — Zur selben Zelt kommt auch die Nachricht von der V a r o n i s i e r u n g des Großgrundbesitzers Karl K u f f n e r v« Dioszegh. Belobung. ek Vezir'ksschülrak der Stadt Wien hat mittzls Dekrets Nr. 8262 dem Volksschullehrer Herrn Leopold Gutmann im 5. Bezirke (Schule Matzleinsdorserstraße 23) auf Grund der Jnspöktionsberichte des k. k. Bezirksschulinspektors in Anbetracht der besonders ersprießlichen Dienstleistungen die belobende Anerkennun g ausgesprochen. Prag. (Todesfall.) Am 21. Dezember ist hier der Präses der Landesjudenschaft, Landesadvokat Herr JUDr. Moriz Lichtenstern im 72. Lebensjahre an den Folgen der Influenza gestorben. Seit nahezu 32 Jahren fungierte er als Obmann der Repräsentanz der Landesjudenschaft, in welcher Eigenschaft er an den Versammlungen betreffs der Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen Konfession regen Anteil genommen Hat. Auch im Bunde der israelitischen Gemeinden Böhmens wirkte er seit dessen Bestand als Präsesstellvertreter verdienstvoll. Auch sonst förderte er humanitäre Institutionen aller Art: so war er Direktionsmitglied des Karlsbader isr. Hospitals und gehörte zahlreichen Wöhltätigkeitsvereinen als Vorstandsmitglied und Mitglied an. Dr. Lichtenstern war lebenslängliches Mitglied der isr. theologischen Lehranstalt in Wien. Der Kaiser zeichnete ihn durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josefs- Ordens aus. Bielitz. Der Kaiser hat dem Landesgcrichtsrate und Bezirksgerichtsvorsteher Dr. Hugo Spitzer in Bielitz taxfrei den Titel und Charakter eines Oberlandesgerichtsrates verliehen. Berlin. Bankier Dr. Paul Schwabach in Berlin erhielt vom Sultan den grobherzoglich türkischen Medschidieorden 1. Klasse. Berlin. Der akademische Maler Erich Wolfsfeld aus Krojanke in Posen hat einen Ernst Reichenheim-Stiftungs-Preis im Betrage von 600 Mark für das Jahr 1904/1905 zuerkannt bekommen. Berlin. Die Aerzte Dr. P. Juliusberger und Dr. Jaques Lasch sind zu Sanitütsräten ernannt worden. Paris. Das „Journal officiel" publiziert ein Dekret, wonach Mr. Vergsvn, Professor der griechischen und römischen Philosophie vom College de France, zum Professor der modernen Philosophie, als Nachfolger von Taröe, ernannt wurde. Nom. Am 17. November wurde die Venia legendi erteilt an der Universität in Modena für gerichtliche Medizin dem Dr. Attilio Cevidallt und an der Universität in Catania dem Dr. Azeglio Bemporad. Hamoristisches von der N<che. Bon Jakbat. (Für Hebraisten.) In der letzten Budgetsitzung Häven mehrere Kultusvorstcher sich darüber beklagt, -aß der Kultusvorstand eigentlich nichts anderes tue, als sich mit kleinlichen Personalangelegenheiten abgeben. Die Redner waren in Berlegenheit, wie sie eine solche Tätigkeit benennen sollten. Da fiel mir eine Anekdote öeS vor zwek Jahren verstorbenen Brandes ein. B. ging spät nachts mit dem Lemberger KultuSpräsidentsn von einer Volksversammlung heim. Der Herr Präsident bildete sich viel auf sein hebräisches Wissen ein. Da zog der Abdecker mit seinem übelriechenden Kasten durch die Straße. „Wie würden Sie, Herr Präsident, diese Leute in hebräischer Sprache nennen?" frug plötzlich' Brandes. Der Herr Präsident quälte sich vergMtch ab, bis ihm Brauöes aushalf: „Ganz einfach, -an1? p’pn 'Zvuo.Der Herr Präsident ließ Unseren Brauöes stehen und verschwand im Schatten der Aböeckerwagen. Der „Arbeiterzeitung" ins „Stamm"-B«ch. Wenn du ch r i st e l n willst, j ü b e 1 st du, und so oft du jüdelst — antisemttelstdul Volkswirtschaftliches. Oesterreichisch-Ungarische Bank. Die Direktion Wien hat in der unter dem Vorsitze des Vizegouverneurs Freiherrn v. Wintersteiner gehaltenen Sitzung die Wiederwahl, beziehungsweise Neuwahl für die österreichischen Bankanstalten vorgenommeu. Für die Hauptanstalt Wien wurden die Herren Max Duschnitz, Viktor Lehrner, Oskar Mayer Edler von Gunthof und Leopold Trebitsch zu Zerrsoren ernannt. Die neuen Zehu-Kronerr-Vanknoten. Der Druck) der neuen Zehn-Kronen-Vanknoten schreitet jetzt so rasch vorwärts, daß sich dem Beginne ihrer Ausgabe schon für Errde Feber oder anfangs März entgegensetzen läßt. Bis dahin müssen mit Rücksicht auf die erfahrungsmäßigen Anforderungen des Geldumlaufes die Noten tm Betrage der jewerligru Zirkrrlation dieses Appoints, etwa .160 Millionen Kronen, als auch des gleich höhen Reservevorrates erzeugt sein. Auszeichnung. Der Kaiser hat dertr Generalsekretär des Wiener Bankverein in Wien, Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Adolf Gelinek, das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens verliehen. Der Kriegskredit Rußlands und die Regulierung der Valuta. Aus finanziellen Kreisen erhält die „Volkswirtschaftliche Wochenschrift" folgende interessante Ausführungen, denen wir gerne Raum geben: „Der russisch-japanische Krieg ist nicht nur militärisch sehr lehrreich, er liefert auch den Natioualökonomeu und Finanzmännern Stoff zum Nachdenken. Rußland hat trotz der kolossalen Kriegskosten seinen Staatskredit intakt erhalten und findet nebst seinem unerschöpflichen Menschenmateriale zunreist in seiner Finanzkraft die Möglichkeit, den Krieg noch lange aushülten zu können. Durch ausgiebige Käufe gleich zu Beginn des Krieges gelang es, die Kontremine in russischen Staatspapieren so gründlich einzuschüchtern, daß diese ihre Angriffe nicht mehr zu wiederholen gewagt Hat und öte derart bewirkte Festigkeit der Kurse hat die Besitzer russischer Renten im Anstande, namentlich in Frankreich, so vollständig berrchigt, daß die ausländischen Märkte trotz aller militärischen Mißerfolge sogar für Pie größten Neuemissivnen aufnahmsfähig geblieben sind. Wäre es möglich gewesen, eine für Rußland so günstige Situation auch dann zu erreichen, wenn die russische Valuta nicht durch Aufnahme der Barzahlungen über jeden Zweifel gesichert wäre? — Gewiß nicht. Es wäre keinem Finanzminister möglich gewesen, den Rententurs und den Rnbelkurs gleichzeitig künstlich zu halten. Der Rubel wäre unter dem Eindrücke der Kriegsnachrichten maßlos gesunken, wenn eben nicht die Ordnung der Valuta vorher in gründlichster Weise gesichert worden wäre. Neue Anlehen während des Krieges wären sonst nur unter den ungünstigsten Bedingungen unterzubringen gewesen. Die aus diesen Betrachtungen sich ergebende Nutzanwendung auf unsere Verhältnisse liegt nahe." Budapest. In der letzten Dtrekttonssttzung der Budapester Handelsgesellschaft wurden d«W Mitglieds Großhändler Jakob Beimel große Ovationen dargebracht. Anlaß hierzu hot die fünfzigste Jahreswende des Tages, an welchem Beimel zum ersten Male in die Direktion der Gesellschaft gewählt wurde. Beimel betätigt sich auch auf dem Gebiete des öffentlichen jüdischen Lebens mit großer Hingebung.